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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-11-06 · 44 (6.11.1914) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
44 (6.11.1914)
Date
1914-11-06
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nt 44 Dr. Bloch's Wochenschrift 765 Nun erzählen die letzten Kriegsberichte russischer Zeitungen folgende interessante Episode: Ein jüdischer Soldat bemerkte auf einer gefährlichen Erkundiguugsstrcifuug in Galizien einen gefangenen russischen Soldaten, der von zwei österreichischen Soldaten abgeführt wurde, und befreite ihn. Als er vor der Hauptwache erschien und 'vom Kommandanten den Dank erhielt, stellte es sich heraus, daß der Gerettete kein anderer als der Student Golubew war. — Ob nicht der nunmehr nach Kiew zurückgesandte verwundete Golubew, den die Tapferkeit des jüdischen Soldaten befreit hat, seine Muße zu Pogromvorbereitungen verwendet? Wie tragisch ist das jüdische Schicksal! Die Tapferkeit der jüdischen Soldaten bildet andauernd das allgemeine Thema in der Gesellschaft und in der Presse. Beinahe die gesamte Presse widmet diesem Punkte besonderes Interesse. Die russischen Zeitungen föititcit nicht verhehlen, daß sich die Juden als tapfere Soldaten betvähren. Amrichtung von elf Inden in einer polnischen Kreisstadt. In einem Feldpostbrief, den einer unserer Soldaten aus Russisch-Polen an die „Nowa Rcforma" gerichtet hat, wird das Schreckensregiment geschildert, das die Russen in Staszow, einer Kreisstadt im Gouvernement Kielce, geführt haben. Als die Russen infolge des siegreichen Vordringens unserer Truppen gezwungen waren, einen raschen Rückzug anzutreten, befahl der Kommandant, den Tempel zu beschießen und auszurauben. Auf das Flehen der ganzen Bevölkerung und nachdem den Russen ein großes Geldgeschenk gemacht worden war, stand der Kommandant von der Ausführung des Befehles ab. Er war aber noch nicht ganz besänftigt, fcemi er gab jetzt den Befehl, elf der angesehensten Juden der Stadt festzunehmen. Einen von ihnen ließ er auf dem Kirchenplatze aufknüpfen, während die übrigen zehn aus dem Platze angesichts einer großen Volksmenge erschossen wurden. Abschied vom gefallenen Kriegskameraden.^ Aus Großkanisza wird uns geschrieben: Der hiesige Advokat Dr. Bela Veida, Reserveleutnant des 38. Infanterieregimentes, hat am 14. September, als er seine Truppe zum Sturm führte, den Heldentod gefunden. Er war erst 33 Jahre alt und nahm hier eine allgemein geachtete Stellung ein. Seine junge Witwe/ die Tochter des verdienstvollen hiesigen israelitischen Gemeindesekretärs, erhielt von einem Kameraden ihres auf dem Felde der Ehre gefallenen Gatten ein Schreiben, in welchem der treue Kamerad, der gleichfalls Jude ist. den heldenmütigen Tod des Dr. Veida wie folgt schildert: „Unsere Truppe erhielt am 13. September, nachmittags 4 Uhr 30 Minuten, den Befehl, eine von den Feinden besetzte Höhe zu nehmen, um den Weg frei zu machen. Dr. Veida als Abteilungskommandant führte seine Abteilung mit Heldenmut vorwärts — der linke Flügel des 'Berges konnte nur im Sturm genommen werden —, kommandierte „Sturm!", und es gelang ihm auch, ungefähr 300 Serben in der Schanze zu vernichten. Zu unserer großen Trauer jedoch traf ihn eine feindliche Kugel am Kopfe und nach zehn Minuten war er verschieden. Unsere Kompagnie schritt weiter vorwärts, ich und sein treuer Diener namens Florian blieben bei ihm und trugen ihn in das im Tale befindliche Haus, und da es schon Nacht war, haben wir ihn erst am nächsten Morgen um 6 Uhr bestattet. Unter seinem Kopfe legte ich ein Bündel teurer heimatlicher Erde, den bei mir befindlichen Tallis Kattan legte ich auf seinen Leichnam und schluchzte an seinem Grabe das Kaddischgebet." Korrespondenzen. Itüchttingssiirforge. Die Zentralstelle der Fürsorge sür die F l ü ch t l i n g e a u s G a l i z i e n u n d d e r B u k o iu i n a entfallet in dem neuen städtischen Amtshause, 2. Bez.. Zirkusgasse 5, eine intensive, segensreiche Fürsorgetätigkeit, die sich gegenwärtig auf etwa 60.000 Seelen erstreckt und deren Kosten sich derzeit auf ungefähr 400.000 Kr. belaufen. Mit der Repräsentation nach außen, dem Verkehre mit den Ministerien, dem Magistrale und anderen Aemtern befaßt sich in erster Linie der offizielle Leiter dieser großangelegten Organisation, Herr Gemeinderat Doktor 2 ch w a r z - H i l l e r, der in seinen beiden Stellvertretern, den Herren Armenrat S. L e m b e r g e r und Bezirksrat S. M. R ü b n?r, aufopferungsvollste und sachkundige Mitarbeiter gefunden hat. Die ersprießliche Fürsorgetätigkeit der Zentralstelle erstreckt sich auf die Beköstigung, die Wohnung, die unentgeltliche ärztliche Behandlung, kostenlose Arzneiverabfolgung, Versorgung der Wöchnerinnen, Kinderbeaufsichtigung, unentgeltlichen Rechtsschutz, Bekleidung und eventuelle kostenlose Heimbeförderung der Flüchtlinge. Der Staat zahlt für die Wohnungsmiete 3 Kronen pro Bett und Woche und wird der entfallende Betrag halbmonatlich dem Vermieter per Postanweisung ins Haus geschickt. Als Koftbeitrag erhält jeder Flüchtling >inklusive Kinder' 2.10 Kr. pro Woche und Kopf für 14 Tage im voraus bar ausbezahlt. Jedoch erhöht sich dieser Betrag durch Gewährung von Z u s ch ü s s e n aus freiioill i g e n Spenden. Die Kleidersammelstelle hat bisher an 2000 Personen Kleider und Wäsche verteilt und wäre eine' Förderung dieser wohltätigen Institution angesichts des herannahenden Winters dringend angezeigt. Zu den Schöpfungen der Zentralstelle gehört auch die Teestube im Gebäude der Produktenbörse, wo täglich zirka 2000 Personen für 4 Heller einen ausgezeichneten Tee mit Milch oder Zitrone und ein Brot erhalten, weiters die zwei Asyle: II., Ennsgasfe 5 <100 Personen), Leiter die Bezirksräte Pollak und Haslinger, XVII., Hernalser Hauptstraße 73 <150 Personen), Gründerin Frau Dir. Weißenderg, und das Notguartier, II.. Körnergasse 2, wo Obdachlose (etwa 80 Personen) für eine oder mehrere Nächte Unterkunft finden. In den vierzehn Sektionen der Zentralstelle sind 140 meist freiwillige Mitarbeiter tätig, von denen wir die Damen Anita Müller, Grete K o h n. die Herren Komm.-Rat S. Rosen zweig, die Aerzte Dr. Julius Weiß, Dr. Glatt au er. Dr. Gustav Ko hu. weiters Dr. E i s i n g e r, Prof. S ch nabe l. Dr. B a ß. Doktor F r i e d l ä n d e r, Dr. P i e k a r s k i. R o s e n z w e i g jun., Stefan K a tz, Josef. B renn e r. Ludwig R a v p a p o r t. Alfred Pinz, Freu der jun., Bezirksrat Hofmann und Dr. Teltscher besonders hervorheben wollen. Allen diesen Freiwilligen im Kampfe gegen die Not der armen Flüchtlinge gebührt der vollste Dank eines jeden Menschenfreundes. Sch. Ein Rundgang durch die Kriegsleistungen der Vereine der Weiblichen Fürsorge. II. Aus spe i su n g e n. Rasch haben viele der in der Fürsorge vereinigten Vereine sich der Kriegslage angepaßt, schon bestehende Einrichtungen in ihren Dienst gestellt oder neue, weit über den Rahmen ihrer sonstigen Tätigkeit gehende geschaffen. Als Kinderfreundin war es mir ein großer Genuß, den sich manche Frau, die in der Lage wäre.

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