Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 38 (18.9.1914)
- Date
- 1914-09-18
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3020846-3022089-3022128--23451-3048651- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Ju 38 Dr. Bloch's Wochenschrift Seitc 64 V Prinzessin Friedrich Karl bei den Verwundeten. Die Prinzessin Friedrich Karl stattete dem israelitischeil Krankerchause in Frankfurt a. M., tu bent zahlreiche Verivundete uittergebracht sind, eilten Besuch ab. Tie Prinzessin begrüßte die verwundeten Krieger auss herzlichste und unterhielt sich mit jedem einzelnen. Zur nllgemeüten Freude spendete sie Blumen und Geschenke in reichem Maße, die die beglückten Soldaten mit strahlendem Gesicht dankbar in Empfang nahmen. David Wolffsotzn gestorben. Ans Homburg vor der Höhe wird berichtet, daß David Wolsfsohn in der Nacht vom 15. auf den 16. d. M. seinem Herzleiden erlegen ist. Der Verstorbene war der intimfte und tatkräftigste Freund Theodor Herzls nnd sein Nachfolger in der Leitung der zionistischen Beluegnng. Bon 1904 bis 1911 war er Präsident des Zionistischen Kongresses, beit er mit dein größten Geschick zu leiten verstand. David Wolsfsohn, der ein Altervoll 58 Jahren erreicht hat, lvar eilte hervorstechende Erscheinung und machte den gelvinnendftelt Eilrdruck. Er lvar klug, gewandt in der Behandlung der Menschen, dabei von selbstloser Hingebung und unerschöpflicher Opferfreudigkeit. An der Schöpfung aller ziolliftischen Institutionen, namentlich alt der Kolonialbank, hat er hervorragenden Anteil genommen. Als Vorsitzender der Kolonialbankdirektion war er fortlvährend auf der Reise zivischeit seinem Wohnorte Kölit und dem Sitze der Bank in London. Alle diese Auslagen bestritt er, obgleich nicht gerade ein reicher Mann, aus eigener Tasche, wie Theodor Herzl vor ihm. Als der d c u t s ch e K a i s e r int Herbst 1898 eine zionistische Abordnung mit Herzl an der Spitze empfing, war Wolsfsohn mit von der Deputation. Mehrmals lvar er iit Gesellschaft Herzls und nach dessen Tod allein in Konstantinopel. Den Kindern Herzls lvar er ein zlveiter Vater. Eilte von Herzls Töchterll drückte ihm die Atlgelt zu. Auch außerhalb der zionistischen Kreise genoß Wolsfsohn wegen seines konzilianten Anftretens vielfache Sympathien. Korrespondenzen. Das Hilsswerk für 6000 jüdische Flüchtlinge aus Galizien in Nikolsburg. Der Vorstand der Israelitischen Allianz versendet folgendes Rundschreiben: Der unsägliche Jammer des Krieges hat die Belvohner Ostgaliziens und darunter insbesondere unsere Glaubensgenossen am härtesten getroffen. Viele Tausende, teils auf Veranlassung der Regierung evakuierter, teils tior_ dem eindringenden Feinde geflüchteter Familien müssen bis zur Beendigung des Krieges in Westösterreich untergebracht und verpflegt werden. Das k. u. k. Kriegsttberwachnngsamt und Te. Exzellenz der Statthalter in Mähreit haben der Israelitischen Allianz vor wenigett Tagen die Mitteilung zukommen lassen, daß zunächst über 6000 jüdische Flüchtlinge in der Jsraelitengemeinde in Nikol sbnrg untergebracht werden müssen, und haben uns um rasche uitd ausgiebige Mithilfe für diese Bedauernswerten ersucht. Nach den uns dabei gemachten Mitteilungen sind noch fernere große Scharen zu erwarten, für welche, wenn die auf Veranlassung der Regierung in Bau begriffenen Baracken bei Nikolsburg nicht ausreichen werden, in ähnlicher Weise Unterkunftsstellen bei PohPlitz uitd eventuell in der Nähe noch anderer jüdischen Geineindeit Mährens geplant sind. Die Staatsregierung hat erklärt, für die Beguartierung und notdürftige Verköstigung sorgen zu wollen, hat aber zugleich an uns den dringenden Appell gerichtet, durch Anrufung der privaten Wohltätigkeit möglichst daztl beizutragen, daß das Dasein dieser vielfach aus ruhigen, bürgerlichen Verhältnissen, zum Teil sogar aus dem Wohlstand plötzlich herausgerissenen uitd in grausame Not versetzten Flüchtlinge ein menschenwürdiges sei. Im Einvernehmen mit dem Kultusvorstande in Brünn und der Jsraelitengemeipde in Nikolsburg haben wir in Aussicht genommen, die von der Regierung erbetene Mitwirkung in der Richtung zu gewähren, daß wir für die Anschaffung der nottvendigell Einrichtungsgegenftäitde (Decken, Strohsäcke, Äüchengeschirrh ferner für Wäsche und Kleider und für die mit Rücksicht aus die besonderen Bedürfnisse der Israeliten notwendige Aufbesserung der Verpflegung — wozu insbesondere die Beistellung der rituellen Kost gehört — nach Kräften Sorge tragen werden. Wir wenden uns daher an unsere Gönner und Wohltäter mit der innigen Bitte, uns durch Ueberweis tl tt g h o ch h e r z i g e r Beit r ä g e i n d e n St a n d z u setze tt, z u r L i u d e r tl ll g der g r o ß e n o t v o n so vielen Tausenden u»serer a m schlve csten h e i m g e s u ch t e n Glauben s g e tt o s s e tt i it a n g e - in e s s e itcr Weis e beizut r a g e n. Es ist nicht abzusehen, welche großen Dimensionen dieses Hilfswerk nnnehmen wird, so daß wir die edlen Wohltäter dringend bitten, dieses in gleicher Weise patriotische, wie im Interesse unserer Religionsgemeinschaft gelegene Hilfswerk mit besonderer Freigebigkeit zu fördern. Der Borstand der „Israelitischen Allianz" zu Wien. Spenden nimmt die „Israelitische Allianz" (Untere Donanstraße 83, Postsparkassa-Konto-Nummer 8152) entgegen. Kriegsaufruf an edle Brockenbesitzer. Der große Erfolg, welchen die vom Ferienheim geleitete Aktion der Ausspeisung, Zuwendung von Freitischen für die Kinder der Reservisten und der durch den Krieg arbeitslos Gewordenen erzielt hat, ermutigt itns, gestützt auf die treue Mitarbeiterschaft aller Menschenfreunde, unsere Hilfstätigkeit zu erweitern und im Aitschluß an unsere Vereine, namentlich die schon länger wirkende „Wiener Brockensammlung" (VII., Lerchenfelderstraße 71), uns Ihre erneute Mithilfe zu erbitten. Die kalte Jahreszeit naht und schwerer denn je leidet die stets wachsende Schar unserer Schützlinge an dem Mangel entsprechender Bekleidung und Beschuhung, namentlich die so beklagenswerten Flüchtlinge aus dein Osten, die all ihr Hab und Gut im Stich lassen mußten. Wir haben daher beschlossen, eine K l e i d e r s a m - melstelle, I., Zelinkagasse 4, zu errichten und die dort eingelangten Spenden an Kleidern, Wüsche, Schuhen, Hüten usw. an würdige, von unseren angeschlossenen Vereinen recherchierte Bedürftige zur Verteilung zu bringen. In diesen Tagen der Herbsträumung werden Sie gewiß manches Entbehrliche finden, das Sie tlns gütig überlassen wollen. Wir bitten auch um Stoffe und andere Materialien, damit wir durch deren Verarbeitung brotlos gewordene A r - beiterinncn unterstützen können. Fördern Sie dieses doppelte Liebeswerk durch persönliche Fürsprache im Kreise Ihrer Bekannten, damit wir unsere Schützlinge während der Kriegszeit nicht nur vor Hunger, sondern auch vor Kälte schützen können. Materialspendeu wollen obgenannter Sammelftelle ll. Bez.. Zelinkagasse 4) übergeben werden. Etwaige Geldspenden für Arbeitslohn und Spedition übernimmt Frau kais. Rat