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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-10-16 · 41 (16.10.1914) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
41 (16.10.1914)
Date
1914-10-16
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 41 Dr. Bloch s Wochen schrisl Seite 711 allein ihn zum Juden steinpell, ebensowenig kann mir dieser Sah beweisen, das; wan neben dieser rein mcusch liehen Betätigung noch den Tempel besuchen müsse. Ich möchte viel eher behaupten, das; dieser Satz den Resormtempel ausschließt. Ter Reinhändige und Reinherzige soll diese Stätten weiden, wo hinter schönen Dekorationeu die Lüge haust. Ter Reinherzige wird, ivenn er die Sonde der Logik anlcgt, vom Reformgottesdienst abgestoßen werden. Ans allen ethischen Lehren und Gesetzen der Bibel und der Propheten - gerade aus diesen resultiert das vernichtende Urteil über das phrasenhafte, großmäulige Reformjudentum. Die Geister, die ihr gerufen, sie zeugen wider euch. Wenn ich ineine sogenannte religiöse Skizzenmappe öffne, was könnte ich da alles hervorholen, eine traurige Mappe, auf der ich als Motto schreiben könnte: .' i; i Ui. i i i. iiiSi w p— Was soll ich heransholen, die Skizze von den um die Leiche raufenden Rabbinern oder dem lvährend des leisen Schemonoh Eßrah manikürenden Seelsorger oder dem schinkenfresfenden Kantor oder Sr. Ehrwürden, der in einem in bezug auf Kaschruth sehr anrüchigen Restaurant speist, und trotzdem er nur einige Häuser weit entfernt von der Synagoge wohnt, diese nur an Samstagen besucht — also nur dienstlich - oder jenem armen Teufel von einem Rabbiner, der auch nur Samstags in die Synagoge kam, durch ein Legat aber verpflichtet lvnrde, täglich zweimal Rabbinimkaddifch zu sagen. (Fo petzung fot»t.) Alte Hoffnungen und Prophezeiungen. Reminiszenzen aus dem Gouvernement Suwalki. Von Sieg zu Sieg schreiten unsere reichsdeutschen Waffenbrüder. Aus Ostpreußen, wo zuerst der russische Bär einfiel und von wo aus er seine Tapferkeit in alle Welt hinausbrüllte,, wurde er aus tausend klaffenden Wunden blutend mit Schand und Spott hinausgejagt. Hnd nun erfahren wir aus dem Telegramm des Berliner Korrespondenz-Büros, daß das Gouvernement Suwalki unter deutsche Verwaltung gestellt wurde - eine Heilsbotschaft, die dem Schreiber dieser Zeilen, dessen bescheidene Wiege in Kalwarja (Kreisstadt im Gouvernement Suwalki) stand, an alte Prophezeiungen erinnert, die gewiß aktuelles Interesse erlangten. Kalwarja, eine Stadt mit etwa 13.000 Einwohnern, liegt 42 Werst der reichsdeutschen Grenze näher als Suwalki. Die Stadtbevölkerung ist zu drei Viertel mosaisch, das vierte Viertel ist polnisch, russisch und eine Minderzahl deutsch, das Landvolk ist fast ausschließlich litauisch (keine Slavrn), die städtischen und polilischen Aemter waren bis nun rein russisch. Etwas seitwärts vom Zentrum der Stadt liegt eine sorgsam gepflegte Chaussee die rechts nach Mariampol, links nach Suwalki führt, die sogenannte „Langegasse" findet mit einem gewaltigen Gefängnis ihren Abschluß, von dem die Volkssage zu erzählen weiß, daß es von einem mächtigen deutschen Fürsten vor vielen, vielen Jahren errichtet wurde. Dieses Gefängnis - das bedeutendste im ganzen Gouvernement - schließt in seine Mauern Tausende von Häftlingen, darunter auch viele politische Verbrecher, die allwöchentlich nach Sibirien etappenweise verschickt werden. Noch Ningt mir im Ohr das scheußliche Geklirre ihrer von den Händen bis zu den Füßen herabwallenden massiven Ketten, noch starren mich jene totenbleichen, abgehärmten, mit halbem Haupt- und Barthaar abrasierten Gesichter an. Diese, des sicheren Todes Harrenden, welche die Fesseln des Zarismus zu sprengen trachteten, erlangen nun durch den Einmarsch der Deutschen ihre Freiheit und werden Gott danken, daß er sie vom Sklavenjoch zur Freiheit und von der Finsternis zum Lichte führte. Aber nichtsdestoweniger wird auch die sich freibewegende Bevölkerung, besonders aber die Israeliten, die deutschen Helden mit großem Jubel empfangen. Der Regierungsantritt des Kaisers Alexander lll. nach der Ermordung feines Vaters (13. Februar 1881) verbreitete Schrecken in den nicht ausschließlich russischen Provinzen. Man wußte, daß der junge Regent im Kloster großgezogen wurde und durch pfüffischeu Einfluß intolerant gegen alle nicht pravoslavny (rechtgläubige) Bevölkerung sei. Seit jener Epoche kam tatsächlich Rußland nicht zur Ruhe, die Podbiednoszew's und Plewe's bekämpften jede freiheitliche Regung im Riesenreiche und nur die Reaktion feierte kläglichen Triumph um Triumph. Run hieß es schon damals, als ich noch ein Knabe war: So eine Herrschaft kann doch unmöglich Bestand haben! Es wird nicht lange währen und entweder wird die Dynastie zur Hölle gejagt oder marschieren die Deutschen ein und befreien uns vom Joche des barbarischen Zarismus! . . : Und siehe da! Zur 'Wahrheit ward das, was uns als verblaßte Hoffnung und was als vage Prophezeiung galt. Oberkantor W i l k o w i t s ch. Etwas über die Juden aus der Gegend von Podebrad- Sadska in Böhmen. Herr Tr. Öendk Zibrt, Professor der Kulturge schichte an der böhmischen Universität und Direktor der Museumsbiliothek in Prag, gbt schon durch 23 Jahre eitle ausgezeichnete Zeitschrift heraus, die „l'.eskv Lid" betitelt und zumeist der Volkskunde in Böhmen, Mährea und Schlesien gewidmet ist. Im vierten Iahrgatige dieser Zeitschrift fand ich sehr interessante Aussätze über die Zustände utid Hörigkeit ans der Podöbrader Herrschaft in Böhmen während des 18. Jahrhunderts. Ich erlaube mir, eineti Absatz, der sich ans unsere Glaubensgenossen bezieht und Herrn Ottokar G. Paronbek zum Verfasser hat, im Auszüge wiederzugeben. In Podöbrad rvar laut einem Berichte aus deni Jahre 1748 eine Gerberei, für welche der jüdische Pächter samt der Erlaubnis zum Handel jährlich 40 Schock Meißner Groschen und für den Handel mit Häuten (von gefallenem Vieh" 30 Schock Meißner Groschen zahlen rnußte. Das Hauptgeschäft der Inden bestand jedoch im Ver kaufe von Lchnaps, welchen bis zum Jahre 167ö auch die Bewohner der Stadt Sadska von dem Herrschaftsjuden kaufen mußten: in dem genannten Jahre erlaubte aber Kaiser Leopold I. den Beivohnern von Sadska, selbst ztt „brennen". Sie zahlten dafür eine Gebühr, rvurden jedoch im Jahre 1762 von einem Juden verdrängt, der ein bedeutend größeres Anbot machte und von der Gemeinde Sadska das Branntweinhaus (Nr. 125; samt einigen (Grundstücken und einein alten Geschäfte auf 3 und später aus 6 Jahre pachtete. Tie Ortsinsassen waren gezwungen, von dem Juden Branntlvein zu kaufen, lvährend der Brenner (Randar) an fixe Verkaufspreise gebündelt war, die wieder von den Kornpreisen abhingen. Wer dabei betreten wurde, daß er einen fremden Branntwein schenkte oder hatte, erhielt eine Geldstrafe, die zu drei Teilen geteilt wurde; ein Drittel erhielten der befugte heimische Brenner, das zweite Drittel die Armen und den Rest der Angeber (Denunziant). Bei der Branntweinbrennerei in Sadska wurde mit Bewilligung der Obrigkeit im Jahre 1796 eine Synagoge errichtet. Im Jahre 1724 wurde eine Konskription der Juden vorgenommen und ihre Zahl amtlich beschränkt, im Jahre 1744 sollten sie Böhmen verlassen. Im 18. Jahrhundert dursten die Juden nicht neben einer Kirche oder auf dem Ringplatze wohnen: es war ihnen nicht gestattet, katholische Dienst boten zu halten, Häuser oder Felder zu kaufen, Brot für Christen zu backen, mit Oel zu handeln; Mauten, Schafställe und Bräuhäuser zu pachten, war ihnen bei einer Strafe von 1000 Dukaten verboten. Im Jahre 1781 wurde ihnen besohlen, das Judendeutsch abzuschaffen und sich der reinen (deutschen» Sprache zu befleißen; im Jahre 1787 wurden sie gezwungen, andere (zumeist deutsche) Namen anznnehmen. Die alten Juden trugen

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