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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-11-13 · 45 (13.11.1914) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
45 (13.11.1914)
Date
1914-11-13
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 45 Dr. Bloch's Wochenschrift Sette 787 jährigen Hauser, einer jungen schölleil Frau, verheiratet, mit der er in glücklichster Ehe lebte, der sechs Kinder entstammten. Ms die Nüssen sich der Stadt näherten, nötigte er feilte Frau, mit den mindern die Stadt^zu verlassen und nach Wien zu slttchtell, lvo sie in der 2wt jetzt weilen; er selber entschloß sich, um wenigstens das Notdürftigste zu retten, noch dort zu verbleiben. Non dem Augenblick, wo die Familie ihn verlassen hatte, erhielt sie aber von ihm keine Nachricht mehr, so daß die unglückliche Frau eine Zeit qualvollster Unruhe verbrachte. Da erreichten sie nun vorige Woche unbestimmte Nachrichten, die ihre Verzweiflung noch vermehrten. Die einen Gerücht besagten, daß Engelmann gefährlich erkrankt, die anderen, daß er schwer verwundet worden sei. Von tödlicher Unruhe gepeinigt, machte sich Frau Engelmann nun auf den Weg, um nach Tarnobrzeg zu gelangen; auf dem Wege dorthin erfuhr sie jedoch von den Greueltaten, die die Russen begangen hatten,^ und erhielt die positive Bestätigung, daß ihr Mann nebst den genannten andern angesehenen Einwohnern der Stadt erschossen worden lvar. Den Prätext hiezu lieferte die Beschuldigung, die man gegen ihn erhob, daß er unseren österreichischen Soldaten Hilfe geleistet habe. Weiteren Nachrichten zufolge wurde der ganze Besitz Engelmanns ausgeplündert und ein Betrag von über 2000 Kr., den .er bei sich hatte, von den Russen geraubt. Der unglücklichen Frau, die im 33. Lebensjahre steht, sieht man es an, welche Qualen sie seitdem durchgemacht hat. Die Aermste befindet sich mit ihren sechs Kindern, die noch nichts von dem schrecklichen Tode ihres Vaters ahnen, in einer geradezu trostlosen Lage. Indem ich Ihnen, hochverehrter Herr Redakteur, für die Aufnahme dieser Zeilen meinen wärmsten Dank sage, zweifle ich nicht, daß sich edle Menschenfreunde finden werden, denen das furchtbare Schicksal der jungen Frau und ihrer unglücklichen Kinder zu Herzen gehen wird und die sich ihrer in menschenfreundlicher Weise annehmen werden." Die Pester Judengemeinde für den Auguftefonds. Kostbare Tempelgeräte gespendet. Der Vorstand der Budapester jüdischen Religionsgemeinde überbrachte kürzlich der Erzherzogin Auguste als Beitrag für den Augustefonds einen kostbaren Thoraschmuck von Gold und Silber und einen ^kunstvoll gearbeiteten antiken silbernen Tempelbecher mit Untertasse. Auf die Ansprache des Präsidenten der Religionsgemeinde antwortete die Erzherzogin mit Worten herzlichen Dankes, besichtigte sodann mit großent Interesse die beiden Kronenaufsätze, das Brustfchild sowie den Thorazeiger und ließ sich vom Rabbiner Dr. Adler die Bedeutung dieser Gegenstände erklären. Der Becher, den die jüdische Religionsgemeinde spendet, ist in Silber getrieben. Die Spitze des Deckels zeigt die zehn Gebote, während die Tasse die Aufschrift trägt: „Zum Andenken an die historischen Tage dem Schutzengel der verwundeten Soldaten und leidenden Frauen, der Schutzfrau Ungarns. Im November 1914. Die Pester israelitische Religionsgemeinde." Virovitica. Die Gesellschaft des Roten Kreuzes für Kroatien, deren Präsident der Wirkliche Geheimrat Se. Exzell. Graf Aladar Jankovich ist, hat in Virovitica eine Filiale errichtet, deren Präsident Graf Jankovich jun. ist. Im Vorstande sind mehrere Juden, unter anderen Rabb. Dr. Kaufmann, Kultusvorsteher Julius Reich und Sparkassendirektor Louis Reich. Ueber das segensreiche und leutselige Wirken des Grafen und der Gräfin Jankovich, die die verwundeten Soldaten ohne Unterschied des Glaubens wie ihre eigenen Kinder behandeln, herrscht allgemeines Lob. Das Spital steht unter der bewährten ärztlichen Leitung des als Operateur bekannten Arztes Dr. Bocak, der mit den Verwundeten sehr human umgeht und auch große Erfolge bereits ausweist, ums die Vorgesetzten Behörden in Agram und Esseg auch anerkannt hatten. Auch der Spitalskommandant Leutnant Dr. Qtto G a v i a n ii t-, dessen Organisations latent bei Gründung des hiesigen Roten Kreuz-Spitals bewundert wurde, wird sowohl von den Soldaten chrift lichen als auch von denen jüdischen Glaubens wegen seines humanen Umganges mit den Verwundeten sehr gerühmt. Freudiges Aufsehen machte in allen patrioti sehen Kreisen eine in der kroatischen und ungarischen Presse veröffentlichte Danksagung zur Front zurückkehrender Soldaten, die im Spital des Roten Kreuzes zu Daruvar in Slavonien behandelt und geheilt wurden. Der Tenor dieser Danksagung gipfelt in dem Gedenken, daß die verwundeten Krieger im Roten Kreuz-Spital in Daruvar eine derartig gute Behandlung und Pflege genossen, daß sie sich wie von heiligen Wesen erhabener Nächstenliebe und glühender patriotischer Begeisterung umgeben sahen. Es sei daher gestattet, an dieser Stelle mit freudiger Genugtuung hervorzuheben, daß Komitee und Leitung des Roten Kreuz-Spitals in Daruvar fast ausschließlich jüdischen Händen anvertraut ist. Präsidentin ist die hochgebildete und feinsinnige Gattin des kgl. Rates Siegmund Löwy in Daruvar, Frau Löwy geborene Breslauer. Aerztlicher Vorsteher, Leiter und Verwalter des Spitals ist Oberstabsarzt in der Reserve Herr Dr. R e t h i, ein Cousin Prof. Dr. M a y b a u m s, Oberrabbiners in Berlin, der selbst auch im jüdischen Schrifttum seinen Mann stellt. Es verdienen noch hervorgehoben zu werden die Verdienste der Frau Max Pfeiffer, der Gattin des Herrn Julius M o r g e n ft e r n, bekannt durch die Herausgabe seiner Dichtungen, und endlich der Frau Glück, Gattin des Daruvarer Kultusvorstehers Herrn Ferdinand Glück. So ist es denn in diesen ernsten und schweren Schicksalszeiten dennoch eine Freude, zuzusehen, wie unsere Glau bens- und Stammesbrüder wetteifern in Betätigung der Vaterlandsliebe und in der Aufopferung für das Wohl und Heil der Menschheit. Mobilisierung in Jaffa. Der „Egyenlöszeg" erhält von seinem Jaffaer Korrespondenten S. E. vom 6. Oktober den folgenden er greifenden Bericht: Das heilige Land hat während seines ganzen Lebens vielleicht noch nie ein solch romantisches Bild geboten, wie jetzt anläßlich der türkischen Mobilisierung. So etwas kann nur mit orientalischen Farben gemalt werden. Als aus Konstantinopel der Mobilisierungsbefehl an den Gouverneur von Jerusalem herablangte, wurden sofort berittene Herolde zu den Häuptlingen der Stämme (Schecks) in die arabischen Dörfer entsendet. Die Herolde hielten in der einen Hand eine blutrote Fahne, auf welcher der türkische Halbmond glänzte, und in der anderen einen krummen Säbel, zum Zeichen dafür, daß der Sultan jeden seiner wahren Söhne in den Krieg ruft. Und die Muselmannen folgten treu dem Aufrufes Das Ergebnis der Mobilisierung war ein kolossales. Besonders wir waren davon überrascht, die in diesen Gegenden gewöhnt waren, zu sehen, daß der Soldat wie ein Wild gefangen zu werden pflegte. Diesmal geschah es nicht so. Zu Zehntausenden strömten die Araber nach Jerusalem, selbst die wilden Beduinen, welche bisnun weder Militärdienst noch Steuer leisteten, auch diese erschienen auf ihren hohen Rossen. Die Szenen, welche sich in diesen Tagen in Jerusalem abspielteu, bleiben unver-

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