Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 40 (8.10.1914)
- Date
- 1914-10-08
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3020846-3022089-3022130--23497-3048699- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 40 Dr. Bloch's Wochenschrift Seit? 691 Der kgl. ung. Senatspräsident Dr. Isidor Baumgarten. Unter imposanter Teilnahme der politischen, wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Kreise wurde der pensionierte Senatspräsident an der königlichen Kurie Dr. Isidor Baumgarten vor einigen Tagen zur ewigen Ruhe bestattet. 'Die Trauerzeremonie ging im Palais des Ungarischen Juristenvereins vonstatten, vor dem zahlreiche Polizisten in Gala zur Aufrechterhaltung der Ordnung Aufstellung genommen halten. Der Sarg war in dem mit Trauerschmuck reich versehenen Festsaale des Vereins inmitten eines Waldes von Kränzen aufgebahrt. Um die Bahre standen die Familienangehörigen. Archer ihnen hatten sich zu dem Leichenbegängnis eingesunden: Justizminister Dr. Eugen v. Balogh, die Staatssekretäre Gustav v. Töry, Leopold Vadatz und Julius v. Rickl, der Präsident des Verwaltungsgerichtshvfes Julius v. Wlassics, der Präsident der königlichen Kurie Anton Günther und der zweite Präsident Bela v. Vavrik der Präsident der königlichen Tafel Franz v. Csatho, die Geheimen Räte Franz Szekely, Leo Lanczy und Josef Szterenyi, die Senatspräfidenten an der königlichen Kurie Nikolaus Rohrer,' Hugo Beck, Emil Zachar, Leo Zsitvay, Emerich Fittler, Josef Jstvanfsy, Johann Tarnay, der Präsident des Budapester Gerichtshofes Andor Juhatz, der Präsident des Strafgerichtshofes Georg Balogh, der Präsident des Gerichtshofes für den Pester Landbezirk Anton Felix unter Führung des Kronanw'altes Franz Pongracz die Mitglieder der Kronanwaltschaft, Oberstaatsanwalt Stefan Ezärän, der Ehef der Budapester Staatsanwaltschaft Alexander Kulin, der Präsident des Ungarischen Juristenvereins Franz Ragy, eine Deputation der Rotariatskammer, der Präsident des Landes-Baurates Alois Hautzmann, die Magnatenhausmitglieder Wilhelm v. Ormody und Franz Ehorin. in Vertretung der Hauptstadt Bürgermeister Dr. Stefan Barczy und Magistratsrat Harrer, die Universitätsprofessoren Heinrich Marczali, Adolf Doleschall, Rutztem Vambery und Geza Magyari, die Ministerialräte Karl Szladits, Julius Tecfy, Stefan Szalay und Ignaz Reiner, der Richter am Verwaltungsgerichtshose Nikolaus Szücs, Großindustrieller Manfred v. Weiß, Hofrat Bela Veith, Direktor der österreichischen Staatsbahnen, Korne! v. Tolnay, Direktionspräsident der ungarischen Staatsbahnen, Sanitätsrat Dr. Samuel Löw, der Präsident des Patentsenats Rudolf Schuster, in Vertretung der Advokatenkammer Präsident Hofrat Ignaz Brüll, Vizepräsident Hofrat Josef Papp und Anwalt Dr. Marzell Baracs, Reichstagsabgeordneter Dr. Aladar Szekely, der Präsident des Landesvereins der Richter und Staatsanwälte Karl Erecsak, ferner Karl Edvi-Jlles, Dr. Sigmund Gyomani u. a. Die Zeremonie vollzog Rabbiner Dr. Simon Hevesi, der dem Toten einen ergreifenden Nachruf widmete. Nachdem der Ehor des Tempels in der Dohanygasse einen Trauerchoral gesungen hatte, nahm Geheimer Rat Franz Ragy ini Namen des Ungarischen Juristenvereins von dem Verewigten Abschied. Hieraus wurde der Sarg, gefolgt von der Trauergemeinde, in den Kerepeser Friedhof überführt und dort beigesetzt. Jüdische Feiertage im Felde. Ein Frankfurter Landwehrmann gibt in der „Frkf. Ztg." Mitteilungen über Feiern der hohen israelitischen Feiertage, Neujahr und Versöhnungstag, die sich an vorauSgegangene Kämpfe und Strapazen aller Art anschlossen: Für uns Krieger war nach den großen Aufregungen der letzten Wochen eine Stunde der Erbauung geradezu zum Bedürfnis geworden. Bereitwilligst gestattete uns unser Kompagnieführer, am Neujahrsfeste einen Gottesdienst abzuhalten. Eine größere Anzahl jüdischer Landwehrmänner fanden sich in einem Zimmer zu einer kurzen, erhebenden Andacht zusammen. Ein Frankfurter Lehrer hielt eine Ansprache, in der er auf die Bedeutung des Tages unter ganz besonderer Berücksichtigung der,gegenwärtigen Verhältnisse hinwies. Seine mit Begeisterung vorgetragenen Worte machten tiefen Eindruck. Am nächsten Tage führte uns unser Weg nach der Höhe von Provencheres (Dep. Vosges), wo wir acht Tage blieben und Gelegenheit hatten, uns am Versöhnungstage wieder zum kurzen Gottesdienste zusammen zufinden. Diesmal war es ein Waldgottesdienst eigener Art. Wir standen am Abhange eines Waldes, umgeben von hohen Fichten, vom Fuße hörten wir das Plätschern eines kleinen Baches, die Sonne sandte ihre Strahlen durch die Bäume, um uns herum aber dröhnte dumpf der Donner der Geschütze. Ergriffen lauschten wir den Worten unseres Vorbeters. Gerade im Augenblick, als das Kaddischgebet gesprochen wurde, sausten über unsere Köpfe vier feindliche Granaten hinweg. Wir faßten sie als Ehrensalut für die gefallenen Kameraden auf. Die Trauerfeier für Geheimrat Erzellenz Herz. In dem stillen Patrizierhause in der Dorotheenstraße 2 fand die Trauerfeier für den im L2. Lebensjahre dahingeschiedenen Ehrenpräsidenten der Berliner- Handelskammer, Wirkt. Geheimrat Wilhelm H e r z, statt. Der schlichte, dunkle Sarg war über und über mit Rosen und Lilien bedeckt. In Vertretung des Kanzlers war Geh. Regierungsrat v. Oppen erschienen. Sämtliche Minister, soweit sie in Berlin anwesend sind, nahinen an der Feier teil. Die Stadtverwaltung war durch Oberbürgermeister Wer m u t h, die Stadtverordnetenvorsteher sowie zahlreiche Stadtverordnete vertreten. Die Mit glieder der Handelskammer hatten sich mit ihrem Präsidenten F. von M e n d e l s s o hn fast vollzählig eiligefunden. Ehorgesang leitete die Feier ein. Die Gedächtnisrede hielt Rabbiner Dr. Weiße. Die Beisetzung erfolgte in der Familiengruft auf dem alten jüdischen Friedhof in der Schönhauser Allee. Der Kaiser sandte aus dem Großen .Hauptquartier folgendes Beileidstelegramm an die Handelskammer: »Leine Majestät der Kaiser haben die Meldung von dem Hinscheiden des hochverdienten und von Allerhjöehstihnen hochgeschätzten früheren Präsidenten der Handelskammer, Exzellenz Herz, mit Bedauern entgegengenommen und lassen Euer Hochwohlgeboren ersuchen, der Berliner Handelskammer und den Hinterbliebenen des Verewigten Allerhöchstihre wärmste Teilnahme auszusprechen.« v. Valentin!. Der Reichskanzler v. B e t h m ann - Holl w e g telegraphierte : »Eurer Exzellenz gestatte ich mir meine herzliche Anteilnahme an dem schweren Verlust auszusprechen, den Lie durch das Hinscheiden Ihres auch von mir aufrichtig verehrten Herrn Gemahls erleiden, ln ihm verliert nicht bloss der gesamte Handelss'and einen vorbildlichen Vertreter, sondern auch unser öffentliches Leben eine führende Persönlichkeit von seltener Tatkraft und Lauterkeit, für deren reichgesegnetes Wirken die Wohlfahrt des Vaterlandes stets oberste Richtschnur gewesen ist.« In dem Schreiben des Fürsten v. Bülow heißt es: »Manches Mal hin ich mit ihm, dem immer Jugendlichen, im Tiergarten geritten und habe mich an seinen Erzählungen aus langer Vergangenheit gefreut. Er hatte das alte Berlin Friedrich Wilhelm III. gekannt, hatte Friedrich Wilhelm IV. bei seinem Einzug in Berlin eingeholt, hatte die grosse Zeit von 1870 erlebt, und nun war er noch Zeuge des Heldenmuts, mit dem unser Volk gegen eine Welt von Feinden kämpft. Ein reiches Leben ist zum Abschluss gelangt.« Der Vizepräsident des Staatsministeriums, Dr. D e lb r ü ck, telegraphierte: »Hern weiteren Kreise seiner Berufsgenossen und Mitbürger, denen sein öffentliches Wirken galt, hinterlässt der teure Entschlafene ein leuchtendes Vorbild von unermüdlicher Pflichttreue, Tatkraft und Vaterlandsliebe, dem engeren Kreise seiner Freunde aber wird seine edle Persönlichkeit, seine tiefe Herzens- und Geistesbildung und seine r ie versagende Menschenliebe für immer unvergesslich sein.« .Handelsminister Sydow beklagt mit herzlichen Worten den „schweren Verlust, den mit der Handelskammer zu Berlin, an deren Begründung er lebhaften Anteil nahm und der er mit reichem Erfolg länger als ein Jahrzehnt Vorstand, die gesamte deutsche Kaufmannschaft durch den Heimgang des vortrefflichen Mannes erleidet". Ferner brachten von den Mitgliedern des Staatsministeriums ihre Teilnahme zum Ausdruck die Staatsminister Beseler, v. Breitenbach, Staatssekretär