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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-09-28 · 39 (28.9.1914) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
39 (28.9.1914)
Date
1914-09-28
Page
– (sequence 10)
Language
German
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MBBrasa Sette 670 ... Dr. Vloch's und Nässe. Wir kennen die beiden, es sind der Krakauer Advokat unk) seine Frau, doch heute gibt's keinen Freitagabend mit Lichterschmuck und Festgesang. Nach langem, langem Warten halten sie endlich die Marken in der Hand, die das Dach über dem Haupte und ein frugales Mahl am Tische der jüdischen Volksküche bedeuten. Wie wenig und doch — sicher — wie viel! Wie viel Arbeit und freiwilliger Dienst der Braven der Fürsorgekommission, wie viel Mitleid guter Herzen, wie viel Spenden offener Hände waren nötig, um jedem der vielen Tausende. von Flüchtlingen über die bitterste Not des Tages zu helfen. Und sicher, mancher bettelfrohe Wandcrschnorrer fühlt sich königlich versorgt und denkt an weit schlimmere Tage zurück. Aber unser Freund und seine liebe, gastfreundliche Hausfrau? O, ihr jüdischen Männer und Frauen von Wien, ihr alle, denen das Judentum tiesinniger, gehüteter Besitz ist, und ihr, die ihr trotz religiöser Gleichgiltigkeit ja doch das Gefühl des „Zusammengehörens" habt, öffnet doch euer Haus, rückt einen Stüh! an den gedeckten Tisch, richtet den Platz für den fremden Bruder und sprecht das uralt heilige Väterwort: „Wer hungrig ist, der komme und esse mit uns!" Schaut tticht auf das Kleid, lest nur im Blick, fragt nicht nach dem Namen, seht nur den Gram im Gesicht! — Sicher, die Kommissionen walten ihres Amtes, die Spenden wehren sich, für die Zukunft sorgt der Staat; doch laßt euch nicht dies beruhigen, für heute und morgen tut Hilfe not, erspart dem Hungernden die Demütigung des Bettelns, es ist ja nicht für lange, nur für wenige Tage, bis der andere sich wieder gefaßt, gesammelt, sein Geld flüssig gemacht hat. Schämt euch der weichen Regung nicht, geniert euch doch nicht vor dem Nachbar und der Jourfreundin; geht hinaus auf die Straße, zum Ausgang des Bahühofes, und wenn der Arme ängstlich zu fragen beginnt, unkenntlich des Weges in der großen, fremden Stadt, nehmt ihn bei der Hand und sprecht: „Morgen oder übermorgen führe ich euch zu euren Landsleuten, zur Kommission, heute seid mein Gast!" Es muß ja so geschehen, denn wie könntet ihr euch sonst ruhig daheim zu Tische setzen, wenn ihr an die langen Bänke der Volksküche denkt; wie könntet ihr euch eurer Kinder freuen, wenn ihr auf der Straße die weinenden Buben und Mädel gesehen; wie könntet ihr ubends zu Bette gehen und wißt doch, jene stehen mit Sack und Pack auf der Straße, ohne Rat und Freund, kaum der Sprache mächtig, um vom Vorübergehenden den Weg zu erfragen! O, ich weiß, wir sind vielleicht sonst spottsüchtig und oberflächlich, halten uns wohl gern durch schnelle Spende den Anblick des Elends fern; aber der rauhe Atem dieser Zeit weht allen Staub der Selbstsucht weg, und wo in diesen Tagen in ji'idischem Hause der Tisch gedeckt wird, wo Vater und Mutter und Kinder sich der Sicherheit des, wenn auch noch so bescheidenen, Heims erfreuen, da wird sich weit die Türe öffnen, daß der Lichtschein auf die Straße fällt, und den: zögernden Gast wird herzerfrcuend entgegentönen: „Wer hungrig, ist, der komme und esse mit uns, und wer verlassen und irrend und schweifend ist, der vergesse mit uns durch ein paar Stundet: Elend und Sorge und Fremde." M a l v i n c F r i e d m a ir n. Eine schöne Tat des ungarischen Roten Kreuzes. Aus Budapest wird uns geschrieben: Die Zentraldirektion der Ungarischen Gesellschaft vom Roten Kreuze, welche in diesen letzten Wochen so viele herrliche Beweise jüdischen Opfcrsinnes erhalten hat, bekundete auch ihrerseits eine errvähnenstverte Berücksichtigung der jüdischen Soldaten. Die Zentraldirektion der Ungarischen Gesellschaft vom Roten Kreuze hat nämlich an alle jene Spitäler, Sanatorien und Genesungsheime, in welchen Wochenschrift Nr. Lv verwundete Soldaten gepflegt werden, im Wege eines Zirkulars das Ersuchen gestellt, daß dafür gesorgt werde, daß die jüdischen Soldaten anläßlich der hohen Feiertage rituelle Kost erhalten. Die einzelnen jüdischen' Gemeinden haben es übernommen, dafür zu sorgen, daß den verwundeten jüdischen Soldaten eine rituelle Kost unter Berücksichtigung der ärztlichen Anordnung auch wirklich zur Verfügung stehe. Die Ungarische Gesellschaft vom Roten Kreuz betont in ihrem Rundschreiben, daß die erwähnte Anordnung die Genesung der Verwundeten zu fördern geeignet ist und daß es zur Besserung des Allgemeinbefindens der Soldaten in starkem Maße beiträgt, wen:: es ihnen ermöglicht wird, in diesen schweren Zeiten die Vorschriften ihrer Religion zu befolgen. Jüdische Feldseelsorger. Wie ein ungarisches Blatt aus amtlicher Quelle erfährt, wurden bis jetzt für die österreichisch-ungarische Armee 21 jüdische Feldseelsorger ernannt. Der deutsche Kaiser hat bis nun 6 jüdische Feldrabbiner ernannt, unter denen sich auch der Frankfurter Rabbiner Doktor Nobel befindet. Kriegsfürsorge der israelit. Kultusgemeinde in Agram. Aus Agram wird uns geschrieben: Die exponierte geographische Lage der Stadt Agram bringt es mit sich, daß der Krieg an diese Gemeinde hinsichtlich der Fürsorge ganz besondere Anforderungen stellt. Die hiesige israelitische Kultusgemeinde hat denn auch ihre Pflicht erkannt und eine Kriegsfürsorgeaktion auf breiter Grundlage eingeleitet. Die Agramer Blätter konstatieren dies in Begleitung verdienten Lobes und weisen daraus hin, daß die kroatischen Juden ihren Patriotismus in glänzender Weise betätigen, und daß sie sowohl an der allgemeinen wie auch an der von der Kultusgemeinde inaugurierten speziell jüdischen Fürsorgetätigkeit in überaus reichem Maße teilnehmen. Ein jüdisches Hilfskomitee in Amsterdam. Ueber Initiative der zionistischen Organisation in Amsterdam hat sich daselbst ein Hilfskomitee gebildet, welches die Aufgabe übernommen hat, jüdische Flüchtlinge und jüdische Verwundete, welche nach Holland verschlagen werden, in Schutz, bezw. Verpflegung zu nehmen. Das Exekutivkomitee dieser Hilfsorgauisation hat bei -den Zügen und am Hafen einen Permancnzdienst eingerichtet, um allen jüdischen Ankömmlingen, welche der Hilfe und Führung bedürfen, hilfreich zur Seite zu stehen. Auszeichnung des bulgarischen Groszrabbiners. Aus Sofia wird geschrieben: Anläßlich der Abreise des bisherigen bulgarischen Großrabbiners Dr. Ehrenpreis auf seinen neuen Posten nach Stockholm sandte die bulgarische Königin ihren Privatsekrctär zum Großrabbiner, um ihm und seiner Familie die besten Wünsche für die Reise zu überbringen und Dr. Ehrenpreis ein Porträt der Königin zu überreichen. Der König betraute den Hofmarschall General Sawof mit der Mission, dem Oberrabbiner die Insignien des Zivilverdienstordens 2. Klasse zu übermitteln und ihm die besten Wünsche des Königs zu überbringen. Der Dolmetsch des Generalstabes. ' Elias Kaldor, der ehemalige Chef der Adrianopter Filiale der deutschen Orientbank, hat in früheren Jahren ausgedehnte Reisen in Rußland, im Kaukasus, in der asiatischen Türkei und in Armenien gemacht. Auf seine:: Reisen und im Wege des Privatstudiums hat er sich die Kenntnis von 17 Sprachen angeeignet. Er war

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