Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 41 (16.10.1914)
- Date
- 1914-10-16
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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- 710 £l\ Blüch's iiu Dorst Die Russen nahmen, was sie brauchten. Sie zogen auf der Gasse den Leuten die Stiesel von den Füßen, und es gab Falte, in denen Juden mit Schlägen ins Gesicht getroffen wurden. schließlich mußten wir flüchten. Dann, als unsere Ersatztruppen nahten, zogen sich die Russen hinter das Dorf zurück und die Artilleriegeschosse fielen in dieses. Die erschlugen einen Schmied, der ruhig seines Weges ging. Die Lage war unhaltbar. Heute ist Oekörmezö jedoch wieder in unserer Hand, und wir kehren sobald als möglich zurück." Es ist Abend geworden und wir entfernen uns, nachdem wir in dieser Schar jüdischer Flüchtlinge eine entschwundene Kultur in ihrer Ungebundenheit geschaut haben. Roll Zuversicht, ohne Angst und Zweifel gehen wir zur Ruhe. Wir erwarten viel Gutes von dem kommenden Morgen. Bor unserem Fenster zieht eine Gendarmeriepatrouille in die Nacht hinaus.-Es bedarf eines neuen Kapitels, um zu erzählen, was diese Truppe in diesen Tagen im gefahrvollen Aufklärungsdienst, als Berhüterin des Ausbruches einer Seuche, als Stütze der flüchtenden Bevölkerung, und auch im offenen Gefecht geleistet hat. Das Land steht tief in der Schuld feiner wackeren Gendarmen. Dr. I. S t r a f f e r. Der Krieg. (6. Fortsetzung) Wahrheit ist das Fundament des Judentums es kann daher nie untergehen. Eines und Emunah sind Stützen, die keine Gewalt ins Wanken bringen kann. Tie Bundeslade hat ihre Träger getragen jTKri rKtt’u ntt — welch herrliches Bild! Was ivill es uns sagen? Daß wir von der Wahrheit getragen werden, wenn wir sie tragen. Mit Recht zerbrach Moses, der Bolksbildner, die Tafeln, als er sah, daß fein Volk verwildert war und die Lüge zu seinem Panier erhob. In feinem gerechten Zorn dachte er dieses Volk kann von der Wahrheit nicht getragen werden, da es die Wahrheit nicht pflegt, und Gott stimmte ihm bei. Die Wahrheit ist eine Festung — solange du sie hältst, hält sie dich. Wenn du sie aber vernachlässigst, sie nicht in gutem Stand erhältst, dann kann dir der Feind leicht beikommen. Nimm die Geschichte der Menschheit zur Hand, du wirft finden, immer noch hat die Wahrheit zum Siege geführt. So rasch freilich nicht. Es türmen sich ihr gewaltige Hindernisse entgegen, ihr Weg führt über Gestein und Gerölle. Frech tritt ihr die Lüge entgegen, und wir kurzlebigen Menschen möchten alles rasch haben, mir haben keine Geduld, den Sieg abzuwarten. Wo bleibt der Lohn, wo ist die Wahrheit, wo gibt es eine Gerechtigkeit, ruft so ein Alltagsmensch aus; mein Bater hat so viele Wohltaten geübt, so viele Hungrige gespeist, so viele Dürftige gekleidet, so viel Not ' und Jammer gelindert und ich muß in Elend vergehen. Er vergißt, daß dieses Wohltun Lüge war, daß fein Vater die Mittel zum Wohltun auf Unrechte Weife erworben. Dem Lügner die Wahrheit geben! Er weiß nicht, was er damit anfange. So dachte Moses, der große Psychologe. Ich habe ihnen die Wahrheit gegeben, sie können sie nicht gebrauchen und er vernichtete die *) Dieser Jakob Teitelbaum ist ein Nachkömmling von R. Moses Teitelbaum, welcher in St. Ujheln als Wundcrrabbi allgemein verehrt war. Ein reger Ratgeber des Vaters Graf Julius Andraffy in Tete- Terekcs. Dieser hat den berühmten Kossuth Lajos im Kindcsalter gesegnet und vorausgesagt, daß derselbe nebst hohem Alter der größte Ungar sein würde. In Marmaros-Sziget lebt auch ein Rabbiner namens Chajim bersch Teitelbaum, gleichfalls aus diesem Stamme. Wochenschrift Ar 4i Wahrheit. Er mußte sein Bolk erst erziehen, bis es reif seilt wird, die Wahrheit in Empfang zu nehmen nitd zu verstehen, daß es von der Wahrheit getragelt werde. Wer den Hoheit Kulturwert des Judentums iricht begreift, dem ist nicht zu Helsen. Wer aber ben Kulkurwert erkennt, wer diese Kultur pflegt, der wird von ihr getragen. Nun hat Israel solche Kulturträger gehabt zu allen Zeiten — sie haben das Judentum erhalten und das Judentum hat sie erhalten. So viele Stürmte auch den alten Stamm umtobten, so viele Axthiebe auch gegen seine Aeste und Zweige geführt wurden — der Stamm hat tiefe, weitverzweigte Wurzeln und treibt innner neue Blüten. Israel wurde von allen Völkern der Erde bekämpft, kein Volk der Welt kann sich so vieler Feinde rühmen wie Israel. Man hat es vom heimatlichen Boden ili alle Welt verjagt, mit allen Mitteln der Zerstörung und Vernichtung auszurotten versucht — es hat sich - ein Wunder der Geschichte — in feinen alten Traditionen erhalten. Die Wahrheit ist die Quelle, aus der die Wurzelt! des alten Stammes ihre Nahrung saugen. Aus dieser Quelle - - der Thora — schöpft das Judentum seine ewigen Kulturiverte. Die Kulturwerte — Wahrheit, Gerechtigkeit, Nächstenliebe — hat Israel den Völkern mitgeteilt, und alle Kulturwerte, die wir heute bei den Völkern finden, sie sind aus der großen Kultureinheit des Judentums hervorgegangen. Alle Völker ohne Ausnahme sind dem Judentum zu Dank verpflichtet. Alle Staatseinrichtungen und Gesetze, alle sozialen Errungetlschaften der Völker schöpfen ihre Weisheit aus dem Buche der Bücher, das Israel der Welt gegeben. Und von diesem Standpunkt ist es betrübend, wenn die Nachkommen dieses einzigen Kulturvolkes die hohen Aufgaben vergessen, ja sogar sich ihrer Vergangenheit schämen, alles daransetzen, um die Erinnerung zu verwischen, ihre Namen, die an große Vorbilder erinnern, ändern. Abraham, Isaak Jakob, Moses, Aron, Josef, David, Salomo müssen Namen Platz machen, die heidnischen Ursprungs sind. In ihrem Aeußeren an glorreiche Ahnen zu erinnern, an die Hunderttausende von Märtyrern, die ihr Leben geopfert, weil sie die Wahrheit nicht lassen wollten, ist ihnen eine Schmach. Sie kopieren in ihren! Unverstand alle Völker, die ihre Väter bedrückt haben, und nun finden sich Führer, die sie in diesem Bestreben unterstützen. Je mehr aber Israel sich von der alten Wahrheit entfernt und den falschen Propheten Gefolgschaft leistet, desto sicherer koinmt es dem Abgrund nahe, desto inehr droht ihm der Verfall — das Schicksal, das so viele mächtige Staaten erreicht hat. So klagt der Prophet: kS SS'TvT' vb'JZ DDK "V)Z2nl TiTp "fitT ♦pisrn k1? Und die Führer, die dieser Dekadenz Vorschub leisten es sind die Reformer. Sie drängen ihre Angehörigen innner mehr ab vom Wege der Wahrheit. Sie stützen sich auf Prophetenworte, indem sie sich und ihre Gemeinden auf das Gotteshaus beschränken — aber all die Hinweise, Erklärungen und Auslegungen sind falsch und erlogen. Wir brauchen ja nicht erst aus die Propheten verweisen — die Bibel ist ja voll von Gesetzen rein ethischer Natur. Die Propheten sagen in ihren Ermahnungen nichts Neues, nichts, was nicht schon die Bibel enthält. Aber primitivste Logik will ich von euch! Wie kann ein Jesaias oder ein Jeremias alles Rituale im Leben verworfen und gerade den Tempel hochgehalten haben? 't't: KirS Kw*; xb “r.s* 22b *2*1 2‘sr 'p: So wenig wir aus diesem Satze schließen können, daß der Reine von allen Ritualien befreit ist, daß Ethik