Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 44 (6.11.1914)
- Date
- 1914-11-06
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nt. 44 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 763 Augenblick zur Ruhe gekommen waren, zum Feldwebel: „Schreiben Sie den Mann auf, der hat seine Sache gut gemacht." Am nächsten Tag hat mich der Leutnant dann selbst zum Major geführt, der mir das Eiserne Kreuz überreichte. Alle Offiziere des Bataillons drückten mir die Hand und beglückwünschten mich mit den Worten: „Sie Haben Ihre Sache gut gemacht." Am folgenden Tage meinte ein Oberleutnant: „Sie heißen Wachtel: in meiner Kompagnie ist auch ein Wachtel, der das Eiserne Kreuz erhalten hat. Recht so von Euch Leuten, daß Ihr Euch so tapfer zeigt." Wie der Zufall will, ich treffe auch alsbald den bewußten Wachtel: ich spreche ihn an; es ist Rechtsanwalt Wachtel von Gotha." (Reservist Nathan Wachtel aus Erfurt, Res.-Regt. 82.) Essen. (Befördert.) Der 56jährige Kriegsfreiwillige Daniel Treu von hier wurde zum Oberleutnant befördert. Köln. (Belohnung eines tapferen jüdischen Rekruten.) Der Oberst vom Infanterieregiment Nr. 25 sandte nach der „Köln. Zig." den Eltern des Hch. Hertz, der als Rekrut die von den Franzosen den Deutschen abgenommene Fahne in der Nacht wieder abnahm und für diese Tat zum Unteroffizier befördert wurde und auch das Eiserne Kreuz erhielt, als Anerkennung für die tapfere Tat ihres Sohnes 50 Mark. Bühl (Baden). (Militärische Auszeichnung.) Dem Einjählig- Freiwilligen Unteroffizier der Feldartillerie Mar Rosenfeld, Sohn des Kaufmanns Albert Rosenfeld, hier, wurde vom G r o tzherzog von Baden für große Tapferkeit die goldene Verdien st medaille verliehen. Nürnberg. (Militärische Auszeichnung.) Dem jüdischen Kaufmann Fritz Eichbaum, stellvertretenden Lazareltinspektor von hier, wurde für Tapferkeit das bayrische Militürverdienstkreuz 2. Klasse mit Krone und Schwertern verliehen. Gottesdienst im Jeindeskand. Die „Kölnische Zeitung", Nr. 1187, vom Donnerstag, 29. Oktober 1914, veröffentlicht folgenden Feldpostbrief eines jüdischen Sanitätsgefreiten, der von einem jüdischen Gottesdienste im Felde berichtet: Gestern war Versöhnungsfest. Um 7 Uhr morgens erfuhr ich, daß in R., etwa 4 Kilometer von hier, jüdischer Gottesdienst sei. Unser Kompagnieführer gab uns (es sind drei Juden in der Kompagnie) selbstverständlich frei, um dort hingehen zu können. Leider war die Nachricht, daß Gottesdienst sei, nicht genügend genug bekannt gegeben, so daß nur etwa 60 bis 70 Juden erschienen waren. Die hier liegenden Divisionen beherbergen aber eine mindestens drei- bis viermal so starke Anzahl Juden. Der Gottesdienst fand in der katholischen Kirche statt. Welch merkwürdiges Bild. Jüdischer Gottesdienst in einer katholischen Kirche, die zudem zur Aufnahme Verwundeter und auch als Schlafraum für Soldaten dient! Rabbiner Dr. N. aus .Magdeburg leitete den Gottesdienst. Einer aus unserer Mitte betete ror. Die Gebetbücher wurden vom Rabbiner verteilt: aber er brauchte nicht oielo herzugeben, denn unsere Jstden hatten fast alle ihre Gebetbücher mitgebracht. War das schön! Der Rabbiner sprach, aber nach wenigen Worten kam er nicht weiter, er weinte. Jetzt, um dieselbe Stunde war zu Hause, in der ganzen Welt, wo Juden wohnen, die Totenandacht. Wie sieht es wohl bei uns zu Hause, in den Synagogen aus? Nein, man darf nicht daran denken, inan darf es nicht. Hart muß man bleiben. Kanonendonner dringt zu uns herein und mahnt uns, tapfer und mutig zu sein. Da beißen wir denn die Zähne zusammen, und es scheint fast, als ob ein jeder einzelne lächle. Der Rabbiner spricht weiter. Er flüstert fast. Leise, gedämpft dringt feine Stimme von der Kanzel der katholischen Kirche, unserer Synagoge. „Jeder werfe einen Rückblick auf sein vergangenes Leben und lege sein Leben in Gottes Hand." Wer das in sonstigen Jahren nicht mit wahrem, innigem Bewußtsein getan, jetzt tut er es. Noch, nie, noch nie gab es für uns so ein Versöhnungsfest wie gestern. So haben wir es noch nie miterlebt. Dann sprach der Rabbiner das Schemah-Jsrael vor, und wir sollten es nachsprechen. Das Schemah, das erste Wort, dröhnte durch die Kirche fast wie ein Schrei; dann kam keiner weiter. Willenlos weinten wir. — Der Gottesdienst ist zu Ende. Vor der Kirche empfängt uns lachender Sonnenschein. Wir sind wieder Soldaten, lachen auch wie die Sonne, plaudern und erzählen uns. Was war denn, hatten wir geweint? Ach wo, Männer weinen nicht, Männer kämpfen. Vier Juden mit eisernen Kreuzen sind dabei. Sie erzählen von vielen jüdischen Kameraden, die auch das Eiserne Kreuz haben, aber zum Gottesdienst nicht kommen konnten. Hui, wie die Granaten pfeifen. Wir müssen rauf in die Schützengräben. Die Franzmänner werden übermütig. Heute wollen wir wieder Keile austeilen. Auf Wiedersehen, Kameraden. Sukkoth ist wieder Gottesdienst. Auf Wiedersehen. Jeldpostbrief eines jüdischen Sokdalen im deutschen Leere. Das „Hamburger Echo" veröffentlicht folgenden Feldpostbrief vom 16. September: „Meine lieben Alten! In fliegender Hast und Eile ein paar Zeilen. Unser viertes Korps, 'besonders mein Regiment, hat Unglück gehabt. Seit dem 6. September befinden wir uns in einer mörderischen Schlacht, in der wir vorgestern zurückgedrüngt worden find, uns nunmehr aber jenseits der . . . auf einer Höhe verschanzt haben, die wir lebendig unseren Feinden nicht überlassen werden. Erlaßt es mir. Euch aus diesem Ringen heute Einzelheiten zu schreiben: es ist zu furchtbar: H. ist verwundet, unser Major und ein anderer Batterieoffizier sind tot; ein einziger Schlachttag (vorgestern) kostete dem Regiment fünfzig Mann und sechs Offiziere an Toten und Verwundeten. Meinem Batteriechef, der sich mir gegenüber einmal äußerte, daß er sich wunderte, daß ich als I u d e ein so guter Soldat wäre, habe ich endlich auch den Beweis persönlichen Mutes geben können. Also hört: "Am 8. d. mußten wir eine Stellung aufgeben und wegelt Pferdemangels unsere sechs Munitionswagen auf dem Kampffeld lassen. Am nächsten Tage wurde die Batterie zusammengerufen und aus das Kommando: „Freiwillige vor!" trat ich sofort als einziger Unteroffizier vor und erbot mich, die sechs Wagen wieder aus dem feindlichen Gelände zu holen. Bon den Segenswünschen meiner Batterie begleitet, machte ich mich dann mit zehn erprobten Leuten und zwei Bespannungen bei anbrechender Dämmerung auf den Weg, verständigte mich mit unseren Jnfanterievor- Posten und pirschte mich dann an die Wagen, zuerst einmal allein auf deni Bauche kriechend, heran, um mich von ihrer Transportfähigkeit zu überzeugen. Dann holte ich meine Leute mit beit Prosten und holte erst ein'mal vier Wagen, brachte die in Sicherheit und holte alsdann die übrigen zwei sowie viele lose Munition, Geschützzugehör und unsere Toten. Zweimal riefen mich feindliche Patrouillen an, drei Schüsse wurden auf uns abgegeben: dennoch mußte ich meine Leute anhalten, nicht eher zu weichen, bis alles verpackt und geborgen war. Bor dem äußersten Schützengraben empfing mich unser Regimentskommandeur, gab mir die Hand und sagte: „Das haben Sie sehr brav gemacht, Kamerad, ich danke Ihnen!" Na, das Märchen von der jüdischen Feigheit habe ich wenigstens für unser Regiment wohl gründlich zerstört. Und wenn mir kein anderer Lohn wird, so ist mir dieses Bewußtsein überreichlich genug. . . ." Lekderttod des med. Dr. Heinrich Barty. Den Heldentod des med. Dr. Heinrich B a r t h, der tags zuvor mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet wurde, haben wir bereits in der letzten Nummer gemeldet. In der Dienstag-Morgen-Nummer der Berliner „Täglichen Rundschau" widmet ihm das R e g i m e n t folgenden Nachruf: