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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-11-13 · 45 (13.11.1914) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
45 (13.11.1914)
Date
1914-11-13
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 45 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 783 siel ein Schutz. „Die Lichter auslöschen!" riesen die Soldaten und wollten zu den Gewehren greisen. Im selben Augenblick kam das erste Eeschotz geflogen, bohrte sich durch die Wände und zerriß die Frau in Stücke. Ein Hagel von Schrapnellgeschossen folgte, und nach wenigen Minuten war das Haus ein Trümmerhaufen, unter dem Leichen lagen. Die Mutter, die Brüder, die Soldaten. Nur das kleine Mädchen lebte, wenn auch nur kaum inerklich. Sieben Wunden bedeckten seinen Körper. Als die Kosaken vorbeigezogen waren, kam der Großvater, der sich autzerhalb des Hauses aufgehalten hatte, nnd verrichtete sein Totengebet. Oesterreichische Soldaten fanden dann das Totenhaus' mit den zwei Lebenden: dem Greis und dem Kind. Man steckte sie in einen Verwundelenzug, der nach" Prag fuhr. Sterbend wnrde das Kind in den Waggon gehoben. Als der Zug in Prag ankam, war es dem Leben zurückgegeben, die Wangen röteten sich wieder: alle .Lebensgefahr war verschwunden. Nun liegt die kleine Heitschul selig in den Kissen. Still liegt sie da, alle Erinnerung an die Schreckensnacht scheint verschwunden. Armes, kleines Mädchen! Jüdische Krsinder und der Arieg. Schon 1870/71 verdankten die Deutschen ihre Erfolge bei der Belagerung der französischen I-estungen zum großen Teil einer österreichischen Erfindung, den sogenannten „Zeitzündern" des Mechanikers Siegfried Markus, des Erfinders des 'jetzt so unentbehrlichen B e n z i n - A u t o m o b i l s, der für jene „Zeitzünder" ein Anerkennu-igsschreiben des General stabschefs d?r Armee des preußischen Kronprinzen Weneralfeldmarschall von Blumenthal erhalten hat. — Der „Terror Angliae", die ,,Zeppeline", beruhen zum Teil auf den Borarbeiten des jüdischen Erfinders David S ch w a r z aus .Keszthely < Ungarn), sie arbeiten mit dem Libellenquadranten und anderen Erfindungen Professor Mnreuse's. Unsere Piolliere schlagen ihre Brücken nach dem System des Wiener Inspektors Moritz .Kohn und unsere Marine verdankt ihre modernsten Bauten dem Genie des bekannten Schifsbauingeni.'urs Popper. Dr. G. Eine griechische Inschrift aus dem 1. Jahrhundert. Die Berichte, welche Kapitän Raymond Weilt über seine im Aufträge und auf Kosten des Baron Edmund de Rothschild iii der Altstadt von Jerusalem vorgenommenen Ausgrabungen an die verschiedenen gelehrten Gesellschaften erstattet hat, enthalten eine Fülle neuer und wichtiger Daten üher die ältere Geschichte Jerusalems. Hier sei eine griechische Inschrift wiedergegeben, deren Ursprung Kapitän W e i 11 in das erste Jahrhundert verlegt. Diese Widmungsinschrift in griechischer Sprache besagt: „Theodoras, Archisynagogos (Präsident einer Synagoge) und Priester, Sohn und Enkel des Archisynagogos, hat erbaut eine Synagoge zum Studium des Gesetzes und zur Lehre der Vorschriften sowie eine Herberge und eine Badeanstalt zur Benützung für Personen, welche aus der Fremde ankommen und dieser Anstalten bedürfen." „Eine Szene in der Elektrischen." Unter dieser Wortmarke brachten die Gerichtssaalberichte der vergangenen Woche die Auslassungen eines Wiener Christlichsozialen, der die Flucht der Bevölkerung aus Galizien und der Bukowina, unter welcher fich ja leider wirklich sehr viele Juden befinden, abfällig kritisieren zu dürfen vermeinte. Jnsbesonders glaubte er, den Flüchtlingen den Rat erteilen zu dürfen, st? hätten anstatt nach Wien zu kommen, fich lieber in die polnische Legion einreihen lassen und ihr Vaterland Mann für Mann verteidigen sollen, wie es die Tiroler im Jahre 1809 gegenüber den Franzosen getan haben. Der Tenor dieser Auslastungen, deren weiteren, in guter Gesellschaft nicht wiederzugebenden Teil wir mit verächtlichem Stillschweigen übergehen, gipfelte darin, daß die Juden aus Furcht und Feigheit ihre Heimat verlosten und es vorgezogen hätten, ihr Heil auf der Flucht zu suchen, anstatt, wie es männlich und tapfer gewesen wäre, den Feind aus ihrem Lande zu verjagen. Es wäre nun nicht zu verwundern, wenn eine solche christlichsoziale Ansicht von der Entfernung der Zivilbevölkerung aus den zum Kriegsschauplätze bestimmten Gebieten in der Wiener Bevölkerung, soweit dieselbe antisemitisch verhetzt worden ist, willigen Glauben und Verbreitung fände. Deswegen scheint mir nun eine gründliche Belehrung über die von den Militär- und Zivilbehörden verfügte Räumung von Städten und Ortschaften, welche zum Schauplatze kriegerischer Ereignisse ausersehen find, am Platze. Es kann nicht oft genug gesagt werden, daß die Flucht der Zivilbevölkerung aus dem Nordosten unseres Vaterlandes meistens gar keine freiwillige und von persönlichen Befürchtungen diktierte war sondern daß die Räumung der Stätten des Kampfplatzes von den Militärbehörden im Einklänge mit den städtischen Magistraten angeordnet und auch durchgeführt wurde. Strikter Gehorsam und sofortige Befolgung der obrigkeitlichen Anordnungen find das Einzige, was dem vaterlandstreuen Bürger in solcher Zeit obliegt, und er erhebt fich durch die Ausübung solcher Bürgertugenden zu derselben Höhe der Achtbarkeit, welche wir dem soldatischen Kämpfer für das Vaterland aus dankbarem Herzen zollen. Mit vollem Recht hat jemand diese Flüchtlinge „Soldaten ohne Uniform" genannt; und in der Tat, ihre Leiden und Entbehrungen, die Ungewißheit ihres Schicksales und die großen persönlichen Opfer, welche fie gerade durch ihren klaglosen Wegzug von Haus und Hof im Dienste des Vaterlandes bringen, lasten fie gleich in die zweite Reihe derjenigen treten, welche fich um die Ehre und die Erhaltung des Vaterlandes verdient gemacht haben. Daß die jungen Männer unter ihnen, soweit fie nicht regulär im Heere stehen, fich in die polnische Legion eingereiht haben, dazu bedurften fie nicht erst der Aufmunterung durch unfern Wiener Christlichsozialen. Ihre in einzelnen Fällen hervorragenden Leistungen, ihre Tapferkeit, Pflichttreue, Geistesgegenwart und Ausdauer werden von ihren Vorgesetzten und Kameraden belobt und anerkannt, und manches Ehrenzeichen wird einem Braven an die Brust geheftet, der unter der Uniformbluse ein „Zidakel" trägt. Was aber die Frauen, Greise und Kinder und die nicht wehrhaften Männer betrifft, so hätten dieselben durch ein den militärischen Intentionen zuwiderhandelndes Eingreifen in die kriegerischen Ereigniste fich desselben unvernünftigen und sträflichen Freischärlertums schuldig gemacht, wodurch die belgischen Franktireurs die Gesetze der Kriegsmoral und des Völkerrechtes verletzt und ihrem eigenen Lande unsäglichen Schaden zugefügt haben. Oder hätten fie das Beispiel serbischer Weiber und Mädchen nachahmen und in geiler Mordlust den Feind hinterrücks meucheln sollen? > Dazu halten fich jüdische Frauen und Mädchen, ganz abgesehen von der Zwecklosigkeit und Unvernunft eines solchen Beginnens, denn doch für zu gut! Der Hinweis aber auf die Tiroler Freiheitskämpfer von 1809 kann für die Jetztzeit umsoweniger maßgebend sein, als in den seit damals verflossenen 105 Jahren Kriegskonventionen geschaffen worden find, welche einer solchen Volkserhebung jeden rechtlichen Erfolg und jede Wirksamkeit auf die Entscheidung des Krieges benehmen. Dabei bieten die Tiroler Berge die Möglichkeit einer Volkserhebung, weil fie wenigstens einen teilweisen Schutz gewähren und die Verfolgung erschweren, während das Flachland Galiziens dem andringenden Feinde solchermaßen schutzlos preisgegeben ist, daß selbst die Heeresleitung die Truppen zurückzuziehen von vornherein strategisch geboten hielt. Galizien mit Tirol in Vergleich zu bringen, zeugt von echt antisemitischer Unwissenheit. Außerdem hat, wie erwähnt, der völkerrechtliche Zustand eine völlige Umwälzung erfahren. Und auch damals konnte die Gefangennahme und kriegsgerichtliche Hinrichtung Andreas Hofers, als einen Rebellen, vom österreichischen Staate weder verhindert noch angefochten werden; und diese Erhebung deS Tiroler Volkes hat wohl ethische und literarische, nicht aber politische Ergebniffe hervorgebracht. Wie aber jede judenfeindliche Enunziation das Gute zur Folge hat, daß uns Juden ein erweitertes Tun für uns selbst als eine neue Aufgabe gestellt wird, so hat auch dieser Judenhaffer uns wieder einmal gelehrt, was wir sollen. Denn nun wissen wir es: es obliegt uns nicht nur, unseren Glaubensbrüdern aus dem Norden und Osten des Reiches materielle

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