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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-10-23 · 42 (23.10.1914) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
42 (23.10.1914)
Date
1914-10-23
Page
– (sequence 12)
Language
German
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>e eite 728 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 42 Bitte um Nähmaschincn und Material für Wäsche u. der gl. Der galizische Hilssverein, der sich seit Jahren zur Aufgabe gestellt hat, der notleidenden jüdischen Bevölkerung Galiziens insbesondere durch Einführung von Hausindustrien (Haarnetzerei, Spitzentlöppetei, Spitzeilhäkelei, Weißstickerei rc.) Brot zu verschaffen, hat beschlossen, zur Linderung der fürchte.lichen Notlage, der in Wien weilenden galizilchen Flüchttil.ge, ohneUn'terschied der Konfession und N a t i o n a l i t ä t, eine Nähstube zu errichten, in der grundsätzlich nur solche Arbeiten hergestellt werden sollen, durch die der einheimischen arbeitslosen Bevölkerung reine Konkurrenz gemacht wird. Unter anderen solchen Arbeiten wird von geflüchteten Mädchen, die sich bereits i it g r o ß e r Zahl zur Arbeit gemeldet haben, Wäsche verschiedener Art u. dergl. angefertigt werden, die a it Flüchtlinge unentgeltlich verteilt wird. Den von den Arbeiterinnen verdienten Arbeitslohn bezahlen wir aus unseren eigenen Mittel n. Ta diese jedoch nicht zureichen, auch die erforderlichen Nähmaschinen und daS zu verarbeitende nötige Material anzukaufen, so gestatten wir unS die inständigste Bitte zu stellen, uns für diesen gewiß Humanitären Zweck in gutem Zustande befindliche N ä h in a.s ch i n e n für die Dauer des Bedarfes lechweise überlassen und zur Anfertigung von Wäsche u. dgl. geeignete Materialien (Leinwand, Chiffon usw.) spenden zu wollen. Wir geben uns der angenehmen Hoffnung hin, daß unS sowohl Nähmaschinen als auch ÄrbeitSmaterial in so reichem Maße dargcboten werden, daß es uns möglich sein wird, alle jene geflüchteten Mädchen, die nicht um eine Unterstützung, sondern um Arbeit bitten, .längere Zeit hindurch zu beschäftigen. Dü unS zur Verfügung gestellten Gegenstände werden, sobald uns -davon Mitteilung gemacht wird, abgeholt. Hjlfsvrrcin für die notleidende jüdische Bevölkerung in Galizien, Wien, IX., Berggasse 4. „Weibliche Fürsorge." Die regelmäßigen Sitzungen dieser Zusammenfassung von so vielen im Wiener Wohlfahrtsleben tätigen Vereinen haben nunmehr wieder begonnen und werden jeden zweiten Donnerstag halb vier Uhr in der Wohnung deS Frl. Schur, I., Schottengasse 10, stattsinden. Nächste Sitzung am 29. Oktober. Die Vereine sind gebeten, ihre Delegierten zu entsenden, doch werden auch sonst für die Armenpflege sich interessierende Persönlichkeiten willkommen sein. Frau Baronin Charlotte v. K ö n i g s - Wärter als Ehrenpräsidentin wohnte der Sitzung'bei, die sich durch eine Trauerrede der Frau Direktor Ulmann zu einer rührenden Kundgebung für die so schwer vom Schicksal betroffene Mitbegründerin Her- Wiener „Weiblichen Fürsorge" Frau Dozent Sofie Grünfeld gestaltete. Aus dem Sommerbericht entnehmen wir, daß Frau Dozent Grünfeld zwei großzügige Aktionen, eine Ausfpeisung durch Freitische und Lpeisemarken für 1450 Personen, ferner eine durch die Ueberlassung eines Lokales, I., Zelinkagassc 4, durch eine edle Wohltäterin ermöglichte .Kleid e r s a m m e l st e l 1 e organisiert hat, daß die Damen Kadi sch, S ch ur. Beuedikt in emsiger Kleinarbeit mit Hilfe von freiwilligen Recherchentinnen und durch maü iAle Hilfe dcr Volksküche, des FrauenhorteS, Döblinger und Brigitten au er Vereines, Providentia und mehrerer Privattvohltäterinnen im Sommer, in dein die obige Vereinstätigkeit sonst ruht, eine große.Anzahl von Fällen verschämter Armut saniert haben. Amtiert wurde in den gütig zur Verfügung gestellteil Räumen deS Ferienheims. Die Kriegslage zwingt die Wiener Vereine, mit Hochdruck zu arbeiten und die allgemeine Fürsorge sowie die Hilfe für die Galizianer erfordert alle Mittel. Außer den vom Ferien h e i m geleiteten Aktionen hat eS sein schloßartigeS Heim in Tischnowitz für Verwundete dem Roten Kreuze zur Verfügung gestellt; ebenso „Gute H e r z c n" ihres in N e u l e u g b a ch für 100 Verwundete, der „F r a u e n h o r t" seines in Seebenstei u für rekonvaleszente Rote Kreuz-Schwestern; die Adaptierung dieser Bauteil wird die Vereine sehr in Anspruch nehmeil, während die gleichfalls angefchlofsene Philanthropia schon ihr schönes Heim in Lainz mit Verwundeten belegt hat. Die A u s s p e i s u n g s a k t i o u c it nehmeil immer größere Dimensionen an; 509 Persviien werden täglich vorr der Zuflucht, 240 von der Kurfürsorge ausgespeist, die Volksküche irach isracl. Ritus gewährt täglich hunderte von Freimarken iit beiden Küchen und kann den Anforderungen famn mehr genügeil; der K a i s e r F r a n z I o s e f s - K i n d e r h o r t des 12., 13., 14. und 15. Bezirkes hat schon ani 18. Anglist eröffnet, speist täglich 200 Kinder aus, die im Hort beschäftigt, werden uild Eharpie und Wollsachen für das Heer verfertigeil. Der „FrauenHort" hat eine große Summe für Ausspeisung von Galizianern gewidmet, der fv notwendigen Unterbringung von Kindern in Horteil habeil sich die „P r o d e n t i a" (33 Kinder!, die „K u r f ü r sorg e" 40), der F r a n z I o f e f s - K i n d e rh o r t in d e r Stef a ll i e st r a ß e (150), die Israel. K i n d e r b e w a h r - anstatt (200) gewidmet. Die „Zuflucht" hat sich in intensivster Weise der so traurigen Delogier u n g S allgelegen heilen für ganz Wien angenolilnlen; der von Frau Benedikt gewünschte Zusammerlschluß mehrerer Bercille zu einem Komitee wurde durch die großzügige Arbeit der staatlichechKomitees vorläufig Rnilötig gemacht. Die Wiener B r o ck e n s a m m l u ll g arbeitet in fieberhafter Hast für Galizianer und Arbeitslose, die „Zuflucht" hat eine Brockensammlung mit zweimaliger Verteilung in der.Woche, der ,,Kinderschutz" wrrd sein Hauptaugenmerk auf die Witwen und Waisenkinder voll Reservisten leilken; zu der Sammlung für die Notstaildsaktion haben die in der „Fürsorge" vereinigteil Vereine große Summen beigetragen, der Währinger uild Döblinger Verein ein Sechstel ihres Vermögens, „Ferienheiul" und „Frauenhort" je 2090 Kronen, Hietzinger, Ftoridsdorstr, Brigitteilauer ulid Verein „Kinderhort" für den 12., 13. und 15. Bezirk je 1000 Kronen rc. rc. Der M a r i a h i l f e r V e r e i n, die „G r e i s i n ll e nfürsorge" llchmen sich der vermehrten Zahl ihrer Schützlinge in erhöhtem Maße an, ebenso der Brigittenaucr Verein. Der Mädchemunterst ü tz u n g s v e r e i n errichtet einen kauf m ä n n is ch e n Schnellkurs für galizische junge Mädchen, die ihre gute Vorbildung und hohe Intelligenz dazu befähigt, iit seiiwr Gewerbeschule wird Verwundetenwäfche genaht, er hat eine Speistmarkennktioll für Arbeitslose organisiert. ' Schließlich haben in Frankfurt lebende Wohltäter der „Fürsorge" Spenden für Galizianer gewidmet, ein hoffentlich nicht vereinzelt bleibendes Beispiel für im Ausland in Sicherheit lebende Landsleute, die die Not der Vertriebenen rühren sollte. „Der Krieg soll für den Frieden erziehen!" J'.l Kriegszeiten hat sich die nellgegründete Fürsorge bewährt, und sie wird unter der bewährten Leitung mtb dem sie ehrenden Präsidium der Frau Baronin v. .Königswarter in ruhigeren Tagell sich festigen ltnb blühen, besonders wenn die noch außenstehenden Vereine sich anschlicßen. Die Delegierten werden nochinals ersucht, regelinäßig _ zu erscheinen ulld von befolldereir Einladungen abzusthen.

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