Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 37 (13.9.1914)
- Date
- 1914-09-13
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 37 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite fi35 fertigen Armee zu bilden, und möge jeder einzelne von Euch, wie jeder einzelne Stern am Himmelsfirmainent leuchtet und glänzt, der ruhmreichen (beschichte des gemeinsamen Vaterlandes glänzen und leuchten zur dauernden Ehre des Baterlandes und zum Ruhme der Herrschertreue. Die Fahne ist eine lebendige Persönlichkeit, sie stellt den Segen des Landesvaters und der Nation dar, dieser Segen sei mit Euch, mit Euren Vätern und Müttern, mit Euren Kindern, mit uns allen, mit Franz Josef I. xutb Wilhelm II., welche ich von diesem weihevollsten Momente meines Lebens angefangen als Franz Josef den Großen und Wilhelnr den Großen benannt haben möchte, und nun entbiete ich Euch im hl. hebräischen Urtexte der Bibel den Priestersegen, „der Herr segne und beivahre Euch auf allen Euren Wegen. Auren!" Hierauf folgte der Abmarsch unter den begeisterten Gesängen der Mannschaft. Auf den Berghöhen von Palästina. Der berühmte jüdische Dichter Schalom Asch schildert im „Haint" den rnüchtigen Eindruck, den die Landschaft von Palästina auf ihn geübt habe rrnd rvie er eine Erklärung dafür fand, daß der Glaube an den einig einzigen Gott gerade auf dem Boden Palästinas ent standen ist. Er schreibt unter anderem: „Seit langem schon war ich vorr Bewunderung erfüllt über die Berge von Palästina und ineine Gedankeit snchteil nach einer Erklärung, weshalb gerade in diesem Lande der Glaube an einen einzigen Gott, der im Himmel über alles herrscht, entstanden sei. Ist mau aber im Heiligen Lande und betrachtet man das-breite, weite Land, das jeden Moment einen unten Ausblick auf viele Meilen gewährt, so hört man auf, sich zu wundern, daß gerade da die Menschen es zuerst begriffen, daß Gott etwas Höheres ist, als das, was wu mit unseren Augen sehen nitd mit unseren Händen fühlen können. Daß die Menschett gerade in diesem Lande es zuerst begriffen, daß Gott über uns allen ist, über unseren Köpfen ruht und nne mit Flügeln eines rtesigen 'Adlers über uns schwebt und uns beschützt. Die Luft ist tu Palästina so klar, daß matt auf jedem kleinen Hügel stehend, eitten tveiten Ausblick auf viele Meilen hinaus genießt. Das ganze Land besteht atls Hügeln, ein Hügel über den anderen, so daß der Mensch in Palästina seinen Blick fast nientals zur Erde senkt, sondern immer gen Himmel erhebt. Die Erde dehnt sich gewissermaßen unter feinen Füßen aus und der Mensch schattt seine Unendlichkeit. Genau so, tvie ihm der Hitnittel den Gedanken an die Unendlichkeit wachrust. Der Gedanke bewegt sich hier freier, wie wenn er eingepfercht ist itt der nebelerfüllten Luft unseres Landes. Er durchdringt und umfaßt die Welt, tvie die Augen des Menschett hier die ganze Landschaft zu durchdringen und zu tuta fassen vermögen, lieber seinem Haupte wölbt sich der ganze Himmel, wie sich uttter seinen Füßen die gattze Erde ausdehnt. Und meint ein Patriarch, ein Erzvater Abraham auf detn Esel ritt oder ein Hirte Jakob über die Berge sprang, da ntußte in ihm der Gedanke reifen, daß Gott tticht das .Kleine und Kleinliche sei, das er vor sich sieht mit seinen Augen, sondern daß Gott vielmehr über all das herrscht, über den großen ganzen Himmel und über die große gattze Erde, daß Gott das Große, das Einzige, das Erhabene ist, das alles itt sich enthält und das gegenwärtig ist in allem. Die Erde ist voll mit seiner Herrlichkeit. Denn im Heiligen Lande fühlt mau die Ehrfurcht vor Gott. Hier empfindet matt, daß es eine Macht gibt, die alles beherrscht. Der Himmel entzündet sich in einem großen Lichte und die Erde erlischt und hüllt sich in Nacht und ein Schreckett erfüllt sie vor dent großett allmächtigen Gott. Sie erschrickt getvissermaßen vor der Größe Gottes, die sich über ihr entfaltet. Und die Menschen, die zwischen Himmel tmd Erde wandeln, fallen aus ihr Angesicht und beugen sich vor der Ehrfurcht vor Gott, tvelche die Erde befällt ttnd alle ihre Bewohner erzittern läßt,. Die jüdische Bevölkerung von Belgien. Die Fahl der Juden in Belgien beläuft sich aus rund 15.000 Seelen. Sie genieren volle Gleichoecech ligung mit den übrigen Bewohnern des Landes. Der größte Teil von ihnett hat bis zu dein .Kriegsausbruch in Antwerpen gelebt, tvo sie sich zumeist mit Diamanten scl'.lciserei beschäftigen. Die wenigsten von ihnen untviX'u in Belgien selbst geboren. Ein großer Teil stammt ans Rußland, und die Judett, die ihren Silz itt Anttoerpert hatten, stammen hauptsächlich aus .Krakau oder ans anderen galizischen Ortschaften. Außer der .Kolonie der Diamantenarbeiter in Antwerpen gibt es eine andere (Kruppe, zumeist russische Juden, welche in der Perlen industrie beschäftigt sind. Die einheimischen Juden sind vornehme Fabrikanten oder betreiben Bankgeschäfte. Spuren jüdischer Ansiedlungen finden sich in den belgischen Archiven bereits im Jahre 1044. Die vor dem Kriege bestandene gesetzliche Organisation der jüdischen Gemeinden itt Belgien, mit einem Fentralkonfistorinm, stamtnt aus dem Jahre 1808. Das Beispiel Belgiens in der jüdischen Geschichte. Die Lage Belgiens als kleiner Staat zwischen ztvei Großmächten, die einander bekriegen, erinnert stark an die Lage, itt welcher Palästina sich befand, als es noch vott Judett beherrscht wurde. Genau tvie in Belgien, so tvar es auch itt Palästina. Bon. der einen Seite das große Königreich Egypten, voit der anderen Seite Ba bylon, tmd so oft diese beiden, damatigett Großmächte mit einander Krieg führten, stand das Judenland vor einem Dilemma uttd wußte tticht, tvie es recht täte, und zu wen es halten soll, aus Furcht, daß der Sieger dann an den Juden Rache ttehmen könnte. Ein großer Streit entbrannte aus einem solchen Anlässe ztvischett dem jüdischett König Eidkijahn und dem Propheten Jeremias tvegett der Haltung der Inden zu Babylon. Jeremias warnte beit König, sich Babylon gegertüber feindlich zu stellen. Der König befolgte jedoch diesen Rat nicht ttnd die Folge davon war der Untergang de" jüdischett Staates. Vermischtes» Wien. Freitag, beit 11. September 1011, 0 Uhr abends, finden für die Einrückenden und deren Auge hörige in den nachbenannten Gemeindelempeln (Kotles dienste statt, und zwar: 1. Bezirk, Seitenstettengasse 2, 2. Bezirk, Tempetgasse 0, 15. Bezirk, Turnergasse 22, 16. Bezirk, Hn berge sie 8. 18. Bezirk, Schopenhauerstraße 00, 21. Bezirk, Schindlergasse 4. Gratulationen anläßlich des JT&7T "'dN- Festes zugunsten der Kriegsfürsorge. Einem seit Jabren eingebürgerten Branche folgend, laden wir unsere p. t. Leser ein, Neujahrsgratulationen durch eine Anzeige in der „Oesterreichischen Wochenschrift" an Stelle der direkten Gratulationen per Post erstatten zu wollen. Aus diese Weise verbindet der Gratulant mit der Erfüllung einer Formalität gleichzeitig die Förderung der jeht so hochwichtigen Kriegsfürsorge.