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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-10-16 · 41 (16.10.1914) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
41 (16.10.1914)
Date
1914-10-16
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 41 Dr. Blach's Wochenschrift Sette 705 L Der Erzähler dieser Begebenheit fügt hinzu: Wie viele Freunde der Mann auch hatte, er vertrante sein Kind doch nur dem Safra an, weil er ihre und des Safra Taten kannte und wohl wußte, welche ^besser sind?) Die Gemeinde Bozra ersuchte R. Limon b. Lakisch, ihr einen Mann für alle religiösen Funktionen, ein geistliches Faktotum, zu empfehlen. Er soll «chriftauslcger, Richter, Schullehrer und Synagogenbeamter in einer Person sein. R. Simon b. Lakisch empfahl ihnen einen Babylonier. Dieser trug jedoch, mit Rücksicht darauf, daß Bozra außerhalb Palästinas tag, religiöse Bedenken, das heilige Land zu verlassen und richtete an R. Jochanan die Anfrage, ob er die Stelle entnehmen soll. R. Jochanan antwortete kurz: „Aus Babylon nach Babylon."^) (Stil Schullehrer für Mischnah in Palästina gegen Ende des dritten Jahrhunderts war ausgezogen, um sich einen Posten zu suchen. Als er einen solchen fand, weigerte er sich ihn insolange anzutreten, bis seine Frau in seinem neuen Wohnorte eingetroffen sein werde?) Um das Ende des dritten und den Anfang des vierten Jahrhunderts wirkte in Cäsarca (Palästina) ein Schullehrer, der wegen seiner Strenge überaus gefürchtet war. Er bediente sich des Strafmittels, die Kinder über die festgesetzte Unterrichtszeit hinaus in der Schule zurückzubehalten und machte davon den ausgiebigsten Gebrauch. R. Abbahu, dem reichen, gebildeten und auch beim römischen Hofe angesehenen Gesetzeslehrer, taten die armen Kinder leid und nach seiner bekannten milden Art nahm er nach Schluß des Unterrichtes absichtlich seinen Weg durch den Vorraum des Schulhauscs, damit der Lehrer sich veranlaßt sehe, die .Kinder zu entlassen?) Für einen Lehrer in Palästina, der in Lydda oder dessen Umgebung zu Anfang des vierten Jahrhunderts wirkte, hatte die Überschreitung des Züchtigungsrechtes ernste Folgen. Eine Magd des Hauses Bar-Pata, die gerade an der Schule vorbeikam und Zeugin der Mißhandlung eines Kindes war, sprach über den Lehrer den Bann aus. Als sich dieser hierauf an R. Acha mit der Frage wendete, ob der Bann zu Recht bestehe, erhielt er den Bescheid, daß er sich allerdings' als im Banne befindlich zu betrachten habe, da seine Handluugsiveise ungebührlich war.'') Einem zu Anfang des 5. Jahrhunderts in Babylon, wahrscheinlich in Mat'ha Mechaßja, wirkenden Schullehrer wurde, weil er das ihm zustehende Züchtigungsrecht weit über das zulässige Maß hinaus überschritt, im Sinuc der allgemeinen gegen ihn herrschenden Stimmung von R. Acha (b. Raba)' das Gelübde abgenommen,' sich überhaupt mit dem Unterrichte von .Kindern nicht mehr zu befassen. Da aber kein anderer Schullehrer zu finden ivar, der sich ihm in Gründlichkeit des Unterrichtes hätte vergleichen können, so L.urde er von Rabbina mit dem Unterrichte wieder betraut?0) Ein Schullehrer in Palästina in der zweiten Hälfte des zweiten Jahrhunderts stand im Verdachte, daß er die Vorschriften über das Brachjahr verletze und wurde deshalb dem Patriarchen R. Jchuda hanassi vorgesührt. „Was soll der Arme machen", sprach Rabbi, „er hat es ja nur wegen Erhaltung seines Lebens getan."") (Das Los des Schullehrers war bei aller Hochschützung seines Berufes kein beneidenswertes.) (Fortsetzung folgt.) 5) Gen. r. 65. 16. 6) Jer. Schebiith VI. 1. 7) Jer. Kidd. IV. 11; Bergt. Mischna Kidd. IV. 13. 8) Jer. Mcgilla III. 1. 9) Jer. Moed Satan III. 1. ") Gittin 36 a. u) Jer. Taanith III. 1. Korrespondenzen. Ein dringender Notruf. Verzweifelt sehen viele Tausende von Menschen der kommenden Kälte entgegen. Jetzt schon eilen sie frierend und hungernd durch die Straßen, von einem Unterstützungslokal zum anderen, von einem Zehnhellerstück zum anderen. In den Massenquartieren frieren sie unter dünnen Decken, und wenn das erste Licht des Tages erscheint, den sie auf der Gasse verbringen müssen, so sehen sie verzweifelt den Regen durch die Fenster. Denn der Regen und die Kälte sind ihr Unglück. Sie haben nichts zu ihrem Schutze, durch ihre dünnen Kleider dringen Frost und Nässe bis auf die Knochen, erzeugen Krankheiten, treiben ihnen die entsetzlichen Tränen des Elends in die Augen. Denkt daran, ihr Menschen, die ihr es euch behaglich machen könnt in eueren geräumigen Wohnungen, durch eueren Vorrat an Kleidern, durch euere hinreichenden Mittel. Sehet doch auf euerem Weg den ruhelosen und nimmermüden Strom von gebrochenen müden Leuten, die Jagd zur Erhaltung eines Daseins, das alle diese Unglücklichen verfluchen. Ein Aufschrei des Entsetzens ging durch die ganze Welt, als ein Erdbeben Messina umwarf und seine Bewohner verschüttete, dem Hunger preisgab. Nun ist hundertmal mehr geschehen und noch gibt es Leute, die unbarmherzig ihre leeren Herzen und ihre vollen Taschen verschließen. Die Räder der Vernichtung sind über Tausende von Leichen und Hunderttausende von'Existenzen gegangen und haben das Grauen hinter sich zurückgelassen. Gebt, Menschen, gebt! Verschließt euch nicht länger dem Jammer, mit welchem euch die' gefalteten Hände armer unschuldiger Opfer des Krieges entgegengestreckt werden. Möge jeden für seine Spende das Schicksal davor bewahren, seine Stellung und sein Einkommen zu verlieren und hilflos auf hem nackten Steinpflaster der Großstadt zu stehen. Möge er niemals mit Weib und Kind sein Haus verlassen müssen und nun hungrig und frierend in der Fremde um das ungern gewährte Mitleid flehen müssen. In dieser schrecklichen Lage befinden sich jetzt unzählige a'beitslos Gewordene in Wien,-zahllose Flüchtlinge aus den Kriegsgegenden. Allein und in Trupps, hilflose Kinder und Frauen, schwache Greise und ausgemergelte Typen des Hungers, verbringen sie den Vormittag vor den Bureaus für Unterstützung, um mit den wenigen Hellern den Nachmittag und die Nacht überleben zu können. Alle Stände sind unter ihnen vertreten, vom bleichsüchtigen Nähmädchen, das ans Hungern gewöhnt ist, bis zum hochgebildeten Ingenieur, der mit allem seinem Wissen das Brot für morgen nicht herbeischaffen kann. Blasse und kranke Kinder schauen uns mit mattem Blick ins Herz und übermüdete Frauen warten stumpfsinnig, ob man sie wird leben lassen wollen oder nicht. Gewerbslertte und Kaufleute, kleine Hausbesitzer, Glückliche von gestern, weinen und klagen heute, demütigen sich für ihre Familie und bitten, bitten. . . . Sollen sie weiter umsonst bitten? Ja, man kann ihnen ein bißchen Essen geben, bei dem sie vielleicht hungern, aber nicht verhungern. Man gibt ihnen einen Platz zum Ausstrecken neben Hunderten andern. Aber man hat nichts für sie, um sie vor der Kälte, vor der Nässe zu schützen, keinen Heller mehr als das Allernotwendigsie, bei dem sie verwildern, verkümmern, verelenden müssen. Aber sei cs darum, lassen wir der Eigenliebe alle ihre Schöntuerei und Bemäntelung, wenn uns ihre Vertreter wenigstens nur das Eine geben: Kleider! Hüllen für die frierenden Kinder, für die schwachen Frauen, für die hungernden Männer. Wer

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