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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-10-08 · 40 (8.10.1914) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
40 (8.10.1914)
Date
1914-10-08
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Dr. Bloch'S Wochenschrift Nr. 40 cx-u 690 |ie gibt Kinderhemdchen, Jäckchen, .Polster, weiß wo alles liegt, was in diesem Durcheinander der täglich einlangenden Spenden nicht leicht ist." Es fehlen uns Hilfskräfte, die die avisierten Pakete zusammenholen. Wir haben im letzten Jahre ca. 700 Kronen für Abholung der Spenden aufgewendet. Vielleicht hilft uns einer der vielen jüdischen Spediteure; es sind ca. 100 Pakete angemeldet' für Abholung eines jeden Paketes zahlte die Vereinskasse seither 1 Krone. Unsere Kassa ist aber jetzt erschöpft. Wer hilft? Die o t ist groß. Man mutz das Elend der sich zur Verteilung Meldenden gesehen haben, um zu wissen, datz unsere Brockensammlung ein wichtiger Faktor ist, der dem Elend der unglücklichen Flüchtlinge tatkräftig steuert. In letzter Woche hat eine wohltätige Dame sechs leerstehende Wohnungen für die Flüchtlinge zur Verfügung gestellt. Es fehlt aber an Betten, Einrichtungsgegenständen. Wer entbehrlichen Hausrat hat, wolle denselben an das Bureau der B r o ck e n s a m m l u n g für jüdische Arme, Lerchenfelderstratze 71, senden. Viele der sich bei uns Meldenden wäre glücklich. wenn sie nur ein hartes Lager hätten. Sie haben einst bessere Tage gesehen und verdienen unser Mitleid und unsere tatkräftige Hilfe. Jda Barbe r. Budapest. < F ü x b i c E i n h eit d e r u u q n r i s ch e lt vs u b c li i d; a f t. Die israelitische Landeskanzlei hat an die Rabbiner und Vorsteher der Statusquo- und orthodoxen ungarischen jüdischen Gemeinden folgenden Aufruf gerichtet; „Geliebte Brüder! In diesen großen, geschichtlichen Tagen, da die weitverzweigten Kraftfaktoren unseres Vaterlandes die in Jahrhunderte währenden, tiefgreifenden Kämpfen verschärften Gegensätze niederringen und sich in der großen iiurhech des Existenzinteresses der ungarischen Nation in edler Harmonie vereinen, reichert wir mit der Wärme einer nie erloschenen Liebe, die sich aus einern gemeinsamen uralten Quell nährt, unsere brüderliche Rechte Euch, die, an unserer leidensreichen, uralten Geschichte gemessen, seit kurzem von uns formell gesondert, den ewigen Zielen unseres Glaubens dient. Ta unsere Angehörigen sich in der Erfüllung der hehrsten Pflicht vereinen, da unsere aus reinster Seele erbrachten Opfer zusammenflicßeu, um glänzende Beispiele der Vaterlandsliebe des Judentums als heiligstes i§rbe auf unsere späten Nachfahren überkoinmen zu lassen, in diesen historischen Zeiten, da die Verteidigung unseres geliebten Vaterlandes uns die Hoffnung bietet, daß unsere in Knechftchaft dahinsiechenden Glaubensgenossen befreit würden, fühlen rvir, daß das ungarische Israel zu dem durch unsere heiligen Gesetze geforderten Frieden zurückkehre,t muß, um aitit der Fülle seiner neugeworbenen moralischen Kraft dem nationalen Wohlstand dienen und die Gedanken und Institutionen itnseres Glaubens mit vereintem Eifer verteidigen und pflegen zu können. In diesen in vielfachem Sinne furchtbaren Tagen, da unser inbrünstiges Gebet auf den Fittichen erhöhter Andacht zu unserem Gott emporsteigt, rveilden rvir uns an Euch mit brüderlichem Friedensruf. Breiten rvir einen Schleier über die Kämpfe der Vergangenheit, über Mißverständnisse und Jrrtümer, die ihre Bedeutung weit überstiegen. Suchen wir unserem Glauben wieder mit vereinter Kraft, mit gemeinsamem Verständnis und Wohlwollen die kraftbringerrde friedliche Einigkeit zu geben. Der vereinigende Geist dieser großen Zeiten möge uns durchziehen. Entfernen wir aus unserem Gedankeukreis alles, was uns entzweien könnte, und suchen rvir alles, was uns im Wesen unserer Prinzipien verschruilzt, damit wir derart unseren Pflichten der Zukunft, deru Berufe unseres Glaubens gegenüber gervissenhaft nachkomruen könrren. Wir sind hiezu bereit. Wir warten vertrauensvoll und erbitten Eueren Entschluß. Es muß eine Form gefunden werden, daß diese iticht so großen und nicht so tiefen Gegensätze aufhören. Wir glauben imb hoffen, daß unsere aufrichtigen Worte in Ertren Seelen Widerhall finderr rrnd daß wir die sehnsüchtig erivarteton kornnrenden Siegestage irn gottgesegneten Frieden eines nunmehr einheitlichen ungarischen Judentums rverderr feiern können. So sei es! Budapest, 23. September 1914. Dr. Moritz Meze i, Präsident der isr. Laudeskanzlei. Dr. Franz M e z e i, Vizepräsident der isr. Landeskanzlei. Zagreb. (Agram). Im kroakischcn Amtsblatt oäus uovine“ vom 21. September 1914 lesen wir: »Neues Jahr der Israelite n.« Heute feiern unsere Mitbürger mosaischer Religion das neue Jahr 5675. Aus diesem Anlasse fand gestern abends ein feierlicher Gottesdienst in der Synagoge statt. Die Predigt hielt Oberrabbiner Dr. Hosea Jacobi, in welcher er für den Sieg unserer Waffen und für die Gesundheit Seiner Majestät betete, die Kriegserfolge unserer Truppen und die Tapferkeit unserer Soldaten hervorhebend. — Der k. u. k. Feldrabbiner Dr. Wolf (aus Raudnitz) hielt heule einen feierlichen Militär-Gottesdienst im Grossen Musikvereinssaal mit Predigt für die Soldaten — circa 400 Mann — ab. In der schön aufgebauten Predigt eiferte er die Soldaten zu weiteren Heldentaten an, welche dadurch die Ehre unserer Walken vervollkommnenwerden. Allen unseren Mitbürgern israelitischen Glaubens wünschen auch wir ein »glückliches neues Jahr-, Neunkirchen. In diesem Jahre war eine große Artzahl Juden durch den Militärdienst gezwungen, unsere höchsten Feiertage ferne vom Hause und von der Familie zuzubringen. Diese Gelegenheit bensttzten viele jüdische Familien, um ihren bervährten opferfreudigen Gemeinsinn zu bezeigen und durch ^liebevolle Gastfreundschaft den Soldaten den rituellen Speisetisch zu bieten. Auch in Neunkirchen, dem. Sitz. des..Kommandos, zur Be-. wachung der I. Hochquellenwasserleitung, wurde den jüdischen Soldaten durch das besondere Entgegenkommen der Herren k. u. k. Leutnants Stein b a ch und H e l l rn e r der Besuch des Gottesdienstes ermöglicht, und fanden selbe liebevolle Aufnahme bei den Familien G e r st l, H. L ö w y, R e i n i n g e r, W e r n e r, D r e ch sl e r und M a y e r, die ihr Bestes boten. Dafür auf diesem Wege herzlichsten Dank! Karlsruhe. Den Heldentot fürs Vaterland starb Leo Weil, Einj.-Freiw. aus Karlsrühe-Mühlburg, Leib- Grenadier-Regiment Nr. 109. Der Brief, den die Eltern des Gefallenen aus diesem Anlaß vorn Kornpagnieführer erhielten, verdient hier rviedergegeben zu werden. Er lautet;! Sehr geehrter Herr Weil! Zu dem am 30. August erfolgten Tode Ihres Sohnes spreche ich Ihnen und Ihren Angehörigen mein aufrichtigstes Beileid aus. Möge das Bewußtsein, datz Ihr Sohn den Heldentod für unser Vaterland gefunden hat, ein Trost für Sie sein. Wir alle von der 9. Kompagnie werden das Andenken an Ihren Sohn stets >.n Ehren hakten. Immer frisch und munter, stets interessiert und hilfsbereit, war er allen Kameraden ein Vorbild. Selbst schon verwundet, sah ich am Morgen des 30. August noch, wie er nach dem Tode des Unteroffiziers das Kommando über den letzten geschlossenen Teil der Kompagnie übernahm und seinen Kameraden in der vordersten Linie Hilfe brachte. Für sein entschlossenes und mutiges Verhalten machte ich ihn noch deni Feldwebel namhaft als einen der nächsten, der zur Auszeichnung mit dem Eisernen Kreuz vorgeschlagen werden soll. Nun hat ihn noch am gleichen Tage die feindliche Kugel hinweggerafft, wie so viele seiner Kameraden. Ich weitz nicht, ob er es noch erlebt hat, datz der feindliche Angriff abgeschlagen wurde. Für uns Ueberlebenden mutz es jedenfalls ein Trost sein, datz er und seine Kameraden ihr Blut nicht umsonst vergossen haben. Nehmen Sie nochmals den Ausdruck meiner herzlichsten Anteilnahme an dem schweren Verluste entgegen. Hochachtungsvoll Oberleutnant und Kompagnie-Führer. Dr. v. Scholz

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