Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-09-13 · 37 (13.9.1914) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
37 (13.9.1914)
Date
1914-09-13
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3020846-3022089-3022127--23435-3048634
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 632 Dl'. Bloch-s Wochenschrift Nc. 37 Die Judasküsse der „echten Nüssen". Die Angst und die widerwärtige Heuchelei der „echtrussischen Leute" kann kaum besser beleuchtet werden, als durch folgende Borfälle, die „Slowo Polskie" berichtet: Nach Meldungen aus Kiew bemüht sich der Verband echtrussischer Leute, die Juden für Kundgebungeil für bcn Krieg zu gewinnen, indem ihnen volle Gleichberechtigung zugesichert wird. Die russische Regierung hat denn auch die Grenzen der Zwangsansiedlung der Juden aufgehoben und ihnen den Aufenthalt in ganz Rußland gestattet. In Kiew tauschte der berüchtigte Golubiew (einer der Führer der „Schwarzen Sotnien"-Bande > mit den Vertretern des Judentums Küsse aus. Zu diesen Kundgebungen wurden die Juden gezwungen, indem «man Ihnen für den Weigerungsfall mit Pogroms drohte. Folgende Erzählung des „Petersburger Börsenblatt" aus den Kreisen der Reichsduma wird hiehcr übermittelt. Unmittelbar nach der Kriegserklärung schritt der berüchtigte Judenhasser und Pogromhäuptling P u r i s chkewitsch in Odessa, wo er sich damals gerade befand, an der Spitze einer patriotisch demonstrierenden Volksmenge. Vertreter der Repräsentanten der jüdischen Bevölkerung, das Bild des Zaren und eine Thorarolle tragend, kamen ihm entgegen. Purischkewitsch näherte sich chnen, küßte sie und die Thorarolle, stieg auf eine Estrade und hielt eine Ansprache: „Alles, was ich bis jetzt über die Juden gesprochen und gedacht habe, ist Unwahrheit und Irrtum. Ich nehme alle meine Worte zurück. In diesen großen historischen Tagen habe ich mich überzeugt, daß die Jude n ebenso treue r ussi s ch e Untertanen sind w i e wir selbst. Es gibt weder Juden noch Russen mehr, es gibt nur ein großes und unteilbares russisches Volk." Mitteilungen aus dem Militärobcrkommando. Abschrift. K. u. k. Militärkommando in Wien. M.-A.-Nr. 15567. Freiwillige Meldungen zum Militär- Seelsorae-Dienste. An die Israelitische Knltusgemeinde in Wien. Wien, am 29. August 1914. Erlaß des k. u. k. Kriegsniinisteriums vom 24. August 1914, Abt. 9, Nr. 10141. Da der Bedarf an Militär-Geistlichen gedeckt erscheint, konnte aus der großen Zahl der sich zum Kriegsdienste freiwillig meldenden Seelsorger aller R el i g i o n s b e k e n n t n i s s e eine Aufnahme in das k. u. k. Heer für die Armee im Felde nicht mehr erfolgen. Das Kriegsministerium nimmt daher das patriotische Anbot der bezeichneten Seelsorger zur freiwilligen Dienstleistung mit besonderer Befriedigung und mitT an k zur Kenntnis und gibt gleichzeitig seiner Ueberzeugung Ausdruck, daß die Seelsorger, die eine Verwendung bei der Armee im Felde nicht finden konnten, jede Gelegenheit benützen werden, sich auch in ihren Anstellungsorten im Inneren der Monarchie im reinsten patriotischen Sinne zu betätigen. Diese Seelsorger stehen übrigens im Bedarfsfälle auch den Militärbehörden zur Verrichtung der Militärsubsidiarseelsorge zur Verfügung. Diesbezügliche Betrauungen erfolgen wie im Frieden. Die ettva nötigen Verhandlungen mit den Kirchenbehörden (Kultusgemeinden) usw. bemiickeu die Militärlokalbehörden int eigene n Wirkungskreise. Durch die Betrauung eines wehrpflichtigen Seelsorgers mit der Militär-Subsidiarseelsorge erscheint seine spätere etwaige Verwendung nicht ausgeschlossen. Hievon wird die Mitteilung mit dein Ersuchen gemacht, Bewerber, welche sich um die Aufnahme tu das k. u. k. Heer für die Armee int Felde gemeldet haben, in geeigneter Weise verständigen zu wollen. Jüdische Feldgeistliche im deutschen Heere. Das preußische Kriegministcrium hat sich den alsbald nach der Mobilmachung gestellten Anträgen des Verbandes der Deutschen Juden sowie der Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums — die zunächst unabhängig von ersterem vorging, sich aber dann seinen Schritten anschloß — entgegenkommend erwiesen, und man kann auf eine Verfügung rechnen, auf Grund deren Rabbiner aus verschiedenetr dem preußischen Heereskontingent zugehörigen Landesteilelt als Feldgeistliche zu den Truppen gehen werden. Es liegt auch Grund zu der Annahme vor, daß die — in dieser Sache, wie in vielen — selbständige bayerische Militärbehörde in gleicher Weise verfahren wird wie die preußische. Der Gang der Verhandlungen im einzelnen verspricht ein baldiges günstiges Ergebnis. Erwähnenswert ist, daß auf die Umfrage des Verbandes eine den Bedarf weit übersteigende Zahl von Rabbinern aus allen Teilen des Reiches sich zu dem ebenso mühewie ehrenvollen Dienst sofort freiwillig zur Verfügung gestellt hat. An die Rabbiner Bayerns wird in der? bayerischen Zeitungen folgende Aufforderung gerichtet: „Rabbiner, die in einem der drei bayerischen Armeekorps als Feldrabbiner jetzt wirken wollen, sei es, daß sie cingezogett sind, sei es, daß sie freiwillig der Seelsorge im .Kriege sich widmen wollen, mögen sich sofort unter Angabe der Dienstverhältnisse bei dem königlich bayerischen Staatsininisterium des Innern für Kirchenlind Schulangelegenheiten melden. Wie die Angelegenheit au sich entschieden werden wird, ob und wie die hieraus bezüglichen Wünsche erfüllt werden können, darüber konnte an amtlicher Stelle nichts Bestimmtes gesagt werden, da jetzt alles in der deutschen Armee einheitlich angeordnet wird und die weiteren Bestimmungen abgewartet werden müssen. Jedenfalls ist es dringend wünschenswert, daß sobald als möglich die Anmeldungen bei dem königlich bayerischen Kultusmiitisterium erfolgen. Die ^ugerrdlehrer der tatmrrdischerr Zeit. Bon L. Wiesnrr. (1 . Fortsetzung aus Nr. 36.) aase (pw) pnv ') N. Jochanan (Jonathan), Sasra von Gufta, und «"©d xy\zt& * *) Bar Abuna Sasra. Diese zwei Schullehrer waren Zeitgenossen, sie lebten beide tu Palästina in der zweiten Hälfte des viertel! Jahrhunderts und stauden, da sie nicht weit voneinander wohnten, mit einander im Verkehre. R. Jochanan wirkte in deni Städtchen Gufta-') unweit Sepphoris, der Ort der Wirksamkeit Bar Abunas, der nicht angegeben lvird, ivar aller Wahrscheinlichkeit nach die Stadt TiberiasA) Der Sasra von Gusta scheint bei den Ge- ') Wohl identisch mit dem in Svferim XII, 4 genannten R. Jonathan. Siehe Bacher, Agada der pal. Amor.!. 569. *) Identisch mit njisk h in Soferim XI', 4. 3) Klein, Beiträge zur Geographie u. Gesch. Galiläas. S. 28, 5 Schwarz, D. heilige Land, S. 140, Atlas, im?]*DKn 1885, S. 450. 4i Darauf beuten die Worte «nnb nnj in dem Berichte Jer. Megilla III, 7 hin. Es kann damit nicht gemeint sein, daß er nach Babylon hinabzog, da R. Simon, an welchen sie sich in der strittigen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.