Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 40 (8.10.1914)
- Date
- 1914-10-08
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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«Seite 694 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr 40 Schwester des Barons Bernhard (gestorben 1<S 12; und der Rebecca Ephraint, Tochter des Daniel Jtzig ^gest. 1846). Die Denkmale des Ignaz Ritter von Liebenberg «gest. 1844) und seiner Gattin Barbara von Liebenberg lgest- 1861) eriniterlen mich an das Grab des k. k. Oberleutnants Carl Ritter von Liebenverg, welches ich vor Jahren auf dem seither ausgelassenen alten, jüdischen Friedhof in Budapest gesehen hatte. Derselbe, war im Jahre 1832 aus dem Durchmärsche von Temesvar nach Wien in Pest an der Cholera gestorben. In derselben Reche ruht auch der im Jahre 1838 gestorbene Marcus Ritter von Neuwall, der, wie Siegmund Mayer in seinen „Erinnerungen" erzählt, int Preßburger Ghetto Mordechai Naß geheißen hat. Seine Nachkommen haben sogar die Baronie erlangt, sind aber vor kurzem ausgestorben. Cin recht eiitsaches Denkmal bezeichnet die Ruhestätte des 1843 gestorbenen Michael Lasar Biedermann, k. k. Hosjuwelier und Großhändler, Vertreter der Israeliten zu Wien. Von einem einfachen Siegelgraveur hatte sich derselbe zum Händler mit Edelsteinen und Perlen, später zum Bankier aufgeschwungen und hatte es verstanden, das Vertrauen des Staatskanzlers Fürsten Metternich zu erwerben, so daß dieser seine Dienste nicht nur als Juwelier, sondern, wie man erzählt, auch als geheimer Agent in delikaten diplomatischen Staatsangelegenheiten in Anspruch nahm. Für „die Juden zu Wien" hat er sich als deren Vertreter eifrig bemüht, tvar jedoch in Ausübung feines Ehrenamtes ein strammer Autokrat, ganz nach dem Vorbilde seines Protektors. Da liegt nicht weit von chm ein anderer k. k. Hofjuwelier, Michael Cohen da Silva (gest. 1831), der sich in der Wiener Judengemeinde durch eine größere Stiftung für Handwerker verewigt hat. Seine neben ihm ruhende Schwester Bathseba del Sotto (gest. 1843) und ihr 1874 verstorbener Sohn Isaak del Sotto, gleichfalls k. k. Hofjuwelier, waren wohltätige, vornehme Erscheinungen, wie sie unter den Amsterdamer Portugiesen häufig vorkomnren. Ein unansehnliches Denkmal zeigt uns die Ruhestätte eines jugendlichen Sprößlings aus edlem jüdifchen Blute an. In zierlichen gotischen Buchstaben ist auf deniselbeic zu lesen: »To the uaemory of David Montefiore, son of Horatio Joseph and Sarah Montefiore, who departed on the 23. July 1847, aged thirteen.« Erwähnenswert wäre auch der einfache Denkstein des 1842 verstorbenen Ascher Matzel, welcher durch lange Jahre daS Ehrenamt eines Verwalters des Judenspitals irr der Rossau bekleidete. Für die gute Pflege, welche verwundeten russischen Offizieren im Judenspital zur Zeit der napoleonischen Kriege zuteil geworden, hatte Matzel die kaiserlich russische Verdienstmedaille erhalten. Air dem Denkmal des im Jahre 1844 verstorbenen Hermann Todesko, Gründers des Bankhauses, vorbei gelangt man an den Sarkophag, der die irdische Hülle des 1865 verewigten Predigers Jsak Noa Mannheimer deckt. Es würde mich zu weit führen, aller der in dieser (Gruppe befindlichen Denkmale der Familien von Hofmannsthal, von Herz, von Wertheimstein, Wertheinr, Wertheimber, Todesko, Kaula, Biedermann, Goldstein, Goldschmidt, Oppenheim, Lewinger, Lang, Barach, jGrünebaum, Königsberg, Löwenstein, Guggenheim, Mayer, Gottlieb, Trebitsch, Kolisch, Kollinsky, Pope, Spitzer usw. einzeln zu gedenken, obwohl diese Aufgabe für die jüdische Familiengeschichtsforschung gewiß nicht undankbar wäre. Bei den meisten finden wir den Titel eines k. k. priv. Großhändlers, manchmal auch den eines tolerierten Handelsmannes zu Wien oder die kurze Angabe „allhier toleriert", und ersehen daraus, daß das Toleranzrecht sich bei den Wiener Inden einer bis Liber den Tod hinansgehenden Wertung erfreute. Von den erst in neuerer Zeit längs der Friedhofsmauer angelegten Grüften füllt uns die Ruhestätte des 1871 verstorbenen Freiherrn Jonas von König sw arte r, des 1866 gestorbeneir Heinrich Ritter voir Sichrowsky, Direktors und Mitbegründers der Nordbahn, sowie der 1877 verstorbenen Rosalia von Hirsch auf Gereuth besonders ins Auge. Innerhalb anderer Gruppen gelegen, wäre sonst noch das Denkmal des 1877 verstorbenen Dichters Regierat S. H. Ritter von Mosenthal sowie das des 1872 verstorbenen Forschers Dr. Eduard Schwarz, k. k. Korvettenarzt, zu erwähnen. Derselbe tvar Mitglied der Novaraexpedition und seine Kameraden von der Novara tvaren es, die ihm hier ein überaus sinniges Denkmal gesetzt haben. Zum Schlüsse will ich noch der Gruppe gedenken, welche ausschließlich der türkisch-sephardischen Gemeinde angehört. Diese türkischen Großhändler und Kaufleute haben in älterer Zeit, tvenir oft auch in Wien geboren und erzogen, nicht viel auf Gemeinschaft mit den Wiener Juden gehalten und sich nur selten mit ihnen verschwägert. Auf den Denksteinen findet! wir hauptsächlich die Familien A d u t t, E s k e n a s i, B e n v e tt i st i, d e M a j o, Elia s, F i n z i, Hai m, R u s s o und it s s i n vertreten. Wenn auch die Denkmale dieses „guter! Ortes" in Hinsicht der künstlerischen Ausführung und der Fiille historischen Materials mit jenen des ältesten Friedhofes in der Seegasse nicht konkurrieren können, so tvird doch der Besuch desselben nicht nur dern jüdischen Historiker, sondern auch dem Laien, der Sinn für die jüdische Vergangenheit Wiens besitzt, bleibende Eindriicke in reichein Maße verschaffen. Wien. Ed. Jonas-Schachtitz. Der Krieg. (5. Fortsetzung.) Nun wird mau einwenden, die Inkonsequenz, die Unvernunft findet man also überall — auch in der Orthodoxie vertreten. Gewiß, antworte ich, überall sind Menschen ohne Logik zu finden. Ich sagte ja schon, die Unvernunft ist international, interkonfessionell und in allen Zonen verbreitet. Der wahre Gottesglaube ist nicht die Zuchtstätte von Dummheit und Aberglaube, nicht der Boden, auf dem Sumpfpflanzen gedeihen. Wenn wir erbost und entrüstet darüber sind, Menschen zu finden, die der strengst»'!! Observanz huldigen, sich den Kopf an die Wand schlagen, wie der Volksmund sagt, und vor Verbrechen nicht zurückschrecken, wodurch sie den Namen Gottes entweihen — eine Sünde, für die es fe tte Sühne gibt —, so wäre es höchst ungerecht und un vernünftig, den Glauben dafür verantwortlich zu machen. Nein rniti kS m Aus Wahrheit, aus Treue, aus Liebe und Gerechtigkeit kann nicht Lüge, Schlechtigkeit, Wahnsinn und Verbrechen hervorgehen. Geist und Licht können doch nicht die Quelle für Dummheit und Finsternis sein. Den reinen blauen Himmel trübt keine Wolke. — Wenn es dunkel wird und die Schatten nahen, da leuchten tausende Sterne mit ihren Lichtern hinaus in die finstere Nacht. Und die Thora ist eine Lichtquelle — ein Scheinwerfer, der die Eigenschaft hat, nach allen Richtungen gleichzeitig zu leuchten. Thora und Gebot sind Scheinwerfer, die zugleich aufklärend, erwärmend und reinigend wirken. Es gibt eben auch andere Einflüsse. Der chassidische Einschlag hat großen Schaden im Judentum angerichtet. Ich will mich hier nicht weiter über den Chassidismus verbreiten. Sicher ist, daß ihm große Wahrheiten zugrunde liegen, daß aber die große Masse nicht reif ist, seinen Geist