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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-11-13 · 45 (13.11.1914) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
45 (13.11.1914)
Date
1914-11-13
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 786 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 45 Kriegslage entschloss sich der Vorstand, Frau Dr. Mathilde Herzl und Frau Hofrat Löwner an der Spitze, von der die erste Anregung des Heims ausging, schweren Herzens, die Hälfte der Pfleglinge in ihrer Häuslichkeit zu belaffen, um zunächst für Kinder von Einberufenen, dann aber von Ertverbslosen und zuletzt von Flüchtlingen eine Ausspeisung und einen Kindergarten zu errichten, wo 33 Kinder tagsüber die Aufsicht eines eminent geschulten Personals, namentlich des tücht'gen und liebevollen Frl. P o t o k genießen. Die große Wohnung sowie das Gärtchen erlauben eine völlige Trennung der sonstigen und gegenwärtigen Schützlinge, mehr noch wie sonst kommen die Vorstandsdamen - ich traf gerade die verdienstliche Frau Professor Theumann — recherdjicren; zahlreiche junge Damen helfen den geschulten Kräften, ein Schützling unserer Fürsorge, eine junge Frau aus Czernowitz mit ihren drei Kindern, hat hier auf Kriegsdauer gastliche Aufnahme gefunden und leitet die Wirtschaft. Wenn der Krieg vorüber, hoffen wir den Vorstand bei Eröffnung feines Institutes wieder begrüßen zu können. Der Regensonntag führt mich in den vornehmen Westen Wiens, nach Lainz, in die Villa der „P h i l a nt h r o p i a" und drüber hinaus nach N e u l e n g b a ch in den vom Architekten Baurat K a r p l u s ausgeführten Bau der „Guten Herze n". Wir alle kennen das elegante und praktische, seinerzeit vom Architekten Modern adavtierte Heim der „Philarckhropia", dem man noch bei seiner neuen Bestimmung anmerkt, daß ursprünglich ein Künstler sich dasselbe als buan ret.iro gebaut: aber noch wohnlicher, noch koketter, möchte ich sagen, hat der Vorhand, an der Spitze Frau Amalie Beck, Bade- und Wohnräumc, Konversationssaal und Wintergarten — nicht viele Verwundete werden einen solchen genießen — tjir feine 22 männlichen Gäste — durchwegs jugendlichste Wiener Kinder, 3 Mann Militärwache, 2 Hilfsmlegerinnen — eingerichtet. Ich komme zur Jause und sehe eine bürgerliche Wiener Sonntagsjause mit Gugelhupf für 22 fröhliche, rauchende und spielende übermütige Menschenkinder, von der treffl'chen Hausmutter Frau Janowitz^r und der aufopferungsvollen „Vize" Frau Nina Nobel verabreicht, deren wöchentlicher Sonntagsausflug jahraus jahrein das Heim ist. Die F eude dieser großen Kinder, von denen jeder an der San — also erst vor kurzem — seine Armwunden erhalten, ist groß und nie hat noch die mütterliche Frau Ianowitzer über so ein gehorsames und zufriedenes Völkchen regiert. Das elegante Sanatorium in Neulenabach — denn als solches präsentiert sich das erst 1313 erössnete Heim der „Guten Herzen" harrt hingegen noch der Belegung. Seine Schlafsäle, sein Spielsaal. seine Bibliothek und Wandelbahn sind bereit, an hundert Verwundete aufzunehmen, und wieder muß ich ßaunen, wie dieser seit 21 Jahren so still unter dem Ehepaar Schleiffer wirkende Verein, der übrigens die Ehre genießt, fast alle Damen des Kaiserhauses zu 'einen Mitgliedern zu zählen, die Summe zu diesem Ban aufbrachw und so viele Zöglinge verpflegen kann, die ja in diesem Jahre auch der Krieg zersprengt hat. Das gleiche Los traf ja das K a i s e r - F r a n z - Josef- Ferienheim in Ti sch nowitz. das jetzt unter Oberaufsicht der schwergebeugten Präs. Sofie Grünfeld für Verwundete adavtiert wird, das gleiche Los mein liebes Seebensteiner Frauenhort-Kaifer-Franz- Josefs-Arb eite rinnen heim, das gleichfalls schon im August seine erholungsbedürftigen Schützlinge entlassen mußte. Noch dürften Wochen vergehen, bis ich diese drei Heime deren Bestimmung übergeben, besucheil kann, oder das schöne Heim der Frau Ella Zirner- Zwieback, das Reservistemvaisen aufnehmen wird. So erübrigt mir noch Zeit, der B r o ck e n s a m m langen zu gedenken, von denen die eine unterder bewährten Führung der Schriftstellerin Jda B a r b e r und des Herrn S. Bauer neue Räume in der G latzgas sc im 19. Bezirke bezogen hat und ihren Wirkungskreis in der Kriegszeit verdoppeln irnd verdreifachen grüßte, wozu das neuliche schöne Konzert, die Opferwilligkeit unseres Alfred Grünfeld, Edmund Eysler urrd anderer Künstler, hervorragend beigetragen hat. Der schöne Artikel aus der so viel berufeneren Feder Jda B a r b e r s an dieser Stelle enthebt mich der willkommenen Aufgabe, die Tätigkeit diefes Vereines näher zu schildern, der ja nicht rrur Bekleidungs-, sondern auch Einrichtungsgeqenstände sammelt und gewiß zu alten jetzt neue Freude erwerben wird. Auch die Brockensammlung der Zuflucht habe ich schon erwähnt (Floßaassel. Besonders verdienstvoll hat sich eine Augenblicksschöpfung angegliedert: die von Herrn Doz. Grünfeld angeregte, unter Leitung der Damen Frau Professor Ehrmann und .Frau kais. Rat Lieben stehende' Kleidersammelstelle, die früher dank einer bekannten Wohltäterin I., Zelinkagasse 4. jetzt aber burdj Ueberlassung eines Lokals im Prachtbau Franz Josesskai 25 von seiten des Herrn Weiner besonders zentral gelegen amtiert. Diese Sammclstelle ist in erster Reihe den aalizischen Flüchtlingen gewidmet und arbeitet nicht nur mit geschenkten Sachen (über 1000 Personen wurde:: beteilt), sondern ist in der Lage durch die reichen Geldsvenden, die Frau kais. Rat Lieben erbrachte, neue Sachen anzuschaffen. Frau und Fräulein Lury, Frau Spitzer, Fräulein M ü n z und W a s s i n g stehen Frau kais. Rat Lieben in diesem besonders schwierigen, keineswegs anmutenden Teil der Flüchtlingsfürsorge aufopferungsvoll zur Seite und tragen zu dem Gelingen des Unternehmens bei, das ja mit dem Flüchtlingselent wieder verschwinden, den anderen Sammlungen nicht Konkurrenz machen wird. Nickt nur Ihnen, verehrte Leser, auch der nun sckon wel'berühm en Schöpferin unserer leider noch immer so bescheidenen Wiener Fürsorge galt dieser Bericht. Frl. Bertha Pappen heim weilt gegenwärtig mit ihrer juae:cklicken Jüngerin Steffi Forchheimer-Fiaftla in der Heimat. Möge sie nach Frankfurt das Bewußtsein mitnehmen, daß auch in ihrer Vaterstadt redlich und willigen Herzens, wenn auch nicht immer so methodisch und erfolgreich gearbeitet wird, wie in ihrem weiten Arbeitsfelde. Möchten unsere Wiener Frauen und Mädchen uns als Mitarbeiterinnen, Recherchentinnen, Mitglieder beitreten, damit wir weiter Wirker: und schaffen können in Kriegs- und hoffentlich bald in Friedenszeiten. C. Benedikt. Die Opfer von Tarnobrzeg. Das „Neue Wiener Tagblatt" erhielt von Frau Ella C z i n n e r, einer wohltätigen Dame, die sich durch ihre Anteilnahme an der Flüchtlingsfürsorge in besonderer Weise verdient gemacht hat, das nachstehende Schreiben: „Gestatten Sie. daß ich Ihnen den folgenden, wirklich ergreifenden Fall mitteile: In den letzten Tagen wurde ja schon wiederholt darüber gesprochen, daß die Russen in Tarnobrzeg eine ganze Reihe schwerer Greueltaten begangen haben. Vor ihrem Abzug aus dieser Stadt ließen sie nun, wie jetzt festgestellt ist, fünf Einwohner erschießen, darunter einen achtzigjährigen Mann namens CH. Haußer, dann einen Mann namens M. Schiffmann sowie einen Herrn Ch. Engelmann. Das Schicksal dieses letzteren war besonders erschütternd. Er war mehrfacher Hausbesitzer und in Tarnobrzeg sonne in der Umgebung bis nach Krakau hin sehr angesehen. Er war erst 42 Jahre alt und war mit einer Nichte des eben erwähnten achtzig-

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