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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-10-08 · 40 (8.10.1914) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
40 (8.10.1914)
Date
1914-10-08
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Sette 684 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 40 und Gut, ihren Leib und ihr Leben mit diesem Reiche idem tifiziert, wenn es irgendein Volk gibt, das Stunde um Stunde, in jedem Atemzuge den Sieg für die Waffen Oesterreich-Ungarns herabfleht, so ist es das Volk der Juden. Denn nur mir lähmendem Entsetzen, mit einem Schrecken, der keine Worte kennt, vergleicht inan ihr mildes Geschick unter dem Szepter der Habsburger mit dem unserer Brüder unter dein der Romanow, nur mit einen: tiefen Aufstöhnen der Seele wagt man es zu fürchten, daß unseren Juden in Galizien dasselbe Schicksal werden könnte, wie ihren Brüdern in Rußland. Nach diesem Kriege, der so viele unserer Brüder vorläufig um ihren Besitz gebracht hat, wird man sich ihrer aller erimrern, aber jeder einzelne muß vor sich selbst auf der Hut sein. Unnütze Klagen können nur verderben, was die Opfer einbringen würdet:. Links und rechts nn:stehen uns viele, die in diesem Examen durchzufallen fürchten, belauschen unsere Worte, tragen sie herum, vergröbern und erzählen, daß die Juden den Mut sinken lassen urrd die Stimmung in der Bevölkerung verderben. Wir wissen, daß alle Juden gerire ihr Letztes hingeben würden, um uns den Sieg über die Russe:: zu sichern. Wir wissen, daß es nicht ihre Reden, sondern ihre niedergeschlagenen Mienen sind, welche die Stin:mu::g in: Lande dämpfen, uiid darum soll jeder voll männlicher Zuversicht in die Zukunft blicken. Es ist Krieg. Unser aller Leben, unser aller Hab und Gut ist eingesetzt in diesem gewaltigen Ringen u:tb niemand hat ein Recht, zu klagen vor der letzten stunde der Entscheidung. Und diese Entscheidung wird uns den Sieg bringet:, weil wir alle ihn wollen. H. I—St. Vom Aabrmarkr des Lebens. D,ie jüdischen Soldaten im russischen Heere. Im russischen Heere stehen rund 400.000 Judei:. Der russische General Konwratjew hat in einen: Befehl über die jüdischen Soldaten .gesagt: „Die in meiner Kolonne stehenden jüdischen Soldaten haben sich ausgezeichnet bewährt und sich durch oft gezeigte Unerschrockenheit und Intelligenz in: Erfasser: des Dienstes hervorgetan." Die Kolonne des Generals Konwratjew umfaßt Soldaten, die aus russischer: Gegei:den stammen, in denen die Pogroms, die die sogenannten „wahrhafter: Russen" gegen die Juden inszeniert, zur Tagesordnung gehören. Vor Wochen hatten sich die Vorstände der russischen Juden um die Erlaubnis bemüht, daß es den dienstfreien Juden im Felde, wenn ein Ruhetag stattfindet, gestattet werde, gemäß ihrer Religion die höchsten Feiertage durch Gebete feiern zu dürfen. Die Bitten wurden abgelehnt. .Zynisch wurde der Ablehnung des Gesuches für die israelitischen Soldatei: hinzugefügt, „daß ein Ruhetag im Felde zugleich der russischen Staatskirche zu dienen hat und die jüdischen Soldaten dem Feldgottesdienst der russischen Staatskirche beirvohnen können". So Haber: die dienstfreier: Inder: im Felde am Ruhetag des 21. September, um ihrer: religiösen Gefühlen Nachkommen zu können, den Rubel rollen lassen. Nur so war es möglich, daß eine Anzahl Inder: vor: den Empfär:gern der Rubel kommandiert wurde, auf dem Felde, wo gesterr: noch gekämpft wurde, die an dem Tage gefallenen Russen zu beerdigen, um nach dieser Arbeit unbemerkt in einer halbzerschossenen Scheune zusammenzukornmer: und zu beten. Eine Haferkiste wurde in der Mitte aufgestellt, darüber wurde ein Gebetmantel gebreitet, der: ein Soldat vorsichtig aus dem Tornister holte. Aus diesen: Tornister kam auch ein Gebetbuch für die Festtage des betreffenden Soldaten, der in Rowno Dorfgeher rvar und zugleich bei der kleinen Judengemeinde das Amt eines Vorbeters versah. Andächtiger, inniger ward wohl selten von Juden gebetet, als vor: der Schar jüdischer Soldaten in der halbzerschossener: Scheune auf dem Schlachtfelde vor: gestern. Manche Träne floß während des Gebetes; sie dachten an das Schicksal der Juden, an Frau und Kinder in der Heirnat. Noch! waren die letzter: Worte r:icht verklungen, als der Kanonendonner der: Beginn einer neuer: Schlacht einleitete. Es verschwandet: die Gebetbücher in der: Tornister und hinaus stürmten die Soldatei:, die vor wenigen Minuten so warme Gebete zum Himmel emporsendeten. Das neue Jahr hat für die Juden, die im Felde kämpfen, mit Gebet unter Schlachtendonner begonnen. Ueber das Verhalten der jüdischer: Soldaten in: russischen Heere "sprechen deutsche Kriegsberichterstatter mit großer Anerkennung. Wilhelm Dü well, Kriegsberichterstatter des Berliner „Vorwärts", meldet: „Der Inspektor eines großer: Gutes bei Gerdauen, eir: Urgermane vor: Ansehen und nach seiner: Aeußerunger: Antisemit, erklärte: „Die Russen haben sich hier gut ausgeführt; durch Anständigkeit ur:d Sauberkeit zeichnen sich ganz auffallend die Juden aus." Dieselbe Beurteilirrig' vernahm ich in verschiedeneii andereri Orten, vornehmlich in Nordenburg, wo ich Männer und Frauen darüber befragte." Ein anderer Berichterstatter schreibt: „In der Nähe vor: Gerdauen liegt das Schloß des Herr,: v. Jansen, des reichster: Mannes der Urngegend. Gerdauen ist rncht mehr, alles ausgebrannt vor: den Russen. Dieser Mann, der alle die Greueltaten der vertierten Mensche:: miterlebt hatte, sagt: „Die einziger:, die nicht plünderten und sich gut benähmen, waren die jüdischer: Soldaten, sie mögen manches vor: ihrer: Kameraden zu leiden haben." Auf der ganzen Straße vor: Gerdauen bis Nordenburg ist alles vernichtet. In M. fand der Berichterstatter Don der: 2500 Einwohnern noch 300. In einem Nachbarhause waren russische Verwundete untergebracht, die zurr: Teil vor der Tür saßen und stander:. Die jüdischen Soldaten, die aus dem Kownoschen Gouvernement stammten und schon durch ihr Aeußeres in Uniform und Haltung vorteilhaft von der: übrigen abstachen, sprachen sämtlich deutsch und berichteter: viel Interessantes. Unter schlechter Behandlung hätten sie rncht zu leider: gehabt, wohl aber unter mangelhafter Verpflegung; als ich ihnen vor: dem jgutei: Urteil des pben erwähnten Verwalters erzählte, sagte einer vor: ihnen: „Nein, wir haben nie etwas genommen. Wenn wir Hunger hatten, sind wir ir: den Dörfern stets zrr der: Geistlicher: gegangen und baten auf deutsch urr: etrvas Brot, und stets wurde unsere Bitte erfüllt." Die Kriegsberichterstatter des „Berl. Tageblattes" und der „Halberstädter Ztig." melden übereinstimmend: „Ich muß hier wieder die Juden nennen, die sich nach allen, auch militärischen Berichten vor: jeder Plünderung freigehalten." Begnadigung jüdischer Kriegsgefangener durch Kaiser Wilhelm. Nach einer Berliner Depesche ar: die Zeitung „Az Est" hat Kaiser Wilhelm die in Kriegsgefangenschaft geratenen russisch-jüdischen Soldaten — etwa 60 an der Zahl — am israelitischen Neujahrstage begnadigt. Eine Deputation der Berliner Kultusgemeinde überbrachte in Begleitung mehrerer hoher Militärs den jüdischen Kriegsgefangenen am Vorabend des Neujahrstages die Freudennachricht. Ein Dolmetsch teilte ihnen in: Jargon mit, daß der deutsche Kaiser ihnen die Freiheit wiedergebe. Lange wollten die Juden die Freudenbotschaft nicht glauben, da man ihnen zu Hause gesagt hatte, daß, wer in deutsche Gefangenschaft gerat, geköpft würde;

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