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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-10-08 · 40 (8.10.1914) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
40 (8.10.1914)
Date
1914-10-08
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 40 Dr. BloH's Wochenschrift Seite 693 sterben — für die Ehre seines bedrängten Vaterlandes . . sich ein lautes Weinen durch die Reihen des dichtgefüllten Friedhofes erhob. Sodann rollten zwei Ehrensalven über das offene Grab des gefallenen Kriegers. Die Trauergesänge versah in schöner Weise Oberkantor Wilkowitsch. Die löbl. israel. Kultusge.neinde rcidnrete dem Dahingeschiedenen ein Ehrengrab. Karlsbad. Die galizischen Flüchtlinge in Karlsbad haben ihre Zusammenlüufte im Hotel Lincoln. Letzthin fand eine Besprechung unter den anwesenden Flüchtlingen zur Beratung ihrer Lage statt. Es wurde beschlossen, durch eine Deputation mit Herrn Dr. Juda Peiper an der Spitze beim Bürgermeisteramt iutt Befreiung von der Kurtaxe und die Erlangung von Karlsbader Preisen für die Volksbäder einznschreiten. Scholem Aleichem in Kopenhagen. (In großer Not.) Der berühmte jüdische Humorist Scholem Aleichem, der nach Ausbruch des Krieges sich aus einem deutschen Badeorte flüchtete, kam nach langen Irrfahrten mit seiner Falllilie m Kopenhagen an. Der beliebte Dichter, der bekanntlich erst vor kurzem nach einem langwierigen schweren Leiden halbwegs genesen war, ist vollständig ohne Mittel und richtete an amerikanisch-jüdische Blätter einen Herzzerreißenderl Brief, irr welchem er seine traurige Lage schildert. Er bittet seine amerikanischen Freunde, ihm die Mittel zu leihen, um nach Amerika fahren zu können, wo er daml wahrscheinlich für irmner verbleiben wird. Feuilleton. Der Miihrirrger Iudenfriedhof Ain östlichen Ende des Bezirkes Währing, einerseits vom Gürtel, andererseits von der Döblinger Hauptstraße begrenzt, liegt der heute schon fast ganz von Wohn- oder Fabriksgebäuden eingeschlossene Friedhof, auf welchem von 1784 bis 1878 die Juden in Wieir zur letzten Rühe gebettet wurden. Durch das im Stile seiner Entstehungszeit einfach, aber würdig gehaltene Amisgebäude gelangt man auf beit Friedhof, aus welchem sauber gepflegte Kieswege die einzelnen Gräbergruppen umschließen. Eng aneinandergereiht stehen hier die Grabsteine, hie und da durch Bäume und grüne Gesträuche getrennt, welche beu Ernst des Ortes freundlich mildern. Wir betreten die dem Eingänge zunächst gelegene älteste Gruppe, den „Chewraplatz", auf welchem die Persönlichkeiten der Wiener Judenschaft aus vergangenen Tagen bestattet wurden. Wir fiitbeit hier auf den verhältnismäßig bescheidenen Grabsteinen berühmte Namen nicht nur aus deni theresianischen und josefinischen Zeitalter, sondern auch aus der Zeit der Kaiser Franz und Ferdinand, bis in die neuere Zeit, so daß diese Gruppe als treffliches Repetitorium der Wiener jüdischen Lokatgeschichte aus diesen Zeiträumen dienen kann. Unter den älteren Epitaphien in hebräischer Sprache sind diejenigen der Familie H ö n i g besonders interessant. Der Name dieser Familie, welche später mit dem Prädikate „von Hönigsberg" geadelt wurde, hängt mit der Geschichte des österreichischen Tabakmonopols enge zusammen. Auf einem Denkmal lesen mix*, daß Aron Moses Hönig, Sohn des Jehuda Hönig, aus Kuttenplan, gestorben am 13. Elul 5547 (1787), k. k. Baukal-Labaks- und Gefällsdirektor gewesen sei. Der erwähnte Vater Jehuda Hönig wird 1756 in der Banurkunde der Kuttenplaner Synagoge als Vorsteher genannt. An benachbarter Stelle ruht auch die Gattin des Moses Hönig, Freidel, Tochter des Maier Pschestitz, gestorben am 20. Nissan 5546 (1786). Der historisch wertvollste Denkstein dieser Gruppe ist unstreitig derjenige des Israel Hönig Edlen von Hönigsberg, k. k. niederösterreichischer Regierungsrat, Tabaks- und Siegelgesätlsdirektor, Herr der Herrschaft Velln in Oesterreich, geboren am 24. Oktober 1724, gestorben am 10. Januar 1808. In derselben Reihe befinden sich auch die wappengeschmückten Grabsteine des Carl Hönig Edlen von Hönigsberg (Etleser Kuttenplan, Sohn des Israel Edlen von Hönigsberg,», Maximilian Edlen von Hönigsberg sowie der Franziska, geborenen Dobruska, Gattin des Wolf Edlen voll Hönigsberg. Zierlich gehaltene hebräische Grabschriften zeigen die Denkmale der Bele, Gattin des Anschel Arnstein, gestorben am 2. 'Ab 5547 (1787), und des Ascher Arnstein, Sohn des Aron Jitzchok Arnstein, Mitglieder der bekannten Hosfaktoren- und Bankierfamilie. In der nächsten Reihe ruhen Angehörige der Familie Leidesdors, welche zur Zeit der Kaiserin Maria Theresia als hofbefreite Juden eine Rolle spielten. Des Familiennamens halber bieten auch die Epitaphien der Blime, Gattill des Jehuda Arje Königswarter, gestorben am 0. Kislev 5548 (1788), sowie des Abraham Leb Reitlinger, Rofch hakohol von Eisenftadt, gestorben am 13. Elul 5586 (1826), einiges Interesse. Recht sonderbar klirrgt der Titel aus der Grabschrift der „Frau Malta Judith, Witwe des sel. Herrn Herzt Kuh, k. k. General Militair Better Admodiateur". Der Mann scheint die Beiftelluug von Militürbetten in Pacht gehabt zu haben. Das Epitaph der 1851 verstorbenen Henriette Homberg, Witwe des k. k. Schulrates Herz Homberg, erinnert uns an das von demselben verfaßte Lehrbuch der Religion „B'ne Zion", aus welchem die jüdischen Brautpaare int Vormärz bei den Kreisämtern geprüft wurden. Eiir am Rande der Gruppe befindliches Denkmal der Frau Rosa Calllniondo ruft uns diese Familie ins Gedächtnis, welche arn Anfänge des vorigen Jahrhunderts von Konftanti nopel nach Wien gekommen lvar. Ein Cannnondo hatte es zum ersten Prokuristen des Hauses Arnstein und Eskeles gebracht und soll bei Gründung der k. k. priv. Oefterr. Nationalbank im Jahre 1816 die Statuten derselben versaßt haben. An benachbarter Stelle ruht der 1833 verstorbene .Joses Veith, Aktuar der Israeliten zu Wien, welcher ein Amtsvorgünger des Dr. Ludwig August Frankl gewesen ist. Auf einem sarkophagartigen Denkmal lesen wir, daß der im Jahre 5571 (1811j ver storbene Markus Osenheim, k. k. priv. Großhändler, „Eapitain des löbl. bürgerlichen Artillerie-Corps" gewesen sei. Wir gelangeil null zu dem Denkmale des Bernhard Freiherrn von Eskeles, k. k. priv. Großhändler und Gouverneur-Stellvertreter der k. k. priv. Oefterr. Na tionalbank (1753—1839), eines Sohnes des berühmten Landrabbiners von Mähren Jsaschar Berusch Eskeles. An seiner Seite ruht seine Gattin Cücilie Freifrau voll Eskeles, Tochter des Daniel Jtzig lgestorben 1830). Daniel Jtzig war ein Schwager jenes David Friedländer, der in Berlin ein Reformjudentum mit christlichem Anstrich gestiftet hat. Der benachbarte Sarkophag deckt die lieber reste ihrer Schwester Franziska Freifrau von Arnstein (gestorben 1818). Beide Schwestern spielten zur Zeit des Wiener Kongresses 1814—1815 eine hervorragende Rolle in der Wiener Gesellschaft und in ihren Salons verkehrte alles, was in Wien in jener Zeit durch Macht und Geburt, Kunst und Wissenschaft ausgezeichnet war. Der Barorlill Franziska zur Seite ruht ihr Gemahl Nathan Adam Freiherr von Arnstein (1748—1836 ». Eine Tochter dieses Paares, Henriette Freifrau von Pereira-Arnstein, gehörte zu den berühmten Frauerlschönheiten zur Zeit des Wiener Kongresses und ihr von Graffi gemaltes Bild ist häufig reproduziert worden. In diesen Kreis gehören auch die Denkmale der Eleonora Flies, geb. Eskeles, einer

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