Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 43 (30.10.1914)
- Date
- 1914-10-30
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 4B Dr. Blöch'S Wochenschrift Seite 745 und wurde für seine hervorragenden Leistungen Tritt dem Ritterkreuz des Franz Josef-Ördens ausgezeichnet. 1872 zum Stabsarzt, 1878 zurrt Oberstabsarzt beim Garnisonsfpital in Komorn befördert, trat er 1880 in den Ruhestand. Jakob B. Schema Iisroel'. Wir erhalten folgende Zuschrift: Sehr geehrter Herr Redakteur! Als Seitenstück zu dem von I. Kr. in der vorletzten Nummer Ihres gesch. Blattes im Rahmen der Besprechung der Grunwaldschen Kriegsgebetbücher zitierten Feldpostbrief, in welchem ein nichtjüdischer Soldat erwähnt, daß sein jüdischer Kamerad, als er von der feindlichen Kugel getroffen wurde, mit einem „Schema Iisroel" aus den Lippen starb, erlaube ich mir aus die nachfolgende im „Pesti Hirlap" vom 24. Oktober erschienene Notiz hinzuweisen: „Aus einer Feldpostkarte: Vom galizischen Kriegsschauplätze schrieb dieser Tage ein ruthenischer Soldat an seine im Ugocsaer Komitate wohnhafte Frau: Mein liebes Wejb! Mir geht es hier gut, und es fehlt mir nichts. Ich bitte dich, gehe zum Chajem-Juden und frage ihn, was „Schema Iisroel" zu bedeuten . habe. Wenn die Kugeln am heftigsten um unsere .Köpfe pfeifen, rufen das die Juden, und wahrhaftig, die Kugeln scheinen sie zu meiden. Von uns fallen viele, während sie fast alle am Leben bleiben. Deshalb bitte ich dich, frage den Chajem-Juden, was das zu bedeuten habe, damit ich es auch weiß und im Notfälle verwenden kann." Ich glaube, diese einem ungarischeil Blatte entnommene Notiz dürfte Ihre Leser interessieren. . Mit vorzüglicher Hochachtung ein alter Abonnement. Kekdpottvrief einesWdersurters. Der Reservefähnrich Ernst Placzek, Wiener Bankbeamter, schreibt an seine in Oderfurt lebende Schwester: . . . ., 17. Oktober 1914. Liebe Schwester! Vor allem besten Dank für die vielen Kartell uild Briefe. Auch von der lieben Mutter bekomme ich oft Nachricht, doch nicht so oft wie von Dir. Pakete, Zigaretten silld bis jetzt nicht angelangt, doch hoffentlich tommell sie noch. Die Feldpost funktioniert eigentlich ganz gut, aber weil ich jetzt die dritte Adresse habe und die Briefe auch noch auf die alte Adresse lauten, bin ich im Nachteil. Eingekeilt war ich beim Marschbataillon in der Nacht vonl 26. auf 27. im Tag- und Nachtgefecht bei E., einige Kilometer vor L., wo ich im größten Feuer den Befehl erhielt, mit einer Meldung zum Brigadier zu gehen. Ich ging und mußte rvieder tzurück in die Schwarmlinie. Am Abend zählten wir die vielen, die nicht mehr da waren, und weinten bitterlich. In meinem Rucksack fand ich eine Schrapnellkugel, sie erreichte mich ivohl, verfehlte jedoch die Wirkung: besser so und im Rucksack, als im Kopf. Daher kam das Gerücht von meineni -rode, von dein Du mir geschrieben hast. Jetzt bin ich bei der strengsten Kompagllie des Regiments, man hat vlich sehr gerne und die Russen tönnen mich gern haben. Wir sind zirka 40 Kilometer vor I. Wir sind froh uild zuversichtlich und werden die Russen hauen, tüchtig hauen. Wenn auch der Krieg keine Lebensversicherung ist, Tag und Nacht bloß in der Natur wechseln, Mond ulrd Source gleich bleiben, Essen und Fasten sich ab lvechfeln, Regelt uns nicht mehr überrascht und uns die Stimmung nicht verdirbt, Külte nicht mehr weh tut, bin ich doch froh und glücklich, auch dabei zu sein. Was für ein wonniges Gefühl, den Feind zum Weichen zu bringen, jetzt flieht er urrd relcnt, nlld lvir ihm nach und können es kaum erwarten, ihll eirdgiltig niederzuringen, wenigstens hier in diesem Raume. Russisch-Polen ist dreckig und die Bevölkerung unfreundlich. Ich bin gesund und gefräßig, immer Studentenlieder kontierend oder pfeifend oder singend, und die Russen schießend. Vorige Woche war ich auf einem W. El. Du glaubst, ich birc verrückt, aber ich muß Dir das zu meiner Freude mitteilen. Seit Anfang August das erste mal in einem Zimmer mit roten Tapeten, ich kam mir vor lvie ein König. Ansonsten ist das Hinschießen besser, als wenn die Runen herschießen. Schöne Polinnen habe ich nur bei uns gesehen, hier sind sie alle schmutzig. Um mich habe keine Sorge, Unkraut verdirbt nicht, und hoffe ich noch recht lange anc Leben zu bleiben, stramm zu fechten für unsere Ehre und unser Ansehen und nachher ein sehr anständiger Zivilist zu iverden und zu bleiben. Mit Kuß E r n st." Sur Lage der Süden in Rußkand. Ueber die Judenfrage in Rußland schreibt der Petersburger Korrespondent der Genfer „Guerre sociale" seinem Blatte: Nachdem im gegenwärtigen Kriege jüdischrussische Soldaten heldenhafte -taten ausgeführt hatten, erwartete ncan die Bewilligung irgendwelcher Rechte an die Juden. Nichts ist in dieser Hinsicht geschehen. In dem Zuge, in dem sich am 10. August auf der Reise nach Moskau der Zar mit seinen Ministern befand, wurde die Judenfrage besprochen. Der Kriegsminister General Suchomlinow war für die politische Emanzipation der Juden, die Minister Kasso und Schtscheglowitow waren dagegen. Das Manifest des Zaren aber blieb stumm über die Frage. Seit einigen Tagen beginnt die nationale Presse Petersburgs von neuem eine antisemitische Propaganda. Minister Kasso hält alle willkürlichen und einschränkenden Maßnahmen gegen jüdische ^ludewen und Schüler weiter aufrecht. Der Minister des Innern Maklakow befahl den Gouverneuren, die Jnderc im Ghetto zurückzuhalten. Nach der „Rjetsch" werden jüdische Frauen und Kinder, die aus den vom Feinde _ überschwemmten Gebieten geflohen sind, wieder zurückgeschafst, während ihre Männer und Väter sich zu Tausenden irr beit Kämpfen töten lassen. Pertjaflnng Pralut Vraskorvskis. Aus Berlin, 23. d. M., wird telegraphiert: Die „Frankfurter Zeitung" meldet aus Zürich: Der aus dem Beilis-Prozeffe bekannte Journalist Brasul Braskowski, der mit eigenen Mitteln eine Untersuchung in der Affäre Beilis geführt und die Wahrheit enthüllt hat, wurde verhaftet. Ermordung von Süden in einer russtscheu Stadl während des Vachmittagsgeöetes. Aus einem hier eingetroffenen Feldpostbriefe eines österreichischen Feldrabbiners geht hervor, daß in einer seither von unseren Truppen besetzten Stadt die Russen die dortigen zum Nachmittagsgebete versammelten Juden erschossen und den Vorbeter erhängt hatten. Der Brief besagt hierüber: „. . . . Tief ergreifend war es, als wir am 2. d. M., zwei Tage nach dem Verföhuuugsfeste,