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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-09-28 · 39 (28.9.1914) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
39 (28.9.1914)
Date
1914-09-28
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Ni. 39 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 665 Eichen, mit der sie die Wälder ihrer Kolonien zu pflaiizen im Brauche haben, jäh und blitzartig durch den Tod gefällt worden. Er ist hingesunken in einer furchtbaren, großen, schicksalsdunklen Zeit, auf dein (Gipfel seines national befliffcitcu Aufstieges und hat eine breite Lücke in die Führung seiner Organisation gerissen. Auch dem Fernerstehenden hat er den Reiz und die Anziehung einer machtgebietenden, sieghaften Persönlichkeit hinterlassen, und das Judentum leidet tief, wenn es solche Männer, wo auch immer sie stehen mögen, in der Fülle ihres Schaffens, in der Blüte ihres Lebens und Strebens verlieren, ihren Heimgang beklagen muß. Wien, am 18. September 1914. Dr. H einri ch 2 ch reib er. Der letzte Gruß des Abgeordneten Dr. Ludwig Frank. Die „Frankfurter Zeitung" veröffentlicht den nachstehenden letzten Brief des sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten Dr. Ludwig F r a n k, der bekanntlich dieser Tage auf dem Felde der Ehre den 4od fürs Vaterland gestorben ist: Mannheim, 23. August 1914. Liebe Freundin! Meinen freien Sonntag Mittag verbringe ich am Schreibtisch in meiner Wohnung. Ich bin in der Kaserne einguartiert und schlafe aus dem harten Feldbett wie tnein Stammvater Jakob „zu Häupten den Stein", traumlos von 10 bis 5 und manchen Morgen auch bis 4 Uhr; der Trompeter weckt mich. Die Strapazen der Felddienstübung und des Marsches ertrage ich mühelos. Ich bin froh darüber: das Blut für das Vaterland fließen zu lassen, ist nichf schwer und umgeben von Romantik und Heldentum. Ein viel größeres Opfer ist es, täglich den Schweiß unter dem Drucke des Tornisters zu vergießen und stündlich auf tausend Selbstverständlichkeiten von Reinlichkeit und Bequemlichkeit zu verzichten, an die man jetzt wie an ein weit zurückliegendes Land denkt. Aber der Körper ist wirklich der Knecht der Seele. Der feste Vorsatz, sich einzuordnen und auch in kleinen und kleinlichen Pflichten das große Ziel nicht aus dem Bewußtsein zu verlieren, hilft über alle Hemmnisse hinweg. Wir warten täglich auf den Ruf vom Regiment Nr. 110, das die letzten Kämpfe bei Mühlhausen und Metz mitgemacht hat und dessen Lücken wir ausfüllen sollen. Ich stehe in der Front wie jeder andere, ich werde von allen (Mannschaften wie Offizieren) mit größter Rücksicht (protzig ausgedrückt: Ehrerbietung!) behandelt. Aber ich weiß nicht, ob auch die französischen Kugeln meine parlamentarische Immunität achten. Ich habe beit sehnlichen Wunsch, den Krieg zu überleben und dann am Jnnenbau des Reiches mitzuschaffen. Aber jetzt ist für mich der einzig mögliche Platz in der Linie in Reih' und Glied, und ich gehe wie alle anderen freudig und fiegesficher. Der Gedanke an meine Eltern ist schmerzlich. Sie wissen, wie sehr ich an ihnen hänge. Aber ich habe schon mehr als einmal in entscheidenden Augenblicken meines Lebens ihnen weh tun müssen, und ich kann es nicht bereuen. Als ich vor elf Jahren mich öffentlich zur sozialdemokratischen Partei bekannte und damit manche Brücken hinter mir abbrach, zerstörte ich sicherlich manche Hoffnungen meiner guten, braven Eltern —- aber ich mußte mir mein eigenes Leben zimmern, und jetzt geht cs ja um mehr! Nicht um die bürgerliche Existenz, sondern vielleicht uni das Leben. Das Hutten-Lied wird die Jahrhunderte hindurch immer wieder erlebt: Ob auch die Mutter weint, Daß ich das Ding Hab' fangen an. Ich hab's gewagt. Die unerschöpfliche Güte und Liebe der beiden wird Ihnen und mir über dies innere Hemmnis hinweghelfen. Jetzt also — b'hüt Ti Gott! Ihr treu ergebener Ludwig F r a n k. Die Feldadresse folgt, sobald ich sie kenne. Eingesendet. Sehr geehrter Herr Redakteur! Gestatten Sie freundlichft, daß ich der durch ein „Eingesendet" in der jüngsten Nummer Ihrer sehr gesch. „Wochenschrift" angeregten Kritik über den von den jüdischen Damen in der gegenwärtigen Kriegszeit zur Schau getragenen Kleiderluxus ein wenig näher trete. Vor allem eine Vorbemerkung! Es ist eine spezifisch österreichische Eigenschaft, an heimischen Vorgängen und Zuständen rücksichtslos Selbstkritik zu üben und damit “ bei scheelsüchtigen Nachbarn Geringschätzung unser selbst ' hervorzurufen sowie deren eigene Ueberhebung zu nähren. Diese österreichische Bereitschaft zur Strenge gegen sich selbst 'dürste nicht wenig dazu beigerragen haben, unsere " Feinde in dem Wahne zu bestärken, daß sie mit Oesterreich leichtes Spiel hätten, und unsere eigene Verkleinernngssucht hat ohne Zweifel den Größenwahn der Russen, Engländer und Franzosen recht üppig in die Höhe schießen lassen. Ist dies nun ein allgemein österreichischer und wienerischer Fehler,' so sind wir österreichischen und Wiener Juden demselben erst recht ganz und gar verfallen. Wir nehmen jede Gelegenheit wahr, uns selber tüchtig die Wahrheit zu sagen, halten mit der Kritik, sei sie nun Bespöttelung oder Entrüstung, nicht lange hinter dem Berge und greifen jede noch so oberflächliche Bemerkung von gegnerischer Seite eifervoll auf, um unseren Glaubensgenossen ja nichts ungerügt hingehen zu lassen. So geschieht dies jetzt wieder mit der Tatsache, daß jüdische Frauen, die von den Ereignissen aus Kurorten und Sommerfrischen nach Wien zurückgetrieben wurden, es wagten, die herrlichen Spätsommertage in Kaffeehausgärten zu verbringen und dabei ihre doch schon vor dem Kriege angeschafften, für normale Zeiten berechneten Kleider anzulegen. Diese „aufgedonnerten überladenen Weiber" tragen nun in ihrer Art, gerade durch den Kasfeehausbesnch, dazu bei, viel gegenwärtige Not zu lindern und kommender Not vorzubeugen. Hat der Kaffeesieder Gäste, so kann er seine Angestellten behalten, andernfalls würden dieselben das Heer der Arbeitslosen und Brotlosen vermehren. Hat der Angestellte Verdienst, so kann er seine Familie nähren, kleiden und erziehen, wodurch abermals tausende voll Existenzen gesichert werden, die sonst ebenfalls der öffentlichen Wohlfahrtspflege anheimfallen müßten. Also auch dieser Konsum, der Kaffee im Kaffeehaufe, ist ein Kampf für die allgemeine Wohlfahrt und ein besserer Kampf als das Kochen und Verteilen von Armensuppen. Denn Verdienst zu schaffen durch Arbeitserteilung ist edler und in seinen Wirkungen segensreicher, als Bettlergesinnung zu züchten durch Verabreichung von Almosen. Die Schriftstellerin Käthe Susmann, gewiß keine mondäne Frau und persönlich von großer Einfachheit, beschwört die Damen, die gewöhnt sind, feine Hüte, kostbare Blusen und teure Kleider zu tragen, doch ja in ihren löblichen Gewohnheiten fortzufahren, keine Einschränkung in ihrem Toilettenbudget vorzunehmen und schön, heiter und luxuriös zu bleiben, da nur in solcher Weise die Arbeit, die viele Hunderttausende ernährt, ans rechterhalten werden kann.

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