Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 37 (13.9.1914)
- Date
- 1914-09-13
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 628 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 37 Diesen werden wir Freiheit bringen. Diese werden in* folge unseres vergossenen Blutes zu Brot kommen. Kämpfen wir da nicht für eine herrliche Aufgabe? Heftet sich nicht gewissermaßen die Kultur an die Klinge unseres Bajonetts?" Wundervoll klang es, wie er seinen Gedanken freien Lauf gab. Seine Worte glänzten wie der Regenbogen. „Nächste Woche wird meine Wunde geheilt sein, dann gehe ich wieder aufs Schlachtfeld. Dort droben kämpfe ich noch lieber. Denn dort sprießen aus jedem Schritt, den wir vorwärts machen, blühende Freiheitsblumen hervor." Er hatte noch weitergesprochen, aber der Arzt kam dazwischen und hieß den kleinen Korporal den Zug besteigen. „Dieser kleine polnische Jude ist kaum mehr zu halten," meinte der Arzt; „er hat 39 Grad Fieber, eine Komitatschikugel hat seinen Arm gründlich zerschmettert." Die Lokomotive pfiff, der Zug setzte sich in Bewegung, der kleine Korporal sprang noch zur Türe und winkte freudig aus der Türe des Pferdetransportwagen-s einen letzten Abschied. Zu drei Tagen vom Infanteristen zum Feldwebel. Hervorragende Waffenlaten eines österreichischen Soldaten. K r i e g s p r e s s e q u a r t i e r, 8. September. Der Infanterist Julius Reif des 31. Infanterieregiments (ein Handclsgehilfe aus Mährisch-Schönberg) hat fich durch eine Reche von Heldentaten hervorgetan. Am 24. August eilte er im Gefecht bei Suchodol allein der 3. Kompagnie voraus, entfernte die feindlichen Distanzpflöcke und nahm an der Spitze seiner Kameraden im Sturm die feindlichen Stellungen. Er wurde sofort zum Korporal ernannt. Am 27. August hielt Reif allein mit zwölf Mann in: heftigsten Feindesfeuer aus. Am nächsten Tage führte er, mit einem Zugskommando betraut, den Zug taftisch richtig gegen die feindliche Stellung und trug wesentlich zur Zurückdrängung des Feindes bei. Mit siebzig Mann griff er hundert Russen an, stach erst den feindlichen Kommandanten nieder und jagte die Hälfte des Feindes in die Flucht, nachdem er die übrigen getötet hatte. Später ging er auf eine Anhöhe vor, wo vier feindliche Maschinengewehr-Abteilungen aufgestellt waren, nahm deren. Bedeckung gefangen und erbeutete die Maschinengewehre. Reif wurde zum Feldwebel befördert und für die höchste Auszeichnung für Unteroffiziere vorgeschlagen. Christlicher Offizier und „Kastan"juden. In einem Budapester Spital liegt ein verwundeter ungarischer Jägeroffizier. Derselbe erzählt: „22 Stunden lag ich schwer verwundet am Rande eines Waldes in Galizien. Auf das fortwährende gewaltige Wiehern meines treuen Rosses kamen endlich aus weiter Ferne zwei galizische „Kaftan"judcn herbei und 'beugten sich über mich. Nie -noch war mir ein menschliches Antlitz so lieblich wie diese zwei sonderbaren, erbarmungsvollen alten Juden. Sofort liefen sie, Hilfe zu bringen, brachten mehrere Glaubensgenossen, mit welchen zusammen sie mich Nach Lemberg trugen. Nebst der Treue meines Pferdes habe ich mein Leben diesen alten „Kastan"juden zu verdanken." Anerkennung jüdischer Kriegstüchtigkeit. General Brudermann erbat sich vom jüdischen Jungschützenkorps drei Reiter für die schwierige Aufgabe des Erkundungsdienstes. Ein russischer General durch einen Juden gestellt. Ju dem Orte Tomaschow au der galizischen Grenze hat ein verräterischer Bauer einen russischen General bei sich verborgen gehalten. Ein Jude hat der Gendarmerie davon die Anzeige erstattet; diese drang in das betreffende Haus ein und es kam zu einem Handgemenge, wobei der General erschossen wurde. Der österreichisch-ungarische Sieg bei Krasnik und die Juden Russisch-Polens. Der Sieg von Krasnik erregte allgemeine Freude in Russisch-Polen und wurde namentlich von den Juden mit Jubel begrüßt. Die Angst vor den Russen lastet auf den Gemütern wie ein Schreckgespenst, nun wurde die Seele plötzlich von der Furcht befreit. Und der Jubel kannte keine Grenzen. Polnische Juden mit grauem Haar,. Männer mit gebogenem Rücken und zitternder Hand tanzten, einander umarmend, einen wilden Tanz im Straßenstaub. Dann stellten sie sich zusammen und begannen uralte Lieder zu singen. Plötzlich intonierten sie alle das heilige Gebet: Un öane Tokef („Der Tag des Gerichtes ist gekommen"). Ein Telegramm vom galizisch-russischen Kriegsschauplatz lautet: Wählend des Schlachtgetümmels fiitb. die Juden betend in den Synagogen versammelt. Die Budapester „Allgemeine jüdische Zeitung" meldet: Ein aus Galizien verwundet heimgekehrter Hauptmann berichtet: Die jüdischen Soldaten in der russischen Armee schießen nicht auf unsere Truppen. Bei manchen findet man alle 150 Patronen. Sie ergeben sich gefangen, indem sie unsere Truppen hochleben lassen. Sehr geehrte Schriftleitung! Ich erlaube mir, Ihnen ein krasses Beispiel für die desolaten Zustände in der russischen Armee mitzuteilen: > i Nach der für uns siegreichen Schlacht bei Krasnik hatte mein Sohn mit noch 2 Offizieren und 150 Mann Bedeckung 1900 russische Kriegsgefangene nach Gran zu transportieren. Während der Eisenbahnfahrt bestahl ein russischer Soldat seinen Mitgefangenen Feldwebel; er wurde ertappt, sogleich abgesondert und wird in Gran seine wohlverdiente Strafe wegen Kameradschaftsdiebstahls erhalten. Im übrigen konnten sich die Kriegsgefangenen, darunter auch höhere Offiziere, nicht genug verwundern über!die ihnen ganz ungewohnte äußerst humane Behandlung seitens der Oesterreicher. Nebenbei bemerkt, war es mir, der Mutter und den Geschwistern auf diese Weise zur freudigsten Ueberraschung ermöglicht, den Sohn und Bruder, der im Auslande lebte und von dort direkt nach Galizien als Reservekadett einrückte, nach vielen Monaten wiederzusehen, da er, die Offiziere und die Mannschaft, über Wien wieder nach Galizien fuhren. Die mitgebrachten Trophäen, darunter eine russische Offiziersmütze, werden bei mir gut aufbewahrt. Ergebenst Jakob Polifka, Leiter der städtischen Bürgerschule, II., Obere Augartenstraßc 38; wohnhaft II., Fugbachg. 19. Belobte Tapferkeit. Der bekannte Prager Schriftsteller Egon Erwin Kisch, der als Reservekorporal im Infanterieregiment Nr. 11 im Felde steht, hat ein Diplom erhalten, in dem ihm Armeekommandant G. d. I. Liborius F r a n f für „tapferes, mutiges und beispielgebendes Verhalten vor dein Feinde" die belobende Anerkennung ausspriclst-