Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 41 (16.10.1914)
- Date
- 1914-10-16
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3020846-3022089-3022131--23519-3048722- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Sette 712 Dr. Bloch's Wochenschrift mx.ui Bärte; der junge Jude mußte laut Verordnung aus dem Jahre 1760 auf der linken Schulterseite einen gelbeil Fleck oder einen ganzen gelben Aufschlag, die Jüdinnen gelbe Bänder tragen; Josef II. hob diese Verordnung anno 1781 auf. Zum Schutze ihrer Person und Geschäfte zahlten die Juden das sogenannte Schutzgeld; dieses betrug in der Podcbrader Gegend im Jahre 1716 acht Gulden, inr Jahre 1768 19 Gulden 30 Kreuzer, im Jahre 1789 wurde das Judensteuerpatent für ganz Böhmen erlassen. Die verschiedenen Drangsalierungen der Juden, die allerwärts zu Hause waren, finden wir natürlich auch hier. Es kam sogar vor, daß jüdische Kinder von eifrigen christlichen Nachbarn getauft lvurden. To ließ im Jahre 1763 Wenzel Chlüdek, vulgo Jocha, in Sadska ein jüdisches Kind in seinem Hau^e gewaltsam taufen, worauf die betreffende jüdische Familie noch in derselben Nacht aus dem Orte floh. Ä l a t t a u, inr September. Oberlehrer Alex. Baum. Meratnr. Kriegsgebetbücher. [0r. M. Grunwald,] Gebetbuch für israelitische Sol dateu im Kriege. Genehmigt mit Erlaß des k. u. k. Kriegsministeriums, Abt. 9, Nr. 10.424, von 1914. Wien 1914. Verlag der israelitischen Kultusgemeinde Wien. [Or. M. Grunwald,] Gebete in Kriegszeit für israelitische Frauen und Mädchen. Jos. Schlesinger, Verlagsbuchhandlung, Wien I., Seitenstettengasse 5. Das Remerträgnis' wird einem patriotischen. Zwecke überwiesen. *) Krieg lehrt beten. Je größer die Not, desto näher liegt das Gebet, je härter die Bedrängnis, desto kürzer der Weg zu Gott und mag man sich der Allmacht noch so sehr entrückt fühlen. Der Sammlung der physischen militärischen Kräfte vor dem Angrift muß die seelische Sammlung jedes einzelnen Mannes vorangehen. Die glänzendsten Beweise von Heldenmut waren stets das Ergebnis innerer Läuterung und die Todesverachtung, diese wichtigste Voraussetzung aller ruhmreichen Waffentaten, stellt sich erst ein, wenn die Seele jedes Einzelnen frei von jedem irdischen Zwiespalt, frei und siegessicher, das Kommando über den Körper führt. Das Gebet ist das erlösende Wort der suchenden Seele in der Not. Nicht immer will das Gebet eine Ansprache an den Unsichtbaren, der Ausdruck eines Wunsches oder einer Forderung sein, das innige Gebet ist eine Aussprache mit sich selbst, ein rücksichtsloses Hervorholen der eigenen verborgensten Gedanken, ein Wachrufen schlummernder Gefühle, um sie mit hellem Auge, mit starkem Herzen, von jedem Einfluß frei, nach gut und böse zu sondern und erbarmungslos gegen sich selbst zu scheiden. So führt das Gebet zur höchsten Stufe der Tapferkeit, zur Todesverachtung. Es hat dem Heldenmut der deutschen Armee sicherlich nicht den geringsten Abbruch getan, daß sie sich mit ihrem Kaiser im Gebete vereint und wer würde nicht zu der äußersten Anspannung seines patriotischen Tatendranges, zu todesmutiger Betätigung angeifert, wenn er das herrliche Bild unseres erhabenen, ritterlichen Monarchen im Gebete sah! *) Nur einige Exemplare tragen den Namen des Autors. Ich las jüngst, in einem auswärtigen Blatte den Feldpostbrief eines christlichen Unteroffiziers. Er schildert unter anderem1 das todesmutige Verhalten seines jüdischen Kameraden, der, allen Gefahren trotzend, immer vorwärts1 stürmte und die anderen mitriß; er war der Schrecken der bestürmten feindlichen Truppe und als den Wackeren dann schließlich die feindliche Kugel traf, da fiel er mit herzzerreißendem Schrei: „Schema Jisroel, mein Weib und meine Kinder!“, und verschied bald darauf. „Ich hörte diesen Ruf öfter von ihm“, heißt es dann in dem Feldpostbrief weiter, dessen Schreiber sich das Gebetbuch seines jüdischen Kameraden, aus dem er so viel Mut und Begeisterung schöpfte, zum Andenken an seinen gefallenen Kriegsgenossen erbat . . . Es war deshalb ein herrlicher Gedanke, den Rabbiner Dr. Grunwald aussprach, als er gleich nach Kriegsbeginn die Anregung vorlegte, den jüdischen Soldaten im Kriege ein geeignetes Gebetbuch auf den Weg mitzugeben und man muß dem Vorstand der V ierier Kultusgemeinde und unserer Kriegsleitung Dank wissen dafür, daß sie'durch ihre Zustimmung und vor allem durch Bewilligung der Kosten die Umsetzung dieser Anregung in die Tat ermöglichten und mit der Durchführung Herrn Dr. Grunwald selbst betraut haben. Die beste und überzeugendste Kritik dieses handlichen Kriegsgebetbüchleins liegt wohl in der Tatsache, daß die jüdischen Feldrabbiner einmütig von der hellen Freude berichten, mit welcher die jüdischen Soldaten, an welche die Kriegsleitung die Gebetbücher verteilen ließ, zu diesen Andachtsbüchern greifen und von der Sehnsucht, mit welcher sie die altbewährten Worte des Trostes und der Ermunterung verschlingen. Eine ganz besondere Anerkennung' des Gebetbuches liegt aber darin, daß das „Stellvertretende Generalkommando des Gardekorps“ in Berlin und die „Jüdische Militär-Seelsorge“ der württembergischen Armee in Ulm, als sie das Kriegsgebetbuch Doktor Grunwalds kennen lernten, mehrere Hunderte von Exemplaren behufs Verteilung an die jüdische Mannschaft bestellten. **) Die großen Vorzüge des Kriegsgebetbuches bestehen darin, daß es dem Soldaten für jede Lage das entsprechende erhebende Wort bietet. Es ist wie eine Klaviatur des Herzens, auf welcher jeder die Melodie spielen kann, die seiner Gemütsstimmung am besten entspricht ... Während der Mann - im Felde sein Leben in die Schanze schlägt, ringt zu Hause Weib und Kind nach dem Ausdruck eines inbrünstigen Flehens für die Erhaltung des Lebens des Kämpfenden. Gewissermaßen als Echo des Gebetes im Felde gab Grunwald seine „Gebete in Kriegszeit für israelitische Frauen und Mädchen“ heraus und Tausende von Frauen und Mädchen schöpfen aus „ ihnen Mut zum Ertragen des Unvermeidlichen, Zuversicht in die Zukunft und die feste Ueberzeugung, daß ihre Lieben im Kampfe für eine gerechte Sache in den Krieg zogen und für das höchste Gut: für die Ehre und den dauernden Frieden des Vaterlandes', streiten und teilhaben an dem Ruhme unserer glorreichen Armee. Mögen all die Wünsche, die in diesen Gebeten beredten Ausdruck finden, auch in Erfüllung gehen. J. Kr. **) Für das Gardekorps in Berlin wurden 305 Exemplare, für die württembergische Armee nach Ulm 100 Exemplare vom Vorstande der israelitischen Kultusgemeinde in Wien erbeten und selbstverständlich kostenlos erhalten.