Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 43 (30.10.1914)
- Date
- 1914-10-30
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Sette 744 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 43 rung entgegenzunehmen, daß mir Ihren Schmerz voll und ganz teilen. Ihr Herr Gemahl starb bei Stronykaby, wo er unter meinem Kommando den linken Flügel befehligte, als wahrhafter Held in eiserner Pflichterfüllung mit der Absicht, seine Leute zum Siege zu führen. Er war uns ein selten lieber Kamerad. Der Herr Gemahl erfüllte seine Pflicht in seltener Treue bis zum letzten Atemzug und sein Andenken als das einer Zierde des Offizierskorps wird in uns weiterleben. Gott beschütze Sie, hochverehrte gnädige Frau." Der ßeCbetttob des Leutnants HsLar Singer. An den Neuerner Advokaten Dr. Singer, dessen ältester Lohn sich als Leutnant auf dem nördlichen Kriegsschauplätze heldenmütig geschlagen hat und den Ehrentod für das Vaterland gestorben ist, traf vom Kompagniekommandanten folgender Brief ein: „Nehmen Sie nochmals den Ausdruck meines tiefsten Beileids entgegen und es fei Ihnen ein teilweise! Trost, zu erfahren, daß Oskar, mein einziger aktiver Offizier, als Held starb! Denn nach der ersten Verwundung feuerte er seine Mannschaft an, in der Stellung auszuharren. Knapp darauf wurde er tödlich verwundet. Am 21. August bei Zborow — über seine Bitte — auf Rekognoszierung auf ca. 21. Kilometer vorgeschoben, vertrieb er ein K.o sakenregiment, geriet aber ins feindliche Artilleriesfeuer und wurde etwa um 4 Uhr nachmittags schwer verletzt, so daß er nicht mehr zum Bewußtsein kam und am nächsten Tag im Zivilspital in Zborow um 10 Uhr vormittags verschied. Von dort aus wurde er begraben. Die letzte Ehre konnten wir ihm wegen plötzlichen Abmarsches nicht mehr erweisen, was uns sehr leid tat. Zn seinem Nachlaß befindet sich auch ein Notizbuch mit einem am 25. August geschriebenen Brief an die Eltern. Der Nachlaß wurde von mir dem Kommando eingesendet und wird Ihnen wohl bald zukommen. Obzwar ein junger Offizier, war er sehr tüchtig und von mir hochgeschätzt und ich, verlor an ihm meine einzige Stütze, die ich im viel blutigeren Gefecht vom 27. August (nördlich Brzezany) sehr vermißt habe." Der zitierte letzte Brief des jungen Leutnants Oskar S i n g e r lautet: Meine Lieben! Hoch Oesterreich! Wenn ich falle, so sterbe ich freudig, denn von dem ersten Moment an dachte ich mir, wie ich zum Militär ging: „Zm Krieg zeigt sich der Mann und ich will ein ganzer Mann sein!" Seid nicht böse, aber mein Trennungsschmerz wird ganz von der Begeisterung vertrieben. „Nur vorwärts!" ist meine Devise. Wenn ich falle, so weiß ich sicher, daß ich von meinen Kameraden und von meinen Soldaten betrauert werde. Meine Dienstzeit war kurz — aber schön! Bedankt Euch bei meinen Kameraden und Vorgesetzten und seid Alle geküßt von Eurem O s k a r. Grüßt mir den Böhmerwald! Leopold Mayer gefallen. Leopold Mayer, einer unsrer bekanntesten und besten Schwimmer, ist am 21. September auf dem südlichen Kriegsschauplätze gefallen. Leopold Mayer rückte als Leutnant ein und erwies sich bei den Kämpfen gegen Serbien als einer der schneidigsten und tapfersten Offiziere. Cr hatte sich bei verschiedenen Gelegenheiten vor dem Feinde ausgezeichnet und wurde deshalb auch zur Belobung oorgeschliagen. Am 21. September war es nötig, so schreibt ein Kamerad Mayers, Leutnant Heinrich Brey, mit dem uns benachbarten Regiment die Verbindung aufzusuchen, und aus diesem Grunde wurde Dr. Mayer mit einer Patrouille, zu deren Führung er sich sofort freiwillig meldete, dorthin entsendet. Bei der Ausführung seines Auftrages dürfte er in demunübersichtlichen Kukuruz offenbar knapp an die Stellung des Feindes geraten fein und wurde von ihm mit heftigem Gewehr- und Maschinengewehrfeuer überrascht. Um sich zu decken, warf sich die Patrouille aus den Boden und zerstreute sich in kriechender Stellung; der letzte, der unsern Kameraden Mayer sah, war ein Gefreiter, der schwer verwundet von uns gefunden wurde. Dieser Mann sagte uns daß unser Kamerad Leutnant Mayer wohl der Patrouille befahl sich zu decken, daß er selbst aber aufrecht stehend, den Gucker in der Hand, den Feind weiter beobachtete, ein Verhalten, das ihm in seiner Kühnheit nach und nach zur Gewohnheit geworden war. Aus diese Aussage des Verwundeten hin sandte ich sofort eine zweite Patrouille aus, die nach dem weiteren Schicksal des Leutnants Mayer zu forschen hatte und die, obwohl sie sich den größten Gefahren aussetzte leider erfolglos zurückkehrte. So war denn die Kompagnie trotz weiterer Nachforschungen ohne Nachricht über Dr. Mayer. Wir dachten deshalb, daß es ihm gelungen sei sich einem benachbarten Regimente anzuschließen, oder daß er im schlimmsten Falle in die feindliche Gefangenschaft geraten war. Einige Tage später erfuhren wir, daß Soldaten eines andern Regiments Dr. Mayer tot auffanden. Dr. Mayer war seinerzeit unser bester österreichischer Schwimmer. Er stellte viele Bestleistungen aus und gewann etwa vierzig Meisterschaften, darunter wiederholt die Donaumeisterschast. Generalmajor Keinrich Ulrich Kdler von Jrenkfieim ist am 14. Oktober im 67. Lebensjahre in Wien als treuer Jude gestorben. Geboren in Lemberg als Sohn des im Jahre 1895 verstorbenen Stabsarztes Dr. Ignaz Ulrich, lvurde der Verewigte am 1. September 1865 an der k. k. Pionier- Schulkompagnie in Tulln zum 53. Inf.-Regt, ausgemustert und am 1. Mai 1866 zum Leutnant ernannt. In diesem Regiment, dem auch sein Vater als Regimentsarzt zugeteilt war, machte er den Feldzug gegen Italien und den letzten Teil gegen Preußen mit, dann als Oberleutnant die Okkupation in Bosnien und Herzegowina. November 1881 zum Hauptmann befördert, wurde ihm April 1892 „in Anerkennung der mehrjährigen, besonders eifrigen und erfolgreichen Truppendienstleistung als Unterabteilungskommandant" das Militärverdienstkreuz verliehen. Im Mai 1893 erfolgte seine Ernennung zum Major, Juli 1896 wurde ihm der Ädelsstand mit dem Ehrenworte „Edler" und dem Prädikate „Trenkheim" verliehen, und nach fast 31jähriger Dienstzeit im selben Regimente wurde er zum Jnf.-Regt. Nr. 29 transferiert, in welchem er Mai 1897 zum Oberstleutnant, November 1900 zum Oberst avancierte. Am 17. Oktober 1902 zum Kommandanten des Jnf.-Regts. Nr. 72, mit 16. Juli 1906 zum Kommandanten der 69. Jnf.-Brigade und am 1. November desselben Jahres zum Generalmajor ernannt, trat er im August 1909 auf eigenes Ansuchen in den Ruhestand. Im Jahre 1906 wurde ihm der Eiserne Kronenorden 3. Klasse verliehen. Generalmajor Ulrich war außerdem Besitzer mehrerer ausländischer Dekorationen, u. a. des preußischen Roten Adlerordens 2. Klasse. Das Leichenbegängnis fand am 16. Oktober auf der israelitischen Abteilung des Wiener Zentralfriedhofes statt, wo auch sein Vater und einer der Brüder, der gewesene Generalstabsarzt Dr. Ulrich, bestattet sind. Jakob B. Oberstabsarzt Ar. WHMpp Wbogen ist vergangene Woche in Wien im hohen Alter von 96 Jahren gestorben. In Jungbunzlau geboren, wurde er nach der Promotion zum Oberfeldarzt ernannt und machte mit dem Jnf.-Negt. Nr. 4 den Feldzug in Ungarn (1849) mit. Als Regimentsarzt machte er den Feldzug von 1859 mit dem 2. Genie-Bataillon und den gegen Preußen mit dem 8. Feldartillerie-Regiment mit