Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 45 (13.11.1914)
- Date
- 1914-11-13
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Jlr. 45 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 781 Rechtsanwalt Dr. D a v i d s o h n, Darmstadt, Flieger M a x Elia s, Hannover, Reaierungsbaumeister Rapp, Frankfurt a. M., Rechtsanwalt Dr. Siegfried Baum, Frankfurt a. M., Chemiker Dr. Cohn, Halberstadt, und Rudolf S. Moffe, Berlin. In der sächsischen Armee wurde der Kaufmann Ball aus Dresden, in der w ürttembergif ch e n der Rechtsanwalt Dr. Nathan, Ulm, zum Leutnant befördert. Herr Amtsrichter Dr. Levy ist seit dem Beginn des Krieges als Kriegsgerichtsrat in Hagenau tätig und steht als solcher im Range eines Hauptmanns. Auch die Herren Rechtsanwälte B e n n o W y g o d z i u sky und Dr. Paul Herzberg, beide in Berlin, ferner die Herren Justizrat Hugo Sonnenfeld, Rechtsamvalt Oskar S ch r e i e r und Rechtsanwalt Dr. & ottfried Hollande r, B e r l i n, sind mit beiu Range eiires Hauptmannes Kriegsgerichtsräte geworden. Es wird mitgetcilt, daß von den im K. C. (Kartell- Convent) vereinigten Verbindungen deutscher Studenten jüdischen Glaubens bisher 15 Mitglieder mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet wurden, mährend 10 Mitglieder auf dem Felde der Ehre geblieben find. Die jüngsten deutschen Soldaten. Unter dieser Ucberschrift berichtete die „Deutsche Tageszeitung" am 1. September: „Verschiedene deutsche Kriegsfreiwillige, die wegen guter körperlicher Entwicklung angenommen wurden, sind nur wenig über oder sogar u n t e r 16 I a h r e a l t. Wie dem „B. T." mitgeteilt wird, ist jetzt,sogar in Königsberg bei einem Ersatzbataillon als Kriegsfreiwilliger der Sohn eines dortigen Bürgers, Eugen S ch e y e r, airgenommen worden, obwohl er erst 14 Jahre und 11 Monate alt ist. Derselbe ist ein Sohn des Herrn S. S ch eher in Königsberg. Bejahrte jüdische Kriegsfreiwillige. Wie aus C h e mnitz mitgeteilt wird, ist der dort wohnhafte Lufrschiffer Paul Spiegel trotz seiner 62 Jahre bei der kgl. bayrischen Luftschifferabteilung in München in das Heer eingetreten. Der 63jährige A a ch e n e r Bürger Lud w i g Stern, der 1870/71 im Kriege zum Leutnant befördert wurde, ist jetzt ins 18. bayrische Infanterieregiment einaereiht worden. Der Altersrekord wird aber von dem 64jährigen Leutnant E m a n u e l G o l d s ch m i d t ans Würzburg, der 1870 das Eiserne Kreuz erwarb, sich jetzt freiwillig zum Dienst gemeldet hat und zurzeit bei einem bayrischen Landsturmbataillon in Saargemünd steht, gehalten. Der 53 Jahre alte Kaufinann B e r nhard Goldschmidt in Mainz, der 1884 als Vi.zefeldwebcl abgegangen ist, hat sich ebenfalls freiwillig wieder gemeldet und bildet nun als Offiziersstellvertreter Rekruten aus. Das „Deutsche Ofsiziersblatt" hat in seiner Nr. 39 das in der „B. Z. a. M." vom 11. September d. I. veösfentlichtc Schreiben von H a n n s Heinz E w e r s in Ncwyork abgedruckt. In diesem Brief heißt es wörtlich: „Sehr erfreulich ist dieser Massenhetze gegenüber der mannhafte Kampf der deutschamerikanischen Presse, vor allem des „Newyorker Herald" und der „Newyorker Staatszeitung": ihnen tritt die jüdische Presse, so die „Wahrheit" und der „Vorwärts", sehr energisch zur Seite. Ueberhaupt ist es eine Freude, zu sehen, wie sich ganz allgemein das jüdische Element — und Newyork hat weit über eine Million Juden — sehr kräftig für die Deutschen einsetzt, wie sich überall werktätige Hilfsbereitschaft zeigt." — Nach einem in der amtlichen „Caminer Kreiszeitung" am 14. Oktober veröffentlichten Bericht ist in Stolp ein von einem Deutschamerikaner an seine Eltern gerichtetes Schreiben zugegangen, in dem es heißt: „Wie habe ich mich in diesen schweren Tagen über die Amerikaner enttäuscht gefühlt: wenn auch dch Zeitungen alle gegen Deutschland sind, härte ich doch geglaubt, daß das amerikanische Volk anders denken würde. Die einzigen, die noch für Deut s ch l a n d den M und a u f z u t u n w a g e n, find die Irländer und die Juden. Es gibt selbst Deutsche, die wünschen, daß Deutschland in diesem ungleichen Kampfe unterliegen möge." Kaiserslautern. Den Militärverdienstorden vierter Klasse mit Schwertern erhielt Stabsarzt d. R. Doktor Solomon G o t t s ch a l k. Düsseldorf. (Wieder ein bekehrter Antisemit.) Herr Goswin Fab in hat dem Verein zur Abwehr des Antisemitismus folgendes Bekenntnis abgelegt: „Es ist mir ein inneres Bedürfnis, nachdem ich einen jahrelangen Irrtum eingesehen habe, diesen hiermit gutznmachen. Seit Jugend auf beseelte mich eine starke Abneigung gegen das Judentum, deren Grund mir damals nicht recht klar war. Schon als Schüler in Heidelberg setzte ich eine Ehre darein, wo nur irgend möglich, meine Mitschüler jüdischen Glaubens zu quälen. Diese Abneigung verdichtete sich mehr und mehr, besonders mein Aufenthalt in Ungarn to? das Seinige. Die Hinweise meiner seligen Mutter ans das Unrecht meines Handelns schlug ich in den Wind. So vergingen die Jahre, ich benützte mein zeichnerisches Talent, .um die Juden bildlich zu verspotten und hatte eine Virtuosität darin bekommen, so daß mir kürzlich für jedes Postkartenbild 20 Mark in Frankfurt geboten wurden. Diese sollten zur Vervielfältigung verwendet werden, und so war ich bald in den gleichgesinnten Kreisen bekannt und beliebt. Mein Haß gründete sich auf die schoflige Gesinnung Einzelner und ich übersah manche edle Handlung von Juden gegen ihren Neüeumenschen und schob dabei immer geschäftliche Nebengedanken der Betreffenden vor. Lv kam der Krieg, die Aufrufe der Staatsbürger jüdischen Glaubens, die Todesanzeige manches jüdischen Soldaten. So viel edle Gesinnung gaben mir zu denken und ich sah immer mehr ein, daß man die Gesamtheit zu Unrecht verantwortlich macht für die Gemeinheiten Einzelner. Außerdem hat der Jude vor uns Christen, was Familiensinn und Mäßigkeit anlangt, sehr vieles voraus. Kurzum, es war mir schon lange als ein Unrecht vor Gott und den Menschen erschienen, seinen Nächsten zu verfolgen, weil seine Abstammung eirie jüdische war. Was mir aber die Feder in die Hand drückt, ist die Erkenntnis, daß ich Unrecht tat, die jüdischen Chefs für rohe materielle Menschen zu halten, und eine Erfahrung am eigenen Leibe tat das Ihrige noch!" Wogrom mit Porkcht. Das Budavester Blatt „Az Est" gelangte in den Besitz einer Nummer des „Rufkoje Slovv" vom 25. Oktober. in welcher auch ein Aufruf des Bürgermeisters von Moskau veröffentlicht ist, in welchem das Moskauer Stadtobwchaupt das Publikum ermahnt, wenn schon nicht anders, fo doch wenigstens in den Hauptstädten von größeren Pogromunruhen gütigst abfehen zu wollen. In dem Aufrufe heißt es unter anderem wörtlich: „Mit tiefem Bedauern muß ich es konstatieren, daß sich Menschen fanden, welche an der Veranstaltung von Pogromen ihre Freude findet: und jüdische Kaufleute ansaeplündert und ermordet und das Volk gegen sie aufgereizt und gehetzt Haber:. Ich warne die Bevölkerung, in Zukunft sich von Pogromdemonstrationen fernzuhalten, weil ich gezwunge:: sein werde, die Teilnehmer an den Unruhen zu bestrafen. Gleichzeitig weife ich die der Pogromgefahr ausgesetzten Firme:: an, ihre Geschäfte sofort zu schließen."