Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 45 (13.11.1914)
- Date
- 1914-11-13
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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■Misr M(iinir'iT.;i f i<p Seite 776 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 45 verschiedenen Wohlfahrtseinrichtungen eine gemeimmtzige Tätigkeit entfalten. Erst in zweiter Reihe käme die französische Sprache in Betracht. Sie wird von etwa 40.000 Personen in Palästina gesprochen. Selbstredend gehört nur ein kleiner Teil von diesen französisch sprechenden Personen in staatsbürgerlicher Beziehung zu Frankreich. Durch die politischen Fehlgriffe der französischen Diplomatie in den jüngsten Jahren hat die deutsche Sprache an vielen Stellen die französische verdrängt. Sogar in der staatlichen. Mittelschule in Konstantinopel wurde die deutsche Sprache als Pflichtgegenstand cingesührt. Die englische Sprache, die unter den in Betracht kommenden fremden Sprachen am geringsten vertreten ist, verdankt ihre Verbreitung außer der gut geleiteten Eveline de Rothschild-Mädchenschule den Hospitälern und Missionären, die im Hauptberuf die verwerflichste Seelenfängerei mit einem unbeschreiblichen Fanatismus betrechen. Durch die hebräischen Inschriften in allen ihren Stiftungen werden arme Unwissende aus den niedrigsten Volksschichten, zumeist aus dem benachbarten Aegypten, in ihr Netz gelockt, und die jüdische Wohltätigkeit von Jerusalem hat seit Jahrzehnten an der Bekämpfung dieser verschmitzten Schädlinge zu arbeiten. Die verhältnismäßig geringe Zahl der englischsprechenden Personen schließt in sich auch die gut organisierten amerikanischen Kolonien, die mit dein englischen Staatsbürgertum nichts gemein haben. Die eigentliche Landessprache in Palästina ist die arabische. Kaum 10 Prozent der Gesamtbevölkerung Palästinas, die auf ungefähr 700.000 Einwohner geschätzt wird, entbehrt die Kenntnis dieser Sprache. Leit jüngster Zeit 'wird in fast sämtlichen jüdischen Schulen auch das Türkische als Staatssprache unterrichtet. Als Volks- oder Umgangssprache käme an zweiter Stelle das Hebräische in Betracht. Nicht nur in fast sämtlichen neugegründeten jüdischen Schulen ist das Hebräische die Unterrichtssprache, sondern sie wird auch im wirtschaftlichen Leben, in der Familie und auf der Straße viel gesprochen. Es gibt sogar viele Christen und Araber, die hebräisch sprechen und im Geschäftsleben sich dieser Sprache bedienen. Auch die Postämter und Eisenbahnverwaltungen sind darauf angewiesen, ihre Kundmachungen in hebräischer Sprache zu veröffentlichen. Sie ist auch die einzige Verkehrssprache, welche die Juden der verschiedensten Länder gesellschaftlich und gemeindeamtlich in sprachlicher Beziehung mit einander verbindet. Durch die kritischen Vorgänge in Aegypten ist nun Palästina selbst sozusagen Kricgsgebiet geworden und die Notlage, von welcher die Gesamtbevölkerung Palästinas seit Beginn des Krieges heimgesucht ist, wird nun noch einen bedrohlicheren Charakter annehmen. Das Wort versagt angesichts des Jammers und des Elends, das den alten und neuen Jischuw im heiligen Lande getroffen hat. Die treubewährten Wächter der heiligen Trümmer aus allen Weltenden dürfen auch inmitten aller Drangsale ihr wachsames Auge von Erez-Jsroel nicht abwenden und müssen von jeder möglichen Seite helfend eingreifen, um eine lebensgefährliche Verletzung des Gesamtjischuw mit allen Kräften zu verhindern. In diesem Rettungswerke wird auch die Fürsorge für die Familienangehörigen der zum Militärdienst Eingerückten einen hervorragenden Platz einnehmen müssen. Das türkische Volk in allen seinen schichten ist tief durchdrungen, daß an diesem Weltkriege die Integrität seines Reiches auf dem Spiele steht. Die jüdische Bevölkerung Palästinas wird mit der größten patriotischen Begeisterung in angestammter Bürgertreue Gut und Blut auf dem Altäre des Vaterlandes opfern. Es ist darum eine doppelte Ehrenpflicht, Zions und Jeruscholaims in dieser schweren Bedrängnis nicht zu vergessen. Oom Jahrmarkt des Lebens. AeldwarschaffeuLnanL Adolf Kornhaber Witter von Müs. Feldmarschalleutnant Adolf K o r n h a b e r Ritter vor: Pilis im Honved-Kommando ist 58 Jahre alt, in Drohobycz geboren, erhielt als aktiver Oberst den Adel mit dem Prädikat „von Pilis", wurde im Monat Mai 1914 zum Generalmajor ernannt und dient jetzt im Honved-Kommando als Feldmarschalleutnant. Exzellenz von Kornhaber ist ein Bruder des langjährigen Bürgermeisters von Boryslav, Moses Jsak K o r n h a b e r. Das Novemberavancement hat sehr vielen Offizieren jüdischen Glaubens die Beförderung gebracht. Ein überaus großer Teil der zu Reserveoffizieren ernannten Fähnriche sind Juden. Von aktiven Offizieren können vorläufig nur einige genannt werden, da eine genaue Feststellung der Konfessionszugehörigkeit einige Zeit beansprucht. So wurden ernannt zu Oberstleutnanten die Majore Moriz Seinfeld (Infanterieregiment Nr. 43), Samuel Sandor (Infanterieregiment 77), zu Oberstabsärzten zweiter Klasse die Stabsärzte Dr. .Karl Radlmesscr, Karl Stern, Philipp Riwezes, Adolf Reitmann, zum Militär-Oberrechnungsrat der Rechnungsrat Maximilian Sternschein (XI. Korps). Endlich ernannt für hervorragende Leistungen den Regimentsarzt Dr. Emil H o ch m a n n zum Stabsarzt (zugeteilt dem Kommandanten der Balkanstreittruppen) und den Fähnrich Ludwig Löwy zum Leutnant (Infanterieregiment Nr. 102). Heldenmütiges Verhalten jüdischer Reserveoffiziere. Oberst Eberhart Mayerhoffcr von Vedropolje, Infanterieregiment Nr. 41, sagte am 11. September zu seiner Umgebung während der Schlacht bei Lemberg vor dem Waldgefecht: „Ich erstaune über den Mut und, die Todesverachtung der jüdischen Reserveoffiziere und kann meine Bewunderung über dieses heldenmütige Verhalten nicht unterdrücken." Auszeichnung jüdischer Offiziere und Krieger. Der Kaiser hat dem Sanitätschef des 15. Korps Oberstabsarzt 1. Klasse Dr. Eottlieb A r n st e i n in Anerkennung vorzüglicher Dienstleistung vor dem Feinds die Krirgsdekoration zu dem ihm schon früher verliehenen Eisernen Kronen-Orden 3. Klasse verliehen: ferner das Militärverdienstkreuz mit der Kriegsdekoration dem Major Heinrich Misch, Infanterieregiment 56; dem Leutnant i. d. R. Rudolf A r o n s o h n, Kanonierregiment 38. Das Ritterkreuz des Franz Josef-Ordens am Bande des Militäroerdienstkreuzes dem Hauptmann Hugo Prager des Infanterieregiments 76. Das Ritterkreuz des Franz Josef-Ordens am Bande des M:- iitärverdienstkreuzes verliehen in Anerkennung tapferen und aufopferungsvollen Verhaltens vor dem Feinde dem Stabsarzt Dokto>- Heinrich K o r a l e k des Infanterieregiments Nr. 52, Kommandanten der Brigade-Sanitätsanstalt Nr. 13. Das Militärverdienstkreuz mit der Kriegsdekoration in Anerkennung hervorragend tapferen Verhaltens vor dem Feinde dem Leutnant Maximilian Beck, Infanterieregiment 75. Die belobende Anerkennung (si num laudis) ausgesprochen dem Leutnant d. R. Edmund Löwy, Infanterieregiment 20; Leutnant d. R. Otto A ft mann, Festungsartillerieregiment 1; dem Oberarzt Dr. Bernhard Rarei, Infanterieregiment 58; dem Hauptmann Otto G r o ß m a n n; dem vor dem Feinde gefallenen Oberleutnant Maximilian Berger; dem Leutnant d. R. Adolf