Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 38 (18.9.1914)
- Date
- 1914-09-18
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 38 Dr. Vloch's Wochenschrift Seite 846 Hauptmann Martin Burger. Hauptmann Martin Burger, über dessen Heldentod in der Schlacht bei Schabatz die Tagesblätter vor kurzem berichteten, war, wie „Egyenlöszeg" meldet, der Sohn des im Szatmarer Komitat seinerzeit bekannten und beliebten Gutspächters der Gras Wesselenyischen Güter. Der alte Burger gehörte zu den in Ungarn so häufigen Kulturorthodoxen. Er gab seinen Söhnen und Töchtern eine moderne Erziehung, ließ sie aber gleichzeitig von einem Melamed unterrichten. Als seine beiden Söhne heranwuchsen, schickte er sie sogar auf die berühmte Hunstofer Jeschibah. Der ältere L>ohn, Major Ludwig Burger, diente beim Militär, als der Vater starb, und er nahm die Sorge um die Familie auf sich. Er erzog seine vier Schwestern und auch seinen jüngeren, den eben auf dem Felde der Ehre gefallenen Bruder Martin. Dieser widmete sich erst der technischen Laufbahn und als er dann zum Militär kam, blieb er auch dabei. Seine seltenen Fähigkeiten, seine Genialität und sein ausgeprägtes Gefühl für die Kriegstvissenschaften wurden bald erkannt und auch gebührend gewürdigt. Er wurde nach kurzer Zeit in das Gemeinsame Kriegsministerium berufen, wo er rasch Karriere machte, so daß er in den letzten 10 Jahren an die Spitze des Preßdepartements gestellt wurde. Nur die Eingeweihten wissen, welche Wichtigkeit dieser diskrete Wirkungskreis besitzt. Als wir den Feldzug gegen Serbien erössneten, hielt es Hauptmann Burger nicht mehr in seinem Amte aus. Er erklärte immerfort, daß er auch als praktischer Soldat seinen Platz ausfüllen werde. Vergebens hielten ihn seine guten Freunde von diesem Vorhaben ab, umsonst bemühte sich auch sein Minister, ihn zurückzuhalten, er klammerte sich an seinen Vorsatz, in den Krieg zu ziehen. Bei Schabatz kämpfte er unter den Ersten in der Front. Er provozierte geradezu den Tod, den ihm dann eine feindliche Kugel brachte. Nun ruht er dort im gemeinsamen Grabe bei Schabatz. Julius Reif, der Held von Snchodal. Zog ein Bursche aus ins Feld — schlicht und unbekannt — Stolz sein Name wird genannt heut’im ganzen Land. »Drauf und dran, Kam’raden! Folgt!« rief er hochgemut. An den Feind in Kampfesmut stürmt das heisse Blut. »Drauf und dran!« Die Feindesschar liegt schon überannt — Nieder sinkt der Kommandant von des Burschen Hand. »Drauf und dian, Kam’raden! Seht hundert Russen! dort In der Lichtung!« Auf sein Wort sprengt das Häuflein fort. Dreissig gegen hundert! »He! Gebt ihr euch? — Noch nicht?? Feuer!? So?« Die Schar ersticht grimmig Wicht um Wicht! Zehn entfliehn. — »Dort auf der Höh’ vier Geschütze noch!! Drauf und dran, Kam’raden! Hoch! Stürmt das Mauseloch!« _ Von den Flanken — in der Front sie den Feind bedroh’n — Keiner ist dem Streich entfloh’n — herrlich war der Lohn! Höchster Preis der Tapferkeit ihm verheissen ist — Und der Held des Tages, wisst! war nur Infantrist! Zog hinaus ins Schlachtgefild, arm und unbekannt — Stolz sein Name wird genannt jetzt im ganzen Land! — T e s c h e n. A. Reichert. Der Heldentod des Leutnants Oskar Singer. Ueber das tapfere Verhalten des Leutnants Oskar Singer vor dem Feinde in der schweren Schlacht, in welcher er den Heldentod fand, berichtet das „Neue Wiener Tagblatt" unter dem 4. d. M.: „Bei diesem Kampfe zeichnete sich Leutnant Singer des 58. Infanterieregiments ganz besonders aus. Er machte sich im heftigsten Artilleriefeuer nahe an den Gegner heran und es gelang ihm, einen feindlichen Zünder unserer nächsten Batterie zu übergeben, die hiedurch die Distanz und die Stellung der feindlichen Artillerie ermitteln konnte. N u r deshalb gelang es uns, nach so kurzem Kampfe die feindliche Artillerie zum Schweigen zu bringen. Leutnant Singer fand aber kurz darauf den Heldentod. Ein Volltreffer drang auf ihn ein und tötete ihn." - Wie eine am 7. d. M. eingelangte Karte seines selbst verwundeten Kompagniekommandanten mitteilte, war der junge Offizier für sein glänzendes Verhalten zur A l l e rhöchsten Auszeichnung vorgeschlagen worden, die mit Hochsinn zu tragen ihm nur der Schlachtentod verwehrt hat. Der so heldenmütig Gefallene ist der Sohn des bekannten Advokaten Dr. Moritz Singer in Neuern. Der Heldentod eines jungen Wieners. Wie in dieser schweren Zeit Freuden und Schmerzen in jäher Aufeinanderfolge abwechseln können, beweisen zwei Briefe, die eine angesehene Wiener Familie vom fernen Schlachtfeld bekommen har. Der erste Brief ist vom Sohn, dem Fähnrich Fredy Pick, geschrieben. Es heißt darin: „Ich schreibe jetzt eine Stelle aus dem heutigen Regimentskommandobefehl ab, die mich betrifft und Euch sicher freuen wird: Der Herr Fähnrich Pick, Kommandant der Maschinengewehrabteilung, zngeteilt . ., hat sich anläßlich der Aufstellung und Beschirmung der Maschinengewehrabteilung durch seine außerordentliche Ambition und unermüdlichen Fleiß große Verdienste er worben. Für diese Bemühungen im Namen des Allerhöchsten Dienstes spreche ich dem Herrn Fähnrich Pick meine auszeichnende Anerkennung wie meinen Dank ans. Seine Arbeit, seinen Eifer, seinen Fleiß werden große Erfolge belohnen. — Das war nach langer Zeit ein sehr schöner Tag für mich. Ich bin aber auch stolz auf meine Abteilung. Ohne die tatkräftige Hilfe und Unterstützung meines Bataillonskommandanten wäre ich natürlich nicht so rasch fertig geworden. Ueberhaupt sind alle Herren sehr lieb. Ich bin der jüngste. Mir gefällt der Krieg ganz gut, man sieh: da erst, was der Mensch leisten kann. Gestern habe ich mir das erstemal nach vielen Jahren die Haare ganz wegschneiden lassen. Es geht mir recht gut,, macht Euch nur keine Sorgen, es wird alles gut enden. Es küßt Euch Fredy." Und wenige Tage nach diesem zuversichtlichen jugendfrohen Brief gelangte ein zweites Schreiben in Wien an, aber nicht mehr vom Sohne, sondern von dessen Major, der in soldatisch schönen, warmen Worten vom Heldentod des Jünglings erzählte. Der Brief lautet: „Euer Hochwohlgeboren! In einer so ernsten Zeit helfen auch noch so gut gemeinte Trostesworte nicht. So will ich denn Euer Hochwohlgeboren lediglich nachstehende Tatsachen mitteilen. Fähnrich Pick ist am 30. August, gegen 6 Uhr nachmittags, als Held gefallen. Er stand an meiner Seite und hat sich in aufopferndster und mustergültiger Weise derart hervorragend ausgezeichnet, daß seine Beförderung zum Offizier und eine a. h. Auszeichnung wohl zu erwarten gewesen wären. Ich habe diesen st lten -.opferen jungen Mann bewundert und das ganze Bataillon war stolz auf ihn, der sich als erster im Regiment innerhalb neun Tagen seiner Wirksamkeit ber.Gs eine Belobung im Regimentskommandobefehl erwor.en hatte. Fähnrich Pick erhielt einen Schuß durchs Herz und hat überdies zwei weitere Verletzungen, anscheinend von Schrapnellstücken herrührend. Wir haben ihn zur letzten Ruhe geführt. Das Heldengrab bleibt dauernd bezeichnet. Wenn etwas Sie trösten kann, so sei es die Versicherung, daß Ihr Sohn einen raschen, vielbeneide.en Soldatentod gefunden hat und daß seine Kameraden, die den bescheidenen jungen Mann herzlichst liebten, ihm zeitlebens