Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 38 (18.9.1914)
- Date
- 1914-09-18
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 646 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 38 das ehrendste Andenken bewahren werdet!. Die Versicherung innigsten Mitgefühls! Weitere Auskünfte werde ich, lvenn möglich, persönlich geben." Ter Heldentod eines jungen Wieners. Unter dieser Ueberschrjft teilte die .„N. Fr- Presse" vom 13. d. M. das Schicksal eines jungen Wieners mit, der bei Krasnik den Heldentod für sein Vaterland erlitten hat. In dieser großen, ernsten Zeit, wo jeder Krieger, ob er aus der Schule, aus dem Kontor oder vom Pfluge herkommt, das höchste Können aus der Tiefe seiner Seele hervorholt und zum Helden wird, wäre daran nichts Besonderes. Wer aber wie ich das Glück hatte, diesen jungen Menschen, den Liebling seiner Lehrer und den Stolz seiner Eltern von seinem 6. Lebensjahre heranwachsen zu sehen und ihn dann als Jüngling in seiner männlichen Schönheit zu bewundern, kann nicht umhin, diesem tapferen Krieger innige, bescheidene Worte des Nachrufes auf sein Heldengrab als Abschiedsgruß niederzulegen. Fredy Pick, mit dessen Eltern wir schon seit Jahren in freundschaftlichem Verkehr leben, war eine besonders edle Menschenblüte, wie sie jetzt unter der modernen Jugend selten zu finden ist. Nichts war ihm heiliger als die Pfficht in der Schule und zu Hause. Politisch war er weder Assimilant noch Zionist, aber sein Judentum war ihm heilig und er war stolz, Jude zu sein. Mir als seinem Religionslehrer und meinem Hause war er mit ganz besonderer Neigung und Verehrung zugetan und war es uns stets eine freudige Ueberraschung, wenn er uns als Student oder als Soldat besuchte und sich in seiner Bescheidenheit entschuldigte, wenn er uns etwa stören wollte. Durch seinen seltenen Fleiß, seine hohe Begabung, seine Gewissenhaftigkeit, gepaart mit einer wohltuenden Bescheidenheit, erwarb er sich die Gunst aller seiner Lehrer und Vorgesetzten, wie das schon aus der Tatsache hervorgeht, daß er als Jüngster unter seinen Kollegen auf dem Schlachtfelde bei Krasnik Kommandant der Maschinengewehrabteilung wurde und sein Vorgesetzter sich von seinem Eifer und seiner Umsicht noch viel größere Erfolge versprach. Als er von Krakau ins Feindesland gehen sollte, schrieb er seinen Eltern mit jauchzendem Herzen: „Endlich ist der ersehnte Tag gekommen, daß wir ins Feindesland ziehen!" und angesichts der heiligen Augenblickes, in welchem er sein ganzes Sein auf den Altar des Vaterlandes legt, dankt er nochmals den Eltern für alles Gute und Liebe, das sie ihm bis nun erwiesen haben. Bald wurde er wegen seiner ausgezeichneten Dienstleistung zum Fähnrich ernannt und seine Beförderung zum Offizier und eine allerhöchste Auszeichnung stand bevor. Nun hat eine tückische Kugel dieses hoffnungsvolle Leben vernichtet. Das Schwert und die Feder sind seiner Hand entfallen und die letzten Grüße erhielten die Ellern nicht mehr von ihm, sondern von seinem Vorgesetzten, der sie versichert, daß ihrem Liebling ein besonders bezeichnetes Grab bestellt wurde. Eine besondere Pietät, die im Kriege äußerst selten ist und nur Auserlesenen zuteil wird. So schlummere denn sanft, du heldenmütiger, tapferer Makkabäer, der du im Leben und im Tode die Gunst Gottes und der Menschen dir erworben, und dem es beschieden war, beim großen Siege unseres tapferen Heeres bei Krasnik mitzutun und dein junges Leben zu opfern! Und wenn es dem Gotte des Krieges gefallen wird, was wir bestimmt hoffen, unserem alten, gütigen Kaiser den Sieg über die Feinde zu verleihen und die himmlische Frucht der Freiheit aus dem blutgedüngten Boden für alle im Zarenreiche unterdrückten Stämme hervorsprietzen wird, dann soll auch dein Name nicht vergessen werden unter den Helden unseres Vaterlandes! M. S t e n g e l, Religionslehrer. Ein Jude Eroberer der ersten französischen Fahne. Zu unserer treulichen Mitteilung über den jüdischen Infanteristen Fischet, der die erste französische Fahne in diesem Kriege eroberte, wird uns von beteiligter Seite geschrieben, daß er nicht der Sohn armer, sondern wohlhabender Eltern ist. Beerdigung eines jüdischen Turkos. Am 22. August war der aus Oran (Algier) gebürtige, im Gefecht bei Neufchateau durch einen Bauchschuß schwer verwundete spaniolische Jude Abraham Maman zur Pflege in das im Augustahvspital in Köln a. Rh. eingerichtete Garnisonlazarett gebracht worden. Da er der pflegenden Schwester den Wunsch aussprach, er möchte bei seinen Glaubensgenossen beerdigt werden, wurde Rabbiner Dr. Frank in Kenntnis gesetzt, der alsdann die Sterbegebete bei dem sterbenden Sieger verrichtete. Obschon der tote Soldat weder Verwandte noch Bekannte hier hatte, versammelte sich etit ansehnliches Leichengefolge zur Erweisung der letzten Ehre. Bor dem Militürleichenwagen ging eine Jnfanterie-Korporalschaft, dahinter Vorstandsmitglieder beider Synagogengemcinden und jüdischer Wohltätigkeitsvereine. In markigen Worten betonte Rabbiner Dr. Frank, unsere deutschen Kämpfer könnten froh sein, wenn sie im Feindeslande so gute Aufnahme, Pflege und Aufmerksamkeit finden würden, wie sie diesem Verwundeten zuteil wurde. Mit der Bitte um baldigen Frieden schloß, der Geistliche seine Ansprache. Das Eiserne Kreuz. Herr Katz, von der Firma Katz Gebrüder, Berlin, Jerusalemerstraße, der als Vizewachtmeister der Reserve bei den Garde-Kürassieren die Schlacht bei St. Quentiir mitgemacht hat, nahm bei einer Attacke gegen französische Kürassiere einen Rittmeister gefangen und erwarb sich das Eiserne Kreuz. Mit einem Säbelhieb an der rechten Hand kam er am 2. September hier an und wird hoffentlich bald geheilt zur Front zurückkehren. Kriegsfreiwillige Seminaristen. Die vier Abiturienten der ersten Klasse des jüdischen Lehrerseminars in Münster (Westfalen) meldeten sich bei Beginn der Mobilmachung sofort freiwillig -zu .den Fahnen und wurden eingestellt. Sie unterzogen sich an der Anstalt mit Erfolg der Abschlußprüfung, die unter dent Vorsitze des Seminardirektors Dr. Katz stattfand. Einer der Kandidaten erschien in der Uiriform des 8. Paderborner Husarenregiments. An Lassalles Grabstätte. Breslau. Auf Grund einer alten, von Lassalles Mutter errichteten Stiftung ivar Rabbiner Prof. Doktor G u t t m a n n in Breslau am Grabe Lassalles erschienen, der dort am 50. Todestage des Verstorbenen ein kurzes Gebet verrichtete. Reaktivierung Dreyfus'. Major Alfred Dreyfus hat um seine Reaktivierung in der französischen Armee angesucht. Sein Sohn, der als Unteroffizier dient, wurde ivegen besonderen tapferen Verhaltens in einem Gefecht bei Charleroi zutn Offizier befördert. Der Krieg ein Heilmittel gegen Antisemitismus. Der „antisemitische Volkserzieher" von Wilhelm Schwaner bringt, wie Lehrer Rotschild-Achim ntitteilt, unter vielen anderen Briefen seiner ins Feld ziehenden Freunde auch einen solchen von seinem besten Freunde Rektor G. G., Charlottenburg, dem wir folgendes entnehmen: — — — „Hier habe ich wieder meine Erlebnisse in Sachen Judenfrage gehabte Während die Juden Aufrufe erlassen und opferwillig beisteuern, den Krieg und seine Schrecken zu lindern, wagen deutsche (blonde und blauäugige) Kaufleute, 300 bis 400 % auf die Lebensmittel zu schlagen! Deutsche Männer! Wilm! Und da sind nicht die Juden schuld dran.. Es gibt Lumpen überall. Und ich glaube, der Wirt von Cochem war. auch kein Jhraeltt. Ich bin gründlich, aber sehr gründlich vom Antisemitismus geheilt und wenn wir aus dem Kriege siegreich hervorgehen, so weiß ich, daß auch der Jude seinen Teil dazu beigetratzen hat.. Daß er uns nicht über den Kopf wächst, dafür mögen wir selber sorgen, nicht indem wir ihn bekämpfen, sondern indem wir arbeiten und nüchtern sind wie er. Und unverzagt arbeiten, das können wir auch noch vom Juden lernen.. Sei nicht böse, Wilm, es paßt wohl nicht in die Zeit!. Doch, es paßt doch hinein; denn es ist ein Rassenkrieg, den wir führen. Aber einer gegen ein kulturloses indogermanisches Volk. Heil unseren deutschen Waffen! Dein' G. G. (Rektor)."