Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 42 (23.10.1914)
- Date
- 1914-10-23
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 724 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr 42 Kriegsschauplatz befördert worden war, nunmehr auch noch mit dem Eisernen Kreuze II. Klasse dekoriert. — Dr. Leo (£ a r 4 aus Hannover, eine Neffe des Oberrabbiners Dr. Caro in Lemberg, ist wegen heldenmütigen Verhaltens vor dem Feinde ih Frankreich mit dem Eisernen Kreuz I. Klasse ausgezeichnet worden. Herstelle a. Weser. Die Brüder Unteroffizier Rn d o l f K o h l b e r g und Offizier-Stellvertreter E r n st K o h l b e r g. Jchenhausen. Der beim bayrischen 6. Feldartillerieregiment dienende Einjährige Gefreite Hermann Reichenberger, Sohn des Kaufmanns Herrn Naftali Reichenberger, hier. Kempen iPosen). Julius Wolff, von der Maschinengewehrabteilung des Jnf.-Regts. 37, Sohn des Herrn Georg Wolff in BAhelmsbrück bei Kempen (Posey). Magdeburg. Unteroffizier Felir Merzbach und Oberarzt der Landwehr Dr. med. Greiffenberg M-Gladbach. Am Jaum Kippur Musketier Hugo Schiffm a n n vom Jnf.-Regt. Nr 97, verwundet in einem Lazarett bei Düren. München. Einjährig--,Gefreiter beim Stabe der 2. Jnf.- Brigade Hermann Rosenau, Sohn des Hofjuweliers Rosenau. Niedenstein. Lehrer Hermann Abraham vom Res.- Jnf.-Regt. 83, Sohn des Herrn A Abraham in Scheulslengsfeld, unter Beförderung zum Unteroffizier. Myslowitz. Referendar Dr. Centawer. Nürnberg. Leutnant d. R. im 11. bayrischen Res.-Jns.-Regt. Karl Motz mann, Direktor der Pfälzer Bank; der Regimentsarzt und Stabsarzt d. R. Leonhard Rosen feld^ wegen hervorragender Leistungen in der Behandlung von Verwundeten während des stärksten Feuers; der Einjährige im 6. bayrischen Infanterieregiment Emil Schwerfen z, Sohn des Herrn Möbelhändlers Mar Schwersenz. Er hat als Radfahrer mitten in der Nacht unter den schwierigsten Verhältnissen eine wichtige Meldung dem Bataillonsstab übermittelt; der Einjährige Otto Sah lmann vom 6. bayrischen Feldartillerieregiment, Sohn des Herrn Siegfried Sählmann. Er hat, als ein feindliches Geschah auf einen Munitionswagen schlug, die schon brennenden Kartuschen mit großes Kaltblütigkeit herausgerissen und mit seinem Mantel erstickt, wodurch die Batterie von einem schweren Unfall verschont blieb. Er wurde auch zum Unteroffizier befördert. Vizewachtmeister der Landwehr im kgl. bayrischen 7. Chevaurlegers- Regt. JosefHesselberger. Paderborn. Vizefeldwebel Walter Kah vom 135. Infanterieregiment. Regensburg. Assistenzarzt im 14. Infanterieregiment Herr Dr. Lorenz Le h m a n n, ein Sohn des Herrn Karl Lehmann, Ludwigstrahe. Remagen. Otto Jülich, Sohn von Herrn Simon Jülich. Rotenburg a. d. Fulda. Unteroffizier der Reserve Hugo R o t s ch i l d aus Rotenburg a. >d. Fulda wurde wegen seiner Tapferkeit in der mehrtägigen .Schlacht an der Marne mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet. / Sayn. Dr. Paul Jacob i, Assistenzarzt der Bonner Universitätsklinik. , Trier. Der Einjährig-Freiwillige Unteroffizier Fritz L o e b, bei Reims verwundet, unter gleichzeitiger Beförderung zum Vizefeldwebel. Ulm. Leutnant d. Res. Rechtsanwalt Dr. A u g u st Nathan, Feldwebelleutnant im. Jnf.-Regt. 120; Land. med. Albert Eckstein, als Unterarzt im Feldlazarett der Garde- Train-Lorps verwendet, Sohn eines alten bayrischen Offiziers, hat sein Lazarett mit 350 Verwundeten nicht verlassen, auch als man ihn deshalb in Feindes Hand fallen lassen muhte; er ist aus dieser freiwilligen Gefangenschaft wieder entlassen worden und auf seinen Posten zurückgekehrt. Vallendar. Offizier-Stellvertreter im 66. Jnf.-Regt. Julius Salomon. Wiesbaden. Gefreiter Fritz Herz, Sohn des Herrn Leopold Herz, hier. Zimmersrode. Lehrer Salli Nuhbaum vom Ref.-Jnf.- Regt. 83, Sohn des Herrn Jacob Nuhbaum in Ansbach. Auf dem Schlachtfelds befördert. Aus Jastrow (Westpreußen) sendet uns Herr Bahnspediteur L. Petzal eine Feldpostkarte seines auf dem westlichen Kriegsschauplatz kämpfenden Sohnes, in welcher es heißt: „.Ich bin auf Wunsch meines Rittmeisters vorn Regimentskommandanten auf dem Schlachtfelde als erster von meinem Jahrgang Zum Gefreiten befördert worden und könnt Ihr Euch, liebe Eltern, meine Freude hierüber denken. Die Worte des Kommandeurs bei meiner Meldung als Gefreiter waren: „Sie haben sich, Gefreiter Petzal, die Knöpfe auf dem Felde der Ehre mit Recht verdient, wünsche Ihnen weiter viel Glück und bleiben Sie weiter so treu Ihrem Regiment." Meine lieben Eltern, dieser Moment war die schönste Stund? meines ganzen Lebens." ßin christlicher Offizier über jüdische Tapferkeit. Der „Filehner Stadt- und Landbote" veröffentlicht folgenden Feldbrief: „Vor Verdun, September 1914. ... Es ist nrir ein Bedürfnis, es auszusprechen, daß die Kanoniere mosaischen Glaubens in der schweren Schlacht, die nur bei Bobelmont Viston wunderbar und herrlich gegen die Franzosen gewonnen haben, sich außerordentlich tapferbenommen haben. Ich war seinerzeit Bcobachtungsossizier und Nachführender der Abteilung, und während der ganzen Zeit von Sonnabend den 11. früh bis Sonntag abend um 8 Uhr saß neben mir der Kanonier K o h n und bediente unerschrocken im feindlichen Schrapnellfeuer den Fernsprecher. In der 6. Batterie, die ich nach Verwundung des Hauptmanns übernommen habe, ist ein Gefreiter mosaischen Glaubens seines hervorragenden Benehmens und seiner sonstigen Tüchtigkeit wegen als Kanonier und Befehlsüberbringer von mir zum Eisernen Kreuz vorgeschlagen worden. Sonst geht es uns sehr gut in Frankreich; unsere Verluste waren groß, aber erträglich namentlich den furchtbaren Verlusten der Franzosen gegenüber, die von unserem Geschützfeuer wie gemäht in den Schützengräben lagen. Grüße an alle Filehner Bekannte Ihr P. H." „Das jüdische Kerz." Ein hiesiger verheirateter jüdischer Landwehrmann — Dragoner —, so schreibt man aus Corbach, bittet seine Frau um Zusendung von Eßwaren, da in der französischen Gegend, wo er jetzt seinen Aufenthalt hat, nichts für Geld zu haben sei und die Bevölkerung selbst Not leide. In demselben Briefe schreibt er seiner Frau nachstehendes: Eines Tages ritt seine Truppe durch ein französisches Dorf, das Kriegselend liegt schwer auf den Einwohnern des Ortes. Da sieht er eine Frau mit vier weinenden Kindern am Wege stehen. Der jüdische Landwehrmann, der an der Seite ritt, wirft der Frau sein letztes Stück Brot zu. Der Oberst bemerkte dieses, ritt au den barmherzigen Geber heran und sprach zu ihm: „Das ist brav von Ihnen, Kamerad, das wird Ihnen der liebe Gott vergelten!" Von den jüdischen Soldaten im deutschen Heere. Vom östlichen Kriegsschauplatz kommt nachstehender Feldpostbrief eines jüdischen Soldaten im deutschen Heere: „Am Vorabend des Neujahrsfestes rückte das Detachement, welches 'zur Besetzung des kleinen polnischen Städtchens .... bestimmt war, ein. Die Einwohner bestehen 'zu zwei Dritteln aus Juden ,von denen viele geflohen waren, in der Furcht, daß wir Deutschen die entsetzlichen Greuel, die von den Kosakenhorden in den nahen ostpreußischen Grenzorten begangen wurden, vergelten würden. Das Städtchen war glücklich vor einer Beschießung und nahen Gefechten verschont geblieben und sah bei unserem Einzug so friedlich aus, als ob es gar keine Kanonen gäbe. Die Landwehrschwadron, der ich angehöre, hatte harte Tage hinter sich. Die Schlacht bei Tannenberg undWe in ihrem Gefolge nötigen Geplänkel mit abgesprengten Kosakenabteilungen, später die Gefechte bei Lyck hatten uns alle Strapazen des Krieges auferlegt, und obwohl es in Strömen vom Himmel herunter goß, waren wir herzlich froh. Tage der Ruhe für Mann und Roß vor uns zu haben. Persönlich war icli in trüber Stimmung. Rosch haschonoli fern von Haus und Hof im Feindesland! Vor mir lag der Marktplatz, schwer und schnell brach' die Dunkelheit herein und Immer tiefer und größer wurden die typischen polnischen Schlammpfützen der Straße durch' den erbarmungslos herabströmenden Regen. Ich war durstig und bat in einem Hause um ein Glas Wasser. Eine jüdische Witwe gab mir das Verlangte; wir kamen ins Gespräch, und als sie hörte, daß