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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-09-13 · 37 (13.9.1914) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
37 (13.9.1914)
Date
1914-09-13
Page
– (sequence 5)
Language
German
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t. 37 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 629 Der Sozialistenführer Abgeordneter Ludwig Frank gefallen. Der Führer des revisionistischen Flügels der sozialdemokratischen Partei im deutschen Reichstage Abgeordneter Ludwig F r a u! ist bei L'Hommeville in Frankreich gefallen. Er wurde durch einen Kopfschuß sofort getötet. Die sozialdemokratische Fraktion des deutschen Reichstages hat in deni Abgeordneten Frank einen ihrer besten Männer, ihren hervorragendsten Redner verloren, aber die Partei darf einen Helden betrauern, dessen Andenken den. kommenden Geschlechtern heilig sein wird. Ludwig Frank, der Mannheimer Anwalt, hat sich sofort nach Ausbruch des Krieges als Kriegsfreiwilliger gestellt: er hat seine Vaterlandsliebe durch die schönste Tat belviesen, durch den Tod auf dem Schlachtfeld. Dr. Tobias Aschkenasy, Landtagsabgeordneter und Präsident der Lemberger Advokatenkammer, gefallen. Der Präsident der Lemberger Advokatenkammer. Landtagsabgeordneter Herr Dr. Tobias Aschkenasy, einer der hervorragendsten Männer und führenden Geister des Lemberger Judentums, der, 53 Jahre alt, sich als Kriegsfreiwilliger zum 'Eintritt in das Heer gemeldet hat, ist in einer der letzten Schlachten auf dem ostgalizischen Kriegsschauplätze gefallen. Durch ein Wunder dem Tode auf dem Schlachlfelde entronnen ist der Münchener Historiker Dr. Fritz T a r r a s ch. Er nahm an dem kleinen Gefecht im Paß von Schirmeck, wo eine kleine Abteilung der Unseren gezwungen wurde, vor der Uebermacht zurückznweichen, als Vizefeldwebel der Reserve teil und hatte das merkwürdige Geschick, von einer Granate, einer Schrapnellkngel und zwei Gewehrschüssen getroffen und dabei doch nur leicht verwundet zu werden. Er verließ als letzter Mann der Kompagnie nach elfstnndigem Gefecht das Feld. Ein Granatsplitter hatte ihm Zeige- und Mittelfinger der rechten Hand verletzt, ein Gewehrschuß traf ihn dann im linken Oberarm; eine verirrte Schrapnellkugel brachte ihm dann noch eine Fleifchwunde im Gesäß bei und schließlich bekam er noch einen Herzfchuß, der ihn aber — überhaupt nicht verletzte. Die Kugel durchdrang die Uniform, schlug auch'noch die Brieftasche und die darin befindlichen Briefe durch, zerfetzte das vorhandene Papiergeld und blieb — stecken; Dr. Tarrafch ist nämlich kurzsichtig und trügt stets einen Ersatzzwicker für alle Fälle in der Brieftasche; dieser Ersatzzwicker, der selbstverständlich nun völlig zertrümmert wurde, sollte ihm aber das Leben retten, er hielt die Kugel aus. Da die anderen Wunden nicht gefährlich waren, zog der Gerettete mit einem Oberleutnant und vier Mann aus Schleichpsaden südwärts und es gelang ihnen, in Rothau gerade in dem Augenblick noch die Bahn zu erreichen und abzudampfen, als eine französische Patrouille in den Ort einrückte. Bemerkenswert mag übrigens sein, daß die Franzosen den kleinen Trupp aus dem Rückzuge mit — Granaten verfolgten, eine zwecklöse Munitionsverschwendung, die sicherlich bei den Deutschen im umgekehrten Falle nicht vorgekommen wäre. — Immerhin ist es schon eine Leistung, trotz der empfangenen Wunden noch etwa acht Kilometer zu marschieren oder besser zu „schleichen" und dann do.h noch dem Feind vor der Nase wegzufahren. Wie Tarrasch schreibt, „genießt er jetzt im Feldlazarett zu Straßburg mit gutem Humor das wiedergeschenkte Dasein nach Möglichkeit". Es mag dies eine beredte Illustration zu dem Satze des Generalquartiermeisters sein : Die kleine Abteilung hat zwar ein paar Geschütze, aber nicht den Mut verloren. „Nichts verächtlicher, als ein Jud, der sich nir zu verkennen gibt." Herr Sigi Bergmann publiziert den angeblichen Bericht „eines wegen Krankheit heimgekehrten Offiziers" über ein Erlebnis mit „frommen Inden" in Galizien: war an einem Samstag, als der Offizier einrnckte, um die für das Offizierskorps nötigen Eßwaren aufzutreiben. Also der im tiefen Galtzien heilig gehaltene „Schabbes". Alle Läden waren zu, nirgends zeigte sich ein Einwohner anders, als mit dem Gebetriemen auf dem Kopf und mit dem Betmantel um die Schulter. Auf die Frage des Offtziers nach Eßwaren antwortete ihm nur das Geheul des Ladenbesitzers, er könne nicht verkaufen, heute sei „Schabbes". Bis endlich der Offizier von seinen Leuten den Laden aufbrechen ließ. Dann wieder wollten die Ladenbesitzer kein Geld nehmen, so daß der Offizier einfach gezwungen war, die Waren wegzunehmen und die Inhaber der Läden für den anderen Tag zu bestellen." ..Andern Tages aber holten sich die Leute ihr Geld und sie rechneten auch nicht gerade billig. Eine Flasche Bier muß man in Galizien jetzt mit etwa 70 Heller kaufen. Natürlich ist es das elendste Landbier, das man sich denken kann." Herr Sigi Bergmann tut so, M ob es ihm ganz unbekannt sei, daß cs nirgends Inden gibt, die am „Schabbes" .„mit dem Gebetriemen auf dem Kopf" zu sehen sind. Leider müssen wir 'zu unserer Schande konstatieren, daß Herr Sigi Bergmann noch immer zu den Inden zählt. Wie die Soldaten in Kolomea bewirtet wurden. Das „R. Wiener Journal" publiziert eineu interessanteil Brief, den ein Einjährig-Freiwilliger aus Kolomea an seine in Wien lebenden Eltern gerichtet hat. Das Schreiben liefert einen Beitrag zu dem erhebenden Kapitel über die freudige Opferwilligkeit, durch die sich die jüdische Bevölkerung Galiziens der großer: Zeit würdig erweist. Ter Brief lautet: Kolome a, am 29. August. Teure Eltern! Obwohl ich Euch heute schon einmal geschrieben babe, so tue ich das noch einmal, um Euch interessante, echt jüdische Taten zu erzählen. Heute Samstag habe ich vormittag Urlaub gehabt und war in der Stadt. Schon beim Näherkommen zum Ringplatz fiel mir das trotz der Kriegszeiten ungewöhnliche Treiben aus. Endlich erblickte ich in der Rudolfsstraße, das ist die Straße, in der die Lokalbahn fährt, eine riesige Menschenmenge. Ich erkundigte mich und erfuhr, daß die Nachricht eingelangt war, Militär werde durch Kolomea marschieren. Und zwar werde es seinen Weg durch die Rudolssftraße nehmen. Da hättet Ihr nun sehen sollen, wie die jüdischen Familien, die ja hier das Gros der Bevölkerung bilden, auf langen Tischen alles Eß- und Trinkbare auf die Straße geschafft hatten, um die durchziehenden Soldaten zu beteilen. Ueberall standen Frauen und Kinder in Sonntagskleidern und schnitten Kuchen- und Brotstücke, um sie mit Butter oder Eingesottenem zu bestreichen. Inzwischen schassten die Männer trotz des Sabbats und trotz des Feiertagsgewandes Fässer und Krüge voll Wasser heraus. Es war ein bezeichnender Anblick, vor einem Hause eine Gruppe älterer Juden, ebenfalls im Seidenkastan, mit ausgeschürzten Hemdärmeln um ein Faß stehen zu sehen. Die einen hackten Eis in kleine Stücke und warfen sie ins Faß voll Wasser, die anderen schnitten Zitronen in dünne Scheiben und zerkleinerten einige Hüte Zucker. Ein alter, ehrwürdiger Jude mit weißem Bart rührte inzwischen mit einem langen Löffel die erfrischende Limonade. Man merkte es den Leuten, lauter besseren Geschäftsleuten, an, daß sie am liebsten ihr ganzes Hab und Gut hingegeben hätten, um die zu erwartenden müden Soldaten zu laben. Aus einer Gasse kam eine alte Jüdin mit einer Schüssel voll gebratener Aepsel. Auch sie wollte etwas beitragen. Bei einem Tische ging es besonders hoch zu. Junge jüdische Mädchen standen da in ihrer feinen Promenadentoilette und machten kleine Pakete, in denen je ein Kuchen, zwei Brotschnitten (lauter riesige Kriegsportionen', mit Butter bestrichen, zwei saure Gurken, einige Stück Bäckerei und zehn Zigaretten sich befanden. Ich sah einen Haufen von etwa 500 Paketen, und noch

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