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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-10-23 · 42 (23.10.1914) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
42 (23.10.1914)
Date
1914-10-23
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 42 Seite 731 Dr. Bloch's Wochenschrift gewissen, aus cler Seele kommenden Begeisterung wurde der löbliche Antrag angenommen und mit heutiger Bost erhalten Sie den Betrag von Kronen 110.—, die Sie giitigsf den armen, bedauernswerten galizischen Flüchtlingen israelitischer Konfession zukommen lassen mögen. Indem ich Sie bitte, den Erhalt des Betrages mir zu quittieren, zeichnet in ergebenster Hochachtung Ludbreg (Kroatien), 15. Oktober 1914. Hinko Hirsehsohn J. L. Deutsch Kassier. Bezirksrabbiner, als Schriftführer. Aufruf. Namenloses Weh hat der Krieg über unsere galizischen Brüder gebracht. Sie haben ihr ohnedies dürftiges Hab und Gut im Stiche gelassen und durch rasche Flucht bloß das nackte Leben gerettet. Die Fürsorge des Staates lichtet sich darauf, sie in Mähren und Böhmen unterzubringen. So wurden Polirlitz 6000 dieser Unglücklichen zugewiesen. Die staatliche Fürsorge reicht aber nicht aus; liier sind sofortige private Opfer dringend geboten, um die Ae.nisten vor Hunger und Kälte zu schützen. Unsere Kultusgemeinde beschloß eine für ihre Verliältiijisse namhafte Summe sofort zu spenden, um dem schrecklichen Elende für den Anfang zu steuern. Die furchtbare Notlage wird aber dadurch wenig geändert. Daher bitten wir jeden Menschenfreund, jeden Juden herzliclisl nach seinen Kräften um Mithilfe. Die kleinsten Beträge werden dankend angenommen. Außer Geldspenden sind auch Gaben an Kleidungsstücken, Wäsche, vor allem warme Decken dringend geboten. P o h r 1 i t z, im Oktober 1914. F .ii r das Hilfskomitee: Hermann Schnabl. Kultusvorsteher. Spenden sind an Herrn He r m ann 8 c li n a 1» 1, Kultusvorsteher in Polirlitz, zu senden. (Postsparkassenkonto Nr. 129.166.) Karlsbad, 14. Oktober. Am Festtage der Gesetzesfreudc haben mehrere hundert Familien galizischer Flüchtlinge im „tHotel Lincoln" in Karlsbad eine Festversammlung gelegentlich, der freudigen Nachrichten über die siegreiche Offensive unserer verbündeten Armeen, namentlich des Entsatzes der Festung Przenrysl veranstaltet. Der Hotelbesitzer Herr K i r s ch leitete das Fest mit einer längeren Ansprache ein, er erörterte die Wichtigkeit des Dhorafestes, führte Beispiele aus der jüdischen Geschichte an, daß die Juden, wenn auch in der Minderheit, den übermächtigen Feind immer nur mit Hilfe Gottes bezwungen haben; er sprach den Wunsch und die Hoffnung aus, daß wir auch jetzt mit Gottes Hilfe die Uebermacht unserer Feinde brechen werden. Es wurden mchrere Toaste ausgebracht. Die Feier schloß Herr Dr. Peiper, Ad.vokat aus Krakau, mit einem Toast "und einem dreimaligen Hoch auf unseren geliebten Kaiser, seinen treuen Verbündeten, den deutschen Kaiser, und die siegreichen Armeen, welchem die Versammelten begeistert unter Absingung der österreichischen Kaiserhymne zustimmten. Bielitz. Am 11. d. M. hat Statthalter Ritter von Korytows k i dem Gottesdienste im israelitischen Tempel beigewohnt. Er war in Begleitung des Vizepräsidenten des Landesschulrates und zahlreicher Funktionäre der Statthalterei und geleitet vom Bialaer Bezirkshauptmann erschienen. Vor dem Eingang des Gotteshauses erwartete der Kultusvorstand mit dem Kultuspräses kais. Rat Sal. P o l l a k den Statthalter. Auf die Begrüßungsworte des Kultuspräses erwiderte der Statthalter verbindlichst. Sodann wurden die Gäste in das Gotteshaus geleitet, worauf der Gottesdienst seinen Anfang nahm. Nach einem Sologesang des Kantors Fischer sang Oberkantor G o l d m a n n, von der Orgel begleitet, ebenfalls ein Gebet, worauf Rabbiner Dr. Steiner zu Beginn seiner Predigt den Statthalter wärmstens begrüßte. Nagybecskerek, 14. Oktober. Bei der am Schemini azerelh stattgesundenen Mazkirfeier, der die Kmnitats- und Stadtbehörden, der kgl. Gerichtshof, die kgl. ^inanzdirektion, das Ofsizierkorps des hiesigen Hausregimenres anwohnten, gedachte Oberrabbiner Dr. Moritz klein in längerer Rede der aus dem Schlachtfelde gefallenen ruhmreichen Krieger und flehte den Segen Gottes auf König und Vaterland, auf die Heeresleitung und die Armee herab. In das ergreifende Gebete stimmten alle Anwesenden mit einem lauten „Amen" ein. Eine Ehrung für David Wolffsohn. Der Tod David Wolfsohns, dessen ganzes Sinnen dem Wöhle und der Auferstehung des jüdischen Volkes gewidmet war, hat auf alle Gesinnungsgenossen den tiefsten Eindruck gemacht. Allenthalben gibt fich^das Bestreben kund, dem Manne, welcher nach Herzls Tode der zionistischen Weltorganisation über die schwerste Feit hinweggeholfen und sie zu immer größeren Leistungen emporgebracht hat, die Dankgefühle in einer dem Verstorbenen würdigen Weise zum Ausdruck zu bringen. David W o l f f s o h tt hat dem Jüdischen National sonds vom ersten Moment bis über das Grab hinaus das lebhafteste und unmittelbarste Interesse bewahrt. Als Vizepräsident des Nationalsonds-DirektoriumS hat er bei allen Aktionen und Unternehmungen in Palästina mit seinem klugen Rat und seiner reichen Erfahrung mit gewirkt. Ebenso hat er für jede neue Propagandaaktion zur Vermehrung unseres Volksschatzes sein unausgesetztes Interesse bekundet. Als die Frage der Errichtung von Arbeiter-Familienhäusern in den palästinensischen Kolonien aktuell wurde, entschloß sich Wolffsohn, den aus Anlaß seiner Silbernen Hochzeit von den deutschen Fio nisten gestifteten „D a v i d und Fanny Wolffsohnfonds" dem Jüdischen Nationalfonds angliedern zu lassen, damit er dauernd und in immer wachsendem Maße der Arbeiterwohlfahrt zugute kommt. Mit Rücksicht auf die Stellung des Verstorbenen als Vizepräsident des Nationalfonds-Direktoriums nahm das Hauptbureau während seiner Lebzeiten davon Abstand, eine besondere Propagandaaktion für diesen Fonds ein zuleiten. Die Spenden haben darum bis zu seinem Todestage nur den verhältnismäßig geringen Betrag von 31.662 Mark erreicht. Mit dieser Summe wurde indes bereits Ersprießliches unter Anteilnahme Wolsfsohns in Palästina geleistet. Es wurden an Arbeiter-Familienhäusern errichtet: je 5 Häuser in Petach-Tikwah und Rechoboth, 4 Häuser in Rischon le Zion, 1 Haus in Wadi Chanin. Weiters wurde eine kleine Arbeiter-Heimstättenkolonie auf Neu-Merchawjah begründet. David Wolffsohn hat auf die künftige Entwicklung und Wirksamkeit dieses Fonds große Hoffnungen gefetzt und dem auch in seinen letztwilligen Verfügungen Ausdruck gegeben. Nunmehr erachtet es das Hauptbureau des Jüdischen Nationalfonds an der Feit, an alle Zionisten den Appell zu richten, den David und Fanny Wolffsohnfonds so ausgestalten zu helfen, daß er seinem im Vordergründe unserer Kolonisationsarbeit stehenden Zweck gerecht werden kann. Dies wird ein würdiges Denkmal des großen Verstorbenen fein. Eine weitere Ehrung unseres dahiugegangeuen Führers besteht in der Herausgabe einer Wolfssohn marke, die die markanten Füge des Verstorbenen außerordentlich getreu wiedergibt und die in nächster Zeit die Briefe jedes Zionisten zieren sollte. Die Marken haben dieselbe Größe wie die Herzlmarken, sind in fünf Farben hergestellt und in Heftchen von 40 Stück zum Preise von 2 Mark bei allen Sammelstellen des Jüdischen Nationalfonds zu erhalten. Das Hauptbureau des Jüd. Naiioualsond>>.

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