Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 44 (6.11.1914)
- Date
- 1914-11-06
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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«WMWWSMWWWSW 5»vi* 764 Es fiel am 18. Oktober der Unterarzt bei der 1. Garde-Pionier-Koinpagnie Dr. Heinrich Barth Ritter des Eisernen Kreuzes. Das Andenken an den tapferen, treuen, nimmermüden Helfer wird bei uns nicht verwehen. N i g m a n n Major und Kommandeur der Pioniere der Gardekorps. Bon den Vorgesetzten des jungen Arztes sind an die Eltern anläßlich seines Todes nachstehende Zuschriften gelangt: B.18. Oktober 1914. Sehr geehrter Herr Professor! Zu meinem aufrichtigen Bedauern mutz ich Ihnen mitteilen, daß Ihr Herr Sohn Heinrich, der meiner Kompagnie als Arzt zugeteilt war. heute den Tod für das Vaterland erlitten hat. Wir Offiziere der Kompagnie betrauern mit Ihnen in tiefem Kummer den schmerzlichen Verlust eines vorzüglichen Menschen, der uns in der kurzen, aber schweren und grlotzen Zeit ein lieber Kamerad und tüchtiger Helfer geworden war. Mit hoher Begeisterung für seinen Beruf hat er seine Kenntnisse oft und segensreich zum Wöhle der Soldaten angewendet, bei allen Gefechten der Kompagnie ohne Rücksicht auf seine Person nur seine Pflicht im Auge gehabt und oft im feindlichen Feuer furchtlos ausgehalten und sich betätigt. Die Möglichkeit, ihn zum Ritter des Eisernen Kreuzes in Vorschlag zu bringen, war mir eine ebenso große Freude, als es für ihn ein Stolz war, diese von ihm wohlverf diente hohe Auszeichnung zu tragen. Heute morgen hat ihn ein tückisches Artilleriegeschoß ereilt und seinem Leben ein schnelles Ziel gesetzt. Mit meinem Burschen zusammen und in meiner unmittelbaren Nähe ist er gefallen und möge es Ihnen ein kleiner Trost sein, datz ein plötzlicher Tod ihm jedes Leiden erspart hat. In einem Garten . . . haben wir ihn heute nachmittag im Beisein eines Feldgeistlichen beerdigt. Die Mannschaften der Kompagnie, von denen viele seine fürsorgende Hand empfunden haben, gaben ihm das letzte Geleit, während draußen noch die Geschütze der Schlacht donnerten. Sein Andenken wird in der Geschichte des 1. Garde-Pionierregiments als das eines Helden und tüchtigen Mannes fortleben und in Ehren gehalten werden und sein Name auf der Kriegertafe! prangen, wenn wir mit Gottes Hilfe diesen Krieg beendet haben. Die bei Ihrem Herrn Sohn Vorgefundenen Gegenstände, sowie seinen Koffer werde ich an Sie schicken lassen, ebenso das Eiserne. Kreuz, das auf Antrag der Familie belassen wird. Ich versichere Sie, verehrter Herr Professor, und Ihre Angehörigen nochmals meiner herzl. Teilnahme und drücke Ihnen im aufrichtigen Mitgefühl die Hand. Ihr sehr ergebener Hartung, Hauptmann. * * * B.18. Oktober 1914. Sehr geehrter Herr Professor! Sie werden durch Herrn Hauptmann Hartung schon dienstlich über den tragischen Tod Ihres Herrn Sohnes unterrichtet worden sein. Als militärischer Vorgesetzter Ihres Sohnes drängt es mich, Ihnen auch meine Teilnahme auszusprechen und Ihnen zu sagen, wie sehr ich den Gefallenen geschätzt habe und wie sehr ich mit Ihnen empfinde, datz Sie einen Sohn haben abgeben müssen, der eben seine Studien beendigt hatte und zu den besten Hoffnungen berechtigte. Dadurch, datz die Pionier-Kompagnie I dauernd beim Divisionsstab war, habe ich Ihren Sohn dienstlich und persönlich kennen gelernt und ihm öfter meine Zufriedenheit und Anerkennung ausgesprochen, weil er auch in schwieriger Lage nicht versagte, stets zur Hand war und mit großer Bravour und Selbstverleugnung für seine Verwundeten sorgte. Durch Verleihung des Eisernen Kreuzes ist ja auch seine Tapferkeit ganz offiziell anerkannt worden. Ich sehe chn noch vor mir, wie er strahlte, als er mir vorgestern die Verleihung dieses schönen Ordens meldete. Gestern hatte ich ihm einen vorzüglichen Qualifikationsbericht geschrieben und ihn zur Beförderung zum Assistenzarzt eingegeben. Sollte das Geschick mich nach Berlin zurücksühren, so werde ich mir erlauben, persönlich bei ihnen vorzusprechen. In vorzüglicher Hochachtung ergebenst Jeimann Generaloberarzt und Divisionsarzt der I. Garde-Infanteriedivision. Km orthodorer Raöviner. Daß sich ein Rabbinatskandidat im Frontdienst das Eiserne Kreuz erwirbt, ist eine Seltenheit, wenn es nicht überhaupt dev erste Fall ist. Der aus Stratzburg gebürtige Unteroffizier des Nr. 44 136. Infanterieregiments S am y Brom, der nach Absolvierung der Frankfurter Jeschiwah das orthodoxe Rabbinerseminar in Berlin besuchte, an dem er die Prüfung bereits bestanden hat, erwarb sich diese Auszeichnung am französischen Kriegsschauplätze. In Deutschland werden die Hörer der Theologie erst nach Antritt des geistlichen Amtes vom Waffendienst enthoben. Es dürfte jedenfalls sehr interessant sein, wenn ein konservativer Rabbiner bei Festlichkeiten, geschmückt mit dem Zeichen der Tapferkeit, aus der Kanzel erscheinen wird. I. B. Wußland leugnet, den Juden Zusagen gemacht zu haben. Die angesehene Newyorker Zeitung „Thessun" hat durch ihren Londoner Korrespondenten bei dem dortigen russischen Botschafter arrfragen lassen, welche Bewandtnis es mit den angeblichen Zusagen der russischen Regierung, den Inden für ihr heldenmütiges Verhalten in dem gegenwärtigen Kriege die volle Gleichberechtigung zu geben, habe. Der russische Botschafter in London hat, lvie der Korrespondent seinem Blatte kabelt, erklärt, daß ihm nicht bekannt sei, daß die Regierung eine Aenderung der Rechtslage der russischen Juden beabsichtige, das heißt die Lage der Juden in Rußland bleibt dieselbe, wie sie bisher war, und alle Gerüchte, welche vom Gegenteile zu melden wüßten, sind nichts als leere Erfindungen. Der russische Botschafter habe den Korrespondenten verwundert angesehen und gemeint, er wisse nicht, wie solche Gerüchte entstehen und verbreitet werden konntell. Unschuldiger russischer Botschafter! Die Iudenausmeisungen hören in Rußland auch während des Krieges nicht auf. Aus Zürich wird berichtet: Die Ausweisungen von Juden aus den russischen Städten haben sicherem Vernehmen nach wieder begonnen, trotzdem der Minister des Innern einen Erlaß herausgab, daß mit den Vertreibungen der Juden aus den Städten bis nach dem Kriege gewartet werden möge. Die einzelnen Gouverneure scheinen sich um diesen Erlaß nicht zu kümmern, denn sie untersucheil selbst jetzt, wo so viele Tausende von Juden für Rußland kämpfen, hochnotpeinlich das sogenannte Wohnrecht jedes einzelnen Juden, und bei dem geringsten Formfehler wird mit der Vertreibung des,Betreffenden vorgegangen. Auf soWe Weise wurden in den letzten Wochen ganze Massen jüdischer Familien aus den russischen Städten in das berüchtigte jüdische Ansiedlungsgebiet zurückgetrieben. Russische Träume. Die „Jewish Gazette" in Newyork erhält aus Petersburg die Meldung, daß der russische Balkanverein, welcher eine Abteilung des großen allrussischen Verbandes bildet, Ende September eine Versammlung abhielt, in welcher beschlossen wurde, in Rußland dafür zu agitieren, baß der Besitz der galizischen Juden konfisziert und an Russen, und zwar an echte Russen, verteilt werde. Eine Ironie des Schicksals. Wer kennt nicht in Rußland den Namen des Studenten Golubew? Vor allem den Juden in Kiew ist dieser Name nur zu sehr geläufig. Spricht man von einem bevorstehenden Pogrom, so taucht schon der Name Golubew auf. Golubew ist ein 26 jähriger Student, den die kadettischen Abgeordneten in der Duma als den „gefährlichsten Verbrecher Rußlands" bezeichnen.: Hat'doch der frühere Untersuchungsrichter in Kiew, Fenenko, erklärt, der ganze Beilisprozeß hätte nicht ftattgefunden. wenn ihn nicht der Studiosus G o l u b e iu, der Führer der patriotisch-verbrecherischen Bande des „Doppelköpfigen Adlers", gewollt hätte. Die Kiewer Juden sagten, als dieser Mann zum Militärdienst einberufen wurde, dies sei das erste erfreuliche Ereignis seines Lebens. Dr. Bloch's Wochenschrift