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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-11-06 · 44 (6.11.1914) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
44 (6.11.1914)
Date
1914-11-06
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 760 Dr. Btochr Wochr«ir-L.ir. Nr. 44 in der Reserve, Tr.-Div. 9, für hervorragende Leistungen vor dem Feinde vom Armeeoberkommando zum Obe rleutnant befördert. Er ist ein geborenerMisteker,Konzipient in Mähr.-Oftrau, Alter Herr der Verbindung „Unitas". Km jüdischer Arzt als Ketd. Der Wiener Augenarzt Dr. Heinrich Heim, ein gebürtiger Soproner (Oedenburg), war feit anfangs August als Assistenzarztstellvertreter beim 24. Infanterieregiment auf dem Kriegsschauplätze tätig. Trotz einer im August am Fuße erlittenen Schrapnellverwundung versah Dr. H. H e i m seinen anstrengenden Dienst weiter und wurde für besondere Verdienste zum Assistenzärzte und am 28. August zum Oberarzt befördert. In einem Gefecht bei Lublin trug er seinen verwundeten Hauptmann aus der Feuerlinie, wobei er selbst am Oberarm durch einen Schrapnellschuß verlvundet wurde, und erhielt Dr. H. H e i m für diese hochherzige mutige Tat das Goldene Verdien st kreuz mit der Krone. Dr.Heim war inUngvar im Feldspitale und wird am 1. November wieder zu seinem Regimente auf dem Kriegsschauplatz einrücken. Budweis, 28. Oktober. (Ueberrcichung der TapferkeitsMedaille.) Am 27. Oktober d. I. fand im Vereinsspital vom „Roten Kreuz" im Budweiser Priesterseminär die feierliche Uebergabe der Tapferkeitsmedaille an den dortselbst verwundet liegenden Feuerwerker des k. u. k. Feldkanonierregiments Nr. 24 Karl Weiß köpf statt. Derselbe ist ein Sohn des israelitischen Tempeldieners in Budweis und hat noch zwei Brüder im Felde stehen, von denen sich einer in russischer Gefangenschaft in Moskau befindet. Der infolge seiner Verwundung und Erkrankung hier weilende Regimentskommandant Oberst Adalbert Nobile de G i o r g i hob in einer erhebenden und rührenden Ansprache die hervorragende Tapferkeit, Umsicht und Unerschrockenheit des Führers Weißkops hervor, der bereits am Vorabend des Allerhöchsten Geburtsfestes des Kaisers, am 17. August, die Aufmerksamkeit seiner Vorgesetzten durch eine zündende Ansprache, die er anläßlich dieses Festes hielt, aus sich gelenkt hatte. Am 19. August bewies Führer Weißkopf seine vorzügliche Befähigung für die ihm zugewiesene Aufgabe in so außerordentlicher Weise, daß er erst nach seiner Verwundung durch einen Schrapnellschuß seinen Platz verließ. Unter außerordentlichen Schwierigkeiten und Mühen gelang es ihm, trotz seiner schweren Verwundung, endlich Zu seinem Regimente zurückzukommen. Oberst de Giorgi betonte weiter in feiner Ansprache, daß ein hauptsächliches Verdienst Weißkopfs die persönliche Aufmunterung seiner Kameraden gewesen sei, indem er die in jedem von ihnen schlummernde Begeisterung zu wecken verstand. Oberst de Giorgi beglückwünschte den Führer W e i ß k o p f in wärmsten Worten zu der ihm zuteil gewordenen hohen Auszeichnung, die ihm für die ganze Zeit seines Lebens eine Erinnerung an die rühmreichen Kämpfe sein solle, denen er beigewohnt hat. Zum Schlüsse brachte der Redner ein von allen Anwesenden stürmisch wiederholtes Hoch auf den allergnädigsten Kriegsherrn Se. Majestät den Kaiser Franz Josef I. aus. Namens der Stadtgcmeinde beglückwünschte Herr Bürgermeister T a s ch e k den Ausgezeichneten als treuen Sohn seiner Vaterstadt und gab namens der Anwesenden gleichfalls den allgemein herzlichsten Wünschen für das fernere Wohl desselben Ausdruck. Vor Rührung übermannt, dankte der Ausgezeichnete den Anwesenden für ihre ihn hoch erfreuende und ehrende Anwesenheit und gedachte auch des gefallenen Leutnants Schuster, dessen hervorragende Beweise von Tapferkeit demselben ein dauerndes ehrenvolles Gedenken sichern möge». Der Feier, die im Krankenzimmer des Führers W e i ß k o p f stattfand, wohnten außer den Eltern des Dekorierten die Mitglieder des Verwaltungsausschusses vom „Roten Kreuz"-Spital bei. Die Feier machte auf alle Anwesenden einen überaus erhebenden Eindruck. Sechs Söhne veim Militär. Frau Sophie Bloch in Neuern im Böhmerwalde hatte seit Kriegsbeginn fünf Söhne in der Front. Einer wurde an der Hand verwundet, geht aber in einigen Tagen wieder an die Front zurück. Der sechste Sohn wurde am 9. Oktober im Landsturm ausgemustert und hat sich, nachdem er die Matura abgelegt hatte, gemeldet, um sofort den Militärdienst anzutrcten. Alle anderen sind gesund vor dem Feinde. Äus dem Aekdpostvrief eines ungarischen Lmldstmm-NekdweSets.' ... (£5 ist unerhört, wie das russische Heer mit seinen polnischen und jüdischen Soldaten umgeht. Diese werden nach den gefährlichsten Punkten geschickt. So wurden z. B. beim. Angriff auf die Festung P r z e m y s l zur Erstürmung der Festungsschanzen nur polnische und jüdische Soldaten verwendet. Als diese von unseren Truppen zurückgeschlagen wurden, sind sie von hinten durch die Maschinengewehre ihrer eigenes Truppen zum erneuten Angriff gezwungen worden. Alle Gefangenen berichten dies. Unter den gefallenen Russen ist ausfallend viel jüdische und polnische Mannschaft. Diese werden einfach zur Schlachtbank geführt. Rührende Szenen kann man hier sehen. Einzelne jüdische Soldaten haben vor dem Festungsangriff ihren weißen Kittel, den man am Jomkipur trägt, angezogen. In ihren Taschen fand man Briefe, in denen sie unsere jüdischen Sanitätssoldaten und diejenigen, die sie beerdigen, bitten, bei ihrer Auffindung und nach ihrer Beerdigung einen Kaddisch nach ihnen zu sagen. Die russischen Offiziere benehmen sich sehr feige. Bei den Angriffen sind sie immer hinten und treiben die kämpfenden Soldaten mit Kantschuschlägen in die Feuerlinie. Rosch-Haschono, Jomkippur und Sukkoth baben wir — einzelne, denen ihr Dienst es gestattete — wundervoll verlebt. Gottesdienst haben wir in einer kleinen Bauernstube eingerichtet Eine Sefer-Thora bekamen wir aus einer Privatsynagoge des benachbarten Przemysl. Einen sehr guten Vorbeter hatten wir in der Person eines sehr religiösen Landsturm-Feldwebels. Der Gotte s d i e n st wurde in einer sehr innigen und andächtigen Weise gehalten. So viel Personen, so viele Waffengattungen haben daran teilgenommen. Infanterist, Husar, Artillerist, österr. Landwehr, Ulaner, Dragoner, Sanitäter und 2 Offiziere bildeten das andächtige Publikum. Der Umstand, daß am Jomkippur ein sehr starker Festungsangriff stattfand und man den ganzen Tag fürchterlichen Kanonendonner hörte, trug noch zur Erhöhung der andächtigen Stimmung bei. Es scheint doch, daß der liebe Gott unsere Gebete erhört hat und unsere Truppen zum Siege verhals. Aeldpostbries. Der am 1. Oktober dieses Jahres mit der silbernen Tapserkeitsmedaille ausgezeichnete Zugsführer des Infanterieregimentes Nr. 44 Armin Weiner berichtet seinem Cousin Sandor Weiner in Wien ausführlich wie er sich die hohe Auszeichnung erwarb. „Ich war in der vordersten Reihe bei der Besetzung Schabah'. Wir hatten noch Bajonettangriff gegen die Serben. Ich stürmte in der Nähe meines tapferen Kommandanten auf die Serben los und bemerkte, wie ein Schrapnellschuß unseren braven Kommandanten getroffen hat. Der Kommandant wankte vor Schmerzen, ich fing ihn auf, im großen Kugelregen führte ich ihn hinter unsere Schwarmlinie. Während wir uns umtehrten, erhielt der Kommandant von rückwärts wieder einen Gewehrschuß in den Fuß. Run kannst Du Dir vorstellen, wie ich mit eigener Lebensgefahr den Herrn Kommandanten weggeschafft und gleich erste Hilfe ihm leistete, indem ich ihn die blutenden Wunden verband. Die hohe Auszeichnung habe ich aus diesem Grunde erhalten, Wie Du bereits aus meinen früheren Feldpostkarten erfahren hast, war ich auch um Lemberg. Von dort gingen wir 13 Tage zu Fuß um Stary Sambor, da wurde ich am linken Fuße von den elenden Russen leicht verwundet. Ich ertrage leicht meine Verwundung, weil wir damals die Russen schändlich niedergemacht haben. — Ich bin gegenwärtig im Roten Kreuz-Spital in Kassa, wo wir sehr gut behandelt werden. Se. kaiserliche Hoheit

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