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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-10-08 · 40 (8.10.1914) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
40 (8.10.1914)
Date
1914-10-08
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 40 Dr. Bloch s Wochenschrift (Seite G95 und seine Tiefe zu erfassen. Der Chassidismus stellt an seine Anhänger so große Ansprüche, er beherrscht so ihr ganzes Leben, daß die Erfüllung eines Berufes im öffentlichen Leben ihnen schwer möglich ist. — So sehen wir auch da dieselben Bilder, wie bei den anderen Richtungen — nur krasser die Kontraste. Die Pietät, die Anhänglichkeit veranlassen die Kinder der Chassidim — die jüngere Generation in Zwiespalt und Widerspruch zu leben — vieles zu beobachten, das neben dem, was sie nicht beobachten, lächerlich erscheinen muß. Ich könnte da tausende Beispiele auführen. — Zum besseren Verständnis nur einige Fälle ans meiner Erfahrung: Der junge Mann mit langem, aufgezwirbeltem Schnurrbart (Backen und Kinn rasiert), Beamter, der auf die Heiligung des Sabbat und Jomtob verzichten muß, mein Vis-ä-vis in der Sukkoh, ißt nicht eher, bis er seinen Uschpisin gesagt und benscht nicht ohne Najirn acharonim, oder der Mann, welcher nur selten ein Gotteshaus aufsuchl, aber seine Jahrzeit nur in einer Klaus abhält, weil er nur da Schnaps und Lebkuchen zum Besten geben und einen Rabbonimkaddisch lagen kann. Eine köstliche Figur — sie gehört wohl nicht hieher — aber ich möchte sie festhalten — ein Meschumed aus Galizien, der aber auch nach der Taufe seine alte Schwurformel beibehalten hat: „so sollen die Ohren hören den Schaufor von Moschjach«. Ich betone nochmals, der Chassidismus ist nicht anzutasten — er ist auf Wahrheit gegründet — aber die meisten Menschen kennen ihn nicht aus eigener Anschauung — den wahren Chassidismus, und lassen sich lügenhaft entstellte Geschichtchen von Wunderrabbis erzählen, die sie für bare Münze nehmen. Jener Chassid, von dem der Volkswitz sagt: „dawenen tut er, soll ich a so leben, handeln tut er, soll er a so leben", der begreift den Chassidismus so wenig, wie ihn — sagen wir — z. B. ein Nichtjude begreifen könnte. Das ist ein schlechter, dummer Kerl — ein Schädling, wie er auf dem besten Boden, in den schönsten Gärten gedeiht. Es gibt keine Schlechtigkeit ohne Dummheit. nitttr m .ia düs p ds* «tan nn« pa Wie Vorsicht die Mutter der Weisheit genannt wird, so können Schlechtigknt und Lüge als Töchter der Dummheit bezeichnet werden. Die Extreme staden wir am stärksten bei den Polen. Die Reform und der Chassidismus sind die beiden Pole des Judentums. — Während aber der Chassidismus — ich möchte ihn Südpol nennen —, von tiefer Gottesfurcht durchdrungen, auf dem Boden der Unveränderlichkeit der biblischen . und talmudischen Gesetze steht, ist der Nordpol — die Reform unwahr — und sie wird infolge ihrer Unbeständigkeit in religiösen Fragen, infolge ihrer inneren Hohlheit dem Verfalle entgegengehen. Es ist ein altes Wahrwort: ^p tib JHpiP s«p zu deutsch: Wahrheit besteht, Lüge vergeht. Wohin wir blicken — alles in der Welt — was im Leben Bestand haben soll, muß auf Wahrheit gebaut sein. Wir Augenblicksmenschen lassen uns von vergänglicher Pracht blenden. Der vorübergehende Erfolg begeistert uns und wir lernen nichts aus der Geschichte. Was ist z. B. aus der Zeit der Wüstenwanderung übrig geblieben? Ein einziges Denkmal — das Judentum. — Alles ist dahin, mächtige Staaten sind verschwunden, die Erde hat ihr Antlitz verändert, geographische Grenzen wurden verschoben, Religionen haben aufgehört, auf der Bühne des großen Welttheaters werden immer neue Kulissen eiugeschobeu, aber der alte Jude lebt. Der Olymp mit seinen Göttern ist verschwunden, aber der jüdische Hausierer lebt — der jüdische Hausierer, der seine Schläfenlocken hinter die Ohren legt, wenn er mit seinem bißchen Ware in die Kultur hinausgeht, gebeugt, gedrückt, verhöhnt und verspottet. In Schul und zu Hause im Kreise der Seinen holt er die Locken hervor, da ist er ein König, erfüllt von Stolz, ein Abkömmling der Patriarchen zu sein. Und die Ursache dieser wunderbaren Erscheinung erklärt uns der Satz: \S‘p anptr '«p «tasnp Wahrheit besteht. Lüge vergeht. (Fortsetzung folgt.) Literatur. „Ter Tag" in Wien. Tie jüdische Tageszeitung „Ter Tag" in Krakau lRedakteur F. Kreppet) beginnt in den tlächsten Tagen iit Wien zu erscheinen, für die Tauer der jetzigen Verhält nisse in Galizien. Tas Redaktionslokal besindet sich der zeit Wien, IX., P e r e g r in g asse 2. Kriefkasten. K. Ter in der Schlacht bei Schabatz durch Heldentaten ausgezeichnete Hauptinann Martin Burg e r, der dort den Heldentod fand, war einst ein Feschiwa Jünger. Auf mehrere Anfragen. Die Berfasserin des Artikels „Macht auf die ^ür" in der letzten Nummer der „Oesterr. Wochenschrift" ist die Schuldirektorin Fräulein Malvine Friedmann, 'Wien. Tie Adresse können wir nur brieflich bekanntgeben. Isidor Brüh. Tie Diskussion scheint uns hinreichend erschöpft und eine Fortsetzung unersprießlich. Aufruf des Vereines „Tomech Ewjonim" für arme jüdische Zugereiste. Ter seit 20 Fahren bestehende Verein „Tomech Ewjonim" hat seit seinem Bestände über 100.000 Arme gratis verköstigt. Biel 'Not konnte gelindert, manche Träne getrocknet werden. So große Anforderungen auch an den Verein gestellt werden, so gering auch die zur Verfügung stehenden Mittel waren, ist es doch immer dem Vorstände gelungen, der Schwierigkeiten Herr zu werden, ohne an die große Oeffentlichkeit appellieren zu müssen. Heute allerdings, wo Tausende Haus und Hof, Hab und Gut verlassen mutzten und jeder Zug, der aus dem Norden kommt, Tausende dieser Aermsten der Armen in' unsere Stadt bringt, wird uns dieser Hilferuf zur Pflicht. Mitbürger! Wir wollen helfen und wir müssen helfen. Wir wollen diese armen Heimatslosen täglich mittags und abends verköstigen. Es ist unsere Pflicht, hier helfend einzugreifen und die durch den Krieg geschaffene Notlage, unter welcher besonders die Flüchtlinge leiden, nach Möglichkeit zu lindern. Unsere Mittel sind gering. Fm Namen' der Menschlichkeit bitten wir um Spenden. Gebet rasch, denn rasch gegeben ist doppelt gegeben. Der Vorstand des Vereines „Tomech Ewjonim". Obmann Elias Weiß, 2. Bezirk, Obere Donaustr. 89 Wrr ersuchen unsere geschätzten Abonnenten jm rechtzeitige Einsendung der lausenden Abonaementsgebühr, damit die Zusendung des Blattes keine Unterbrechung erleide. Zur Einsendung der Beträge wolle man sich des der letzten Nummer beigelegten Posterlag- Scheines bedienen. Die Administration. Danksagung! Für die vielen Glückwünsche, die ich von Freunden und Bekannten anläßlich des Neujahres und auch sonst erhielt, statte ich hiermit meinen herzlichsten Dank ah. Dr. Alfred Stern. Baden, Ende September 1914. Danksagung! Allen, die uns anläßlich des Ranschhaschonoh-Festes und der Barinizwoh unseres Sohnes Kurt durch ihren Glückwunsch erfreuten, insbesonders dem geehrten Tempel Vorstände des VIII. Bezirkes, sprechen wir an dieser Stelle unseren herzlichen Dank ans. Rabbiner Dr. Max Grunwald und Frau.

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