Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 42 (23.10.1914)
- Date
- 1914-10-23
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 42 Dr. Blochs WocherrsHrr»-. Seite 723 der Juden in Radom gelassen: denn meine Kosaken wollten eigentlich alle Inden in Radom totschlagen." Es war zwar der Befehl gegeben worden, sogenannte Pogroms zu vermeiden, damit nicht die Juden in Lmrdon, Paris und Petersburg verstimmt werden. Dagegen kursiert eine Aeußeruug des Großfürsten Nikolaj Nikolajewitsch: „Wenn sich meine Soldaten schinden, müssen sie auch ein Vergnügen Huben. Wenn dabei ein paar Judenschädcl eingeschlagcn werden, so hat das trotz des Geschreies der Londoner Synagogen keinerlei Bedeutung." Professor Mürrsteröergs Rücktritt von Lehramt. Wie der „Franks. Ztg." aus Newyork gemeldet wird, beabsichtigt Professor Hugo Münsterberg, der bekannte deutschje Philosoph und Psychologe, Volt seinem Lehramt alt der Harvard-Universität zurückzntreteu, weil der Lord-Mayor von London erklärte, seine Absicht, der Universität 10 Millionen Dollar zu schenken, würde nicht ausgeführt werden, wenn Münsterberg bliebe. Die deutschen Inden und der Krieg. lieber „Die deutfcheit Inden und der Krieg" hielt Professor Stein (Berlin) einen beachtenswerten Vortrag, worin er unter anderem nusführte: „Wie silld in diesem furchtbarsten aller Kriege, voll denen die Geschichte berichtete, die Rolleit vertauscht? Deutscher Ordlmng und Organisation, deutscher Treue, Tüchtigkeit ultd Ehrlichkeit stehen französische Rachsllcht, russische Machtsucht, englische Habsucht, montenegrinischserbische Mordsucht und zuletzt noch monegassische Spielsucht gegenüber. England hat die Welt mit einem raffinierten System voll besoldeten Nachrichteirbureans über spönnen. Es hat das Ueberseekabel abgeschllirten, um Deutschland in einem Netz von Lüge und Verleumdung zu erstickeu. Aber auch den englischen Lügen gegenüber haben wir ein wirksames 42 Zentimeter-Geschoß: die Wahrheit. Und die jüngsten Veröffentlichungen der deutschen Regierung zeigen England als Wächter internationaler Verträge und Beschützer der Neutralen in seiner vollen Glorie." Professor Stein erklärte dann: Die Sympathien der elf Millionen Juden müssen auf Seite Deutschlands sein, da es die Sache des Rechtes, der Wahrheit und der Gerechtigkeit vertritt. Die deutschen Inden sind mit der Kultur ihres Landes eng verwachsen. Nahezu zehn Millionen von den elf Millioneit Juden reden auch die deutsche Sprache. Der Krieg ist den detltschen Juden eilt Erzieher zur Mannhaftigkeit geworden. Tie jüdische Frau ist zur alten Einfachheit und Schlichtheit zurückgekchrt. „Lieber tot, als Kosake," schloß der Redner seinen interessanten Vortrag. Ker Kersöhrmngstag in der deutschen Armee. Der „Vossischen Zeitung" wird berichtet: Wie Kaiser Wilhelm dem religiösen Bedürfnisse seiner int Felde stehenden israelitischen Soldaten anläßlich des höchsten jüdischen Feiertages, des Versöhnungstages, Rechnung getragen hat, geht aus eitlem Armeebefehl hervor, der auf Anordnung des Kaisers am 30. September streng ausgeführt wurde. Danach mußten sich sämtliche israelitischen Soldaten, sofern sie stich nicht in der Feuerlinie befanden und daher unabkömmlich waren, unter Führung jüdischer Reserveoffiziere und Offiziersstellvertreter bei den einzelnen Brigaden an einem bestimmten Punkt am Morgen des Versöhnuirgstages einfinden, um dann eine hinter der Front gelegene Stadt aufzusuchen. Da in Nordfrankreich nirgends Synagogen vorhanden waren, wurde der Gottesdienst für die jüdischen Soldaten der einzelnen Armeekorps in katholischen Kirchen abgehalten. Die Feier begann morgens um halb 8 Uhr und dauerte bis zum Eintritt der Dunkelheit. Die Feldrabbiuer predigterr zweimal, vormittags und abends, und stiulmlich begabte Soldaten fungierten als Vorbeter. Die meisten Besucher der Gotteshäuser fasteten und hielten bis znm Schluß der Andacht aus. Dann erhielten sie ans eigens zll diesem Zwecke Herbeigeschafftelt Feldküchen eilt kräftiges Essen und kehrten in der Nacht noch zu ihren Regimentern zurück. Aus vielen Feldpostbriefen, die jüdische Soldaten an ihre Allgehörigen in der Heinlar schrieben, geht hervor, daß sie niemals einer so ergreifenden Andacht beinewohnt hätten wie an jenem Tage in Frankreich. Die gegen Rußland kämpfenden israelitischen Krieger lvarell am 30. September für den ganzen Tag beurlaubt und konnten den Gottesdienst mit ihren Glaubensgenossen in den Grenzstädten Ostpreußens begehen. Nachstehende jüdische Soldaten erhielten das Eiserne Kren;. Aachen. Oberleutnant Dr. üco Löwe n st e i », der sich durch seine Erfindung ans dem Gebiete der Elektrotechnik einen Rainen gemacht, dem Oberkommando dev VI. Armeekorps attachiert. Berlin. Einjährig-Freiwilliger Hans Panofskn. Sohn des Stadtrats Panofskn, Mitinhabers der Bankfirnia Jacguier Securius, hier. A u d v i 1 U I st e i n, Mitglied des freiwilligen Autvmobilkorps im Felde. Bierstadt. Adolf B raub e, ool'.it des Herrn Elias Brande von hier, auf dein westlichen Kriegsschauplatz auch zum Unteroffizier befördert. Birstein. Für hervorragende Leistungen vor dem Feinde wurde dem Kaufmann 3 i e g f rieb R o s e n t t) a l, Unterofsizier der Reserve. das Eiserne Kreuz oerliehen. Zugleich wurde er zum Feldwebel befördert. Breslau. Einjährig Freiwilliger Unteroffizier der Feldartillerie Hein r ich Ioa ch i m Ä uerb a ch, 3ohn des Kaufmanns Paul Auerbach, und Einjährig- Freiwilliger L >l b i n s k i. Breslau. Das Eiserne Kreuz erh'elten Oberarzt Dr. nied. H u g o H a n f, Spezialarzt, tscrichtsassessor Dr. G e o g H a r tm a n ii, Bizefeldwebel, die Unteroffiziere Berthold u t t - manu, Sohn und Teilhaber des Herrn Mar Guttmauii, Bensche strafe 51, und H e i n r i ch Jo a ch i ui A u e r b a ch, erahn des Kaufmann Paul Auerbach zu Breslau, Taueiitzienpl. 1b. G e o r i\ •oternber g, V ize- W achtmeister iin Feld-Artillerie-Regimenk 'Ar. 36 für hervorragende Tapferkeit vor dem Feinde (Vater Julius Sternberg Gutenbecgstraße 40), sowie die Aerzte Dr. med. Martin B i b e r st e i n und der Frauenarzt Dr. Arnold Fuchs, Stabs- und Bataillons-Arzt, Sohn der Witwe Emilie F. Briefen. Einjähriger Unteroffizier der Artillerie C u r t G o e tz, Sohn der verwitweten Frau Tinchen Goetz, hier. Derselbe erhielt den Auftrag, mit einigen Mannschaften Bagagewagen an das Gros des Heeres heranzufchaffen. Auf dem Wege dorthin wurden sie von den Franzosen überfallen. Unteroffizier Goeß entzog sich den Händen der Feinde und brachte die Beule zu seinem Truppenteile unversehrt zurück. Cassel. Vizefeldwebel P aul c: ü f; h o lz, Sohn des Rentiers Louis Süßholz von hier, Gefreiter Willy O p p e n h e i m aus Schenklengsfeld und Gefreiter Berthold Victor, Sohn des Kaufmanns Bictor aus Rhina. Chemnitz. Rechtsanwalt Dr. Ri ü h I f e I d e r. Derselbe ist im Jahre 1909 von den Bezirksoffizieren des 104. Regiments als ungeeignet zum Offizier des Beurlaubte istanoes erachtet worden. Vorstandsmitglied der hiesigen Ortsgruppe des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Fritzlar. Hermann G u t h e i m, Sohn des Gemeindeältesten I. Gutheim, hier. Frankfurt a. M. Leutnant d. Res. Rechtsanwalt Dr. S i e gt'rieb Popper. Halle. Herr M a x H a h n Sohn des langjährigen Mitgliedes und Baaltefilloh der i/e igen orthodoren Gemeinde, Herrn Salomon Hahn, wurde in Anerkennung seiner Tapferkeit vor dem Feind mit dem Eisernen Kreuz a'isgezeichnet, nachdem er schon vorher zum stellvertretenden Leutnant befördert worden war. Hamburg. Stabsarzt Dr. D. Wolfs. Brigade-Ersatz-Bataillon 33, Assistenzarzt Dr. Simon L e v y, Feldslieger-Abt. Rr. 11, Unteroffizier Leo F r a n k, Res.-Ulanenregiment Rr. 1, Vizefeldwebel Herbert B e n j a m i n, im Res.-Regt. Rr. 86, Unteroffizier Hugo H e : l b r u n n aus Wagenfeld, Ludwig K a tzmaii n, Unteroffizier des Reserve-Regiments Rr. 82, hier, Hammerstraße 4. Derselbe ist auch zum Feldwebel befördert worden. Hannover. Der einjährige Unteroffizier der Reserve Herr Eerichtsassessor Dr. jur. Walter Jacobi aus Erfurt wurde, nachdem er erst vorige Woche zum Bize-Wachtmeister am westlichen