Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 41 (16.10.1914)
- Date
- 1914-10-16
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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©eite 704 ©r. Blvch's würde die Bestattung der verstorbenen israelitischen Kriegsteilnehmer auf dem allgemeinen, aber in Wirklichkeit christlichen Charakter tragenden Zentralfriedhofe in X. von den dortigen Israeliten um so schmerzlicher empfunden werden, als dadurch der israelitische Friedhof der hohen Ehrung, Kriegsgräber aus dem weltgeschichtlichen Völkerkampf unserer Tage aufzuweisen, verlustig gehen würde. Aus diesen Erwägungen lassen wir, ohne vorerst eine Entscheidung unserer in Beligionsfragen allein zuständigen Beligionskonferenz herbeizuführen, den dortigen Stadtrat angelegentlich bitten, von der weiteren Verfolgung seiner Absicht bezüglich der israelitischen Kriegsteilnehmer gefälligst absehen zu wollen.“ Von dieser Entschließung wurde zunächst dem Rabbinate einer anderen badischen Stadt, wo der gleiche Fall vorlag, mit dem Bemerken Kenntnis gegeben, daß es dem Einzelnen beziehungsweise dessen Angehörigen selbstverständlich überlassen bleibe, das Begräbnis auf dem allgemeinen Friedhof zu wählen; das Rabbinat und der Synagogenrat hätten sich jedoch jeder Einwirkung hieraus und jeder bezüglichen Vereinbarung mit dem Stadtrat zu enthalten. Dabei wurde auf die bestehende Verordnungsbestimmung (vom 13. September 1887) hingewiesen, wonach jede israelitische Gemeinde in Baden verpflichtet ist, jeden am Orte verstorbenen Israeliten, für dessen Beerdigung nicht Angehörige oder freiwillig eintretende Dritte sorgen, auf dem für sie bestimmten Friedhofe ordnungsmäßig und unter Beobachtung der üblichen religiösen Gebräuche vorbehaltlich des Kostenersatzes durch die Heimatsgemeinde oder durch die israelitische Zentrakkasse zu bestatten. Kommandant Oberstleutnant Flecker. Es ist ein tragisches Geschick, daß im Laufe weniger Tage zwei von den wenigen selbständigen Kommandanten jüdischen Glaubens vom Schlachtentode dahingerafft wurden. Dem tapferen Kommandanten des ungarischen 52. Jnf.-Regts. Major Emanuel Kr ausz folgte nun der Kommandant des 20. Landwehrregiments (Stanislaw- Oberstleutnant Adolf Flecker, der am nördlichen Kriegsschauplatz als wackrer Held fiel. Er h'.elt sich stundenlang in den Schützengräben auf. ergriff das Gewehr eines gefallenen Infanteristen und schoß aus demselben unablässig, bis ihn ein Schrapnellqeschoß niederwarf. Seine braven Soldaten betteten ihn am Schlachtfelde zur ewigen Ruhe. Oberstleutnant Flecker war längere Zeit in Lemberg stationiert. Tod zweier jüdischer Militärärzte. Im Gegensätze zu früheren Kriegen steigt sowohl in Deutschland als in Oesterreich die Zahl der gefallenen Militärärzte. Im Laufe der letzten Wochen sind zwei beim 19. Landwehrregiment (Lemberg) eingeteilte Aerzte während der Ausübung ihrer Samariterpflicht von feindlichen Kugeln niedergestreckt worden. Es waren dies die Regimentsärzte Dr. Bernhard Mund und Dr. Lasar Stern, beide aus Lemberg gebürtig. Leutnant Dr. D. Hescheles. Am 20. August siel während des Gefechtes bei Nowosielitza der Leutnant des 36. Landwehrregiments Dr. David Hescheles aus Lemberg und wurde am jüdischen Friedhof in Czernowitz bestattet. Der gefallene Leutnant war als Advokat in Lemberg ansässig, ivo er sich in weiten Kreisen großer Wertschätzung erfreute. Leutnant Hescheles war ein treuer Anhänger der jüdischnationalen Idee. Wochenschrift Nr. 41 Die Iugendlehrer der talmndischen Zeit. Bon L. Wiesner. (12. Fortsetzung aus Nr. 37.) Schullehrer unbekannten Namens. Außer den bisher genannten Schullehrern finden wir im Talmud und Midrasch bei verschiedenen Gelegenheiten noch eine Anzahl von Schullehrern erwähnt, deren Namen nicht angegeben werden. Wir führen zunächst den blinden Hauslehrer des Hoschaja, genannt Rabbah, der Große, in Palästina in der ersten Hälfte des dritten Jahrhunderts an. Das schwere Gebrechen der Blindheit hinderte diesen Lehrer nicht, dem Sohne des Hoschaja Unterricht zu erteilen. R. Hoschaja behandelte seinen Hauslehrer mit seltenem Zartgefühle. So pflegte er seine Mahlzeit stets in Gesellschaft dieses Lehrers einzunehmen. Als einmal Gäste im Hause waren und R. Hoschaja von seiner Gepflogenheit, den Lehrer zu Tische zu rufen, abgehen zu sollen glaubte, unterließ er es nicht, der Empfindlichkeit des armen Mannes Rechnung tragend, diesem gegenüber sein Vorgehen zu rechtfertigen. Noch am selben Abend begab er sich in die Kammer des Lehrers und sprach zu ihm: „Sei mir, mein Herr, nicht böse, daß ich dich heute nicht zu Tische rief, es geschah deshalb, weil ich Gäste hatte und fürchtete, daß dein Ansehen leiden würde." Von diesem Zartgefühle gerührt, antwortete der blinde Lehrer: „Du hast einen befänftigt, der gesehen wird, aber nicht sieht, möge der, der sieht, aber nicht gesehen wird, deine Besänftigung annehmen und dir diese lohnend) Von einem frommen Lehrer in Palästina in der zweiten Hälfte des dritten Jahrhunderts wird erzählt, daß er oft fastete. R. Jochanan traf einmal in diesem Orte ein und fand den Schullehrer kränklich aussehend. Als er bei den Bewohnern des Ortes die Ursache des schlechten Aussehens ihres Lehrers erfahren hatte, verbot er diesem das! Fasten, indem er jzu ihm sprach: „Wenn es nach dem Gesetze schon dem gewöhnlichen Lohnarbeiter nicht gestattet ist, sich durch Entziehung der leiblichen Bedürfnisse zu schwächen und dadurch den Wert seiner Arbeit zu vermindern und seinen Lohnherrn zu verkürzen, um wieviel weniger ist es dir gestattet, der du im Dienste des Höchsten Herrn stehst.?) In Kefar Chittaja?) einem Dorfe unweit Tiberias, lernen wir gegen Ende des dritten Jahrhunderts einen Safra von außergewöhnlicher Seelengüte kennen. Er ist oft die Zielscheibe roher Scherze seitens leichtsinniger Personen, was ihn aber nicht abhält, eben diesen Personen, die ihn übrigens im Grunde ihres Herzens achten, Gutes zu erweisen. Der im Schulhause, das zugleich Synagoge ist, wohnende Safra ist auch Vater der sich im selben Hause befindenden Fremdenherberge, wo die armen Fremden, die sich am Freitag Abend daselbst einfinden, auf Gemeindekosten verpflegt wurden.^) Einmal traf in der Herberge eine Gesellschaft ausgelassener Personen ein. Nachdem sie sich bei Speise und Trank gütlich getan, verwendeten sie die Knochenreste als Geschosse, wobei ihnen der gutmütige Safra als Zielscheibe diente. Die Unterhaltung wurde aber durch einen ernsten Zwischenfall gestört. Ein Mitglied dieser Gesellschaft erkrankte plötzlich und sein Zustand verschlimmerte sich bedenklich. Als die Freunde fein Ende herannahen sahen, fragten sie ihn, wem von ihnen er seinen Sohn anvertraue. „Dem Safra", lautete die Antwort des Sterbenden. y Jer. Peah. VIII. Ende, Schekalnn V. 4, Bergt. Chagiga 5 b. 2) Ier. Demaj VII. 3. 3) Das heutige Hittin. Klein, Beiträge z. Geogr. u. Gesch. Galiläas. 4) Pesachim 101a, s. Tossafoth daselbst.