Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 41 (16.10.1914)
- Date
- 1914-10-16
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 41 Dr. Bwch's Wochenschrift Sette 709 Falkenau. Am 24. September l. I. wurde der Vorsteher der hiesigen Kultusgemeinde, Herr Leopold M o h r, zu Grabe getragen. Unter Zahlreicher Beteiligung fand das Leichenbegängnis statt, an welchem Vertreter aller Körperschaften und Behörden teilgenommen hatten. Am offenen Grabe hielt Herr Rabbiner Dr. S. Feuerstein die Trauerrede, die von dem humanen Wirten des Verstorbenen Zeugnis ablegte und bei den Trauergästen tiefe Ergriffenheit ausgelöst hat. Sodann sprach Herr Kultusvorsteher-Stellvertreter Alfred F i s ch e r namens der Gemeinde ein letztes Lebewohl an den entrissenen Vorsteher und Herr Dr. Klempercr, der namens des Benei-Brith dem Dahingcschicdencn herzliche Worte des Abschiedes widmete. So endete die erhabene Feier, die einen lang nachhaltenden, würdigen Verlauf genommen hat. Olmütz. (Ein Ehren grab für die jüdischen Kriegsgefallenen.) Der Ausschuß der israelitischen Kultusgemeinde hat für alle jüdischen Kriegsgefallenen, deren Leichen hier bestattet werden, ein Ehrengrab gewidmet. Am vergangenen Sonntag wurde dort bereits der erste jüdische Soldat beerdigt. Am letzten Freitag starb nämlich im Spital der Soldat Sälomon Birkenbaum infolge einer schweren Schußverletzung, die er auf dem nördlichen Kriegsschauplätze erhalten hatte. Vor seinem Tode ließ er den Rabbiner Herrn Dr. Oppenheim zu sich bitten, um ihm die letzten Wünsche mitzuteilen. Birkenbaum wurde am letzten Sonntag nachmittag mit allen militärischen Ehren bestattet. Am Grabe hielt Rabbiner Dr. Oppenheim einen tiefempfundenen Nachruf. ' .! j! Bor dem Feinde gefallen. Von einem schweren Schlaig wurde die Familie des Lemberger Universitäts-Dozenten Dr. Moses S ch o r r betroffen. Sein Bruder, Kadett in der Reserve des 18. Landwehr-Jnf.-Regts., Ingenieur Lipa Schorr, hat vor dem Feinde den Heldentod gefunden. Nach einer amtlichen Mitteilung an die schwergeprüfte Witwe ist er in einem Gefecht am 30. August in Oftrowec bei Lublin schwer verwundet worden und bald hierauf den Wunden erlegen. Er wurde hierauf auf der Höhe von Oftrowec, wohl in einem Massengrab, beerdigt. Der Gefallene, Ingenieur Schorr, war ein Mann von ausgezeichneten Charaktereigenschaften. Er war schon als Student und Mitglied der „Judäa", die ihn dann zum Chrenmitgliede ernannte, ein begeisterter Anhänger der zionistischen Idee, der er auch bis zu seinem allzufrühen Lebensende mit ganzer Seele treu geblieben ist. Wählend seiner letzten Jahre in Boryslaw hat er an allen jüdischen Aktionen in der hervorragendsten Weife Anteil genommen. Er starb 32 Jahre alt. Die Lemberger Kultusgemeinde ehrte ihre im Kriege gefallenen Landsleute bei dem im Ronachersaale stattgefundenen Festgottesdienste. Rabbiner Dr. Caro verlas anschließend an das Gebet für die gefallenen Krieger die Namen der obgenannten Offiziere. Reichenberg. Der hiesige Rabbiner Prof. Dr. H o ffmann besucht in Begleitung seiner Gemahlin die zahlreichen Verwundeten in den verschiedenen Spitälern mehrmals wöchentlich, beteilt dieselben mit Liebesgaben und Zeitungen u,nd läßt insbesondere den -glaubensgenössifchen Soldaten religiöse Fürsorge zuteil werden. — Auch hat sich die hiesige Kultusgemeinde durch reichliche Spenden zu den hohen Feiertagen am galizischen Hilfswerke beteiligt. Feuilleton. Hm Hußter Kager. (Aus dem „Peiter Loyd".) In später Nachtstunde, in strömendem Regen muß die Fahrt nach Hußt in Kiralyhaza unterbrochen werdet!. Die einzige lichte Stelle des trostlosen Ortes ist der Bahnhof. In dem dunklen Innern der Waggons schlafen aufeinandergebeugt Soldaten: der Perron, von gefüllten Militärzügen um'säumt, gleicht einer Wagenburg in kalter Nacht. Der Speisesaal ist dicht gefüllt. Polnische Legionäre sind dort in heitere Stimmung vereint. Dann macht sich die Müdigkeit geltend. Im Hause eines Delikatessenhändlers finden wir Nachtquartier, und am frühen Morgen geht es weiter. An den Brunnen waschen sich halbnackt die Soldaten. Aus den Wagen tönen schwermütige polnische Gesänge. Herrlich entfaltet sich im Sonnenlicht die Landschaft, und bald grüßt aus dein Braunrot der farbenglühenden Herbstespracht der Berge die Burg des zweiten Franz Rakoezi. Hußt ist von der Zivilbevölkerung halb verlassen. Man ist auf eine Schlacht im Raume Maramarosßiget- ^Lersö hoffnungsfroh gefaßt. Die Geschäfte, die Aufschriften in jüdischen Lettern tragen, sind gesperrt. Ein bekannter Funktionär der Budapester Presse, der sich auch im Feuer bei Toronya glänzend bewährt hat, leitet das Alimentierungswesen mit bewunderungswürdiger Präzision. Das Verwaltungswesen führt Obergespan Ladislaus Ny eg re, der heute auf diesem exponiertesten Punkte seines Komitats, umgeben von seinen in partibus amtierenden Stuhlrichtern, die öffentliche Verwaltung mit militärischer Strammheit leitet. Man erzählt Wunder von seiner Entschlossenheit. Tatsächlich ist er allein im Wagen bis zu den russischen Vorposten vorgedrungen und hat persönlich unseren Truvpen sehr bedeutende Aufklärungsdienste geleistet. Der Gesundheitszustand im ganzen Gebiete ist ausgezeichnet. Es gibt keine Seuche. Damit ist des Lobes dieses bewährten Obergespans genug gesagt. Er wird morgen oder übermorgen seinen Sitz wieder nach Maramarosßiget verlegen können. Sie weichen heute dem Kampfe aus und ziehen sich zurück. Indem wir diese Zeilen schreiben, rücken unsere Truppen gegen Maramarosßiget vor. In Hußt suchen wir über die Kämpfe bei Oekörmezö Berichte. Ter greise Jakob Teitelbaum, der Rabbiner von Oekörmezö, ist als Flüchtling hier eingetroffen.* > Wir treten in sein Asyl. Im Innern einer Glasveranda sitzen viele alte Juden, alle die Fuchsfellmütze auf dem Kopf, um den greisen Seelenhirten. Wir melden uns. Er erhebt sich, um in ein Empfangszimmer zu gehen. Er trägt schwarzseidene Kniehosen, weiße Strümpfe, Schnallenschuhe und einen langen, weiß-blau gestreiften Seidentalar. Sein Sohn, ein Rabbiner in jüngeren Jahren, trägt einen blau-braun getupften Sammetrock. Seine feingepflegte Hand, der rosige, frauenhafte Teint fallen auf. Seine junge, feine, schöne Frau folgt bescheiden. Dann seine Kinder mit blitzenden Augen und hellblonden Stirnlocken, allen voran ein blonder Knabe im schwarzen Seidentalar, der Page, der die Tabakpfeife des alten Rabbiners trägt. Der Greis erzählt: „Sonntag hörten wir Gewehrfeuer. Ich flüchtete mit meiner Familie, fand aber bei den Bauern nirgends Unterschlupf. Ich kehrte dann zurück und nahm in einer Nebengasse Wohnung. Damals waren etwa 15.000 Russen