Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 45 (13.11.1914)
- Date
- 1914-11-13
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3020846-3022089-3022135--23595-3048802- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 784 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 45 Hilfe angedeihen zu lassen und sie als liebe und traute Gäste mit Zuvorkommenheit und Herzlichkeit zu behandeln; mehr noch bedürfen sie unseres moralischen Schutzes, unseres Eintretens für sie und unserer steten Bereitschaft, ihr Ansehen zu verfechten gegenüber jenem Teile der Wiener Bevölkerung, welcher auch aus der neuen Zeit noch nichts Neues gelernt hat. Lassen wir es nicht darauf ankommen, daß die Flüchtlinge, einst heimgekehrt, ihres Wiener Exiles — eines zweifachen Exiles — anders gedenken als mit der Genugtuung, daß wir Wiener Juden, mag unsere Unterstützung auch nicht immer reichlich gewesen sein, wenigstens Kränkung und Beleidigung von ihnen abgewehrt und ihre Sache zu unserer eigenen gemacht hätten. Höher als die Gabe steht der Blick, mit welchem sie gereicht wird! Höher als das Bruderwort steht die Art und Weise, wie Brüder von einander zu einem dritten sprechen und wie sie jenen Dritten von ihrem Bruder sprechen lassen! Seien wir dieser neuen Verpflichtung gerne und freudig eingedenk, ihre Erfüllung wird uns nicht weniger Befriedigung bereiten, als so manche andere durch die Kriegslage uns auferlegte Pflichterfüllung uns gewährt. Rahel Edelstein. Korrespondenzen. Aufruf! Namenloses Unglück hat der Feind über einen großen Teil der galizischen Bevölkerung gebracht. Ein großer Teil der Bevölkerung, ohne Unterschied der Nation und der Konfession, sah sich gezwungen, vor dem unmenschlichen Feind zu flüchten. Die unglücklichen Flüchtlinge suchten Zuflucht auch in der Reichshaupt- und Residenzstadt Wien. Die hohe k. k. Regierung und die Stadt Wien haben den Flüchtlingen Hilfe gegen die ärgste Not geboten. An der Hilfeleistung beteiligt sich auch die Wiener Bevölkerung in werktätigster Weise und der Ruf von den Wiener goldenen Herzen hat sich jetzt in vollstem Sinne des biblischen „Liebe den Fremden" glänzend bewährt. Wollen wir die unglücklichen Flüchtlinge wirklich vor materieller Not schützen, so müssen wir auch auf die religiösen Bedenken derselben Rücksicht nehmen. Es gibt unter den jüdischen Flüchtlingen aus Galizien und fber Bukowina eine große Anzahl Strenggläubiger, welche in Bezug aus Speisen strengste religiöse Observanz beobachten. Diese Frommen ziehen es vor, eher zu hungern, als Speisen zu genießen, deren Zubereitung nicht vollständig den in ihrer Heimat üblichen religiösen Gebräuchen entspricht. Der in Wien bestehende jüdische orthodoxe Verein „Machsike Hadath" ist seit einer Reihe von Jahren bemüht, dieser religiösen Anschauung der aus dem Osten nach Wien kommenden Juden Rechnung zu tragen und dieser Verein speiste bisher jeden Samstag und jeden jüdischen Feiertag an 100 Personen in seinen Räumen unentgeltlich aus. Dank der Mitwirkung des so rühmlich bekannten Wohltätigkeitsvereines „Zuflucht" und dank der Opferwilliakeit einzelner edler Persönlichkeiten ist es jetzt möglich, im Vereinsheim „Machsike Hadath" ca. 400 Personen täglich unentgeltlich nach ihren strengst rituellen Wünschen auszuspeisen. Ferner wurden auch hebräische und talmudiftische Unterrichtskurse für die Kinder der Flüchtlinge — um einem Müßiggänge vorzubeugen — errichtet. Das Unterzeichnete Komitee erachtete es als eine heilige Pflicht, sich mit dem Vorstand des genannten Vereines ins Einvernehmen zu setzen, um diesem Mittel und Wege zu schaffen, seine Tätigkeit (im Sinne der Vereinsstatuten) erlveitern zu können. Um diese Wohltätigteirsaktion fortsetzen zu und eventuell zu erweitern, wendet sich das unterzeichnet? Komitee an edelfühlende Herzen mit der Bitte, Spenden in Barem und Naturalien, die in den Blättern ausgewicsen werden, an den Kassier des Vereines Herrn Simon Sternberg, 2. Bez., Rembrandtstraße 39, oder an den Obmann des Vereines Herrn Jakob März, 1. Bez., Augustengasse 1, gütigst überweisen zu -vollen. Rabbiner M. Mayersohn Vorsitzender Jsak Friedmann Rabbiner, Bojan Israel Friedmann Rabbiner, Czortkow Abraham I. Fried mann Rabbiner, Sadagora S. David 'Uuger Rabbiner, Zabna Uscher Horowitz Rabbiner, Krakau Jsak I. Tumim Bankier, Premzysl Chaim Mayersoh» Großgrundbesitzer, Stryi Dr. Rappaport, Stryi Schriftsteller und Großgrundbesitze Dr. Josef Zipser Hof- und Gerichtsadvokat, Wien des Komitees Moses Babad Rabbiner, Lemberg Josef Engel Rabbiner, Krakau Maier Arak Rabiner, Bnczacz 1. Weidenfeld Rabbiner, Dombrowa Nuchem Gelles Rabbiner, Slotwine Pinkas Horowitz Rabbiner, Bvhorotczany Dr. Baruch Margulies Rabbiner, Drohobycz Josef Schönblum Bankier, Lemberg Jakob Dische Kultusvorsteher, Lemberg Jakob März Fabrikant, Wien Adolf Hecht Bankier, Wien Jsak Weismann Privatier Dr. S. Laudan Hof- und Gerichtsadvokat, Wien I. Nelken Hermann Sporer Schriftführer Direktor und Klossenlotterie-Koll. Spenden sind eingegangen: Jsr. Kultusgemeinde Lemberg Kr. 400, Verein „Zuflucht", Wien 100, Verein „Adas Jeschurim" 30, Verein „Liwjas Chen", Wien 30, Grohrabbiner Jsak Friedmann, Bojan 50, Grohrabbiner Israel Fried mann, Czortkow 51, Jakob Dische, Lemberg 50, Abr. .Horn st'e i n, Wien 50, Rosa Witz, Lemberg 60, Jsak T h u m i m, Przemysl 30, Wechsler, Tarnow 40, Osias Iner, Wien 30, Schütz & Chajas, Lemberg 30, Rabbiner M. Mayer ßo h n, Wien 10, Moritz L a z a r, Wien 25, Herinann Sporer, Wien 20, Joe! H o r n st e i n, Radomysl (Rufs.-P.) 20, Joses S ch ö n b l u m, Lemberg 15, Marzl Schaff, Lemberg 20, Kremenicki, Wien 20 Rabbiner Kramer, Wien 10, Jacob März, Wien 10, Jsak -Weihmann, Wien 10, Cmil Pomeranz, Wien 10, Adolf Hecht, Wien 10, Rabbiner Dr. M. R o s e n m a n n, Floridsdorf 15, S. Blumenkranz, Lemberg 12, Jsak Abend, Wien 12, Chaim M a y e r s o h n, Stryj 10, Sohn des Ervhrabbiners in Bojan N. Friedmann 10, kaif. Rat L. R o f e n f e l d, Lemberg 10, Rabbiner Ascher Horowitz, Krakau 6, Dr. S. R. Landau, Wien 6, M. W. Rappaport, Wien 6, D. MarguNes, Drohobycz 6, Reizes, Lemberg 6, Jacob S p l i t e r, Wien 6, Salomon Feld, Wien 6, Nathan D a ch t n g e r, Wien 6, Babad, Przemysl 6, Rapaport, Przemysl 6, S e l d o w i c z, Przemysl 6, Jacob Wolf, Wien 3, Jacob Beckmann, Wien 3, Jacob Wohlmann, Wien 5, David H a I p e r t, Wien 5, Gittel Sprecher, Lemberg 3, Eerstenfeld, Wien 2, Fritz Adler, Wien 2, Regina K u r r e n, Lemberg 2, zusammen 1291 Kronen. Erzherzog Arauz Salvator im Spital der israelitischen Kultusgemeinde. Dienstag, den 10. d. M., mittags, erschien der Eeneralinspektor des Freiwilligen Hilfsvereins Erzherzog Franz Salvator im Spital auf dem Währingergürtei, um die von der israelitischen Kultusgemeinde Wien dem Roten Kreuz für verwundete Offiziere und Mannschaften zur Verfügung gestellten Räume des in dem Krankenhause nntergebrachtcn Reservespitals Nr. 8 zu besichtigen. Erzherzog Franz Salvator, der in Begleitung seines Oberst- Hofmeisters Baron Lederer, des Kanzleivorstehers Major von Brinzey und Leutnants Thonet gekommen war, wurde im Vestibül des Sp'ta'es, nachdem der Jnfpektionsoffizier Leutnant in der Reseroe des 12. Dragonerregiments B r a d y Meldung' erstattet hatte, vom Präsidenten der israelitischen Kultusgemeinde