Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 42 (23.10.1914)
- Date
- 1914-10-23
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 42 Dr. Bloch's Wochenschrift seile 725 icli auch Jude sei, führte sie mich ins Zimmer, wo der jüdische Feiertagstisch mit den beiden Kerzen, mit Aepfeln und Brot gedeckt war. „Sie müssen mit uns essen“, und da nützte kein Sträuben. Ich sprach das Kidduschgebet, teilte mit der guten Frau und ihren beiden Kimbern das wohlschmeckende Abendessen, und wenn auch die Unterhaltung halb jiddisch, halb deutsch, einige Schwierigkeit bereitete, so wandelte sich meine Führung bald in Behaglichkeit. Die Nachbarn kamen dazu, und gerne gab ich auf alle nur möglichen Fragen Antwort. Alle sind des Lobes voll über die deutschen Soldaten; es sind ja auch mit wenigen Ausnahmen Hamburger Landwehrleute. Au beiden Feiertagen besuchte ich den Gottesdienst, der uns Westjuden eigenartig erscheint. Aber noch nie hat mich der Gottesdienst so ergriffen, wie das Flohen der Männer und Frauen an diesem schweren lioscli ha-ehonoh zum lieben Gott. Stecken doch die jungen Khemänner, die Söhne, Schwiegersöhne und Enkel zahlreich in russischer Uniform. In Ilußland funktioniert keine Feldpost, niemand weiß, wo die Lieben sich aufhalten. Auch mir sind beim Unnessanne Taukcffgebet die hellen Tränen über die Wangen gelaufen, und ich glaube mich ihrer nicht schämen zu brauchen. Nachdem mau mich beim „Dawneu" gesehen hat, bin ich hier in . . . ein verhätscheltes Kind. „Alle Juden sind Brüder.“ Die arme Marktfrau, die mit Aepfeln handelt, ruft: Do is er, der Jiid, Gott laj.i ihn gesund, und täglich muß ich Einladungen zum Tee, zum Mittag- und Abendessen Folge leisten. Us sind schwerbedrückte, aber herzensgute Meiwhen, unsere polnischen Glaubensbrüder, und mit mir wird wohl mancher Jude von seinem Vorurteil gegen die Gesinnung der polnischen Juden geheilt worden sein. Der Schnorrer, der nach Deutschland kommt, gilt als Prototyp des polnischen Juden, und das ist ein schweres Unrecht. Vielleicht gellt der 'Wunsch der.luden, deutsch zu werden, in Erfüllung und bringt sic uns nälmr; es wäre kein Fehler, denn es gibt edle Menschen unter ihnen. . . . ., 20. September 191-1. M. v. d. W. Ich erhielt soeben, 10; 4 Uhr uormittaflö, mit noch vier anderen des Bataillons das Eiserne -Kreuz. Heute am Crew Rosch-haschono. Jetzt sollt Ihr aber auch wissen, weshalb: Am 21. August hatten wir bei B . . . in Belgien eine große Schlacht in einem U Kilometer großen Walde. Es war fürchterlich. Sofort sielen verschiedene Offiziere usw. Gegen 5 Uhr nachmittags, nach ungeheuren Verlusten, gewahrte ich mitten im Walde eine feindliche Batterie, die heftig feuerte. Da keine Offiziere oder Unteroffiziere zur Stelle waren, sammelte ich ungefähr 40—50 Mann von verschiedenen Regimentern um mich, teilte sie zu einem Zuge zu 5 Gruppen ein und führte denselben. Es gelang mir tatsächlich, mit diesen paar Mann die feindliche Batterie zu stürmen, und ich -nachte außerdem noch 67 Gefangene. Es waren dies die ersten eroberten feindlichen Geschütze der Kompagnie bezw. des Regiments. Diese Tat habe ich deshalb nicht berichtet, da ich mich so nicht habe damit brüsten wollen. So aber, lvo ich dafür das Eiserne Kreuz erhielt, sollt Ihr auch wissen warum. Meine Freude ist groß, besonders da ich es vor Rosch-haschono erhalten habe. Einliegend sende Zch Euch das Eiserne Kreuz, damit — nein, ich habe es anders überlegt, ich trage es. Der liebe Gott wird seine schützende Hand über mich halten, auf daß ich wieder zu Euch meine Lieben zurückkomme. Dann will ich es aber auch anhaben. Unser Regimentskommandeur, ein Oberstleutnant i da der Oberst verwundet ist), hielt eine Ansprache, die sehr kernig war: Es würde in der Geschichte des Regiments mein Name noch bestehen, rvenn wir alle schon nicht mehr wären, usw. usw. F ritz H e r> Inden unter den Kurköas. Bekanntlich hat England, welches nicht imstande war, im eigenen Lande selbst für Geld eine entsprechende *) Sohn des .Kultusbeamten a. D. Leopold Herz in Wiesbaden. Armee gegen Deutschland auf die Beine zu stellen, indische Truppen nach Europa gebracht, um sie gegen die deutsche Armee lvsznlassen. Unter diesen sogenannten Gdirkiias befinden sich nun, wie mau uns aus Newport berichtet, auch eine Anzahl von Mitgliedern eines uralten Hindu stanischen jüdischen Stammes, der sogenannten ,.Beui Israel". Der Präsident der angesehenen „Independent hiudnstan Soeben)" Dr. Nnkergi gab ans eine diesbe zügliche Anfrage eines jüdischen Journalisten die sol gende Antwort: „Die Frage, ob unter den Gurkhas, den Soldaten unseres unglücklichen Vaterlandes, sich auch „Beui .Israel" befinden, muß ich bejahen. Es tut uns aufrichtig leid, daß sie sowie andere unserer Hindustaner Landsleute gegen unsere besten Freunde, die Deutschen, in den Kampf ziehen, um England, das uns beraubt und ausgesogeu hat, zu helfen. Das verursacht uns tiefen Schmerz und aufrichtige Kränkung, denn kein Volk hat zur Verbreitung und Förderung der Literatur, Kunst und Philosophie des alten Indien so viel beigetragen, wie deutsche 6t lehrte, weiche die Welt mit der wunderbaren Lehre des Buddhas bekannt gemacht haben. Wenn nicht die Deutschen Mar Müller und andere wären, würde Europa vielleicht noch heute nicht die prachtvolle Sauskriuiteranir des alten Indien kennen. Und nun kommen diese Hindus und bedanken sich dafür bei den Deutschen mit dem Schwerte in der Hand." Die „Beui Israel", welche sich in Indien noch vor der Zerstörung des ziveiten Tempels niedergelassen hatten, wurden vor allem von deutschen Gelehrten entdeckt und erforscht. Und nun iverden auch diese gezivungen, nckder Willen gegen Deutschland und seine Kultur zu Kampfe zu ziehen. Erzherzog Dranz Hatvalor im jüdischen Spital*. Erzherzog Franz Salvator weilte vor einigen Dagen als Protektor des Roten Kreuzes in Budapest, wo er tt. a. auch dem Spital? der Budapester israelitischen Kul tusgemeinde, in welchem viele verwundete Offiziere und Soldaten gepflegt werden, einen Besuch abstattece. Der bekannte Chirurg Primarius Professor Dr. Heinrich Alapy übernahm die Führung des hohen Gut st es, welcher länger als eine halbe Stunde in den verschiedenen Sälen weckte. Der Erzherzog war über das Gesehene außerordentlich befriedigt und richtete bei seinem Abschiede an den ausgezeichneten Chefarzt die folgenden Worte: „Herr Professor, es gereicht der israelitischen Kultnsgemeinde zur großen Ehre, daß sie dieses herrliche Institut den verwundeten Soldaten zur Verfügung gestellt hat." Professor Alapp ernüderte hierauf: „Kaiserliche und königliche Hoheit, die jüdische Gemeinde betrachtet dies als ihre patriotische Pflicht." Der Erzherzog wandte sich hierauf abermals an den Professor und bemerkte: „Ja, patriotische Pflicht. . . . Aber es ist gut gemacht." Die Herzogin und die arme Iudenfran. Aus M a g park a n i z f a wird berichtet: Frau Robert Freund erhielt von ihrem Sohn, der, im bürgerlichen Beruf Kellner, als Soldat auf dem nördlichen Kriegsschauplatz? verwundet wurde und zurzeit schwerver letch m Gmunden im Palast des Herzogs von C u m b e r l a u d liegt, folgenden Brief: „Ich liege im Palais Eumberland. Wir werden ausgezeichnet verpflegt. Ich fühle mich sehr wohl. Das herzogliche Paar pflegt mich sorgfältig, nur das verbittert mich, daß die nächsten Verwandten des armen herzoglichen Paares, der -König vott England, der t rutsche Kaiser und der Zar von Rußland miteinander Krieg führen." H he U -w