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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-11-20 · 46 (20.11.1914) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
46 (20.11.1914)
Date
1914-11-20
Page
– (sequence 5)
Language
German
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N*. 46 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 797 ivorden. Der deutsche Kommandant vermutete, daß sich noch zahlreiche Verräter in diesem Orte befinden und wollte deshalb den ganzen Ort einäfchern. Da begab sich der 75jährige Rabbiner B a m b e r g e r zu dem Kommandanten und bot sich als Geisel an. Gr wies dabei hin auf die Fürbitte des Erzvaters Abraham, als Gott ihm seine Absicht mitteilte, Sodom zu vernichten: „Wenn nur zehn Gerechte inmitten der ^>tadt sind, schone sie," habe Abraham gesagt und dieselbe Bitte lege' er jetzt dem Kommandanten vor und biete sich dafür als Geisel an. Der deutsche Kommandant war. gerührt von dem Anerbieten des heldenhaften greisen Rabbiners, nahm von seinem Beschlüsse Abstand und 'verzichtete auch daraus, ihn als Geisel zu nehmen. Kine Jüdin als Regimentsarzt. Fräulein Dr. Carola Herzfeld, die bis nun als Assistentin bei einem Bndapester Universitätsprofessor als Angenspezialistin arbeitete, wurde mit der Leitung der Augenkrankenabteilung des Bndapester Honvedspitals betraut. Als Assistenten stehen ihr zwei Äerzte zur Seite. Wie ein jüdischer Arzt in Serbien die silberne TapferkeilsmedaM'e erster Klasse erwarb. Von Herrn Professor Szily erhalten wir die Mitteilung: Hochgeehrte Redaktion! Mein zweiter Assistent der Augenabteilung am israelitischen Spital Herr Doktor Julius Kraus dient seit Beginn des Krieges bei der Südarmee. Vor kurzem erfuhren wir, daß er mit der großen silbernen Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet worden sei. Auf die Frage, wie das zugegangen, erhielt sein älterer daheimgebliebener Kollege heute den Feldpostbrief, den ich Ihnen, ohne Wissen des Schreibers, zur Verfügung stelle. Meine Empfindung, hiemit eine Indiskretion zu verüben, wird durch die Ueberzeuguug überwunden, daß erhebende, die intimeren Seiten unseres Heereslebens kennzeichnende individuelle Züge, wie solche sich in diesen schlichten Zeiten offenbaren, dein Publikum nicht vorenthalten bleiben dürfen. Lieber Herr Doktor! Heute habe ich Ihre liebe Karte erhalten. Ich danke Ihnen herzlichst für Ihre liebenswürdige Aufmerksamkeit, desgleichen für Ihre Mitteilungen aus dem Spital. Ich möchte gern für einige Tage nach Budapest kommen, um mir die schönen Dinge und Veränderungen dort anzusehen. Nun will ich in Kürze Ihrem Wunsche Nachkommen und meine „heroische" Tat, wie Sie sie nennen, beschreiben. Natürlicherweise darf ich weder Ort noch Zeit näher bezeichnen. >. Bei einem Vordringen unserer Brigade geschah es, daß unser Regiment in Verfolgung des Feindes zu weit vorgedrungen war, so datz die anderen Regimenter, welche an unseren Flügeln waren, nicht mit uns Schritt halten konnten. Wir dachten aber, mit ihnen in gleicher Linie zu sein. Im Gebirge kann man sich diesbezüglich leicht irren, da man sich ja nicht sieht. Plötzlich fanden wir uns in der Flanke, ■ ja sogar halb von rückwärts von Artilleriefeuer angegriffen. So wurde Abend und wir standen noch immer im Kampf mit einem an Zahl wie an Geschützen weit überlegenen Gegner: unsere eigenen Geschütze waren noch nicht nachgeschoben. Wir verbrachten die Nacht in fortwährendem Feuer, in der steten Hoffnung, datz unsere Nachbarregimenter Vordringen und unseren Gegner aus der Flanke vertreiben werden. Leider geschah das nicht, so datz wir um 6 Uhr früh den Befehl zum Rückmarsch erhielltew Man kann es sagen, datz eine Konzentrierung nach rückwärts, die in Ordnung vor sich gehen soll, weit schwieriger ist als ein Vorwärtsdringen. Um halb 9 Uhr begann die Rückwärtsbewegung. Das erste Bataillon hatte den Befehl, den Feind bis 1 Uhr auszuhalten. Jetzt begann meine Tätigkeit. Natürlicherweise halten wir im Verlause des Kampfes viele Verwundete. Gegen halb 11 Uhr war es mit allem fertig und ich setzte mich mit der Kolonne in Bewegung. Doch war dies nicht so einfach. Wege oder Stratzen gibt es in diesem gottbegnadeten Lande nicht. Auf dem Wege, den wir heraufgekommen, konnte ich mit meinen 150 Verwundeten nicht zurück. Einerseits weil ich dadurch unliebsame Störung verursacht hätte, und andererseits weil Schrapnells und Granaten diesen Weg furchtbar bestrichen und selbst die gesunden und kriegstüchtigen Leute sich nur schwer decken konnten. Ich mutzte also mit Karte und Bussole meine Kolonne einen anderen Weg führen. Es war dies unter den gegebenen Umständen keine Kleinigkeit. In einer unbekannten Gegend im Walde, rechts und links vom Feinde bedroht, blotz mit den Leuten, die ich mir zum Tragen der Verwundeten auf den improvisierten Tragbahren von der Kompagnie genommen^ Ich selbst war bei all dem Optimismus, den Sie ja an mir kennen, fast verzweifelt. Jedoch zeigte ich Selbstvertrauen und versicherte alle, datz wir glücklich ankommen werden. Diesen Marsch will ich Ihnen, wenn mir das Glück beschieden ist, heimzukommen, einmal ausdrücklich schildern. Endlich um 6 Uhr abends kamen wir glücklich an. Ich wurde von allen Seiten beglückwünscht und wollte mich eben zur Ruhe begeben (das erste Bataillon war ebenfalls schon das, als man mir meldete, datz zwischen uns und der feindlichen Stellung ein verwundeter Offizier (mir persönlich sehr befreundet) liegt. Ohne lange nachzudenken und auf meinen guten Stern vertrauend, "beschloß ich, den lieben Freund, wenn es möglich ist, zu retten. Ich nahm zwei schneidige Sanitätler und wir schlichen uns in die Nähe der feind.ichen Stellung und fanden auch richtig den Verwundeten an dem bezeichneten Orte. Auf dem Rückwege verfolgte uns wohl feindliches Infanteriefeuer, aber es tat uns keinen Schaden. Wir kamen glücklich heim. Aus diesem Ankatz wurde ich dekoriert. Ob ich es verdient habe, ist eine Frage für sich. Ich habe nur meine Pflicht getan. Da ich aber die Medaille schon besitze, trage ich sie mit Stolx. Für heute genug. Herzliche Grütze Ihr Kraus. Wubmeslalen eines Kzernowiher fünfzehnjährigen chy mn ast asten. (Aus der „N. Fr. Presse" vom 14. November.) Ein Czernowitzer Kind, ein fünfzehnjähriger Junge, Samuel Holder, ist soeben vom Kriegsschauplatz zurückgekehrt und weilt seit einigen Tagen hier. Er kam nicht gern zurück, er wollte weiter in den Reihen der Kämpfer stehen, wollte sich von seinen tapferen Kameraden nicht trennen, aber er mußte aus den Reihen scheiden, weil er wiederholt verwundet wurde. Er kam also nach Czernowitz zu seinen Eltern, die ihn nun betreuen. Was dieser junge Krieger erlebt hat, hört sich wie ein spannender Roman an. Als die kriegerischen Ereignisse sich vor den Toren unserer Stadt abzuspielen begannen, meldete sich Holder freiwillig zum Sanitätsdienste. Man nahm seine Dienste an, und am 23. August, nach dem Kampf bei Rarancze hatte er bereits (Gelegenheit, Proben seiner Verwendbarkeit abzulegen. Er verriet besonders viel Geschicklichkeit, so daß man ihn aussorderte, sich der Sanitätskolonne unseres 41. Infanterieregiments anzuschließen. Am 25. August ging er mit dem Regiment ab und teilte dessen Schicksale bis zu den ersten Oktobertagen. In der Zeit vom 29. August bis zum 3. September nahm er an den Kämpfen bei Halicz teil. Hier wurde er durch einen Gewehrschuß verwundet und mußte ins Spital nach <-tanislau gebracht werden, wo er fünf Tage blieb. Obwohl er noch nicht ganz geheilt war, mußte er entlassen werden, weil er sich dem Regimente weiter anschließen wollte. Vergebens versuchte man ihn zurückzuhalten, er weinte und flehte die Aerzte an, ihn ziehen zu lassen, damit er die Spur seines Regiments nicht verliere. Man ließ ihn also ziehen. Er ging mit dein Train ins Feld ab. Etwa Mitte September langte er bei Kumarno an, wo bekanntlich ein vierzehntägiger Kampf wütete. Als das Regiment ani Kampfplätze erschienen war, tobte bereits der Kampf vier Tage. Die tapferen Einundvierziger griffen ein. Holder, der mittlerweile ein tüchtiger Schütze wurde, erlangte bereits nach dem Kampfe bei Halicz die Zugsführercharge. Bei Kumarno kämpfte der kleine Holder in den ersten Reihen mit. Hier gerieten die Gegner hart aneinander und ein erbitterter Kampf entspann sich um die Fahne. Zuerst hatte sie ein Kadett, dann wurde sie für einen Augenblick von einer feindlichen Gruppe ergriffen. In diesem kritischen Momente trat Oberst M ayerhosfer an die Spitze, hielt eine feurige Ansprache an die Soldaten und stürmte ihnen voran. Der Sturm gelang. Der Oberst selbst rettete die Fahne. Aber diese Tat büßte der tapfere Führer mit seinem Leben. Denn er erlitt bei diesem Kampfe zwei Schrapnellschüsfe, die ihn in die Brust und Beine trafen. Tätlich verwundet wurde der Führer des Regiments von einem Soldaten, auch einem Czernowitzer namens Stanzer, aus der Feuerlinie getragen. Tie Feinde stürzten sich neuerlich auf die Fahne. Da trat der kleine Holder hervor, entriß in einem Handgemenge die Fahne und lief mit ihr davon.^Er übergab sie den

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