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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-09-13 · 37 (13.9.1914) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
37 (13.9.1914)
Date
1914-09-13
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Sette 634 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 37 Die ungarischen israelitischen Lehrer für das Note Kreuz. Der Verband der jüdischen Lehrer Ungarns besitzt in Keszthelh ein herrliches Rekonvaleszentenheim mit 15 Betten, einem großen Gesellschäftssaale, einem Speisesaale, mitten in einem großen Park, und mit mehreren Dicnerschaftswohnungen. Der ungarisch-israelitische Lehrerverband hat nun die Ungarische Gesellschaft vorn Roten Kreuze von dem Beschlüsse verständigt, diese gesamte Anlage für verwundete, rekonvaleszente und erholungsbedürftige Lehrer, Offiziere und Unteroffiziere zu widmen. Zu den Kosten der Verpflegung hat der ungarisch-israelitische Lehrcrverband überdies noch 500 Kr. votiert. Kalisch. Von den 24 Geiseln, welche der preußische Kommandant infolge der nächtlichen Schießerei hier eingefordert und auf die Festung nach Posen geschickt hat, sind die drei jüdischen Vokabeln bereits entlassen worden. Die strenge Untersuchung, welche das Kommando durchgesührt, hat nichts Belastendes für die Kalischer Juden ergeben. Es hat sich im Gegenteil die völlige Schuldlosigkeit derselben ergeben. Das Ergebnis hat den von ihnen mitgeteilten Sachverhalt bestätigt. Die Juden haben die preußischen Truppen als ihren Retter von dem drohenden Brande und als ihre Befreier begrüßt und gastfreundlich empfangen. Der Bürgermeister hat dafür ein Strafgericht an ihnen vollziehen wollen, hat das Gefängnis öffnen lassen, die herausgelassenen Verbrecher zu der nächtlichen Schießerei gedungen, sie mit Flinten und Munition versehen und den Juden, in deren Häuser er sie legte, redete er ein, daß er sie gegen die Angriffe der preußischen Soldaten schützen wolle. In Wahrheit verfolgte er die Absicht, die Juden büßen zu lassen, wenn die preußischen Soldaten die Häuser stürmen würden. Diesen Zweck hat der Schurke ja leider erreicht, da bei dem Sturm, den die angegriffenen Soldaten mit gefälltem Bajonett aus die Häuser eröffueten, die ahnungsloseil Juden, 400 an der Zahl, iliedergemacht wurden. Die Verbrecher, die noch am Leben blieben, wurden in Eisen über die preußische Grenze gebracht und sollen zu Erd- und Befestigungsarbeiten an verschiedenen Festungen verivendet werden. Der Hauptverbrecher, der russische Bürgermeister, wurde standrechtlich erschossen, er war nicht einmal beit Schuß Pulver wert. — Auf Grund dieser Ergebnisse hat das Militärkommando an den Gouverneur der Festung Posen die Freilassung der drei jüdischen Geiseln verfügt; es waren der Rabbinats-Asscssor Dajan R. Mosche Welwesch, ein hervorragender Talmudist, der Gemeindepräses Bankier Mamroth und ein Zweiter Vorsteher. Lie erhielten nach kurzer Haft die Freiheit wieder und sind bereits bei den Ihren in Kalisch eingetroffen. Juden in Lüttich. Lüttich ist die wichtigste Befeftigungsstadt in Belgien, und schon im Mittelalter pflegten Juden sich mit -Vorliebe in befestigten Städten niederzulassen, weil die Befestigung ihnen mehr 'Sicherheit für ihr Leben bot. In einer befestigten Stadt hatten die Juden mit einem Feinde von außen nichts zu tun und brauchten auch keine Angst vor einen Ueberfall von außen her zu haben. Haben lie sich die Freundschaft der 'Bewohner der Stadt gesichert, so konnten sie auch sicher sein, daß ihnen ein Außenfeind nichts anhaben könne. Die ersten Juden in Lüttich waren spanische Flüchtlinge. Lüttich ist auch dadurch zu trauriger Berühmtheit gelangt, daß dort das erste judenfeindliche Buch crschieu, in welchem alle jene angeblichen Stellen im jüdischen Schrifttum erwähnt sind, aus denen die Christenfeindlichkeit der Juden gefolgert werden könne und die daher aus den Büchern der Juden gestrichen werden sollten. Bis zum Ausbruche des Krieges lebten in Lüttich viele russische Juden, welche bei Lütticher Fabrikanten als Verkäufer uud sonstige Handelsangestellte tätig waren. Wie überall, wohin russische Juden in größerer Anzahl auswandern, haben sie auch in Lüttich sich ein eigenes soziales und geistiges Zentrum geschaffen; erst vor kurzem gab diese Gruppe ein von einem gewissen Raskin geschriebenes Buch in jüdischer Sprache mit jüdischen Lettern heraus. Eine denkwürdige Szene in Lemberg. Der Durchzug unserer Truppen durch Lemberg gestaltete sich zu einer imposanten Kundgebung der Begeisterung der jüdischen Bevölkerung von Lemberg für die österreichisch-ungarische Armee. Den in den Krieg ziehenden Soldaten wurden in den Straßen, die zum größten Teile von Juden bewohnt sind, die herzlichste Aufnahme bereitet. Sowohl die Offiziere als auch die Mannschaft waren von diesen patriotischen Kundgebungen der jüdischen Bevölkerung aufs tiefste gerührt. Aus allen Gangen und Fenstern tonte es ununterbrochen hervor; „Heil der Armee! Hoch Oesterreich!" Jüdische Mädchen reichten 'den durchmarschierendcn Soldaten Zigarren, Zigaretten und Erfrischungen. Arme jüdische Hökerweiber verteilten ihren ganzen Vorrat an Gebäck und Obst unter die Mannschaft, ohne auch uur eineu Heller hiefür aNnchmen zu wollen. Ein Jude, der ein kleines Zuckerlgeschäft betrieb, widmete ein ganzes Kästchen mit, Schokolade. Der Durchmarsch der Soldaten geriet auf einige Minuten ins Stocken, während welcher die patriotischen Kundgebungen ihren Höhepunkt erreichten. Ein Jude, dessen Name nicht vermerkt wird, sprang auf einen Wagen und hielt von dort an die Soldaten eine extemporierte, kürze, aber schwungvolle Ansprache, in welcher er die Soldaten zum Kampfe aufmunterte, ihren Waffen Erfolg wünschte und schließlich ein dreimaliges Hoch auf den Kaiser ausbrachte. Offiziere und Mannschaft salutierten und der Eindruck dieser Szene ivar so mächtig, daß ein Oberst sich gedrängt fühlte, an die versammelte jüdische Bevölkerung folgende Worte zu richten; „Besten Dank für Ihre patriotische Kundgebung für Kaiser und Armee. Der herzliche Empfang, den Sie uns hier bereitet haben, wird mir und unserer Mannschaft ewig in Erinnerung bleiben. Heil der jüdischen Einwohnerschaft von Lemberg!" Interkonfessionelle MUßärpredigt. In der Schloßkaserne richtete Oberrabbiner Doktor Funk vor dem Abmarsch des zweiten Marschbataillons die folgenden erhebenden Worte an die Mannschaft; „Bei dem Äbmarsche der Czernowitzer Truppen segnete der Prälat S ch m i d auch die Kinder Israels; sind wir doch alle Kinder eines Gottes, und auch ich, als unansehnlicher Priester des Judentums, entbiete Euch allen mit den denkbar heiligsten Empfindungen des Herzens, Euch, meinen Brüdern, ohne Unterschied der Konfession, den von Gott mir eingegebenen, an Euch zu erteilenden Segen. So wie jeder Sonnenstrahl von der gleichen Wärme und Leuchtkraft getragen ist, so sind alle Eure Herzen erfüllt von der gleichen unbesiegbaren Wärme und der sittlichen Leuchtkraft der die Herzen und Geister veredelnden Treue für unseren obersten, von 'der Völkerliebe in noch nie dagewesener Glorie umgebenen Kriegsherrn Franz Josef I. (Die Mannschaft bricht in 'stürmische, nicht cndenwollende Eljenrufe aus und lüftet die Mützen.) Für ihn, der wie ein Vater zu feinen Kinder den Weg zu unseren und Eueren Herzen gefunden und der an der Seite des idealtreuen Bundesgenossen Wilhelm II. .(stürmische Eljenrufe) mit landesväterlichem Auge Euch auf Eurem siegreichen Wege begleitet. Möge es auch Euch gegönnt sein, ein Ruhmesblatt in der Geschichte der großartigen, schlag-

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