Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 42 (23.10.1914)
- Date
- 1914-10-23
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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'Jit 42 Dr. Blirch's Wochenschrift Sette 727 Jokeranz in ernir'r Zeit. Die Posener „Neuesten Nachrichten" erhalten ans der Provinz Posen folgenden ebenso stimmungsvollen wie erhebenden Bericht über einen seltenen Vorgang der letzten Tage: Das Städtchen N. G. liegt abseits vom Verkehr, nur in langsamen Schlägen pulsiert in stetem Gleichmaß das Leben. Beschauliche Ruhe verleiht dem Alltag sein Gepräge. Da schreitet der Kriegsgott in ehernem Tritt mit lodernden Fackeln durch das Land und gellend erhebt er seine Stimme. Der Nachhall dringt in seinem verhallenden Klang in das Städtchen und ergreift auch hier die Gemüter. Da eilen Gatten und Söhne zu den entfalteten Fahnen. Nur die, denen Alter und Geschlecht es versagen, bleiben daheim. Das Gemüt ergriffen vom heiligen Ernste der Zeit, durchwühlt von feierlichem Schauer, eilen die Zurückgebliebenen in die frommen Stätten, in Kirchen und Tempel, um des Herzens tiefe Wünsche emporzusenden zum Lenker der Schlachten, daß er Schirm und Schutz verleihe der gerechten Sache. Allein nur klein ist das Häuslein der jüdischen Gemeinde. Die Mittel sind zu gering, um einen Seelsorger zu besolden: vor dem Kriege ist auch der Kantor gestorben. In ihrer Verlassenheit eilen sie trotzdem gemeinsam in die Hallen des Tempels, nur ihres Herzerls Last zu erleichtern. Da flammt im Herzen des evangelischen Pfarrers das heilige Feuer echter Bruderliebe empor: er sicht nur den geistig leidenden Mitbrnder, der ans tröstenden Zuspruch wartet. Hier helfend einzugreifen, fühlt er heilige Berufung. Am Sabbat ist's, in ihre weißen Gebetmäntel gehüllt, stehen die Männer der Gemeinde, auf dem Chore, die Frauen gesenkten Blickes. Da tritt der evangelische Pfarrer ans die 'Kanzel des Gotteshauses. Mit eindringlichen Worten, entlehnt aus den Propheten des alten Bundes und den Psalmen, kündet er bcn Hörern den Ernst der Zeit, legt aus die Worte der frommen Gottesmänner und senkt Trost und Hojfnimg in die Herzen der Gemeinde. Wie glänzt das Auge der Hörer, das vorher die Träne des Schmerzes verdunkelt hat! Zuversicht und Gottvertranen heben die Häupter der Gebeugten empor, denn die heilige Flamme ging läuternd durch die Herzen der Einsamen. Das war rechte Hilfe in der Not, das war die duftende Blüte am Bannte göttlicher Nächstenliebe; hier zeigte sich der Ausblick aus die messianische Zeit, durch die die Schranken konfessioneller Einengung fallen. Fraget nicht: „Wer hieß ihn besteigen des Tempels Stufen und hieß ihn kündigen das Wort von dieser Stelle?" Der heilige Geist der Zeit war es, der Deutschlands Stämme eint, er rief den Bruder zu den leidenden Brüdern. Möge es viele geben tu deutschen Landen, die diesem evangelischen Pfarrer gleichen! Korrespondenzen. Äeffentliche Menursthung des Vorstandes der israel. Knltusgemeinde Wien Sonntag den 18. Oktober 1914, ' .,11 Nhr vorm., unter dem Vorsitz des Präsidenten Tr. Alfred Stern. Tagesordnung: 1. Antrag ans Aenderung. bezw. Ergänzung der statutarischen Bestilnmungen, be.ressend die Wahlen in den .Kultusvorstand. Vor Eingang in die Tagesordnung spricht der Präsident allen Kollegen den Dank aus für die Teilitdjmc, die ihn während seiner mehrmonatlichen Unpäßlichkeit bewiesen worden. Durch seinen Gesundheitszustand war er längere Zeit verhindert, die Präsidialgeschäfte zu leiten. Nur anläßlich des Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers hat er sich verpflichtet gesuhlt, in Wien zu erscheinen, um an patriotischen Feierlichkeiten der gesamten Iudenheit persönlich teilznnehmen. Andere Geschäfte und Amtsangelegenheiten habe er voll Baden ans erledigen müssen und die Kollegen, welche ihn während dieser ganzen Zeit ihr Vertrauen bewahrteil, haben ihn dadurch zu hohem Danke verpflichtet, i Lebhafter Beifall.) Nach Verlesung des Einlaufes wird zur Tagesordnung geschritten. In Rücksicht auf die Zeitereignisse beantragt das Vertreterkollegium eine Statutenänderung. Im Anhang I Wahlordnung: § 18 (tunt' mit fol gendem Wortlaut: W a h lauf s ch n b. In außerordentlichen Fällen, ivie z. B. im Falle eines Krieges, einer Epidemie, öffentlicher Unruhen und dergleichen ist der Kultnsvorftand berechtigt, die Vor nähme der Wahlen in den Kultusvorstand zu verschieben. Die Verschiebung darf nicht länger als auf ein Jahr beschlossen werden. Die Beschlußfassung muß in einer ad hoc einbe rufenen Sitzung des Kultusvorstandes erfolgen und find hiefür die übrigen Bestimmungell des $ H des Statutes maßgebend. Der Vorstand ist in solchen Fälle?! berechtigt, die durch Tod oder Ausscheiden von Vorstandsmitgliedern freigewordenen Mandate durch Koovtiernng von Gemeindcmitgliedern, welche das passive Wahlrecht im Sinne des Statutes haben, zu ergänzen. Die kooptierten Vorstandsmitglieder haben die gleichen Rechte und Pflichten wie die Gewählten, doch erlischt ihr Mandat mit dem Amtsantritte der nenge wühlten Vorstandsmitglieder. Von allen dichen Beschlüssen ist an die k. k. n.-ö. Statthalterei fofort die Anzeige zu erstatten. Der Statthalterei steht das Recht zu, binnen acht Tagen nach Erhalt einer Anzeige gegen die Beschlüsse, unter Angabe der Gründe, Einsprache zu erheben. Die Beschlüsse lverden erst nach Ablauf dieser Frist rechtsgiltig. lvenn innerhalb derselben eine solche Einsprache nicht erhoben worden ist. Die obigen Bestimmungen haben sinngemäße An lvendung auch auf die Mandate der Vertrauensmänner zu finden. Dieser Antrag des Vertreterkollegiums wird bei An lvesenheit von 24 Mitgliedern mit *23 gegen eine Stimme zum Beschlüsse erhoben. Nach Erledigung der Stiftungsangelegenheiten wird die öffentliche Plenarsitzung für geschlossen erklärt. Der Dank des Kaisers an die galizifchen Juden. Anläßlich der jüdischen Feiertage hatte eine Reihe von Vertretern der gegenwärtig in Wien rveilenden ga l'zischen Judenschaft, unter anderem der Präsident der Lemberger Knltusgemeinde Dr. Simon Schaff, ferner Dberrabbiner Dr. Caro, Samuel Edler v. Horowitz sowie die Abgeordneten Dr. Nathan v. Löwen stein und Edmund Rauch, namens der jüdischen Bevölkerung an die Kabinettskanzlei des Kaisers ein Huldigungstelegramm gesendet, in dem versichert wird, daß die polnischen Juden all der Person des Monarchen mit Treue und Liebe hängen. In Beantwortung diests Huldignngstelegrammes haben nunmehr die genannten Her ren durch die Vermittlung der Kabinettskanzlei den Dank des Kaisers erhalten.