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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-10-16 · 41 (16.10.1914) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
41 (16.10.1914)
Date
1914-10-16
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 41 Dr. Bloch's Wochenschrift Leite 701 gierung. Der judenfeindliche Kurs Rußlands wird von der gesamten Rückschrittspresse Rußlands nachdrücklichst weiter betrieben. Das Blatt des Kriegsministeriums, der „Russische Invalid", veröffentlicht ununterbrochen antisemitische Hetzartikel, wobei ihm die „Nowoje Wremja" die gewohnte Beihilfe leistet. In der russischen Armee wird verbreitet, die „Teilniederlage" bei Tannenberg sei auf Verrat jüdischer Soldaten zurückzuführen, die durch Winken mit Taschentüchern dem Feinde die Richtung angaben. Das Kriegsministerium und der Generalstab werden von Angebereien gegen die Juden überschwemmt. „Nowoje Wremja" tischt das Märchen auf, in Warschau sei bei einem jüdischen Leichenbegängnis der Sarg von den Behörden untersucht worden, wobei an Stelle der Leiche 25 Millionen Goldrubel (!1 gefunden wurden, die für den Einumrsch der Deutschen bereitgehalten werden sollten. Der englische Ministerpräsident Asquith brachte es in den letzten Tagen fertig, einer Abordnung englischer und amerikanischer Inden die Versicherung abzugeben, daß die russische Regierung schon jetzt die Rechte der Juden in großem Maße erweitere. Daß diese Erklärung des Herrn Asquith den Tatsachen ins Gesicht schlägt, ergibt sich ans folgendem Bericht, den wir aus zuverlässiger Quelle erhalten: Die „Ruskoje Wjedomosti" hat vor einigen Tagen 3000 Rubel Strafe zahlen müssen wegen eines Artikels des Fürsten Trubetzkoi, worin der Verfasser die Gleichberechtigung der Inden empfiehlt. Um die Tendenz der Regierung zu verschleiern, wurde diese Zeitung gezwungen, unter Verschweigen des wahren Sachverhalts eine harmlose Notiz über eine Arbeiterversammlung als Grund für die auferlegte Strafe anzugeben. Während die Unterdrückung und Verfolgung der Juden auch jetzt in gleichem Umfange wie bis zum Beginn des Krieges fortgesetzt wird, zwingt die russische Regierung in empörender Weise ihre entrechteten jüdischen Untertanen, sich in einem weit größeren Verhältnis als die nichtjüdische Bevölkerung zum Militärdienst zu melden. Schon in normalen Zeiten werde:: bekanntlich in Rußland die Juden um 20 Proz. mehr als Nichtjudcn zum Militärdienst herangezogen. Heute stehen bereits etwa 300.000 Juden unter Waffen, die ihr Blut für ihre Peiniger und Entehrer in Strömen vergießen müssen. Das genügt aber den russischen Henkern noch nicht. Ein Ukas des Zaren aus den letzten Tagen bestimmt, daß seine „lieben Juden" bei der im November stattfindenden Militärgestellung für das Jahr 1914 in noch viel größerem Verhältnis als bisher zum Militärdienst herangezogen werden sollen. Unter Bezugnahme auf die in Rußland einer bestimmten, sehr erheblichen Kategorie von militärpflichtigen Personen gesetzlich zustehenden Vorrechte (I. und II. Klasse), die sie vom Militärdienst befreien, wird in dieser Ankündigung des Ministeriums hingewiesen, daß diese Vorrechte bei der Musterung für das Jahr 1914 trotz des herrschenden Kriegszustandes zu Recht bestehen, soweit es sich um nichtjüdische Militärpflichtige handelt, für die Juden dagegen trat das betreffende Gesetz außer Kraft. Wählend man auf der einen Seite bestehende Gesetze aushebt, um die Rechte der Juden, sich für den russischen Zaren totschießen zu lassen, zu erweitern, erklärte dieselbe Regierung auf der anderen Seite in den letzten Tagen wiederholt, anläßlich verschiedener Gesuche von jüdischen Studenten um Aufnahme in die Hochschule über die Prozentnorm (unter Berücksichtigung der Tatsache, daß sie jetzt an den ausländischen Universitäten keinen Zutritt mehr haben), daß sie bestehende Gesetze nicht ohne weiteres ausheben könne. Man sieht also wieder, wie die Dreiverbandmächte durch bewußte Lügen Sympathien für ihre Sache zu erwecken suchen. Pogroms in Südrußland. Stockholm. Nach hier eiugelangten Meldungen sind in den letzten Tagen in Sudrutzland wiederholt Pogroms veranstaltet worden. In Wilna wurden 150 angesehene Juden wegen ihrer deutschfreundlicher: Gesinnung verhaftet. In Warschau waren Pogroms vorbereitet, der Rabbiner rief die Vermittlung des Bischofs von Warschau an, und dessen Vorstellung beim Gouverneur gelang es, die Ausführung der Judenmorde zu verhindern. Keine Kursänderung in Rußland. Aus Stockholm wird dem „Vorwärts" vor: einem russischen Parteifreunde geschrieben: „Die Reaktion hat dem Volke bisher in Rußland noch keine Zugeständnisse gemacht. Die beiden reaktionären Minister Kasso und Tscheglowitow, deren Entlassung gemeldet worden war, haben ihrer: Posten immer noch inne. Von der Gleichberechtigung der Juden ist keine Rede. Im (Gegenteil. Nach der Einnahme vor: Lemberg hat das offizielle Organ des russischen Kriegsministeriums „Rußki Invalid" in seinem Leitartikel wörtlich erklärt: „Tie Gleichberechtigung der Juden ist bloße P h a n t a s i e." Das war zu erwarten! Eine Erklärung der antisemitischen „Staatsbürgerzeitung" in Berlin. Die Berliner „Staatsbürgerzeitung" veröffentlicht an der Spitze ihrer neuen Nummer eine Erklärung, in der es heißt: „Infolge Eingreifens des Oberkommandos in den Marken erklärt die „Staatsbürgerzeitung", datz sie im Hinblick auf die patriotische Haltung der gesamten Bevölkerung von nun ab ihren Charakter als antisemitisches Blatt aufgibt, und zwar nicht nur für den Krieg, sondern auch für den Frieden." Das Eingreifen des Oberkommandos darf uran wohl darauf zurückführen, daß der: deutschen Militärbehörden der Antisemitismus als Gefahr für die Geschlossenheit des deutschen Volkes erscheint. Ihn ir: allen seinen Aeußerunger: ir: Heer und Volk zurückzuweisen, ist um so mehr notwendig, als selbst die „Staatsbürgerzeitung" die „patriotische Haltung der gesamten Bevölkerung" zugestehen muß. Jüdische Offiziere in der deutschen Armee. Berlin. Seit Kriegsausbruch sind in der deutschen Armee 150 Judsn zu Ossizierei: befördert worden. Die Zionisten im Kampfe. „Az Eft" erzählt: In der Schlacht bei Uzsok, in der die Russen nach langem, blutigem Ringen siegreich zurückgeworfen wurden, kämpften aus Seite der Oesterreicher etwa 160 zionistische Freiwillige aus der Ukraine, die als Vorposten so lange heldenmütig den übermächtigen Angriff der Russen abwehrter:, bis gegen 6 Uhr abends die Verstärkungen einlangterr. Ter kommandierende General äußerte sich überaus lobend über den Mut und die Tapferokeit der ukrainisch-zionistischen Freiwilligen. Ein französischer Rabbiner gefallen. Bei St. Dieu fiel für sein Vaterland Feldprediger Abraham Bloch, Großrabbiner von Lyon (aiimonier de corps d'armee). * Ein jüdischer Staatsanwalt gefallen. Staatsanwalt Ludwig Weil-Gutmaun aus Stuttgart ist auf dem französischen Kriegsschauplätze im Alter von 35 Jahrerr gefallen und ist am Sonntag auf dem Friedhofe in Stuttgart unter militärischem Chrengeleite beerdigt morden, wobei Rabbiner Doktor K r o n e r einen ergreifenden Nachruf hielt.

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