Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 42 (23.10.1914)
- Date
- 1914-10-23
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 730 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 42 gefaßten Beschlüssen. Zweck der Versammlung war eine vom 'heißesten Patriotismus getragene Huldigung für den Kaiser. Ins Präsidium wurden die Herren Dr. Jakob H o r o w i tz, Advokat aus Lemberg, Dr. M o s l e r, Bürgermeister der Stadt Czortkow, Direktor Orange und Dr. Zipser berufen. Die Versammlung leitete mit einer polnischen Ansprache Dr. H'orowitz ein, in welcher er den Zweck 'der Versammlung darlegte. Hierauf ergriff, mit lebhaftem Beifall begrüßt, der Referent Reichsratsabgeordneter Reizes das Wort. Redner führte aus, daß auch in den jetzigen so schweren Tagen die galizischen Juden, fern von ihrer Heimat, chren Häusern und Wohnungen, ihr Schicksal mit Ernst und Ruhe ertragen, voller Hoffnung auf den Schutz des heißgeliebten Kaisers und die Kraft der glorreichen Arnree. Redner führte weiter aus, daß die Juden aller Länder in unserem Kaiser den Hort der Freiheit und Gleichberechtigung erblicken und den Sieg für unsere Waffen erflehen. Die Berichte aus Ostpreußen lauten, daß russische Soldaten überall geplündert und geraubt haben, eine Ausnahme bildeten die jüdischen russischen Soldaten. Die Versammlung wurde auf die Initiative zahlreicher galizischer Juden einberufen, denen es ein Herzensbedürfnis ist, ihrer grenzenlosen Liebe und Ergebenheit für Kaiser und Reich Ausdruck zu geben. Redner schloß mit einem von der Versammlung enthusiastisch aufgenommenen Hoch auf den Kaiser. Gleichzeitig wurde der einstimmige Beschluß gefaßt, an die Kabinettskanzlei folgendes Huldigungstelegramm zu senden: „Die infolge der Kriegsereignisse mit 15. Oktober in Wien versammelten jüdischen Bürger aus Galizien bringen Euer Majestät ihre untertänigsten Huldigungen dar, bitten, den Ausdruck ihrer nie wankenden unerschütterlichen Treue untertänigst unterbreiten zu dürfen, und rufen aus vollem Herzep „Sieg und Triumph für die glorreiche Armee!" An das Oberkommando wurde folgendes Telegramin entsendet: „Die infolge der Kriegsereignisse am 15. Oktober in Wien versammelten jüdischen Bürger aus Galizien begleiten die glorreiche Armee mit ihren heißesten Wünschen und erflehen für ihre Fahnen Sieg und Triumph." Pribram. Für die notleidenden Flüchtlinge aus Galizien und Bukowina haben die hiesige Kultusgemeinde Kronen 200, Becrdigungsbrüderschast 200, Damsky spolek 150, M. Kohn, Kultusvorstcher 50, Zofie Löwy, Präsidentin des Damsky spolek 20, M. Edelstein, Tempelvorsteher 20, I. U. Dr. H. Steiner, Kultusvorsteher-Stellvertreter 10, Frau Strauß, Pic'n 5, zus. Kronen 655, gespendet. — Dieser Betrag wurde je zur Hälfte an die Kultusgemeinde in Pohrlitz und Nikolsburg, wo je 6000 Flüchtlinge untergebracht sind, angewiesen. — Zu Beginn des Krieges hat die Kultusgemeinde eine Kollekte veranstaltet, das Ergebnis waren ca. 1250 Kronen und ist je zur Hälfte für den Verein „Rotes Kreuz" und die Pribramer Gemeinde zur Verteilung an die bedürftigen Waisen nach den im Kriege gefallenen Soldaten und zur Untere stützung armer Familien, deren Väter zu den Waffen berufen wurden, abgeführt worden. Frau Zosie Löwy, Präsidentin des Damsky spolek, veranstaltete eine Sammlung von Wäsche und Kleidungsstücken. Das Ergebnis war ein erfreuliches. Ofijck, 14. Oktober. Im ganzen großen Blätterwalde der österreichisch-ungarischen Monarchie rauschen tagtäglich die herzerhebenden Akkorde opferfreudiger patriotischer Wohltätigkeit und reiner Nächstenliebe. Die großen Zeiten haben, wie es scheint, den Egoismus in den Hintergrund gedrängt und die edelsten Regungen der Menschenbrust mit einem Zauberschlage befreit. Besonders affallend ist allenthalben die überwiegend große Teilnahme der Juden an jedem Werke der Menschlichkeit. Auch in Kroatien und Slavonien zeigen sich die jüdischen Bewohner des Landes im glänzendsten Lichte ihrer traditionellen Tugenden. Kein Tag vergeht, an dem nicht Juden an den vielfachen Aufgaben der jetzt dringend notwendigen sozialen Fürsorge in bewunderungswürdiger Weise mit Geld, mit Zeit, mit persönlicher Mühewaltung Mitarbeiten würden. Unter anderem sei nur erwähnt, daß auch die israelitische Kultusgemeinde in Osijck als solche, wie auch sämtliche ihrer Mitglieder, vom Tage der Mobilisierung an sich mit edlem Elan und unermüdlichem Eifer in den Dienst des Patriotismus gestellt haben. Das große Gemeindehaus diente eine Zeit lang als Quartier unserer tapferen Soldaten. Herr Kultusvorsteher Dr. Hugo Spitzer übernahm durch das Vertrauen seiner Mitbürger das Kommando der Sanitätsabteilung sowie die Fürsorge für die Reservistenfamilien. Seit Monaten waltet er als wertvolle organisatorische Kraft mit allseitig anerkannter Um- und Einsicht auf diesen viele Mühe und Zeit erfordernden Gebieten. Nun wurde er auch seitens des Bürgermeisteramtes mit der Leitung des Kriegsfürsorgeamtes betraut. Sein Beispiel wirkte zündend auf zahlreiche Mitglieder unserer jüdischen und nichtjüdischen Bevölkerung. Anläßlich der hohen Feiertage wurden die zahlreichen jüdischen Soldaten im jüdischen Gemeindehause mit ritueller Kost beteilt und allen 120 Soldaten Sitzplätze im Tempel angewiesen. Die Gemeindemitglieder überboten sich förmlich im Spenden von Liebesgaben für die wackeren Vaterlandsverteidiger. Am ersten Abende des Roschchaschono begrüßten Herr Oberrabbiner Dr. Simon Ungar, Herr Kultusvorsteher Dr. Hugo Sporer die aus dem Tempel ins Gemeindehaus gekommeneu Soldaten aller Waffengattungen mit herzlichen Worten. Gerührt von der zarten Fürsorge der Kultusgemeinde und ihres Vorstehers, sagten zahlreiche der unter Waffen stehenden Gäste beweglichen Dank in patriotisch ausklingenden Tischreden. Viele behaupteten sogar, daß ihnen diese Feier des Roschhaschono- und Jom Kippurfestes ewig unvergeßlich bleiben werde. Und nun befaßt sich die Kultusgemeinde abermals mit einer Hilfsaktion für die g a l i z i s ch e n jüdischen F l ü ch t l i nge. Als erste beteiligte sich an den Spenden Ihre Exzellenz Frau Feldmarschalleutnant Baronin v. Lütgendorf, deren Aufmerksamkeit als hohe moralische Anerkennung der charitativen Tätigkeit unserer Glaubensgenossen gewertet werden muß. Bei dem stets regen Wohltätigkeitssinne der kroatisch-slavonischen Judenschaft läßt sich auch für diese Hilfsaktion ein erhebliches Resultat an Geld, Kleidern und Wäsche Voraussagen. Alles in allem muß die Tätigkeit der hierländischen Judenschaft als besonders, taterzeuaend, fruchtbar und dankenswert bezeichnet werden. N. Sch. Lndbreg (Kroatien). Wir erhalten folgende Zuschrift Sehr geehrter Herr Redakteur! Mit Ausbruch des Weltkrieges wurde über Kroatien das Standrecht verhängt und alle bestehenden Vereine und Institute aufgelöst. Auch unsere Chewra-Kadischa wurde von dieser von seiten der hohen Landesregierung erlassenen Auflösungsverordnung getroffen und mußte ihre Tätigkeit einstellen. Qvn^j Das Judentum findet doch aber sein Heil nur im Wohltun. Dies ist doch sein Lebenselement, sein Lebensbedürfnis! Deshalb wurde ein Gesuch an die hohe Landesregierung mit der Bitte eingereicht, daß die Chewra-Kadischa Ihre Tätigkeit, die doch ausschließlich nur im Heben von Wohltätigkeit besteht, wieder in uneingeschränktem Maße aufnehmen dürfe und sich wieder in den heiligen Dienst der Humanität stelle. Das Gesuch wurde von bestem Erfolge gekrönt, und unsere Chewra-Kadischa nahm ihre gott- und menschengefällige Arbeit wieder auf. Isru-Chag wurde die erste Sitzung abgehalten. Nebst anderen lobenswerten Wohltätigkeitsakten, die anläßlich der ersten Sitzung unserer Chewra-Kadischa vollbracht wurden, stellte der Präses Herr Schänder Pajtasch den Antrag, daß wir auch der armen galizischen Flüchtlinge gedenken mögen und ihnen eine Summe votieren sollen. Einstimmig, mit einer