Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 42 (23.10.1914)
- Date
- 1914-10-23
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Zentralorgan für die gesamten Unteressen des Judentums. Dr. Bloch’s atzrgarrg XXXI -ooc- Wien, 23. Oktober 1914 Lrscbetnt jeden Freitag. Brief-Adresse: Wien, Hi. Praterstraße 9. Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift, Wien. O Cr=----=Q o? A. ft. Vofifparftaffenamt Q Glearing üerfcebr Nr. 810.976. Redaktion und Administration: Wien II/i. Praterstraße 9. l, Telephon 45,359. o P- ——Q o O Cr Q ===DO Vr;ugsprris fiir Vesterreirh: Q Halbjährig 8 Kronen. Einzelercmplare '<0 Heller. Für das Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die 2mal gssyallene Petitzelle 48 Heller. o P— . .On Inhalt: Leitartikel: Kcieqsbitder. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Jüdische Helden. Auszeichnung. Hohe Auszeichnung. Der Held Josef Oszwald. Auf dem Schlachtfelde befördert. Ein christlicher Offizier über jüdische Tapferkeit. Abschied von den gefallenen Helden. Auf dem Felde der Ehre gefallen. Der Heldentod des Leutnants Isidor Klauber. Josef Wolosker, Steuerau nnsmaar auf Sr. M. Schiff „Leitha". Heldentat eines jüdischen Ingenieurs. Aneikennung für das mutige Verhalten eines Soldaten. Das Schicksal Julius Rufs. „Das jüdische Herz". Generalmajor Heinrich Edler von Trenkherm. Eine Feldpostkarte. Die Lügen des Zaren. Jüdische Soldaten im russischen Heere. Von der russischen Niederlage vor Przemyü am 5. Oktober. Das ruffische Vergnügen. Professor Münsterbergs Rücktritt vom Lehramt. Die deutschen Juden und der Krieg. Der Versöhnungstag in der deutschen Armee. Auszeichnung jüdischer Soldaten mit dem Eisernen Kreuz. Von den jüdischen Soldaten im deutschen Heere Juden unter den Gurkhas. Erzher og Franz Salvttor im jüdischen Spital. Die Herzogin und die arme Jndenfrau. Wer weiß? Vermißte Deutsche. Flaschenpost eines österreichischen Offiziers. Dr. Grunwalds Gebetbuch für die jüdischen Krieger. Otto Altmann. — Korrespondenzen: Oeffentliche Plenarsitzung des Vorstandes der israelitischen Kultusgemeinde Wien. Der Tank des Kaisers an die galizischen Juden. Bitte um Nähmaschinen und Material für Wäsche n. dg'. „Weibliche Fürsorge". Abzeichen der „Weiblichen Fürsorge". Antwerpener Flüchtlinge. Ausspeisungsaktion des Vere ncs „Machsike Hadath". Eine Versammlung galiztscher Flüchtlinge. Ludbreg. Aufruf. Karlsbad. Biclitz. Eine Ehrung für David Wolffiobn. — Vermischtes. — Feuilleton: Neujahrsgottesdienft im Gefangenenlager von Kenhecmezö. — Literatur. — Briefkasten. — Inserat?. Kriegsbilder. Bon Oberrabbincr W. Reich in Baden bei Wien. Ein hochangesehener Römer, innig befreundet mit dem hervorragenden jüdischen Gelehrten Rabban Jochanan den Sakkai, stellte einst an ihn die verfängliche Frage: „Wann werden wir uns einmal gemeinschaftlich freuen können? Sieh! Eure Freudentage sind nicht die unserigen, und unsere Festtage sind doch nie die Eurigen! Sollte nicht einmal die Zeit kommen, in der eine Gemeinschaft der Freude uns verbindet!?" Der Gelehrte antwortete: „Es gibt eine solche; wenn Gott die Naturgaben der Schöpfung der Welt zum Segen werden läßt, dann freuen sich alle Menschen in gleicher Weise." Diese Frage des römischen Heiden hat auch eine Kehrseite, und als wahrer Freund, der sich, in der Not bewährt, wäre es wohl schöner gewesen, wenn er die traurigere Reversseite zum Gegenstände seines Bedauerns aufgeworfen hätte. Dann würde sie lauten: „Wann werden wir von gemeinsamem Leid erfüllt?" Die Begründung dieser Frage müßte nur eine einseitige Einschränkung erfahren. Denn die Leidenszeiten der anderen Völker sind wohl stets auch die iknserigen gewesen; wir waren durch den Gang der Geschichte nie von ihnen ausgeschaltet; aber unsere Zeiten des Unglückes haben die anderen nie berührt; wir standen mit unserem Kummer immer allein. Wann werden wir einmal ein gemeinsarnes Leid fühlen!? Denn eine wahre Gemeinschaft ist nur diejenige, die in Freud und Leid sich eint. Nach dieser letzteren Zusammengehörigkeit hat der befreundete Römer sich wohlweislich nicht gesehnt, denn es war ein unendliches Leid, das seit jeher das jüdische Volk in die Diaspora als schwere Kette mit sich geführt, das fast ein zweites Jahrtausend erreicht. Mit der Aufnahme der Judenheit in den gemeinsamen bürgerlichen Kreis, in den der Kultur erschlossenen Staaten, ist nun auch die Gemeinschaft von Leid und Freud' hergestellt. Es zeigt sich dies anschaulich in diesem gewaltigen Völkerkrieg, der die Welt durchbraust. Wenn wir die Berichte zur Hand nehmen, die uns die Verlustlisterr vorführett, die der Vermißten, der sich gegenseitig Suchenden, der aus den Provinzen der verschiedenen Kriegsschauplätze Ausgewanderten, da ergreift Juden und Nichtjnden ein gemeinschaftliches Weh, und auch die aus vollem Herzen gebrachten Opfer an Gut und Blut sind gleichartig groß und drücken sich in perzenruell die Wage haltenden Summen ans. Gewiß, es ist eine Leibensgemeinschaft durch das Schicksal hergestellt, wie sie die Welt bisher noch nie gesehen, noch nie in der Geschichte erlebt hat. Aber auch die Gemeinschaft der Freude ist eine innige, unvergleichliche, Herz und Gemüt erhebende. Wie leuchten unser aller Augen, ohne Unterschied der Zugehörigkeit von Glaube und Nationalität, wie glänzen unser aller Blicke, wie fliegen, unser aller Pulse, wie schlagen unser aller Herzen, wenn eine Freudenbotschaft in den Blättern aufslattert! Jedes Siegesbulletin, jeder heroische Auftakt der beiden Bundesheere entfesselt einen gemeinschaftlichen Jubel und wird zu einem Brillantseuerwerk patriotischer Begeisterung, welche zu einer Brudergemeinschaft aller Staatsangehörigen führt und jede Verschiedenheit der völkischen oder konfessionellen Schattierung auslöscht und verschwinden macht. Antwerpen gefallen — die zweitgrößte Festung der Well — Przemysl befreit — obwohl von der zweitgrößten Landmacht der Welt zerniert! Das gibt schon ein Bild von dem vergeblichen Aufgebot aller Feinde der ganzen Welt gegen die geeinigte Heeresmacht der beiden wie eingezwängten Zentralstaaten Europas. Stolz, berechtigter Stolz, Selbstbewußtsein, ein tiefbegründetes Selbstbewußtsein hebt die Brust jedes Angehörigen dieser beiden Bundesreiche; eine herrliche, gemeinsame Freude! Aber auch ein gemeinsames Gefühl der Verachtung erfaßt uns alle gemeinschaftlich, wenn wir bedenken, wie leichtfertig, gewissenlos, unmenschlich das Bombardement einer Stadt wie Antwerpen von den verantwortlichen Führern und Staatsmännern der sogenannten Bundesgenossen des kleinen verratenen Belgien — als es schon ganz aussichtslos zur Verteidigung war — herausgefordert wurde!