Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 44 (6.11.1914)
- Date
- 1914-11-06
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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sssammssm WWW Sette 770 Dr. Blüch's Wochenschrift Nr. 44 Bezirksrat Philipp Bat. Die amtliche „Wiener Zeitung" vom Sonntag publizierte die mit Allerhöchster Entschließung vom 27. Oktober erfolgte taxfreie Verleihung des Ehrenzeichens zweiter Klasse für Verdienste um das Rote Kreuz an den Bezirksrat Philipp B a k. Es gereicht uns zur wahren Genugtuung, melden zu können, daß diese hohe Auszeichnung des Genannten in weitesten Kreisen und namentlich in der L e o p o l d ft a d t, in welcher Bezirksrat Philipp Bak seit vielen Jahren in ausgezeichneter Weise wirkt, sympathische Aufnahme gefunden hat. Von seinen Verdiensten um das Rote Kreuz abgesehen, ist Bezirksrat Philipp Bak wegen seiner rastlosen, unerschrockenen freiheitlichen Tätigkeit im öffentlichen Leben eine bestbekannte Persönlichkeit in Wien. Außerdem aber ist chm keine Arbeit zu viel, keine Mühe zu groß und kennt er keinen Unterschied des Tages und der Nacht, wenn es irgendein humanitäres Werk zu fördern gilt. Zahlreiche große Aktionen für die Armen des Bezirkes wurden von dem Bezirksrate Philipp Bak nicht nur inauguriert, sondern auch erfolgreich zu Ende geführt. Eine große Anzahl humanitärer Vereine, wovon wir in erster Linie die „Einheit" genannt haben wollen, deren Vorstandsmitglied er ist, erfreuen sich seiner ununterbrochenen kräftigen und wahrhaft väterlichen Fürsorge. Es muß dankbarst hervorgehoben werden, daß es seit vielen Jahren keine gute Sache und keine größere Wohlfahrtsaktion gibt, bei welcher Bezirksrat Philipp Bak nicht als Vorkämpfer und als einer der ersten und eifrigsten Arbeiter obenan stünde. So ist seit Ausbruch des Krieges seine umfassende Tätigkeit in der Kriegs- und Verwundetenfürsorge und in allen Notstands-, Ausspeisungs- und Bekleidungsaktionen allgemein bekannt. Ganz besondere und erfolgreiche Dienste leistet aber Bezirksrat Philipp Bak vom Beginn in der Flüchtlings für sorge, die ihm den tränenden Dank vieler dieser Unglücklichsten und Schwerstbetroffenen sichern. Er scheute diesbezüglich keine Arbeit und keine Kosten und bereiste sogar einzelne der zu traurigster Berühmtheit gelangten Sammellager, besser Baracken ge fäng nisse, um sich über den ganzen Jammer derselben persönliche Ueberzeugung zu verschaffen, und hat diesbezüglich an hoher und maßgebender Stelle Unterbreitungen gemacht, die nicht erfolglos bleiben können. Die hohe Auszeichnung dieses v erdienstvollen Mannes, der sich in weiten Kreisen lebhaftester Sympathien erfreut, wird daher auch allseits als eine durch dessen hervorragende Tätigkeit b e stverdiente empfunden. „Theologia", Verein jüdischer Hochschn.er an der rsr. Theol. Lehranstalt in Wien. Donnerstag den 29. v. M. fand in unserem Vereinslokal die Generalversammlung statt, die folgendes Wahlresultat ergab: I. Feld, Präses; N. S e i d m a n n, Vizepräses; M. L. Czaczkes, Kassier; S. Scheuer, 1. Schriftführer; H. Jo kl, 2. Schriftführer; S. Rubin, Nfk. — Der neugewählte Präses übernahm den Vorsitz, gedachte des plötzlich aus dem Leben geschiedenen Gelehrten Prof. Dr. Barth, durch dessen Ableben die jüdische Wissenschaft einen ungeheuren Verlust erlitten hat. Alle Mitglieder erhoben sich zu Ehren des großen Toten, worauf der Präses die Sitzung für geschlossen erklärte. Bethamidraschz „Talmud Thora", 2. Bezirk, Malzgasse 16. Der erste populär-wissenschaftliche Freitagabend-Vortrag, gehalten von Herrn Rabbiner H. Schenk, findet am 13. November, halb 8 ILhr abends — auch Frauen zugänglich — statt. Die weiteren Freitagabend-Vorträge werden regelmäßig angekündigt werden. Außerdem ist täglich nach dem Abendgebet ein Vortrag aus „R a s ch i M i s ch n a", S ch u l ch a n - Aruch usw. Sonntags halb 12 llhr und Samstags von 11 bis 12 llhr finden Vorträge für junge Geschäftsleute statt. — In sehr feierlicher Weise wurde am 29. v. M,, abends, der Jahrzeitstag — 10 Marcheschwan — nach dem vielfach verdienten Gründer und langjährigen Obmann unseres Bethamidrasch, des sel. A. Simon Buchwald, unter reger Teilnahme unserer Mitglieder begangen. Bitte um Brod! Das Unterzeichnete Komitee im 2. Bezirke, Große Mohrengasse 2, verteilt seit ungefähr vier Wochen an alle Flüchtlinge aus Galizien und der Bukowina, ohne Unterschied der Konfession, vollständig unentgeltlich und aus schwer aufgebrachten Mitteln Brot, um die größte Not zu lindern. Aus dieser spontanen Hilfe hat sich eine Institution gebildet, die täglich Hunderten der Aermsten mit der notwendigsten Nahrung hilft. Leider reichen die bescheidenen Mittel nicht aus, um den großen und wachsenden Anforderungen gerecht zu werden, weshalb es bald unmöglich wird, diese äußerst wohltätige Aktion fortzusetzen. Aus diesem Grunde erlaubt sich das Unterzeichnete Komitee edle Menschen zu bitten, ihm eine Spende, sei es Geld oder Brot, zukommen zu lassen, die direkt und im gleichen Maße an die armen Flüchtlinge verteilt wird. Wenn uns jeder, an den wir uns wenden, nur im bescheidenen Maße hilft, so wird unsere Tätigkeit aus längere Zeit gesichert sein. Allen edlen Spendern danken wir im vorhinein, Wer rasch hilft, hilft doppelt Das Komitee zur Brotoerteilung: Hugo Engel, Antiquitätenhändler. Josef Friedler Lederagentur. Alexander Geist, Lederhändler, Leopold Glatz, Beamter, Goldstein & Eislitzer, Buchdruckerei. Alois Gruber, Lederhändler. Daniel Horpatzky, Spediteur. Philipp Kahane, Exporteur. Friedrich Marmorek, Baumeister. Moritz Pinelles, Lederhändler. Adolf Schwam Privatier. Oskar Seinfeld, Lederhändler. N. Steinhart, Buchbinder. David Tänzer, Getreideagent. S. H. Weisser, Lederagentur. Ludwig Adler, Kaufmann, Samu Rosenzweig & Bruder Parfumes en gros. Jul. B. Weiß, Exporteur. Spenden sind zu senden an Herrn Hugo Engel, Antiqu.- Händler, 2. Bezirk, Große Mohrengasse 14. Austritte ans dem Judentum vom 25. bis inkl. 31. Oktober 1914. Donnat Viktor, Privätbeamter, geb. 22. Dezember 1887 in Wien, VIII,, Aibertgasse 39. Kantor Gustav, Handelsangestellter, geb. 26. September 1893 in Wien. Krans Richard, Kaufmann, geb. 29. November 1875 in Iglau, derzeit II., k. k. Prater, Rotunde. Reich Stefanie, geb. 27. November 1892 in Wien, X., Absberggasse 11. Spier Begine geb. fflondolfo, Private, geb. 18. Mai 1876 in Wien, II., Rotensterngasse 23. Spitzer Emma geb. Spitzer, Verkäuferin, geb. 9 Oktober 1875 in Wien, II., Rotensterngasse 23. Vogel Leopoldine, Schneiderin, geb. 9. August 1890 in Wien, V., Jobannagatse 42. Marienbad. Plötzlich und unerwartet verschied in der Blüte des Mannesalters Herr Bankdirektor Julius Holler im 41. Lebensjahre. Der Verblichene war eine Allseits beliebte Persönlichkeit und erfreute sich in allen Kreisen der höchsten Sympathien. Am 1. November wurde er hierorts zu Grabe getragen. An der imposanten Leichenfeier beteiligten sich alle Gesellschaftskreise, es erschienen Vertretungen der k. k. Bezirkshauptmannschaft, der Stadtgemeinde, der Geistlichkeit und der verschiedenen Wohltätigkeitsvereine. In der Zeremonienhalle intonierte Herr Kantor G o l d b e r g, begleitet von einem gemischten Chor, einen stimmungsvollen Trauerchoral, worauf Herr Rabbiner Dr. Diamant in einem tiefergreifenden Nachruf das humane Wirken und die innige Religiosität des 'Verewigten, der noch kurz vor seinem plötzlichen Hinscheiden mehrere Tausend Kronen jüdischen und patriotischen Zwecken zugeführt, zeichnete. Ehre seinem Gedenken. S. M. Gewitsch, 24. Oktober. In dieser Woche feierte der hochgeschätzte Leiter der hiesigen jüdischen Schille Herr Moritz Gottlieb seinen 60. Geburtstag, welche Gelegenheit sowohl die Stadtgemeinde als auch die hiesige Kultusgemeinde zum Anlaß einer besonderen Ehrung nahm. Herr Lehrer G o t t l i e b wurde als „Schelischi" zur Thora gerufen und bevor Herr Kantor Chaitm a n n den „Mischeberach" rezitierte, hielt Herr Rabbiner Doktor Isidor Kohn eine eindrucksvolle Ansprache, in welcher er das segensvolle Wirken, das der Jubilar seit 23 Jahren in der hiesigen Gemeinde entfaltet, mit rührenden Worten hervorhob und mit den Worten schloß: becha zraus Elanhenu japhrichun and jenuwun beszewoh, die da sprießen in den Hallen Gottes, die blühen noch im Alter fort. Von seiten der Gemeindemilglieder kamen Herrn Gottlieb zahlreiche Glückwünsche zu.