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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-10-16 · 41 (16.10.1914) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
41 (16.10.1914)
Date
1914-10-16
Page
– (sequence 6)
Language
German
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4fetu 702 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 41 Wie ein Eisernes Kreuz erworben wird. Ein Mitarbeiter des „Hamb. Frdbl." erzählt: Ich sprach gestern mit dem Unteroffizier der Gardefußartillerie Hans H c i n e m a n n. Er hat das Eiserne Kreuz beiin Sturm auf Lüttich erhalten. Ein Fünftel seiner Batterie war schon gefallen, ehe sie noch fünf Kilometer vor Lüttich in Stellung gehen und sich eingraben konnte. Rings dröhnte das weite Land vom Donner der Geschütze. Tie schwere Festungsartilleric der Forts voll Lüttich schleuderte dem Angreifer ihre zentnerschweren Granaten entgegen. Da plötzlich — es war auf dem Höhepunkt des heißen Artillcrickampfes — fällt eines dieser Riesengeschosse mit dumpfem Schlag mitten in die deutsche Batterie. Der Sand spritzt nach allen Seiten, und das Geschoß liegt offen in der Höhlung. Jede Sekunde kann es krepieren und die ganze Batterie würde vernichtet sein. In diesem Augenblick geht mit einer fast erschütternden Selbstverständlichkeit durch das Gehirn des Unteroffiziers der Gedanke: Lieber einer, als alle! Er springt hin,- rafft das 125pfündige Geschoß von der Erde empor und schleppt es, an beit Leib gepreßt, im Laufschritt aus der Batterie in die Feuerlinie hinein, wohl wissend, daß er sich damit auch dem eigenen Feuer preisgibt. Wäre das Geschoß in diesen Sekunden krepiert, es hätte ihn in tausend Stücke gerissen. Aber es glückte? Zwanzig Meter vor der Batterie wirft er es von sich und wendet sich Zurück, um eiligst in Sicherheit zu kommen; kaum ist er fünf Meter gesprungen, da war die Zeit der Granate gekommen; sie explodierte mit lautem Brüllen und spritzte ihren todbringenden Eiscnhagel nach allen Seiten. Hans Heinemann aber war wie durch ein Wunder gerettet. Nur ein Splitter traf ihn in die Ferse eben über dem Hacken. Sieben Stunden später fiel Hüttich. Er hatte die Verwundung nicht beachtet, war mit hineingestürmt und hatte noch drei Stunden am Straßenkampf teilgenommen, bis er 'zusammenbrach und von einem französischen Arzt, der sich in der Nähe befand, verbunden wurde. Belgische Zeitungen haben von seiner Lat berichtet. Das Hamburger Blatt schließt die Erzählung mit den Worten: So erwirbt man das Eiserne Kreuz. Das Eiserne Kreuz. Das Eiserne Kreuz erhielt der Oberleutnant Dr. Leo Löwen stein ans Aachen. Herr Doktor L ö w e n st e i n, der sich durch seine Erfindungen auf dem Gebiete der Elektrotechnik einen Namen gemacht, ist dem Oberkommando des VI. Armeekorps attachiert. Unter den im gegenwärtigen Kriege zuerst mit dem Eisernen Kreuze Ausgezeichneten, und zwar für bewiesene Tapferkeit bei der Erstürmung der Festung Lüttich, befindet sich auch unser Glaubensgenosse, der Einjahrig- Freiwillige Musketier Blum von der 9. Kompagnie des Infanterieregiments Nr. 83, Sohn des Kaufmanns Elias Blum aus Frankenau, Kreis Frankenberg, Bezirk Kassel. j Einen hervorragenden Beweis von Mut und Unerschrockenheit gab der Unteroffizier d. R. Leo Mohr aus Nürnberg, welcher dem 6. bayerischen Infanterieregiment zugeteilt war, in dem Gefecht bei Rohrbach-Anweiler am 20. August 1U4. Nachdem er die vier Patronenwagen des Bataillons, die unter seinem Kommando standen, im Galopp rechtzeitig an die Feuerlinie gebracht hatte, wurde er als Meldereiter zwischen Feuerlinie und dem Kommandeur verwendet. Nach zwei befohlenen Ritten stellte ihm der Kommandeur wegen des vielseitig kommenden heftigen Infanterie- und Artilleriefeuers weitere Ritte frei. Mohr ritt aber gleichwohl danach noch dreimal zur Feuerlinie und zurück. Beim letzten Ritte wurde sein Pferd erschossen, er selbst blieb unverwundet. Daranshin erhielt Herr Leo M o h r am 17. September das Eiserne Kreuz und wurde zum Vizewachtmeister befördert. Wegen tapferen Verhaltens vor dem Feinde wurde Oberleutnant Konrad Sachsel der 27. Landwehr- Jnsanteriedivision (aus Prag) vom Divisionär belobt und zum Kompagniekommandanten ernannt. Eine Feldposttarte. Ter Zugsführer Armin Weiner vom k. u. k. Jnfr.-Reg. Nr. 44 schreibt an seinen Cousin Sandor Weiner nach Wien, das; er die Silberne T a p f e r k e i t sin e d a i t l e von Sr. Majestät Kaiser Franz Josef I. erhalten hat und Zeit seines Lebens monatlich X 7-50 hierauf an Gebühr bezieht. „Wir wurden" — so schreibt Zugsführer Weiner — . von Sr. t. u. k. Hoheit Herrn Erzherzog Josef durch einen Armeebefehl sehr schön belobt, indem unser Regiment unter Kugelregen auf Plätten die Save überschritten hatte und'Schabatz von den Serben doch entsetzten. Von den ausgezeichneten 33 bravsten Viernndvierzigern bin ich der einzige Jude. — Die wackere Tat eines braven Soldaten meldet „Pravo Lidu" nach einer Feldpostkarte eines Genossen. Es war am 27. September nach einem Kampfe auf serbischem Boden. Eine österreichische Truppenabteilung sah etlva 800 Schritte vor sich einen schwer verwundeten Kameraden liegen. Der Platz, auf dem er lag, befand sich im Bereiche des heftigsten feindlichen Feuers. Da trat der Infanterist Ludwig Fcitl aus Moldautein von der 7. Kompagnie des Infanterieregiments Nr. 91 vor seinen Hauptmann und erbat sich die Erlaubnis, den Verwundeten einholen zu dürfen. Dann nahm er Abschied von seinen Kameraden, die in aufgeregter Spannung beobachteten, wie sich Feitl im schärfsten Kugelregen an den Verwundeten heranschlich. Eine bange Stunde währte das aufregende Schauspiel an, bis Feitl wieder zum ersten Schützengraben zurückgekehrt war und den Verwundeten, der 'gänzlich entkräftet und bewußtlos war, glücklich mitgebracht hatte. Später erkannte man in diesem einen Reservisten des Infanterieregiments Nr. 11, Vater von vier Kindern. Tapfere Budweiser Juden. Wie aus Feldpostbriefen, die in Budweis ein gelangt sind, zu ersehen ist, haben sich in den letzten Kämpfen am südlichen Kriegsschauplätze abermals einige Budweiser durch Tapferkeit hervorgetan. Bei den Kämpfen an der Drina wurde eine Abteilung, bestehend aus 1 Stabsoffizier, 3 Offizieren und 120 Mann, in die Drina gedrängt und sie stand bereits bis an die Brust im Wasser. Die Abteilung schien verloren. Da schwammen zwei Budweiser, darunter Ludwig Fried, Beamter der Verkaufsvereinigung der südböhm. Fleischer und Selcher, zweimal unter scharfem feindlichen Feuer durch den hochangeschwollenen reißenden Fluß, holten die am anderen Ufer befindlichen Pontons und es gelang, die ganze Abteilung ans rettende Ufer zu bringen. Jeder der Offiziere wollte seinen Retter mit einer Geldspende von 50 Kronen beschenken, diese lehnten das Geschenk mit der Bitte ab, dasselbe dem Witwen- und Waisenfonds nach gefallenen Soldaten des Budweiser Hausregiments Nr. ' zuzuweisen. Infanterist Ludwig Fried, der sich auch sonst schr brav gehalten hat, ist für eine Auszeichnung vorgeschlagen. Für sein bravouröses Verhalten am Schlachtselde lvurde der Einj.-Freiw.-Korpöral Karl F ü r t h des Feld- Kanonen-Regiments, der Sohn des bekannten Budweiser Kanditenfabrikanten Herrn Viktor Fürth, zum Fähnrich ernannt. Eine am 6. d. M. eingelangte Meldung besagt leider, daß der wackere Fähnrich Karl F ü r t h, das einzige Kind seiner Eltern, am Kriegsschauplätze

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