Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 40 (8.10.1914)
- Date
- 1914-10-08
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3020846-3022089-3022130--23492-3048694- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
'Jlc. 40 Seite 686 Dr. Bloch s schied, von demselben in den Kopf getroffen, auf der Stelle. Ein Bruder des Gefallenen, Dr. Fritz B a d e r l e in Göding, erhielt die Kunde durch einen Landsmann, Herrn Louis Goldschmidt, der an ihn ein Schreiben richtete, in dem es heißt: „Im Felde, am 13. September 1914. Lieber Herr Doktor! Hiermit erfülle ich die traurige Pflicht, Sie davon zu verständigen, daß Ihr liebwerter Bruder Alfred Baderle, Leutnant des Landsturminsanterieregiments Nr. 25, gestern in den Abendstunden in einem Gefecht als braver, tapfere r Held und aufopfernder Soldat gefallen ist. Ich halte es für meine ernste Pflicht, in erster Linie Sie zu verständigen, und bitte Sie, die traurige Botschaft an Ihre armen Eltern weiterzuleiten. Ich habe mich bemüht, die Leiche so beerdigen zu lassen, daß Lie betreffs derselben eventuell Ihre Verfügungen treffen können. Unser Herr M i l i t ä r s e e l s o r g e r wird nach Eintreffen Ihrer Verfügung in Ihrem Sinne beim Rcgimentskommando disponieren. Empfangen Sie und alle Ihre Familienmitglieder mein tiefgefühltes Beileid. Ihr ergebener Louis G o l d f ch m idt, derzeit k. k. RUO. 6/25. Landfturmkompagnie, Feldpost 6." Von besonderem Interesse ist eilt Brief des katholischen M i l i t ä r sc e l so r g e r s an die Familie des gefallenen Offiziers, der jüdischer Konfession war. Man kann dem Schreiben sicherlich nur mit tiefem Mitgefühl entnehmen, mit welcher milden und ruhigen Gesinnung dieser Militärseelsorger sich im steten Gedanken an die Eltern des gefallenen jüdischen Offiziers und die würdige Bestattung der Leiche und um die Sicherung für etlvaige spätere Dispositionen der Familie bemühte. Der Brief ist vom 13. September datiert und hat folgenden Wortlaut: „K. k. katholische Militärfeelsorge des Landsturm- Infanterieregiments Nr. 25. Euer Wohlgeborcn! Tie Leiche des Herrn Leutnants Baderle wurde auf dem katholischen Friedhof zu Zaleszany bei Rzeszow in Galizien begraben. Das Grab ist mit einem Grabstein bezeichnet. Das katholische Pfarramt in Zaleszany kann die bezügliche Exhumierung erwirken. Die Militärfeelsorge des genannten Regiments kann den Totenschein auf Verlangen zu jeder Zeit ausfertigen. Die Kosten für das Begräbnis hat der Leutnant A. L a t n e r des Landsturm- Infanterieregiments Nr. 25 bei uns erlegt, und zwar aus Liebe zu dem Seligen. Empfangen Sie mein tiefstes Beileid mit der Versicherung, daß das Andenken an den Seligen nicht nur bei uns Offizieren, sondern auch bei der Mannschaft, die den D a hin g e s ch i e d e n en b e s o n d e r s l i e b t e, ein dauerndes und ehrendes bleiben wird. Hochachtungsvoll Regiments-Feldkurat Dr. v. K r o n u s." Heldentat eines Fähnrichs. Auf dem südlichen Kriegsschauplatz hat sich der Fähnrich Emil Löwy vom Infanterieregiment Nr. 102 durch seinen Heldenmut ausgezeichnet. Als bereits sämtliche Offiziere seiner-Kompagnie gefallen waren, übernahm er das Kommando über diese und erstürmte eine Höhe. Das heftige Artilleriefeucr zwang ihn, die Höhe wieder aufzugeben. Als er aber Verstärkungen erhielt, erstürmte er neuerdings den Hügel und behauptete denselben. Löwy wurde für seine Heldentat vom Korpskommandanten belobt und für eine kaiserliche Auszeichnung vorgeschlagen. Wochenschrift Ein tapferer Budweiser Jude. Der in einem Spitale des Roten Kreuzes befindliche Artilleric-Reservezugsführer Karl W e i ß köpf, Sohn des Tcmpcldieners der israelitischen Kultusgemeinde in Budweis, wurde mit der silbernen Tapferkeitsmedaille zweiter Klasse ausgezeichnet. Zugsführer Karl W e i ß k o p f war mit seinem Artillerieregimente auf den serbischen Kriegsschauplatz abgerückt. Am 17. August hatte er unter Kommando des Leutnants Schuster mit zwei Geschützen einen Jnfantericangrisf gedeckt. Das Feuer der zwei Geschütze bewirkte, daß unsere Infanterie übermächtige serbische Kräfte warf und eine starke Befestigung stürmte. Anr 19. August mußten zwei Batterien des Regimentes auf dem serbischen Artillerieschießplätze bei W. auffahren, um eigene, von Serben umfassend angegriffene Infanterie zu decke,:. Die eine Batterie war auf einer Kuppe aufgefahren und überschoß die serbische Infanterie mit so heftigem Feuer, daß die österreichische Infanterie ohne Verluste zurückgehen konnte, während die Serbe:: schwere Verluste erlitten. Daraufhin wurde jedoch die Batterie von schwerer serbischer Artillerie ins Kreuzfeuer genommen und erlitt selbst schwere Verluste. Zugsführer Weißkops wurde zuerst von einer Granate gestreift und zu Boden geschleudert; er erhob sich und feuerte wieder das Geschütz ab. Gleich darauf umgab ihn ein Feuerstrahl, eine Granate hatte ihn und den neben ihn: stehenden Leutnant Schuster getroffen; dieser sank tot, Zugsführer Weißkopf schwerverletzt zu Boden. Als er aus der Betäubung erwachte, erhob er sich und sah die Serben auf 50 bis 60 Schritt -entfernt herankommcn. Er nahn: die Verschlußstücke der Geschütze mit und eilte in ein nahes Gehölz, wo ihn die Besinnung verließ. Später fanden ihn Soldaten und brachten ihn auf den Verbandsplatz. Die Geschütze sind den Serben nicht in die Hände gefallen, da die Oesterreicher unterdessen wieder vorge- .rückt waren und die Serben geworfen hatten. Zugsführer Weiß ko Pf hatte zwölf schwere Flcischwunden aufzuweisen. Er befindet sich auf dem Wege der Besserung. Auch mehrere andere Kameraden desselben Rcgimeutes wurden mit Auszeichnungen bedacht. Tapferkeitsmedaille. Kadett i. d. R. Paul B e r m a n n, ein Sohn des Herrn Josef B e r m a n n, Mitchefs der Firma Ignaz und Wilhelm Brieß, Olmütz, im k. k. Landwehrulanenregin:ent Nr. 4, wurde für fein tapferes Verhalten vor dem Feinde in der Schlacht bei Kraßnik mit der silbernen Tapferkcitsmedaille 1. Klasse ausgezeichnet und zum Fähnrich ernannt. Fähnrich Paul B e r m a u n hat die mit der Medaille verbundenen lebenslänglichen Bezüge der Mannschaft der 5. und 6. Eskadron seines Regimentes gewidmet und bestimmt, daß der Betrag jeweilig am 24. August, den: Tage der Schlacht bei Kraßnik, zur Verteilung gelangt. Das Eiserne Kreuz. Den: Berliner Rechtsanwalt Dr. Alfred Apfel, der als Vizefeldwebel der Reserve bei einem Jnfanteriereginii'iit an den Kämpfen im Westen teilgenommen hat, ist für besondere Tapferkeit das Eiserne Kreuz verliehen worden. Rechtsanwalt Dr. Apfel, der zu den jüngeren Anwälten Berlins gehört, ist in der letzten Zeit in größeren Strafprozessen als Verteidiger hervorgetreten. - In jüdischen Kreisen ist er bekannt durch seine Tätigkeit in den Jugendvereinen als Vorsitzender des Verbandes. F r a n k e n b e r g (Hessen). Unter beit in: gegenwärtigen Kriege zuerst mit den: Eisernen Kreuz Ausgezeichneten, und zwar für bewiesene Tapferkeit bei der