Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 43 (30.10.1914)
- Date
- 1914-10-30
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Sette 740 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 43 siild unsere früheren Gegner. Wir hoffen, das; auch jene Zeichen des Antisemitismus schwinden werden, welche derzeit in einer gewissen versteckten Haltung, im Uebersehen und llebergehen guter Handlungen von Juden irr manchen Blättern, austauchen. Es wäre ja nur gerecht und anständig, wenn auch andere Organe dem Beispiele der Berliner „Kreuzzeitung" folgen würden. Diese war gewiß lange Zeit eine erbitterte Vorkämpferin im Streite gegen die Inden, namentlich unter der Leitung des Baron Hammerstein. Jetzt aber hat die Redaktion erklärt, das; sie angesichts der Haltung der Juden im Kriege ihre antisemitische Haltung aufgeben wolle. In der Tat sind in Deutschland wie in Oesterreich-Ungarn die Inden mit besonderer Begeisterung unter die Fahne;: geeilt und gegen ihren alten Feind Rußland haben sie mit Feuereifer ihre Dienste angeboten. Das sagen wir nicht, um die Juden irgendwie hervorzuheben oder überhaupt zu billigen, wenn sich eine Gruppe oder Nationalität hervorheben möchte. Wer etwas tut, tut seine Pflicht fürs Vaterland und für die Familie. Nur darauf möchten wir verweisen im Angesichte der historischen Gegenwart und so lange die Tatsachen vor jedermanns Augen als Beweise liegen, daß die Juden hinter niemanden: Zurückbleiben. Das patriotische Hilfswerk für die verwundeten und kämpfenden Krieger fördern sie nach besten Kräften und ihre Söhne opfern sich wie alle anderen für die heilige Sache des Vaterlandes. Sie wissen ja auch alle, daß sie außer ihrem Fahneneid und ihrer Bürgerpflicht auch noch etwas anderes zu erfüllen haben. Sie schießen mit ihren Gewehren und stechen mit ihren Bajonetten auf eine alte und unwahre Behauptung, mit der man sie lange genug verfolgt und bedrängt hat, auf die Behauptung von der Feigheit der Juden. Man kann wohl sagen, daß diese Lüge gefallen ist. Ihr Tod wird in den amtlichen Listen gemeldet, welche über die Dekorationen an die Soldaten ausgegeben werden. Hier finden wir erfreulich viele Namen jüdischer Soldaten, welche in Nord und Süd Leib und Leben für das Vaterland eingesetzt haben. Nach schwierigen Märschen und in heftigen Kämpfen haben sie daran gedacht, was sie nicht nur dem Vaterlande, sondern auch ihrem Judentum schuldig sind, und sind den Kameraden mit kühnen Wafsentaten und glänzendem Beispiele vorangegangen. Der Braven und Tapferen, von denen so viele beim Spiele mit dem Tod chr Leben verloren haben, wird bis in die fernsten Zeiten gedacht werden. Denn jede ihrer Taten ist eine Antwort auf ganze Bücher antisemitischer Schriftsteller, auf ganze Jahrgänge antisemitischer Blätter. Wer sollte in den nächsten Jahren den Mut haben, die Staatsbürgerschaft von Menschen herunterdrücken zu wollen, welche mit dem Vaterlande durch Blut verkittet sind? Wenn es aber doch jemand wagen sollte, so würde die Gegenwehr eine ganz andere werden, als sie es vor diesem Kriege war. So kämpfen unsere Helden nicht bloß für das große Vaterland, sondern auch für eine schönere Zukunft der Juden, und wenn sie fallen, so wird unsere ewige Dankbarkeit ihre Grabsteine als kostbare Opferaltäre immergrün bekränzen. vom Aabrmarirt des Lebens. Eine aktueTe Weissagung des Nostradamus. Nostradamus, ein Hellseher von geradezu verblüfferrder Kapazität, wurde am 15. Dezember 1503 zu Sankt Remy in Südfrankreich geboren und starb im Jahre 1566 in Salon. Er hieß eigentlich Michel und war von Geburt Jude. Sein Vater, Leibarzt des durch seine Romantik bekannten Königs Rena, erfreute sich in der Proveirce einer ganz besonderei: Berühmtheit als Heilkundiger. Michels Großvater mütterlicherseits, Johann von St. Remy, war Leibarzt des Herzogs von Calabrien. Er widmete sich mit besonderem Eifer der Erziehung feines schon als Kind hervorragende geistige Anlagen zeigenden Enkels und förderte ihn besonders in den Naturwissenschaften, für die er frühzeitig lebhaftes Interesse zeigte. Nostradamus widmete sich in seiner: Jünglingsjahren zu Avignon zunächst humanistischen und philosophischen Studien. Später ging er nach Montpellier uird lag da eifrig medizinischen Studien ob. Hier erwarb er sich auch seinen Doktorhut. Er ließ sich darauf irr Agen als Arzt nieder und erfreute sich, da sehr bald einer ausgedehnten Praxis. Hier trat er auch irr ein freundschaftliches Verhältnis zu Scaliger, dem berühmten Philologen. (Von diesem, der später an der Universität zu Leyden segensreich wirkte, sagt Grätz: „S. hat neben der hebräischen Sprache der sogen, rabbinischen Literatur das Bürgerrecht verschafft urrd selbst den Talmud mit einer gewissen Achtung behandelt.") Nostradamus Ruhm als Arzt überdauerte jedoch seine ganz staunenswerte Kenntnis der Zukunft. Gelehrte und Laien haben sich bis auf die heutige Zeit mit dieser übernatürlichen Gabe beschäftigt, so daß man von eirrer ganzen Bibliothek über Nostradamus sprechen kann. — N. schrieb zunächst seine Prophezeiungen in Prosa nieder. Später übertrug er sie in gebundene Rede und stellte sie in vierzeiligen Strophen, sogen. Quatrains, /zusammen, die er zu je hundert zusammenfügte und Centimes nannte. Er sagte u. a. die Abdankung Karls V. voraus, den Tod Heinrichs II., die Hugenottenkriege usw. — Auch seinen Tod sagte er genau auf Zeit und Ort voraus. — Seine Prophezeiungen beginnen mit dem Jahre 1555 und endigten mit dem Jahre 3797 der üblichen Zeitrechnung. Sie behandeln ganz Europa und einen Teil Asiens und Afrikas/ insbesondere beziehen sie sich auf Frankreich und seine engere Heimat, die Provence. Zahlreich sind auch die Fälschungen von Weissagungen, die unter seiner Flagge segeln. In neuerer Zeit hat Dr. Max Kemmerich in seiner äußerst fesselnd und von eingehendem Studium und großer Sachkenntnis zeugenden Schrift „Prophezeiungen" (München, Albert Langer;, 1911) ein interessantes Kapitel diesen: Wunderrnann gewidmet und hier finde ich folgende, in der jetzigen Zeit höchst aktuelle Angaben: „Bis in die rreueste Zeit haben sich Fälscher oder Spaßvögel des Namens des großen Astrologen bedient. So zirkulierte etwa im Jahre 1903 folgendes nicht in einer Originalausgabe enthaltene Quatrain: Albion royne de la mer Alors qh’ira montagne de Tair Cloche en canon, navir en cloche Dis que la derniere heure approche. Hieraus las man der: Untergang der Seeherrschaft Englands zur Zeit der Luftschiffe, Hohlgeschofse und Unterseeboote. ... „Natürlich war es eine Fälschung," fügt Kerrrrnerich diesen Angaben hinzu. Nun, hoffen wir, daß sich diese Prophezeiurrg recht bald erfülle, wenn sie auch nicht von Nostradamus stammt. Bimhero b’jomeno Omen, w1 Omen! Hamburg. M. Deutschlände r. Urrter dem 'Schlagwort,,Nostradamus und der Krieg" schreibt man auch der „Frkf. Ztg.": Der berühmte Seher und Astrolog Nostradamus, ein Sohn Frankreichs, dessen „geheimnisvolles Buch" von Goethes Faust ehrfürchtig mm