Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 43 (30.10.1914)
- Date
- 1914-10-30
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 43 Seite 741 Dr. Bloch's Wochenschrift zitiert wird, hat außer ntaitchen andern großen politischen Ereignissen auch den jetzigen Weltkrieg mit seinen wichtigsten Einzelheiten und Ergebnissen vorausgesagt. So behauptet nämlich allen Ernstes Albert K n i e p f in seiner Flugschrift (Hephaestos Verlag, Hamburg). In einem Vierzeiler soll Nostradamus alle Hauptereignisse des Krieges von 1870 mitjaiut der Gefangennahme Napoleons prophezeit haben. Halten wir uns mit solchen Kleinigkeiten nicht auf. Hören wir vielmehr, was der Weise über die Weltmacht Englands sagt: »4.6 Zrand empire sera par ^nzleterre 4,6 pempotan des ans plus de trois eens: Grandes copies passer par mers et terre, Les Lusitains n’en seront pas contens.« Herr Kniepf verdeutscht und verdeutlicht das also: „Das englische Weltreich wird mehr als drei Jahrzehnte bestehen, dann passieren große Truppenmassen zu Wasser und zu Lande, womit die Portugiesen (les Lusitains) keineswegs zufrieden sein werden." Damit wäre ja nun die deutsche Invasion in England so gut wie gesichert und die unklare Haltung Portugals entschieden. Eine „Aera der Humanität göttlicher Herkunft", eine „Friedenszeit durch eine Völkerunion" steht uns danach bevor. Mit diesen goldenen Aussichten läßt es sich immerhin leben. Wir haben also alle Ursache, dem Herrn Verfasser für seine nostradamischen Entdeckungen zu danken. Denn wenn sogar Nostradamus für uns ist, wer will wider uns sein? E. K. Jüdische Kelden. Andor Fantl, ein Budapester Kaufmann, war zu Beginn des Krieges als einfacher Infanterist des 32. Infanterieregiments eingerückt. Gleich am Anfang des serbischen Feldzuges hat er sich bei Schabatz ausgezeichnet und seiner Kompagnie durch seine Tapferkeit und Opfermut so große Dienste geleistet, daß er noch auf dem Kampfplatze vom Infanteristen zum Zugsführer befördert wurde und der Divisionär Erzherzog Josef dem jungen Helden die Tapferkeitsmedaille erster Klasse persönlich an die Brust heftete. Andor Fantl hat mehr als 100 Verwundete inmitten des heftigsten Feuers aus der Feuerlinie gerettet und auf der Schabatzer Brücke heldenmütige Beweise seiner Kaltblütigkeit und seiner kameradschaftlichen Liebe geliefert. Interessant ist, daß der Vater des Andor Fantl, Moritz Fantl, auch als Soldat bei der bosnischen Okkupation mitgesochten hat und daß jetzt seine beiden Söhne und sein Schwiegersohn, d. h. sämtliche männlichen Mitglieder seiner Familie, für das Vaterland kämpfen. Sieben Arlisserieteulnants. Aus Budapest wird berichtet: Sämtliche neun männlichen Mitglieder der bekannten hauptstädtischen Familie Ai a u t n e r stehen im Kampfe. Insgesamt sieben Söhne und zwei Schwiegersöhne der beiden Brüder Adolf und Paul Mautner kämpfen auf den nördlichen und südlichen Kriegsschauplätzen. Unter den neun Soldaten sind sieben Artillerieleutnants. Unter ihnen ist der hauptstädtische Advokat Dr. Desider Mautner, Dr. Tibor Mautner, ferner der bekannte akademische Maler Leo K o b e r, ein Schwiegersohn des Adolf Mautner. Fünf von ihnen standen bereits auf beiden Kriegsschauplätzen, schlugen sich sowohl im Süden als auch im Norden. Sie nahmen am Anfänge des serbischen Feldzuges teil, dann an der ersten Offensive in Galizien und jetzt au den Kämpfen beim Uzsoker Paß. Bisher ist keiner von ihnen verwundet worden. K. k. Leutnant Jacques O rüste in, Ingenieur, 13. Eifenbahnreg.-Kompagnie, wurde vorn deutschen Kaiser für hervorragende Leistungen im Felde das Eiserne Kreuz verliehen. Oberkommandant General v. Hindenburg ließ sich diesen tapferen österreichischen Offizier persönlich vorstellen. Major Moriz Mansch des 11. Haubitzenregiments, ein Sohn des verewigten, um die Lemberger Kultusgemeinde hochverdienten Vorstehers Dr. M a n s ch, wurde in Anerkennung tapferen Verhaltens vor dem Feinde mit dem Militärverdicnstkreuz mit der Kriegsdekoration ausgezeichnet. Die Allerhöchste belobende Anerkennung mit der Verdienstmedaille wurde ausgesprochen in Anerkennung tapferen und erfolgreichen Verhaltens vor dem Feinde dem Leutnant in der Reserve Moriz Kornfeld (Fetdkanonierregiment 28), für tapferes und aufopferungsvolles Verhalten dem Regimentsarzt Dr. Alfred F rieb (6. Ulanenregiment), aus demselben Anlasse erhielt der Assistenzarzt Dr. Samuel Leitner das goldene Verdienstkreuz am Bande der Tapferkeitsmedaille. Für hervorragende Leistungen vor den: Feinde wurden befördert zum Oberarzt der Assistenzarzt Doktor Jakob K a tz (77. Infanterieregiment), zum Kadetten der Reservekorporal Leopold Singer. Der Fähnrich Ludwig Löwy (Infanterieregiment 102) erhielt für hervorragend tapferes Verhalten die goldene Tapferkeitsmedaille. - Sein älterer Bruder, Herr Adolf Löwy, der als Feldwebel dem Stabe zugeteilt ist, erhielt für bewiesene Tapferkeit vor dem Feinde eine Prämie von 50 Kronen. Beide find Söhne der hochachtbaren Familie Samuel und Julie Löwy ans Wollenitz, welche außer den ausgezeichneten noch zwei Söhne und einen Schwiegersohn im Felde haben. Der älteste der Brüder, Herr Heinrich Löwy, der in seinem Zivilberufe Güterdirektor ist, wurde bereits vor Jahren durch die Verleihung einer prachtvollen Busennadel mit der Krone und den Initialen in Brillanten von Seiner Majestät unserem geliebten Kaiser ausgezeichnet. Leutnant Alto Kotdltein. Im Felde, 18. Oktober 1914. - Hochgeehrter Herr Doktor! Es sei mir gestattet, in Ihrem gesch. vielgeleseuen Blatte von den Heldentaten eines jüdischen Leutnants zu berichten, der seit Beginn des Feldzuges auf dem südlichen Kriegsschauplätze äußerst tapfer gekämpft hat, bis er durch einen Schuß in den Oberschenkel kampfunfähig geworden ist. Vor einigen Tagen befand sich derselbe in einem hiesigen Spital, wo ich ihn besucht und mich längere Zeit mit ihm unterhalten habe. Im Laufe des Gespräches zeigte mir der Verwundete den „Pester Lloyd" vom 12. d. M., worin sein Name O. G o l d st e i n, Leutnant im Sappeurbataillon Nr. 13, unter denjenigen genannt ist, welche „die Allerhöchste belobende Anerkennung in Würdigung des tapferen Verhaltens vor dem Feinde" (signum laudis) erhalten haben. Das hat der Genannte, der in Zivil Ingenieur in Prag-Zizkov ist, erst im Spital durch die Zeitung erfahren. Auf meine Frage, welchem Umstande er diese Auszeichnung zuzuschreiben habe, erzählte mir Leutnant Gold st e i n folgendes: „Am 18. August bei der Vorhut eingeteilt, wurde ich in der Nacht vor Zavlaka von den Serben überfallen. Mit einem Zug von nur 50 Mann habe ich Zavlaka gestürmt, die Serben vertrieben und drei Stunden lang gehalten, bis zum Eintreffen von Verstärkungen. Aber," fügte mein Leutnant hinzu, „ich bin auf diese Tat weniger stolz als auf eine andere, wenn ich auch