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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-10-23 · 42 (23.10.1914) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
42 (23.10.1914)
Date
1914-10-23
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 718 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 42 Und erst der König, der sein Land in diese verräterische Lage gebracht, mitsamt seinen Regierungsleuten, die sich wohlweislich noch zur rechten Stunde in Sicherheit brachten, die 'das belgische Volk wie eine dem Verderben geweihte Kreatur dem Schicksal überlassen! Mit Genugtuung wird von den biedern Deutschen nach der Einnahme der Stadt konstatiert, daß die hervorragenden Gebäude, Denkmäler, Kathedrale und historischen Monnmentalwerke nicht gelitten haben. Und wenn dies nicht der Fall gewesen wäre, wie hätte da die Preßmeute aller Künstlerscharen aufgeheult über das deutsche Barbarenvolk, als Hunnen und Tartaren für die Nachrvelt gekennzeichnet; gerade so wie die falsche Jammerfratze der Kunst- und Kulturliebe als Fastnachtsmaske aufgelegt wurde, als die gewiß herrliche Kathedrale von Reims der Gefahr der Beschießung ausgesetzt war. Wie man dem zu entgehen habe, wenn man es wirklich mit der Erhaltung einer Ltadt und mit der Bewahrung vor Kriegsgreueln ehrlich und aufrichtig meint, das zeigt uns ein gewiß interessantes und für unsere Zeit lehrreiches K r i e g s b i l d aus der für alle Verhältnisse des Lebens lehrreichen Bibel. Der König David hatte Zeit seines Lebens kriegerische Kämpfe durchzuführen gehabt, hat es bereits mit der ersten Heldentat seiner frühesten Jugendzeit gezeigt, daß ihm Furcht vor dem Feinde fremd war, daß er selbst als Hirtenknabe vor dem schreckenerregenden Riesen Goliath kein Erzittern kannte. Herrlich blickt seine biegsame Gestalt mit dem zum Schleudern ausholenden Arm über den Arno hinweg auf die glanzreiche Stadt Florenz und bildet das Wahrzeichen derselben. Es ist das Kolossalstandbild Davids, von dem unvergleichlichen Meister Michelangelo hergestellt, welches im Bronzeabgusse eine der schönsten Promenaden der Welt krönt und noch nach Jahrtausenden die Furchtlosigkeit und Tapferkeit dieses jüdischen Königs der Vorzeit dokumentiert. Wer zählt die Kriegszüge, die er befehligte, die Schlachten, die er geschlagen, die Belagerungen, die er ausgeführt!? Und doch, als er seine Lieblingsstadt Jerusalem ausgebaut, sie durch die Einführung des Stiftszeltes zur Gottesstadt prädestiniert hatte, und da sein Sohn Absalom gegen ihn sich erhob und mit der Belagerung Jerusalem bedrohte, da kam plötzlich ein uns bei ihm befremdend erscheinender Geist über ihn, wie wenn mit einemmale Furcht ihn erfüllte, ßt ^beantragte, mit seinen Soldaten Jerusalem zu verlassen und in der Flucht das Heck zu suchen. Er war in einer wohlbefestigten, auf Bergen erhöhten Stadt, in einer bekanntlich nur von einer, der nördlichen Seite zugänglichen Stadt; er hatte auch seine berühmten Kämpfer, die Krethi und Plethi, um sich — und doch verließ er die Stadt wie ein Flüchtling! Was war denn plötzlich über den mutigen König gekommen!? War es Feigheit, Mutlosigkeit, war es die Schwäche des Alters!? Nein! Gewiß nicht! David war noch der alte Löwe, wie es sein Wappen war. Der Löwe Juda hatte nicht seine Sprungfertigkeit eingebüßt. Aber der Mut war bei ihm mit Charakter gepaart, mit Ehrenhaftigkeit, mit wahrhaftem Rittertum. Seine Stadt Jerusalem, die Gottesstadt, sollte mit ihren Heiligtümern nicht den Gefahren einer Belagerung ausgesetzt werden, nicht die Stadt mck ihren Gebäuden und nicht mit chren Priestern, Leviten und ihrer Bevölkerung. Er sagt es feinen Leuten ausdrücklich, warum er die Stadt verlasse und die Entscheidung des Kampfes außerhalb derselben verlege: „Es könnte der Feind eilen, uns einholen, Unglück über uns bringen und die Stadt mit der Schärfe des Schwertes schlagen." (II. Sam. XV, 14.) Von einer Lieblingsstadt soll im Schicksal des Krieges jeder Kampf ferne gehalten werden; eine Lieblingsstadt soll nicht den Gefahren des Kriegsglückes ausgesetzt werden, am allerwenigsten einer von allen Unseligkeiten des Mißgeschickes begleiteten Belagerung. So denkt ein ritterlicher König, der sein Volk liebt, der Gefühl hat für die Heiligtümer seines Staates. Nicht vom Feinde hat er Schonung zu erwarten, sondern er hat die 'Pflicht der Schonung, sie vor den Feindseligkeiten zu bewahren. Welche Verkehrtheit sehen wir jedoch in dem Vorgehlen aller Ententemächte gegen das verbündete Deutschland - Oesterreich - Ungarn!? Die großartigsten Städte setzen sie den Belagerungen aus und wimmern dann, wenn sie geschlagen worden, über den Barbarismus der Verheerungen von Kunstdenkmälern und alten Gebäuden! Nach Antiverpen wird nun selbstverständlich Paris, das große, schöne, kunstreiche Paris darankommen, mit dem herrlichen Louvre, mit dem ruhmreichen Jnvalidendom, mit der doppeltürmigenNotre-Dame-Kathedrale;wer zählt die Namen der Monumentalgebäude auf, die ein Eigentum der ganzen Kulturwelt bilden, die einen einzigen Triumphbogen der ganzen Kulturwelt ausmachen! Sie alle sind den Gefahren der Zerstörung durch eine Belagerung ausgesetzt, mitsamt der noch immer zwei Millionen zählenden Bevölkerung der Großstadt — biefg, von der regierenden Demokratie sonst umschmeichelte und als lieb Kind gehätschelte Bevölkerung, die die Revolutionen macht, zum Brüllen mit den Gamins und den Boys de roi aus Revanche zum Kriege hineingehetzt wird, die man als das Herz Frankreichs bezeichnet, die Könige macht und absetzt, die wird nun gehörig in den Hungerturm der Belagerung eingepfercht werden, während die Drahtzieher dieser schrecklichen, blutgetränkten Komödie sich in ihrem buen letiro wohl behaglich, die Bluthochzeit von außen anschauen werden! Da wäre es Zeit, den guten Parisern den tapferen Judenkönig David in Erinnerung zu bringen, der mutig feine eigene Brust dem Feinde entgegenhält, aber seine Stadt vor der Gefahr der Belagerung bewahrt und die Bewohner seiner Residenz vor jeglichem Schaden beschützt. Ihr bibelfesten Engländer, ihr solltet noch fünf Kapitel weiter im 2. Buche Samuel nachschlagen, und ihr Würdet finden, was euch und mit euch anderen Werkzeugen, besonders dem nun flüchtigen König von Belgien und dem nicht minder flüchtigen Präsidenten der verratenen französischen Republik, gebührt. Als nämlich nach dem Siege über Absalom sich eine neue Revolte, gegen David in 'der Person des ^./Schema ben Bichri" erhob, da schloß sich dieser in der Stadt „Abelah" ein. Dort wurde er von Joab, dem Heerführer Davids, belagert und er mitsamt der ganzen Stadt sähen einem schmählichen Ende entgegen. Da gab es aber in der Stadt eine weise Frau und diese rettete dieselbe vor dem drohenden Untergänge. Der Vorgang derselben zur Befreiung der belagerten Stadt soll jedoch als leuchtendes Kriegsbild hier wörtlich angeführt werden. „Da rief ein Auges Weib aus der Stadt: Hört! hört! Sprechet zu Joab, tritt näher, daß ich zu dir rede. Und er näherte sich ihr. Da sprach das Weib: Bist du Joab? Und er sprach: Ich bin es. Und sie, sprach zu ihm: Höre die Worte deiner Magd! Und er sprach: Ich höre. Und sie sprach: Vorher hätte man sagen sollen, man möge doch bei Abelah anfragen und so wäre man längst zu Ende. Ich — eine friedliche, treue Stadt in Israel; und du — willst töten eine Stadt, die Mutter ist in Israel? Warum willst du zerstören das Eigentum Gottes? Da antwortete Joab und sprach: Fern, fern sei es von mir, ich wick nicht verderben, nicht vertilgen! Die Sache ist nicht so, sondern ein Mann vom Gebirge Efraim, namens Schema, der Sohn Bichris, der hat

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